Verwandtensuche mit Hilfe von DNA-Datenbanken

Wer bereit ist, in die Suche nach Verwandten etwas mehr Detektivarbeit zu investieren, kann zusätzlich zu Family Finder über mehrere andere genealogische DNA-Datenbanken suchen. Für diese Art zu suchen sollte man allerdings einigermaßen gut Englisch lesen können, da die meisten Datenbanken und Blogs, die bei der Ergebnisauswertung helfen, auf Englisch sind.

Zwar sind bei allen DNA-Datenbanken die meisten Teilnehmer US-Amerikaner, aber nicht wenige US-Amerikaner haben einen deutschen Hintergrund. Mit einem „3rd cousin“, beispielsweise, teilt man die Ur-Urgroßeltern, so dass man unter Umständen mit einigen guten Treffern und ein bisschen Analysearbeit die väterliche Herkunft lokalisieren kann.

Für aussagekräftige Suchergebnisse empfiehlt es sich die Mutter mittesten zu lassen, um die Verwandten mütterlicherseits auszufiltern. So kann man besser sehen, welche Verwandten von der väterlichen Seite kommen.

Die Datenbanken erlauben teilweise einen Transfer der Rohdaten anderer Tests. Wer von Anfang an weiß, dass er oder sie umfangreich mit Hilfe von DNA-Tests nach Verwandten suchen möchte, sollte aus Kostengründen am besten zuerst den Ancestry Test machen, da dies die international größte Datenbank ist und man dessen Daten bei anderen DNA-Portalen hochladen kann.

Welche Datenbanken gibt es?

Family Tree DNA (FTDNA)

FTDNA ist die DNA-Datenbank, die der Verein Spenderkinder deutschen Spenderkindern primär empfiehlt, da sie in Deutschland am meisten frequentiert ist und die Chancen, relevante Matches zu finden, dort am höchsten ist. Der für Spenderkinder relevante DNA-Test bei dieser Datenbank heißt FamilyFinder. Dabei ist er mit einem regulären Preis von 79 USD relativ günstig, oft gibt es auch Sonderangebote. Die eingeschickte Probe wird bei FTDNA im Vergleich zu den anderen Datenbanken am längsten aufbewahrt (20 Jahre) und kann bei Bedarf für weitere Tests (z.B. Haplogruppen-Tests) verwendet werden. Die DNA-Daten von Ancestry, 23andme und MyHeritageDNA können kostenlos zu Family Finder importiert werden. Allerdings werden ohne eine Gebühr von 19 USD nur 10 Prozent der Matches angezeigt und die Treffer können nicht kontaktiert werden.

Ancestry DNA

Ancestry ist mit mehr als 6 Millionen Teilnehmern (Stand November 2017) die größte Datenbank. Sie bietet zudem den Vorteil, dass nicht nur die DNA, sondern auch die Stammbäume auf Übereinstimmungen überprüft werden. Bislang werden die DNA-Tests nicht direkt in Deutschland angeboten und auch nicht dorthin geliefert, aber man kann die Tests über amazon.com erwerben und über shipito weiterleiten lassen. Die Ancestry-Daten können exportiert und bei FTDNA und MyHeritageDNA hochgeladen werden. Bei Ancestry können derzeit keine Daten anderer DNA-Tests importiert werden.

23andme

23andme umfasst eine Datenbank von mehr als 3 Millionen DNA-Profilen (Stand Februar 2018). Bei der Herkunftsanalyse gilt er als der präziseste Test; bei der Verwandtensuche muss man jedoch mit Einschränkungen rechnen, da einige Matches eine Kontaktaufnahme bewusst unterbinden. Der Ancestry-Test von 23andme kostet regulär 99 USD (plus Versandkosten), es gibt jedoch regelmäßig Rabattaktionen (z. B. zu Thanksgiving, Weihnachten, Valentinstag), bei denen der Test für nur 79 USD erworben werden kann. Der Test wird auch nach Deutschland geliefert. Die 23andme Daten können exportiert und bei FTDNA und MyHeritageDNA hochgeladen werden. Bei 23andme können derzeit keine Daten anderer DNA-Tests importiert werden.

