Verwandtensuche mit DNA-Datenbanken

Auch ohne Daten der Kliniken und Ärzte kann man mit DNA-Datenbanken nach dem genetischen Vater oder Halbgeschwistern suchen. Inzwischen sind die Tests zum Glück erschwinglich und auch in Deutschland erhältlich. Alle Tests werden regelmäßig vergünstigt angeboten, z. B. zu Weihnachten, Ostern und Thanksgiving. Wir empfehlen und nutzen die DNA-Datenbanken, haben aber keine Verbindung zu ihnen und erhalten auch keine Vermittlungsprämie (unsere Links sind keine affiliate Links).

Unser Verein nutzt seit Dezember 2011 den Family Finder-Test der amerikanischen DNA-Datenbank Family Tree DNA (FTDNA), um Halbgeschwister und genetische Väter zu finden. Der Großteil unserer Mitglieder ist dort registriert, auch von einigen „Spendern“ wissen wir es. Daneben gibt es noch drei andere Datenbanken, die hinsichtlich Testart und Preis mit FTDNA vergleichbar sind: AncestryDNA, 23andme und MyHeritageDNA. Eine vergleichbare deutsche Datenbank gibt es nicht.

Wir haben uns 2011 für FTDNA als primäre Suchdatenbank entschieden, weil der Family Finder-Test der erste in Deutschland erhältliche DNA-Test war. Inzwischen haben aber viele unserer Mitglieder auch nahe Verwandte in den anderen DNA-Datenbanken gefunden. Wir empfehlen deshalb mittlerweile eine Suche über möglichst viele DNA-Datenbanken. Wir haben Mitglieder, die in jeder der Datenbanken Halbgeschwister gefunden haben. Da man die DNA-Rohdaten mancher Anbieter bei anderen Datenbanken kostenlos hochladen kann, spart man Zeit und Kosten, wenn man die Tests in einer bestimmten Reihenfolge erwirbt.

Wir empfehlen, als erstes den Test von Ancestry zu machen, da dies die größte DNA-Datenbank ist und die DNA-Daten exportiert und kostenlos bei FTDNA und MyHeritage hochgeladen werden können. Außerdem ist der Rückversand der Tests nach Irland vergleichsweise problemlos. Leider liefert Ancestry derzeit noch nicht in die Schweiz, weswegen die Schweizer Spenderkinder weiterhin den Family Finder-Test von FTDNA empfehlen.
Wenn ihr den Test von Ancestry macht, solltet ihr auf jeden Fall die Rohdaten herunterladen und kostenlos zu FTDNA hochladen, da dort die meisten unserer Mitglieder registriert sind.

Mit Hilfe der DNA-Datenbanken haben bereits mehrere unserer Mitglieder direkte Verwandte gefunden: Im April 2013 hatten wir unseren ersten Treffer zwischen einem Spenderkind und einem “Spender”. Im Sommer 2013 gab es den ersten Treffer zwischen zwei Halbgeschwistern. Seitdem hatten wir viele Halbgeschwister-Treffer . Über die ersten Treffer haben wir noch auf unserer Homepage berichtet (Treffer 2, Treffer 3, Treffer 4, Treffer 5, Treffer 6-7, Treffer 8, Treffer 9, Treffer 10-11, Treffer 12, Treffer 13, Treffer 14, Treffer 15, Treffer 16, Treffer 17, Treffer 18, Treffer 19), inzwischen sind es dafür zu viele. Derzeit haben wir 45 Halbgeschwistergruppen (Stand Juni 2020). Unsere größte Halbgeschwistergruppe besteht zur Zeit aus 9 Spenderkindern. Etliche Gruppen bestehen aus 4 bis 6 Halbgeschwistern. Je mehr Spenderkinder sich registrieren, desto wahrscheinlicher werden weitere Treffer.

Welche Datenbanken gibt es?

Die wichtigsten DNA-Datenbanken sind (der Größe nach geordnet) Ancestry, 23andme, MyHeritage und FTDNA. Die Datenbanken erlauben teilweise, die Rohdaten anderer Tests hochzuladen. Wer von Anfang an weiß, dass er oder sie in mehreren DNA-Datenbanken nach Verwandten suchen möchte, sollte aus Kostengründen am besten zuerst den Test von Ancestry (oder 23andme) machen, da man deren Rohdaten bei FTDNA und MyHeritage hochladen kann. Umgekehrt ist dies nicht möglich, da Ancestry und 23andme nicht den Import der Daten anderer Tests erlauben.

