Archiv der Kategorie: Spender

Reportage im Bayerischen Rundfunk am Sonntag, 31. Januar 2016, 14:35 Uhr und 21.35 Uhr

Unter dem Titel „Umstrittener Eizellentourismus nach Tschechien – Brauchen wir ein neues deutsches Embryonenschutzgesetz?“ sendet der Bayerische Rundfunk am kommenden Sonntag (31. Januar 2015) eine Reportage. Eine schriftliche Version ist bereits online verfügbar.
Darin findet sich auch das Zitat einer Mutter durch Eizellspende, die überlegt, wie sie ihrem Kind helfen könnte, mit seiner Entstehungsweise zurecht zu kommen. Sie möchte dem Kind helfen, indem sie ihm sagt, dass es ohne die Eizellspende gar nicht entstanden wäre. Tatsächlich ist diese – Spenderkindern gut bekannte – Argumentation ein sehr elternzentrierter Rechtfertigungsversuch. Das lässt sich gut mit der Frage überprüfen, wer unter der Nicht-Existenz des Kindes leiden würde – die Frau mit Kinderwunsch oder das nicht-existierende Kind? Es gibt furchtbare Möglichkeiten, Kinder zu zeugen, die die daraus entstehenden Kinder deshalb hoffentlich nicht gutheißen müssen.
Die Eizellspenderin hebt in dem Beitrag, beinahe erleichtert, hervor, dass sie ihre Eizellen nur als Eizellen sehe und sich mit den daraus entstehenden Kindern nicht verbunden fühle. Diese Tatsache mag für die Spenderin und auch für die Wunscheltern erfreulich und entlastend sein. Für den entstehenden Menschen bedeutet es jedoch eine tiefe Kränkung, wenn ein biologischer Elternteil kein Interesse an ihm hat und eine doppelte Kränkung, wenn gezielt ein solch beziehungsloser Elternteil zur Zeugung ausgewählt wurde.

BGH: Wenn ein Mann in die Zeugung eines Kindes mit Samenspende einwilligt, ist er unterhaltsverpflichtet

Ein weiterer Samenspende-Fall hat heute den Bundesgerichtshof (BGH), Deutschland höchstes Gericht in Zivilsachen, beschäftigt. Ein siebenjähriges durch Samenspende gezeugtes Mädchen wurden gegen den ehemaligen Lebensgefährten ihrer Mutter Unterhaltsansprüche zugesprochen, weil er in die Samenspende eingewilligt hat (Pressemitteilung des BGH, Artikel in der FAZ).

Der Fall ist etwas atypisch: die Samenspende erfolge bei einem Hausarzt,  der Wunschvater besorgte die Samenspende selbst und vermerkte nur auf einem seitens des Hausarztes vorgelegten „Notfall-/Vertretungsschein“ handschriftlich: „Hiermit erkläre ich, dass ich für alle Folgen einer eventuell eintretenden Schwangerschaft aufkommen werde und die Verantwortung übernehmen werde!“

Der Fall zeigt eine weitere Rechtslücke bei Samenspenden auf. Sind die Wunscheltern verheiratet, gilt der Ehemann nach § 1592 Nr. 1 als Vater. Die Vaterschaft kann er bei einer Einwilligung in die Samenspende nicht anfechten (§ 1600 Absatz 5 BGB). Sind die Eltern aber nicht verheiratet, muss der Mann die Vaterschaft anerkennen. Das ist vor der Geburt möglich, aber nicht vor der Zeugung des Kindes (§ 1594 Absatz 4 BGB) – und damit auch nicht zeitgleich zur Einwilligung in die Samenspende. Überlegt es sich der Wunschvater also nach Zeugung des Kindes durch Samenspende anders und erkennt die Vaterschaft nicht an, hat das Kind keinen rechtlichen Vater – und damit auch keinen direkt Unterhaltsverpflichteten.