MyHeritageDNA

MyHeritageDNA ist eine israelische Datenbank, die seit Kurzem auch in Deutschland für den DNA-Test wirbt. Daher ist zu hoffen, dass sich dort mehr Deutsche registrieren lassen werden. Der Test kostet regulär 89 Euro. Auch für diesen Test gibt es öfter Rabattaktionen. Wenn man einen Test von Family Finder, Ancestry oder 23andme gemacht hat, kann man die Daten kostenlos importieren. Umgekehrt kann man die Daten von einem MyHeritage Test auch bei Family Finder kostenlos hochladen.

Gedmatch

Gedmatch ist eine kostenlose Analyseplattform für DNA-Daten, auf der die Daten diverser Tests (Ancestry, Family Finder, 23andme, Myheritage) hochgeladen und verglichen werden können. GEDmatch liefert die genaueste Beschreibung des Verwandtschaftsgrades. Wurde die Mutter mitgetestet, sollten auch ihre Daten hochgeladen werden Hilfreich ist hierbei das Werkzeug namens ‚Phasing‘: hier wird aus dem Vergleich der eigenen DNA mit der des biologischen Elternteils die DNA separiert, die vom anderen Elternteil (hier: dem genetischen Vater) geerbt wurde. Diese kann man dann bei der Suche auf GEDmatch nutzen und genauere Ergebnisse erhalten. Wer sich die Tier-Funktion bei Gedmatch leistet (10 USD pro Monat) kann weitere Funktionen nutzen, u.a. die Triangulation, die einem zeigt, welche Matches überlappende DNA-Segmente aufweisen (d.h. mit dieser Gruppe teilt man vermutlich einen oder mehrere gemeinsame Vorfahren). Es lohnt sich, zuerst in den Stammbäumen dieser Gruppen nach ähnlichen Nachnamen und Orten zu suchen. Tipps für die Nutzung von GEDmatch gibt es auch in verschiedenen Blogs und Online-Leitfäden.

DNA Land

  • dna.land ist eine weitere kostenlose Datenbank mit eher wissenschaftlichem Hintergrund, auf die man die Daten aus anderen DNA-Tests hochladen kann.

DNA Painter

  • DNA Painter ist ein kostenloses Tool, das detailliertere Beziehungsmöglichkeiten ausweist, als die Verwandtschaftsschätzungen (z.B. 3rd-5th Cousin) bei FTDNA oder 23andme. Hierfür müssen einfach die Anzahl der „shared centiMorgans“ des Matches eingegeben werden. Eine sehr hilfreiche Funktion des DNAPainters ist es, dass man sich vergleichend anzeigen lassen und speichern kann, welche Segmente der einzelnen Chromosomen man mit welchen Matches teilt. Auf diese Weise kann man auch die DNA von Personen verschiedener Datenbanken miteinander vergleichen. Wenn sich die geteilten Segmente überschneiden, kann man davon ausgehen, dass auch die Matches gemeinsame Vorfahren haben und in dieser Richtung weitersuchen. Beim Abgleich der DNA-Segmente sollte jedoch die voreingestellte Schwelle von 7cM nicht unterschritten werden, da eigentlich bereits DNA-Segmente kleiner als 10cM mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zufällige Überschneidungen sind, die keine weiterführenden Informationen liefern.

Interpretation der Ergebnisse

Es gibt mehrere englische Blogs und Facebook-Gruppen, die bei der Recherche und Interpretation der Ergebnisse helfen können:

Wer nicht auf Anhieb seinen Spender gefunden hat, sondern „nur“ entferntere Matches hat, kann mit etwas Aufwand trotzdem Erfolg haben oder sich zumindest seinen Vorfahren, wie Großeltern und Urgroßeltern annähern. Das funktioniert am besten, indem man Überschneidungen in den Stammbäumen der Matches sucht und diese in sogenannten „mirror trees“ dokumentiert. Ist ein gemeinsamer Vorfahre gefunden (z.B. die Ur-Urgroßeltern) werden die Nachfahren recherchiert und wiederum auf Gemeinsamkeiten mit den Matches abgeglichen. Für weiterführende Recherchen sind MyHeritage oder Ancestry zu empfehlen. Allerdings setzt dies eine kostenpflichtige Mitgliedschaft voraus. Idealerweise überprüft man zunächst die Stammbäume der Matches, die sich „in common“ haben, also vermutlich einen gemeinsamen Vorfahren teilen. Dieser ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein eigener Vorfahre. Mit etwas Glück erkennt man dieselben Nachnamen oder Orte.