Ancestry DNA

Ancestry ist mit über 16 Millionen Teilnehmern (Stand Mitte 2020) die größte DNA-Datenbank Das Geschäftsmodell besteht (wie bei MyHeritage) aus der Kombination von autosomalen DNA Tests mit Abonnements für Datenbanken mit historischen Dokumenten wie Geburten- und Sterberegister. Ancestry bietet daher  den Vorteil, dass nicht nur die DNA, sondern auch die Stammbäume auf Übereinstimmungen überprüft werden. Die DNA-Tests werden erst seit November 2018 direkt in Deutschland angeboten und beworben, inzwischen kann man die Tests auch über Amazon bestellen. Der reguläre Preis beträgt 69 Euro plus Versand von ca. 9,99 Euro; über Amazon ist der Versand oft kostenlos. Das Rückporto nach Irland ist schon inklusive. Die Rohdaten von Ancestry können heruntergeladen und kostenlos bei FTDNA und MyHeritage hochgeladen werden. Zu Ancestry können derzeit keine Daten anderer DNA-Tests importiert werden.

FTDNA

Bei FTDNA sind die meisten unserer Mitglieder registriert (weil es der zuerst erhältliche Test in Deutschland war). Der für Spenderkinder relevante DNA-Test  ist Family Finder, der regulär 79 USD (ca. 67 Euro) kostet (plus Versand aus den USA). Die Tests müssen in die USA zurückgeschickt werden, was zu zusätzlichen Kosten führt und wobei es öfters zu Schwierigkeiten kam. Man kann es als Päckchen xs international (nur online) verschicken oder es als Brief verschicken und behaupten, es handele sich um einen USB Stick. Auch wegen der Kosten für den Rückversand empfehlen wir, lieber den inzwischen nur wenig teureren Test von Ancestry zu machen und dann die Rohdaten bei FTDNA hochzuladen. Die eingeschickte Probe wird bei FTDNA im Vergleich zu den anderen Datenbanken am längsten aufbewahrt (20 Jahre) und kann bei Bedarf für weitere Tests (z.B. Haplogruppen-Tests) verwendet werden. Die DNA-Daten von Ancestry, 23andme und MyHeritage können kostenlos zu FTDNA importiert werden. Allerdings können nur bestimmte Testversionen übertragen werden. 

MyHeritage

MyHeritage ist eine israelische Datenbank, die seit etwa drei Jahren auch in Deutschland ihren DNA-Test recht aktiv bewirbt. Daher hatten wir insbesondere in letzter Zeit hierüber einige Halbgeschwistertreffer, zum Teil auch mit Spenderkindern, die noch nicht von ihrer Zeugung durch eine Samenvermittlung wussten. Die Datenbank hat eine deutsche Fassung, im Vergleich zu anderen Datenbanken gibt es mehr europäische Teilnehmer, so dass höhere Chancen bestehen auch andere nahe Verwandte zu finden. Der Test kostet regulär 79 Euro. Die Rohdaten von Family Finder, Ancestry oder 23andme können kostenlos importiert werden. Umgekehrt kann man die Daten von einem MyHeritage-Test auch bei FTDNA kostenlos hochladen.

23andme

23andme umfasst eine Datenbank von mehr als 12 Millionen DNA-Profilen (Stand Mitte 2020). Die Datenbank ist auf die DNA-Analyse von Gesundheitsanlagen spezialisiert (die aber überwiegend nur auf Vermutungen beruhen, da der Einfluss der Gene auf viele Krankheiten noch nicht ausreichend geklärt ist). Daher hat das Unternehmen Forschungskooperationen mit mehreren Unternehmen, die Zugriff auf anonymisierte DNA-Daten haben. Die Kunden können sich gegen eine Teilnahme entscheiden oder aber durch zusätzliche Informationen über ihre Gesundheit die Kooperationen fördern. Für die Verwandtensuche reicht der Ancestry-Test von 23andme, der regulär 99 USD kostet und auch nach Deutschland geliefert wird. Die Versandkosten sind mit ca. 23 USD recht hoch, allerdings ist das Rückporto in die Niederlande schon inklusive. Bei der Herkunftsanalyse gilt er als der präziseste Test; bei der Verwandtensuche muss man jedoch mit Einschränkungen rechnen, da einige Matches eine Kontaktaufnahme bewusst unterbinden, weil sie vor allem wegen der Gesundheitsanalysen von 23andme registriert sind. Die 23andme-Daten können exportiert und bei FTDNA und MyHeritage hochgeladen werden. Bei 23andme können derzeit keine Daten anderer DNA-Tests importiert werden.

Was können die autosomalen DNA-Tests der Datenbanken?