Der BGH hat die Einwilligung in die Samenspende nun gleichzeitig als Vertrag zu Gunsten des Kindes gewertet, aus dem sich für den Mann gegenüber dem Kind die Pflicht ergibt, wie ein rechtlicher Vater für dessen Unterhalt zu sorgen. Für die Einwilligung in die Samenspende bestehe kein Zwang zu einer besonderen Form.

Es ist positiv, dass der Bundesgerichtshof diese Lücke nun halbwegs geschlossen hat. Eine völlige Gleichberechtigung zu in eine Ehe hineingeborene Kinder wird damit aber nicht erreicht, denn das Kind wird nicht erbberechtigt sein. Und leider ist es ein weiterer Beispielsfall dafür, dass manche Menschen zu leichtfertig in eine Samenspende einwilligen, ohne die psychosozialen Herausforderungen zu sehen. Leidtragende ist vor allem das siebenjährige Mädchen das vom Wunschvater doch nicht so gewollt war, vermutlich ohne Vater aufwächst und mehrere Jahre keinen Unterhalt erhielt. Hoffentlich wird es einmal herausfinden können, wer der Samenspender war – Anspruchsgegner wird hier erneut der Wunschvater sein.

Der Gesetzgeber sollte daher endlich Samenspenden umfassend regeln (bis nächstes Jahr tagt noch der Arbeitskreis Abstammung, der hierzu Vorschläge machen soll). Dieser Fall zeigt, dass zu einer solchen Regelung unbedingt die Möglichkeit einer präkonzeptionellen Anerkennung bei Samenspende gehören, eine verpflichtende Beratung der Wunscheltern vor einer Samenspende sowie dass nur speziell für Samenspende zugelassene Ärzte diese durchführen können.

Kevin Staudt bei DRadio Wissen am 22. September 2015

Spenderkinder-Mitglied Kevin Staudt war am 22. September 2015 zu Gast in der Redaktionskonferenz von Deutschlandradio Wissen unter dem Titel „Samenspende – mein Sperma – dein Kind“. Im Interview mit Moderator Thilo Jahn berichtete Kevin von seiner kürzlich gestarteten Suchaktion nach seinem Spender, unter anderem mit Hilfe seines eigens dafür geschriebenen Songs „novum“, der über Youtube und Facebook verbreitet wird.

Gefragt nach seiner Motivation zur Suche, die von außen betrachtet ziemlich viel Aufwand bei sehr geringer Erfolgswahrscheinlichkeit bedeutet, erklärt Kevin: „Ungewissheit“ – „so lange ich lebe, werde ich mich fragen, wo ich herkomme.“ Kevin sagt auch, er wisse, dass er nichts erwarten könne, habe die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben.

Diese Haltung teilt Kevin mit vielen Spenderkindern, die sich trotz minimaler Erfolgschancen auf die Suche begeben. Weil das mit Anstrengungen verbunden ist, kommt von Außenstehenden häufig die Frage nach Kriterien für einen Abschluss der Suche, oder die Idee, sich doch mit der Ungewissheit abzufinden. Nach diesem Interview ist hoffentlich etwas deutlicher geworden, dass all die suchenden Spenderkinder viel Stärke, Kreativität und Hoffnung mitbringen, auch wenn sie ihre Suche ihr Leben lang begleiten wird und dass Resignation keine wünschenswerte Alternative ist. Sicherlich gibt es Zeiten, in denen das Thema mal mehr und mal weniger präsent ist und die Suche mal aktiver und mal passiver verfolgt wird. Aber auch wenn es manchmal den Anschein hat, sind wir nicht auf der Suche nach Phantomen, sondern leibhaftigen Menschen, die irgendwo noch andere Spuren als uns hinterlassen haben.

