Verwandtensuche mit Hilfe von DNA-Datenbanken

Wer alle Möglichkeiten zur Suche nach Verwandten ausschöpfen möchte, kann über mehrere DNA-Datenbanken gleichzeitig suchen. Unsere Mitglieder haben auch über die Datenbanken Ancestry, 23andme und MyHeritageDNA Verwandte finden können, die zum Teil nicht wussten, dass sie durch eine Samenspende gezeugt wurden. Allerdings entstehen über die Registrierung bei mehreren Datenbanken zusätzliche Kosten, da für den Zugang zu den Datenbanken meistens ein weiterer Test erworben werden muss. Für eine Registrierung bei allen Tests können zwischen 270 und 350 Euro anfallen, allerdings gibt es auch oft Rabattaktionen.

Zwar sind bei allen DNA-Datenbanken die meisten Teilnehmer US-Amerikaner, aber es gibt immer mehr Teilnehmer auch aus anderen Ländern und nicht wenige US-Amerikaner haben einen deutschen Hintergrund. Mit einem „3rd cousin“, beispielsweise, teilt man die Ur-Urgroßeltern, sodass man unter Umständen mit einigen guten Treffern und ein bisschen Analysearbeit die väterliche Herkunft lokalisieren kann. Einige unserer Mitglieder hatten jedoch auch das Glück, direkt eine Tante oder einen Cousin zu finden, über die oder den mit Hilfe von Google und Facebook der genetische Vater identifiziert werden konnte. Letztendlich ist es eine Glückssache, bei welcher Datenbank man Treffer finden kann, und die Registrierung bei mehreren Datenbanken erhöht die Wahrscheinlichkeit, jemanden zu finden.

Für aussagekräftigere Suchergebnisse empfiehlt es sich die Mutter mittesten zu lassen, um die Verwandten mütterlicherseits auszufiltern. So kann man besser sehen, welche Verwandten von der väterlichen Seite kommen.

Die Datenbanken erlauben teilweise einen Transfer der Rohdaten anderer Tests. Wer von Anfang an weiß, dass er oder sie mit mehreren DNA-Tests nach Verwandten suchen möchte, sollte aus Kostengründen am besten zuerst den Test von 23andme oder Ancestry machen, da man deren Rohdaten bei FTDNA hochladen und sich für einen Aufpreis von 19 USD auch die Treffer bei FTDNA anzeigen lassen kann. Umgekehrt ist dies nicht möglich, da 23andme und Ancestry nicht den Import der Daten anderer Tests erlauben.

Welche Datenbanken gibt es?

Family Tree DNA (FTDNA)

FTDNA ist die DNA-Datenbank, die der Verein Spenderkinder deutschen Spenderkindern primär empfiehlt, da die meisten unserer Mitglieder dort registriert sind, der Test relativ günstig ist und unproblematisch nach Deutschland geschickt wird. Der für Spenderkinder relevante DNA-Test bei dieser Datenbank heißt FamilyFinder. Dabei ist er mit einem regulären Preis von 79 USD relativ günstig, oft gibt es auch Sonderangebote. Die eingeschickte Probe wird bei FTDNA im Vergleich zu den anderen Datenbanken am längsten aufbewahrt (20 Jahre) und kann bei Bedarf für weitere Tests (z.B. Haplogruppen-Tests) verwendet werden. Die DNA-Daten von Ancestry, 23andme und MyHeritageDNA können kostenlos zu Family Finder importiert werden. Allerdings werden ohne eine Gebühr von 19 USD nur 10 Prozent der Matches angezeigt und die Treffer können nicht kontaktiert werden.

Ancestry DNA

Ancestry ist mit etwa 10 Millionen Teilnehmern (Stand Mitte 2018) die größte Datenbank. Sie bietet zudem den Vorteil, dass nicht nur die DNA, sondern auch die Stammbäume auf Übereinstimmungen überprüft werden. Bislang werden die DNA-Tests nicht direkt in Deutschland angeboten, aber man kann die Tests über amazon.uk bestellen. Bei Ancestry sind bislang keine Probleme aufgetreten, wenn man den Test direkt aus Deutschland zurück schickt. Der reguläre Preis beträgt 99 USD. Die Ancestry-Daten können exportiert und bei FTDNA und MyHeritageDNA hochgeladen werden. Bei Ancestry können derzeit keine Daten anderer DNA-Tests importiert werden.

23andme

23andme umfasst eine Datenbank von mehr als 3 Millionen DNA-Profilen (Stand Februar 2018). Bei der Herkunftsanalyse gilt er als der präziseste Test; bei der Verwandtensuche muss man jedoch mit Einschränkungen rechnen, da einige Matches eine Kontaktaufnahme bewusst unterbinden, weil sie vor allem wegen der Gesundheitsanalysen von 23andme registriert sind. Der Ancestry-Test von 23andme kostet regulär 99 USD (plus Versandkosten) und wird auch nach Deutschland geliefert. Für US-amerikanische Kunden wird der Test oft günstiger angeboten. Wenn man ein solches Angebot in Anspruch nehmen möchte, sollte man darauf achten, sich den Test über eine Kontaktperson in den USA schicken zu lassen und den Test auch nur über diese Person zurück zu schicken. Bei Tests, die als US-Angebot gekauft wurden, aber direkt aus Deutschland zurück geschickt werden, besteht das Risiko dass 23andme die Tests nicht annimmt und auf eine Rückabwicklung des Vertrags besteht. Die 23andme Daten können exportiert und bei FTDNA und MyHeritageDNA hochgeladen werden. Bei 23andme können derzeit keine Daten anderer DNA-Tests importiert werden.