Die DNA wird aus Mundschleimhautzellen entnommen. Hierfür wird nach der Bestellung ein Test-Set mit ausführlichen Anleitungen per Post zugesandt. Bei Ancestry und 23andme sammelt man  Speichel in einem Röhrchen, bei den anderen Tests schabt man (schmerzfrei) mit einem Stäbchen an der Mundschleimhaut und sendet anschließend das Stäbchen in einem dafür vorgesehenen Gefäß zurück.

Alle DNA-Datenbanken verwenden autosomale DNA-Tests, die sog. SNP (single nucleotide polymorphisms) untersuchen. Das sind Testungen einzelner Basenpaare (Allele), aus denen die Chromosomen aufgebaut sind. Es handelt sich um eine relativ neue Testmethode. Herkömmliche DNA-Tests analysieren dagegen STRs (short tandem repeats), und davon auch nur 12 bis 35. Letztere können die Vaterschaft relativ sicher nachweisen, sind aber eher unzuverlässig bei Geschwistern und Halbgeschwistern und können keine weiter entferntere Verwandtschaft nachweisen.

  • Die meisten bei den DNA-Datenbanken registrierten Personen sind keine Spenderkinder, sondern Menschen, die an ihrer genetischen Abstammung im weiteren Sinn interessiert sind und entfernte Verwandte suchen.
  • Die DNA-Tests können Halbgeschwister und die genetischen Eltern identifizieren.
  • Die DNA-Tests können außerdem direkte, nahe und weiter entfernte genetische Verwandte (z.B. Tanten, Onkel, Cousins, Cousins der Eltern) identifizieren, laut Werbung bis zu 5 Generationen. Einige Spenderkinder konnten nahe genetische Verwandte und darüber ihren genetischen Vater identifizieren (siehe auch Verwandtensuche mit Hilfe entfernterer DNA-Matches weiter unten).
  • Die Ergebnisse sind für direkte und nahe Verwandte sehr zuverlässig.
  • Mütter müssen nicht mitgetestet werden. Es hilft jedoch, um die DNA-Matches der mütterlichen oder väterlichen Seite zuordnen zu können.
  • Die Testergebnisse sind nicht vor Gericht verwertbar (z. B. bei einem Verfahren zur Feststellung der Vaterschaft), weil die Identität der Teilnehmer nicht überprüft wird.

Privatsphäre und Datenschutz

  • Nur selbst am Test teilnehmende Personen können die Auflistung der mehr oder weniger entfernten Verwandten (DNA-Verwandte) einsehen. Man kann die Datenbanken nicht danach durchsuchen, wer dort registriert ist; angezeigt werden nur DNA-Verwandte.
  • Mögliche Verwandte sehen nur den gegenüber der DNA-Datenbank angegebenen Namen, die geteilte DNA und evtl. die angegebene Email-Adresse. Bei manchen DNA-Datenbanken wie 23andme kann man auch angeben, dass DNA-Verwandten nur die Initialen angezeigt werden.
  • DNA-Verwandte haben keinen Zugriff auf die DNA-Rohdaten, das hat nur die registrierte Person selbst.
  • Bei der Bestellung des Tests oder der Abgabe der Proben findet keine Überprüfung statt. Wer seine Privatsphäre schützen möchte, sollte sich mit einen anderen Namen registrieren und den Test an die Adresse von Freunden schicken lassen. Allerdings sollte man dann aufpassen, die Einwilligungserklärung für die Verwendung der Tests dann auch mit diesem Namen zu unterschreiben. Man kann außerdem mit einer Kreditkarte bezahlen, die auf einen anderen Namen läuft. 
  • Solltest Du Deine persönliche Adresse angegeben haben, kannst Du sie später jederzeit in Deinem Profil unter den persönlichen Angaben löschen.
  • Die DNA-Datenbanken geben an, erhebliche Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Daten zu treffen. Bei MyHeritage kam es jedoch bereits zu einem Datenleck, bei dem Kundendaten entwendet wurden, jedoch keine DNA-Daten.
  • Außerdem ist es möglich, dass Strafverfolgungsbehörden Zugang zu den Datenbanken erhalten (so wurde zum Beispiel der Golden State Killer mit Hilfe von GedMatch identifiziert). Das bedeutet, dass man möglicherweise den Strafverfolgungsbehörden hilft, Straftäter unter den eigenen Verwandten zu identifizieren.
  • Manche DNA-Datenbanken haben außerdem Forschungskooperationen mit Universitäten oder Pharmaunternehmen und gewähren Zugang zu den anonymisierten DNA-Daten. Nutzer können dieser Weitergabe in den Einstellungen widersprechen