Song „novum“ – eine Antwort an Samenbanken auf der ganzen Welt, die sich weigern, Spenderkinder über deren Herkunft zu informieren

Spenderkinder-Mitglied Kevin hat vor zwei Tagen seine neue Single ’novum‘ veröffentlicht. In dem Song, der nach der Klinik benannt ist, in der Kevin gezeugt wurde, schildert er seine Gefühle über den unbekannten genetischen Vater und die Ohnmachtsgefühle aufgrund dieses Nichtwissens. Es ist ein wunderschönes Lied, und Kevin hat eine unglaublich tolle Stimme.

Gleichzeitig hat Kevin eine Online-Suchaktion gestartet, um seinen Spender zu finden. Bitte teilt sein Suchvideo auf Youtube, damit er auf diesem Weg vielleicht Informationen über seinen Spender findet. Als kleines Dankeschön bietet Kevin allen, die seinen Appell über facebook oder andere sozialen Netzwerke teilen und ihm davon über facebook einen screenshot schicken, ’novum‘ kostenlos als MP3 or WAV an. Und was sehr berührend ist: unter beiden Videos finden sich sehr viele unterstützende Botschaften für Kevin.

Hier die Lyrics zu ’novum‘:

Verse 1:
Undercover for so long,
what have i become?
Empty, desolate I waste away in the bitterness.
In the broken dreams
in which i always seek my identity
that you stole from me.
What a nice design, Dr. Frankenstein!
Indeterminate, unidentified.

Pre-Chorus 1:
Strangers for so long.
Tell me where I belong.

Chorus 1:
I’m not gonna fall in line! (Who are you to own us all?)
No I’m not gonna waive this right! (Always wondering what if i knew…)
What if I knew…

Verse 2:
I’ve tried to let it go
but it numbs me not to know.
Yeah it numbs me! It haunts me!
In the mirrors! In the diaries!
All the compliments, the accomplishments
never weighed as much as the silence…

Pre-Chorus 2:
…of uncertainty for so long, but i will hold on.

Repeat Chorus 1

Bridge:
Who you really were – so familiar.
To look into the eyes that look just like mine…

Chorus 2:
No I’m… I’m gonna chase this light! (all the way until the end!)
I’m… I’m gonna win this fight! (no more wondering what if I knew)
What if I knew (the truth)

 

Co-Elternschaft statt Samenspende

Auf Zeit Online ist ein interessanter Artikel über Co-Elternschaft erschienen. Der Autor hat eine Tochter aus einer früheren Beziehung, und hat eine zweite Tochter – ohne eine Liebesbeziehung – zusammen mit einem lesbischen Paar bekommen. Das Modell ist natürlich nicht komplett neu, sondern wird vielfach gerade von Lesben und Schwulen in Deutschland bereits gelebt.

Leider hört man gerade von Alleinstehenden und homosexuellen Paaren mit Kinderwunsch teilweise: „Wie sollen wir denn anders als mit einer Samenspende (bzw. Leihmutterschaft) ein Kind bekommen?“ oder „ich will ein Kind aber ganz für mich haben“. Ich finde verwunderlich, wie schnell dieses Konsumdenken (was ich nicht habe, das kaufe ich mir) auch bei dem Wunsch nach Kindern für gerechtfertigt gehalten wird.

Klar ist es schwieriger, sich auf die Suche nach einer Person oder einem anderen Paar zu machen, mit der oder dem man ein Kind bekommen und aufziehen möchte, als sich an eine Samenbank zu wenden (oder an eine Leihmutteragentur). Aber Kinder sind Menschen und keine Objekte, die man besitzen kann.

Ich denke dass gerade Alleinstehende und schwule und lesbische Paare im Interesse des Kindes eher eine Co-Elternschaft als Samenspenden (bzw. andere in Deutschland verbotene Verfahren) in Betracht ziehen sollten. Als betroffenes Kind hätte lieber einen genetischen Vater gehabt, der sich für mich interessiert und nicht nur „Spender“ sein wollte. Besonders wichtig finde ich die Erwägung einer Co-Elternschaft für Alleinstehende, weil ein Kind idealerweise zwei Elternteile haben sollte, die sich um es kümmern – schon allein weil ein Kind wirklich viel Arbeit ist. Aber auch bei Paaren ist es besser, wenn das Kind von Anfang an eine Beziehung zu dem anderen genetischen Elternteil aufbauen kann.