MyHeritageDNA

MyHeritageDNA ist eine israelische Datenbank, die seit Kurzem auch in Deutschland für den DNA-Test wirbt. Die Datenbank hat eine deutsche Fassung. Der Test kostet regulär 89 Euro. Auch für diesen Test gibt es öfter Rabattaktionen. Wenn man einen Test von Family Finder, Ancestry oder 23andme gemacht hat, kann man die  Daten kostenlos importieren. Umgekehrt kann man die Daten von einem MyHeritage-Test auch bei Family Finder kostenlos hochladen.

Gedmatch

Gedmatch ist eine kostenlose Analyseplattform für DNA-Daten, auf der die Daten diverser Tests (Ancestry, Family Finder, 23andme, Myheritage) hochgeladen und verglichen werden können. GEDmatch liefert die genaueste Beschreibung des Verwandtschaftsgrades. Wurde die Mutter mitgetestet, sollten auch ihre Daten hochgeladen werden. Hilfreich ist hierbei das Werkzeug namens ‚Phasing‘: hier wird aus dem Vergleich der eigenen DNA mit der des biologischen Elternteils die DNA separiert, die vom anderen Elternteil (hier: dem genetischen Vater) geerbt wurde. Diese kann man dann bei der Suche auf GEDmatch nutzen und genauere Ergebnisse erhalten. Wer sich die Tier-Funktion bei Gedmatch leistet (10 USD pro Monat) kann weitere Funktionen nutzen, u.a. die Triangulation, die einem zeigt, welche Matches überlappende DNA-Segmente aufweisen (d.h. mit dieser Gruppe teilt man vermutlich einen oder mehrere gemeinsame Vorfahren). Es lohnt sich, zuerst in den Stammbäumen dieser Gruppen nach ähnlichen Nachnamen und Orten zu suchen. Tipps für die Nutzung von GEDmatch gibt es auch in verschiedenen Blogs und Online-Leitfäden.

DNA Land

  • dna.land ist eine weitere kostenlose Datenbank mit eher wissenschaftlichem Hintergrund, auf die man die Daten aus anderen DNA-Tests hochladen kann.

DNA Painter

  • DNA Painter ist ein kostenloses Tool, das detailliertere Beziehungsmöglichkeiten ausweist, als die Verwandtschaftsschätzungen (z.B. 3rd-5th Cousin) bei FTDNA oder 23andme. Hierfür müssen einfach die Anzahl der „shared centiMorgans“ des Matches eingegeben werden. Eine sehr hilfreiche Funktion des DNAPainters ist es, dass man sich vergleichend anzeigen lassen und speichern kann, welche Segmente der einzelnen Chromosomen man mit welchen Matches teilt. Auf diese Weise kann man auch die DNA von Personen verschiedener Datenbanken miteinander vergleichen. Wenn sich die geteilten Segmente überschneiden, kann man davon ausgehen, dass auch die Matches gemeinsame Vorfahren haben und in dieser Richtung weitersuchen. Beim Abgleich der DNA-Segmente sollte jedoch die voreingestellte Schwelle von 7cM nicht unterschritten werden, da eigentlich bereits DNA-Segmente kleiner als 10cM mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zufällige Überschneidungen sind, die keine weiterführenden Informationen liefern.

Interpretation der Ergebnisse

Es gibt mehrere englische Blogs und Facebook-Gruppen, die bei der Recherche und Interpretation der Ergebnisse helfen können:

Wer nicht auf Anhieb seinen Spender gefunden hat, sondern „nur“ entferntere Matches hat, kann mit etwas Aufwand trotzdem Erfolg haben oder sich zumindest seinen Vorfahren, wie Großeltern und Urgroßeltern annähern. Das funktioniert am besten, indem man Überschneidungen in den Stammbäumen der Matches sucht und diese in sogenannten „mirror trees“ dokumentiert. Ist ein gemeinsamer Vorfahre gefunden (z.B. die Ur-Urgroßeltern) werden die Nachfahren recherchiert und wiederum auf Gemeinsamkeiten mit den Matches abgeglichen. Für weiterführende Recherchen sind MyHeritage oder Ancestry zu empfehlen. Allerdings setzt dies eine kostenpflichtige Mitgliedschaft voraus. Idealerweise überprüft man zunächst die Stammbäume der Matches, die sich „in common“ haben, also vermutlich einen gemeinsamen Vorfahren teilen. Dieser ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein eigener Vorfahre. Mit etwas Glück erkennt man dieselben Nachnamen oder Orte.