Wir können gut verstehen, dass einigen unwohl bei dem Gedanken ist, seine DNA-Informationen an ein Unternehmen zu schicken. Das ist aber leider die einzige wirklich erfolgversprechende Möglichkeit, um den genetischen Vater oder Halbgeschwister zu finden. Nur ein DNA-Test kann letztlich bestätigen, ob man wirklich mit einer anderen Person verwandt ist. Die DNA-Datenbanken entschlüsseln die DNA nicht komplett, sondern nur den für die Erkennung von Verwandtschaftsbeziehungen relevanten Teil. Selbst wenn DNA-Daten entgegen vertraglicher Zusicherung weitergegeben werden, dürfen andere Unternehmen sie nicht legal nutzen. Daher ist es auch nicht möglich, dass zum Beispiel Versicherungen ablehnen, Personen wegen ihrer DNA-Daten aufzunehmen. 

Zuletzt sollte einem bewusst sein, dass die DNA die genetischen Anlagen abbildet, aber eigentlich wenig darüber aussagt, was für eine Person man ist. Dafür sind andere Daten – wie zum Beispiel die besuchten Internetseiten, Verhalten auf sozialen Netzwerken, Daten von Kundenbindungsprogrammen, Bank- und Kreditkartendaten – wesentlich aufschlussreicher. Für eine Versicherung ist zum Beispiel wesentlich interessanter, ob eine Person raucht, Sport treibt oder Übergewicht hat, während die genetischen Anlagen für Krankheiten bislang nur sehr rudimentär erforscht sind.

Interpretation der Ergebnisse

Sobald die Ergebnisse vorliegen, wird man per Email informiert. Bei einigen Datenbanken wird man auch bei Treffern mit nahen Verwandten (Eltern-, Geschwister oder Cousins 2. bis 3. Grades) benachrichtigt, wenn sich diese zu einem späteren Zeitpunkt registrieren. Sicherheitshalber sollte man seine Einstellungen ansehen, ob diese so eingestellt sind, dass man die Benachrichtigungs-Emails erhält. Außerdem sollte man ab und zu nachsehen, ob es andere nähere Treffer gibt.

Wichtig: es werden alle DNA-Verwandten angezeigt, mit denen eine gewisse genetische Übereinstimmung besteht. Das können auch sehr weit zurückliegende Verwandtschaften sein (Z. B. über gemeinsame Urururgroßeltern), die nach so langer Zeit oft nur schwer nachvollziehbar sind. Den Grad der Verwandtschaft kann man aufgrund der Angabe der jeweiligen DNA-Datenbank und des cM-Wertes einschätzen (siehe unten).

Die Einschätzung zur Art der Verwandtschaft kann von „Parent/Child“ über „2nd Cousin – 3rd Cousin“, bis zu „5th Cousin – Remote Cousin“ reichen. „Shared cM“ ist die Summe der autosomalen DNA, angegeben in centiMorgans (cM), die man mit dem jeweiligen genetischen Match teilt. Je geringer die Zahl ist, desto geringer ist der Verwandtschaftsgrad. Mit einem Elternteil beträgt der cM-Wert zum Beispiel ca. 3400 und damit mehr als das Hundertfache von einem „5th Cousin – Remote Cousin“ mit einem cM-Wert von nur etwa 26. Mit Vollgeschwistern beträgt der cM-Wert etwa 2640, mit Halbgeschwistern etwa 1700. Mehr Erklärungen bietet die Seite Autosomal DNA Statistics auf Englisch. Hilfreich für ein Verständnis der Verwandtschaftsgrade sind auch Grafiken.

Grobe Indizien über die Herkunft der Vorfahren erhält man über die Aufschlüsselung der historischen Herkunft seiner DNA. Das kann dann aufschlussreich sein, wenn ein erheblicher Teil der DNA von der vermuteten Herkunft der Mutter abweicht (z. B. weil er einer jüdischen Bevölkerungsgruppe zugeschrieben wird).