Ich denke das Modell kann funktionieren, wenn alle Beteiligten offen und ehrlich miteinander umgehen und zuerst an das Kind denken. Natürlich macht jede zusätzliche Person, die mitentscheiden kann, die Situation etwas schwieriger, aber ich denke, dass es im Wohl der Kinder liegt. Auch Paarbeziehungen enden wegen unterschiedlicher Vorstellungen ja oft nicht gut. Vielleicht bietet eine Elternschaft ohne Liebesbeziehung sogar den Vorteil, dass auf einer gewissen emotionalen Ebene keine Spannungen auftreten können. Und vermutlich werden wenige Paare so genau vorher besprechen, wie sie sich ihre Elternrollen vorstellen, wie Eltern ohne Liebesbeziehung.

Nur das Recht muss jetzt noch entsprechende Antworten für Mehreltern-Konstellationen finden.

Zeit-Artikel „Bist Du mein Vater?“

Die Zeit-Journalistin Jenny Becker konnte bei einem ganz besonderen Moment dabei sein: dem ersten Treffen von Spenderkinder-Mitglied Christoph mit seinem Samenspender Udo. Gefunden haben sich die beiden über unseren DNA-Test Family Finder. Nachzulesen in dem Artikel mit dem Titel „Bist Du mein Vater?“ im Ressort Wissen.

Aus der Zeit-Ankündigung: „Sagt das Woher auch etwas aus über das Warum und über das Wer-bin-ich? Immer mehr Kinder von Samenspendern wollen ihren biologischen Vater kennenlernen, mit dem sie doch erst mal nichts gemein haben außer den Genen. Erfahren sie etwas über sich, wenn sie ihn sehen? Jenny Becker hatte das große Reporterglück, bei einer ersten Begegnung zwischen einem erwachsen gewordenen Sohn und seinem biologischen Vater dabei zu sein. Und man sieht in ihrem Artikel Bist Du mein Vater?: Die Gene waren der Anlass, der Charakter ist das, worauf es ankommt.“

Vielen Dank n Christoph und Udo, dass sie einer Journalistin erlaubt haben, bei diesem wichtigen Ereignis dabei zu sein. Hoffentlich zeigt er einem breiteren Publikum, weswegen wir unsere Erzeuger treffen möchten, aber auch dass so ein Treffen einfach nur nett sein kann und nicht hochemotional sein muss.

Den Artikel gibt es bislang leider nur in der Printausgabe, wahrscheinlich wird er aber spätestens in einer Woche auch online abrufbar sein.

Keine Spendernot in Großbritannien

Am 27. Juli konnte man auf der Online-Seite der BBC folgende Meldung finden: UK facing ‚major‘ sperm shortage – in etwa: Großbritannien wird der Spendersamen knapp. Hintergrund für diese Befürchtung sind Äußerungen der British Fertility Association, weil nach Zahlen der Regulierungsbehörde HFEA eine von vier Samenspenden jetzt schon aus dem Ausland kommt (auch dann sind übrigens nur nicht-anonyme Spenden erlaubt).

Der Artikel führt dann aus, dass man vermutet, dass es weniger Samenspender gibt, seitdem 2005 anonyme Samenspenden verboten wurden. Es gäbe nun zu wenige Spender, obwohl die Nachfrage nach Samenspendern  dank Fortschritten in der Reproduktionsmedizin, die mehr Männern genetisch eigene Kinder ermöglichen, gesunken sei.