Es gibt mehrere englische Blogs und Facebook-Gruppen, die bei der Recherche und Interpretation der Ergebnisse helfen können:

Hilfreich sind außerdem folgende Analysetools:

Gedmatch

Gedmatch ist eine kostenlose Analyseplattform für DNA-Daten, auf der die Daten diverser Tests (Ancestry, Family Finder, 23andme, Myheritage) hochgeladen und verglichen werden können. GEDmatch liefert die genaueste Beschreibung des Verwandtschaftsgrades. Wurde die Mutter mitgetestet, sollten auch ihre Daten hochgeladen werden. Hilfreich ist hierbei das Werkzeug namens ‚Phasing‘: hier wird aus dem Vergleich der eigenen DNA mit der des biologischen Elternteils die DNA separiert, die vom anderen Elternteil (hier: dem genetischen Vater) geerbt wurde. Diese kann man dann bei der Suche auf GEDmatch nutzen und genauere Ergebnisse erhalten. Wer sich die Tier-Funktion bei Gedmatch leistet (10 USD pro Monat) kann weitere Funktionen nutzen, u.a. die Triangulation, die einem zeigt, welche Matches überlappende DNA-Segmente aufweisen (d.h. mit dieser Gruppe teilt man vermutlich einen oder mehrere gemeinsame Vorfahren). Es lohnt sich, zuerst in den Stammbäumen dieser Gruppen nach ähnlichen Nachnamen und Orten zu suchen.  Tipps für die Nutzung von GEDmatch gibt es auch in verschiedenen Blogs und Online-Leitfäden.

DNA Painter

DNA Painter ist ein kostenloses Tool, das detailliertere Beziehungsmöglichkeiten ausweist, als die Verwandtschaftsschätzungen (z.B. 3rd-5th Cousin) bei FTDNA oder 23andme. Hierfür müssen einfach die Anzahl der „shared centiMorgans“ des Matches eingegeben werden. Eine sehr hilfreiche Funktion des DNAPainters ist es, dass man sich vergleichend anzeigen lassen und speichern kann, welche Segmente der einzelnen Chromosomen man mit welchen Matches teilt. Auf diese Weise kann man auch die DNA von Personen verschiedener Datenbanken miteinander vergleichen. Wenn sich die geteilten Segmente überschneiden, kann man davon ausgehen, dass auch die Matches gemeinsame Vorfahren haben und in dieser Richtung weitersuchen. Beim Abgleich der DNA-Segmente sollte jedoch die voreingestellte Schwelle von 7cM nicht unterschritten werden, da eigentlich bereits DNA-Segmente kleiner als 10cM mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zufällige Überschneidungen sind, die keine weiterführenden Informationen liefern.

Verwandtensuche mit Hilfe entfernterer DNA-Matches

Wer nicht auf Anhieb seinen genetischen Vater oder Halbgeschwister gefunden hat, sondern „nur“ entferntere Matches hat, kann mit etwas Aufwand trotzdem Erfolg haben oder sich zumindest seinen Vorfahren, wie Großeltern und Urgroßeltern annähern. Dabei gilt: je mehr nahe Verwandtschaftstreffer, desto besser. Mit einem „3rd cousin“, beispielsweise, teilt man die Ur-Urgroßeltern, sodass man unter Umständen mit einigen guten Treffern und ein bisschen Analysearbeit die väterliche Herkunft lokalisieren kann.

Zwar sind bei allen DNA-Datenbanken überwiegend US-Amerikaner registriert, aber es gibt immer mehr Teilnehmer aus anderen Ländern und nicht wenige US-Amerikaner haben einen deutschen Hintergrund. Einige unserer Mitglieder hatten Glück und fanden eine Tante oder einen Cousin, über die oder den mit Hilfe von Google und Facebook der genetische Vater identifiziert werden konnte. 

Hat man nur entferntere DNA-Verwandte, kann man Überschneidungen in den Stammbäumen der Matches suchen und diese in sogenannten „mirror trees“ dokumentieren. Hierfür empfiehlt es sich, die Mutter ebenfalls zu testen, um die Verwandten mütterlicherseits auszufiltern. So kann man besser sehen, welche Verwandten von der väterlichen Seite kommen.

Idealerweise überprüft man zunächst die Stammbäume der DNA-Verwandten, die sich gemeinsam („in common“) haben und die also vermutlich einen gemeinsamen Vorfahren teilen. Dieser ist mit großer Wahrscheinlichkeit auch ein eigener Vorfahre. Mit etwas Glück erkennt man dieselben Nachnamen oder Orte. Ist ein gemeinsamer Vorfahre gefunden (z.B. die Ur-Urgroßeltern), kann man die Nachfahren recherchieren. Mit ein bisschen Glück findet man so den genetischen Vater, z. B. wenn man diesen auf eine bestimmte Region oder einen bestimmten Zeitraum festlegen kann.

Für weiterführende Recherchen über  Stammbäume und klassische Ahnenforschung ist der (kostenpflichtige) Zugriff auf historische Dokumente von MyHeritage oder Ancestry empfehlenswert. Oft gibt es auch eine ermäßigte Schnupper-Mitgliedschaft.