Beides ist aber falsch. Die Anzahl der Samenspender ist seit 2005 nach den Zahlen der Regulierungsbehörde HFEA sogar gestiegen. Auf der anderen Seite ist aber auch die Nachfrage gestiegen, weil – anders als in den Anfangszeiten der Samenspende – auch lesbische Paare und alleinstehende Frauen Samenspenden in Anspruch nehmen können. Zu wenige Spender sollte es in Großbritannien aber trotzdem nicht geben: die Zahlen der HFEA zeigen außerdem, dass die bestehenden Spenden nicht ausreichend verwendet werden. Obwohl ein Spender Kinder für bis zu 10 Familien zeugen darf,  werden sie durchschnittlich nur für 1,5 Familien verwendet. Anscheinend haben manche Kliniken Probleme nachzuvollziehen, für wie viele Familien ihre Spender verwendet wurden.

Ein weiterer Grund für den Import von ausländischem Sperma mag finanzieller Natur sein. Zumindest bei Eizellspenden haben viele Reproduktionskliniken wohl lukrative Absprachen mit Zentren in Spanien und Tschechien, wo es nur anonyme Spenden gibt. Den Eltern wird dann mitgeteilt, dass die Warteliste in Großbritannien unglaublich lang sei (tatsächlich beträgt die Wartezeit wohl weniger als ein Jahr) und empfehlen dann eine Partnerklinik, von deren Behandlungshonoraren sie dann einen Anteil für die Empfehlung erhalten.

Leider zeigt dieser Artikel wieder einmal, wie unkritisch viele Medien die Äußerungen von Reproduktionsmedizinern übernehmen – vielleicht auch weil es einfach viel zu gut in die vorgefertigte Meinung passt, dass Samenspender anonym bleiben wollen.

Film Vaterfreuden seit gestern im Kino

Samenspenden und die Verbindungen, die dadurch zwischen eigentlich fremden Menschen geschaffen werden, sind in den letzten Jahren zunehmend zur Inspiration von Filmen geworden (zuletzt: Starbuck bzw. dessen amerikanisches Remake Delivery Man, The Kids are alright, Umständlich verliebt, The Backup Plan). Seit gestern gibt es auch einen deutschen Film zu dem Thema: Vaterfreuden (Trailer) von und mit Matthias Schweighöfer, den wir uns im Rahmen eines Mini-Spenderkinder-Kinoabends angesehen haben.

Die Story: Felix (Schweighöfer) wird von seinem Bruder auf die Idee gebracht, Samen zu spenden. Kurz darauf wird er von einem Frettchen sterilisiert. Er merkt, dass er doch gerne Vater sein möchte und versucht herauszufinden, wer die Empfängerin seiner Samenspende ist. Durch illegale Mithilfe seines Bruders erfährt er, dass die Fernsehmoderatorin Maren die Mutter seines Kindes wird. Er versucht, ihr näher zu kommen – leider ist sie jedoch kurz davor, ihren Freund Ralph zu heiraten.

Auch wenn die Geschichte sich etwas klamaukartig und erwachsenenzentriert anhört, waren wir doch positiv überrascht. Zwar kommt die Perspektive der Spenderkinder – wie fühlt man sich, wenn der genetische Vater sich hauptsächlich etwas dazuverdienen möchte und man erst ab 18 (oder 16) erfahren kann, wer er ist – nicht vor. Keiner der Beteiligten macht sich irgendwelche Gedanken darüber, wie sich das Kind fühlen wird oder wie man nach der Geburt damit umgehen wird. Nur der Arzt erwähnt in einem Nebensatz, dass das Kind mit 18 herausfinden kann, wer der genetische Vater ist.

Ein paar andere Aspekte werden aber trotzdem gut dargestellt: Felix steht zu Beginn für einen Samenspender, wie ihn die Vorurteile konstruieren. Aber er entwickelt sich im Laufe des Films stets weiter. Zunächst nur das schnelle Geld, dann die Einsicht, dass wirklich Leben entstehen wird. Nach der Diagnose, dass er selbst unfruchtbar geworden ist, sind die durch seine Samenspende gezeugten Kinder die einzige Möglichkeit für ihn, noch Nachwuchs zu haben. Einige ehemalige Spender haben vermutlich ebenso keine Kinder bekommen und sie interessieren sich  (aus diesem oder auch einen anderem Grund) auch für die Spenderkinder. Als Felix feststellt, dass gar nicht sein Sperma bei Maren genutzt wurde, fällt er ein weiteres Mal in eine Krise. Nach einem Gespräch mit seinem Vater wird ihm jedoch klar, dass „eine Familie durch Liebe entsteht“ und entscheidet sich für Maren und das Kind eines anderen Samenspenders. Hier nimmt er die Rolle eines unfruchtbaren Mannes ein, der durch eine Samenspende mit seinen Frau ein Kind bekommen kann. Damit wird deutlich aufgezeigt, dass eine Familie die so entsteht, genauso glücklich werden kann, wie eine „normale“, wenn man richtig damit umgeht und sich damit auseinandersetzt.

Marens Freund Ralph steht nicht wirklich hinter der Samenspende und dem Konzept, ein genetisch nicht eigenes Kind aufzuziehen, sondern macht es eher aus Schuldgefühlen. Das sagt er seiner Freundin Maren aber erst im Streit, als sie schon durch die Samenspende schwanger ist. Das entspricht unseren Erfahrungen, dass sich die Beteiligten nicht selten unüberlegt zu einer Samenspende entscheiden, um lösungsorientiert mit ihrem Verlust umzugehen, kein eigenes Kind zu bekommen. Ebenfalls spiegelt es die oft schlechte Beziehung zwischen sozialem Vater und Spenderkind wider, weil sich der Vater nicht richtig auf das „fremde“ Kind einlassen kann. Oft zerstört gerade der Druck die Beziehung und der Mann kommt mit seiner Unfruchtbarkeit nur schlecht klar. Ralph flüchtet sich in eine andere Welt, in dem er eine Affäre beginnt und sich betrinkt.

Und zuletzt: in einer Vorschau sieht man, wie das Spenderkind im Alter von ca. 4 Jahren darüber aufgeklärt wird, was eine Samenbank ist und was das mit ihr zu tun hat – von beiden Eltern und ohne große Bedenken. Besonders der letzte Aspekt war sehr schön, und deswegen finden wir den Film auch aus unserer Perspektive ganz gelungen.

Allerdings ist nicht ganz auszuschließen, dass manche Eltern aufgrund solcher Geschichten tatsächlich denken, dass sich der Spender in ihr Leben einmischen und ein „echter“ Vater sein möchte. Ähnliche Gedanken haben wir schon aufgrund von „The Kids are alright gehört“, in dem der Spender auf einmal eine Beziehung mit der Mutter anfängt. Das könnte manche Eltern vielleicht davon abhalten, offen mit der Samenspende umzugehen und dem Kind vielleicht auch schon vor dem Alter von 16 oder 18 Jahren eine Kontaktaufnahme zu dem Spender zu ermöglichen. Alle Spender von denen ich bisher gehört habe, sehen dies aber gerade nicht so – und hoffentlich sehen auch die meisten Eltern, dass es sich hierbei um ein nettes Thema für eine romantische Komödie handelt, aber eher nicht um die Realität. Die Liebesgeschichte dient dem Film als eine Verbindung zwischen allen Beteiligten.

Alles in allem schafft der Film aber den Drahtseilakt, im Rahmen einer Komödie einen Zugang zu diesem Thema zu schaffen und regt hoffentlich einige Menschen zu Gedanken hierüber an.

Eindrücke von Eva, Sarah und Stina

Zwei interessante Beiträge im britischen Guardian

Im britischen Guardian sind zwei interessante Artikel über Samenspenden erschienen.

Who is my sperm donor father“ über das 21jährige Spenderkind Natasha Fox ist schon fast ein Jahr alt. Natasha ist das Kind einer alleinstehenden Mutter, die sich für eine Samenspende entschieden hat, weil sie nicht den passenden Mann gefunden hat. Wie fast alle Spenderkinder von diesen solo mums und lesbischen Paaren weiß sie seit dem Kleinkindalter von ihrer Entstehungsweise. Es ist spannend zu lesen, wie sie von Anfang an sehr unbefangen damit umgeht, sie sich aber ab dem Alter von 12 Jahren eine Vater-Tochter Beziehung wünscht und sie die Anonymität des Spenders schmerzt. Inzwischen sucht sie nicht mehr nach einem Vater, sondern möchte nur mehr über den Spender erfahren und ihre Halbgeschwister kennenlernen. Der Artikel zeigt, dass die von manchen Eltern geäußerte Erwartung (oder Hoffnung), ihre Spenderkinder würden sich bei früher Aufklärung nicht für den Spender interessieren, keine Grundlage hat.

In dem Artikel „I fathered 34 children through sperm donation“ vom 31. Januar 2014 erzählt ein ehemaliger britischer Samenspender, dass er sich mit eher wenigen Gedanken in den 90ern dazu entschloss. Interessanterweise änderte sich seine Perspektive dann, als er selbst Vater wurde: „Looking back I can see that becoming a father made me more conscious of the consequences of my earlier actions.“ Leider führte erst das Ende seiner Ehe dazu, dass er sich entschloss, bei der britischen Regulierungsbehörde HFEA nachzufragen, was aus seinen Spenden geworden ist. Dass er 34 Kinder gezeugt hat, kam dann doch sehr überraschend für ihn. Als er den zuerst erwähnten Artikel letztes Jahr las, entschloss er sich, gegenüber der HFEA auf seine Anonymität (die für Spender zwischen 1991 und 2004 in Großbritannien besteht) zu verzichten. „I came to feel that to deny someone the opportunity to try to find what he or she is seeking would be an act of selfishness on my part.“ Vor kurze hat das erste seiner Kinder bei der HFEA Informationen über ihn angefordert. Bleibt zu hoffen, dass es mehr ehemalige Spender wie ihn gibt.

Interview mit Sarahs Spender Hubertus

Als unsere Vorständin Sarah im Februar letzten Jahres den Prozess vor dem OLG Hamm gegen den Arzt ihrer Eltern gewann und dieser dazu verurteilt wurde, Sarah Auskunft über ihren genetischen Vater, den damaligen Spender, zu erteilen, war die Aufregung groß. Insbesondere in Kommentaren konnte man oft lesen, der Spender wolle doch gar nichts von den durch ihn gezeugten Kindern wissen, weswegen sie in sein Leben eindringen wolle.

Da hatten viele allerdings zu viel Schlechtes erwartet: Hubertus, Sarahs Spender, las einen Artikel über den Prozess und meldete sich von selbst bei Sarah. Das Urteil gegen den Arzt musste daher nicht vollstreckt werden. Inzwischen haben sich beide mehrmals getroffen und die Verwandtschaft auch über den Family Finder Test bestätigen lassen.

Wir freuen uns alle sehr, dass es für Sarah einen so guten Ausgang genommen hat und hoffen natürlich, dass es mehr Spender wie Hubertus gibt. Hubertus war so freundlich, uns für unsere Internetseite seine Perspektive als Spender darzustellen:

Aus welchen Gründen hast Du Dich damals entschieden, Samenspender zu werden?
Ich fand die Idee sehr gut einem kinderlosen Paar zu einem Wunschkind zu verhelfen und die Einnahmen waren mir als Student willkommen.

Was hat man Dir damals zu der Samenspende gesagt?
Von ärztlicher Seite: wenig. Es ging eher um die Organisation. Ich wurde darüber informiert, dass ich anonym bleibe und auch selbst nichts über die Kinder oder Eltern erfahren werde. Aber ich wurde einmal informiert, dass die Insemination erfolgreich verlaufen sei.

War es Dir damals wichtig, dass Du gegenüber den Empfängern und dem Kind anonym bleibst?
Eigentlich nicht. Andererseits war ja klar, dass die Spenden anonym verlaufen. Damals – mit Anfang 20 – war ich auch der Überzeugung, dass die genetische Abstammung keine große Rolle spielt und nur die Erziehung und das soziale Umfeld (bzw. die Prägung durch Mutter und Vater) zählt. Wissenschaft und Gesellschaft sehen das heute auch differenzierter.

Hast Du Deiner Familie und/oder Freunden erzählt, dass Du Samenspender warst?
Nein. Die Ärzte haben mir das damals ausdrücklich empfohlen. Aber seit ich Sarah kennengelernt habe, erzähle ich davon den Menschen, die mir wichtig sind.

Hast Du in den darauf folgenden Jahren manchmal an die Kinder gedacht, die durch Dich gezeugt wurden?
Ich habe mir schon manchmal Gedanken gemacht. Mich interessierte, ob es vielleicht Ähnlichkeiten gibt, es ihnen gut geht und sie in einer glücklichen Familie aufwachsen. Meine Spendernummer habe ich daher nie vergessen.

Wie hast Du davon erfahren, dass Sarah über die Klage gegen den Arzt ihrer Eltern nach Dir sucht?
Ich las zufällig einen Artikel über Sarah, in der ich meine Spendernummer las. Das war natürlich der Hammer! Und ich war mir gleich sicher, Sarahs Spendervater zu sein. Über Sarahs Suche und die Klage hatte ich vorher nichts mitbekommen.

Hat Dir das irgendwie Angst gemacht oder wusstest Du gleich, dass Du Dich bei ihr melden möchtest?
Ich wusste sofort, dass ich mich bei Sarah melden möchte und habe direkt die Redakteure des Artikels angeschrieben, um Kontakt zu Sarah aufnehmen zu können.

Warst Du aufgeregt, bevor Du Sarah das erste Mal getroffen hast?
Ja sehr, obwohl wir uns vorher geschrieben hatten und wir schon etwas voneinander wussten. Ich hatte zudem die Sorge, dass Sarah jemand ganz anderes erwartet und ich ihren Vorstellungen von ihrem Spendervater enttäuschen würde.

Habt ihr Ähnlichkeiten entdeckt?
Sarah hat direkt Ähnlichkeiten entdeckt.

Denkst Du dass ihr eine besondere Beziehung dadurch habt, dass ihr genetisch verwandt seid?
Ich denke schon. Aber wir haben uns schon gut verstanden, bevor wie genau wussten, dass wir genetisch verwandt sind.

Bist Du dazu bereit, weitere Spenderkinder von Dir kennenzulernen?
Natürlich bin ich dazu bereit. Über „Family Tree DNA“ sind meine Daten registriert.

Wie nennst Du Dich im Verhältnis zu Sarah: Samenspender, Spender, genetischer Vater oder Vater?
Ich finde, dass der Begriff “Vater” nur Sarahs Papa, dem sozialen Vater, zusteht.

Denkst du dass Samenspenden in Deutschland anders geregelt werden sollten?
Auf jeden Fall. Die rechtliche Situation von Kindern, Eltern und Spendern sollte klar geregelt werden. Spenderkindern und Spendern sollte die uneingeschränkte Möglichkeit gegeben werden, voneinander zu erfahren. Das setzt natürlich voraus, dass die Eltern ihre Kinder informieren. Die Beratung und Betreuung der Eltern sollte fester Bestandteil der Behandlung sein. Die Reproduktionspraxen sollten einer starken staatlichen Kontrolle unterliegen.