15. Halbgeschwistertreffer

Wir freuen uns über einen weiteren Halbgeschwistertreffer aus der Praxis von Dr. Poluda in München, den der DNA-Test FamilyFinder identifiziert hat: Manuel und Désirée hatten ihre Verbindung bereits vor anderthalb Jahren entdeckt – nun haben sie mit Vera eine weitere Halbschwester gefunden.

Zwischen Manuel und Désirée liegt ein Altersunterschied von gut 9 Jahren. Damit kam die Frage auf, ob denn der Spender über einen so langen Zeitraum gespendet habe. Vera liegt mit sieben Jahren Altersunterschied zu Manuel zwischen den beiden. Das bestärkt die Vermutung, dass es sich bei dem genetischen Vater der drei um einen Langzeitspender handelt.

Bei mehreren Halbgeschwistern kommt der Aspekt dazu, mit jedem Halbgeschwister auch mehr und mehr über den Spender zu erfahren: Während Manuel und Désirée dunkelhaarig und braunäugig sind, ist Vera – ganz anders als ihre Mutter – blond und blauäugig.

Thema „Der Herkunft auf der Spur“ in der Sendung NACHTCAFÉ am 01. Dezember 2017 im SWR

Am 1. Dezember wurde in der Sendung NACHTCAFÉ zum Thema „Der Herkunft auf der Spur“ diskutiert. Der Beitrag ist in der Mediathek abrufbar.

Unter anderem dabei waren Spenderkindermitglied Christiane Dollmann, ein privater Samenspender und die Psychologin Irmela Wiemann. Der Moderator Michael Steinbrecher führte sehr einfühlsam das Gespräch. Der „Samenspender“, der aus Geldnot zu seiner Tätigkeit kam und mittlerweile 80 Kinder gezeugt habe, veranlasste zu einigen Fragen dahingehend, wie wohl die Kinder die Situation künftig erleben mögen und welche Verantwortung beim Kinderzeugen bleibt, auch wenn die alltägliche Versorgung des Kindes an andere abgegeben wird. Psychologin Irmela Wiemann sprach sich auch bei privaten Samenspenden für eine Obergrenze von Kindern pro genetischem Vater aus. Sie wies darauf hin, dass es eine tiefe Kränkung für ein Spenderkind sei, wenn der genetische Vater um des Geldes willen Samen abgegeben habe, von dem Kind als Person aber nichts wissen wolle.

Christiane Dollmann (ab 1:02:00) wurde am 1. Oktober 1983 in Wiesbaden in der Praxis von Dr. Schrapper mit dem Samen eines unbekannten Mannes gezeugt. Bislang konnte sie nicht herausfinden, wer ihr genetischer Vater ist. Was in der Sendung nicht gesagt wurde, aber hier ergänzt werden soll: Es gab eine Mitarbeiterin in der Praxis von Dr. Schrapper, die die Gespräche mit den Spendern geführt hat. Leider erinnert sich der Arzt nicht an den Namen der Mitarbeiterin. Vielleicht erinnert sich jemand anderes daran, wer diese Mitarbeiterin war? Diese Frau aus Wiesbaden könnte Christiane möglicherweise einen Schritt weiter helfen. Für Christiane war die Sendung eine ganz besondere Situation, auch, weil sie darin zum ersten Mal von ihrer Geschichte erzählte, über die sie bisher auch mit Freunden nicht gesprochen hatte.

Dokumentation „Mein Vater, der Samenspender“ am 03. Dezember 2017 in der ARD

Am 3. Dezember 2017 wurde in der Sendereihe „EchtesLeben“ in der ARD die Dokumentation „Mein Vater, der Samenspender. Auf der Suche nach einem Unbekannten“ von Julia Kaulbars ausgestrahlt.  Der Beitrag ist in der Mediathek abrufbar.

„Jörg Seerig sucht seinen Vater – ein anonymer Samenspender, der unauffindbar scheint. Die Fragen, von wem er die Hälfte seiner Gene geerbt hat, was seinen Charakter ausmacht, was ihn mit geprägt hat, bohrt in ihm wie ein inneres Loch.“ Jörg Seerig beschreibt sehr anschaulich, was bei der Suche in ihm vorgeht und vermittelt eine Ahnung von der ethischen und psychologischen Vielschichtigkeit des Themas. Bemerkenswert sind auch die reflektierenden Äußerungen des sehr menschlichen ehemaligen Reproduktionsediziners, der sein Handeln als junger Arzt heute kritisch sieht. Er spricht aus, was in dieser Dokumentation mehr als deutlich wird: Dass die moralische und psychologische Tragweite dieser Form der Familiengründung noch viele Fragen offenlässt.

Eine kleine rechtliche Ergänzung: Das Recht auf Kenntnis der eigenen Herkunft wurde in dem Urteil 1989 lediglich bestätigt, nicht geschaffen. Es ist herrschende juristische Meinung seit spätestens der 60er Jahre. Auf dieses Recht wurde bereits 1970 im Deutschen Ärzteblatt hingewiesen.

Am 3. Februar 2018 folgt ein weiterer Beitrag von Julia Kaulbars zum Thema Samenspende. Darin kommen ein weiteres Spenderkind, ein Samenspender, Experten und Reproduktionsmediziner zu Wort.

14. Halbgeschwistertreffer: Erster Halbgeschwistertreffer aus Berlin

Was lange währt, wird endlich gut. Fast vier Jahre nachdem sich Spenderkindermitglied Sunny bei unserem DNA-Test Family Finder registriert hatte, wartete eine Überraschung auf sie:

Fariba aus Kalifornien, USA, hatte erst dieses Jahr im August erfahren, dass sie ein Spenderkind ist. Nach einigen Recherchen fand sie heraus, dass der behandelnde Arzt Dr. Lübke aus Berlin war, der die Inseminationen im Auguste-Viktoria-Klinikum vorgenommen hat. Bisher gab es nur ein einziges Spenderkind, von dem wir wissen, dass es ebenfalls durch ihn gezeugt wurde: Sunny, die bereits seit 2013 im Verein und beim Family Finder registriert ist.

Zwei Monate später kam die Bestätigung des DNA-Abgleichs, dass tatsächlich ein direkter Verwandschaftsgrad besteht – was für ein Zufall und eine schöne Bereicherung für die beiden Schwestern. Auch wenn ein Treffen bei der Entfernung erst einmal nicht möglich ist, stehen beide in regem Kontakt und freuen sich darüber, sich gefunden zu haben.

13. Halbgeschwistertreffer – 2. internationaler Treffer

Vor einem Jahr hatten wir über einen Treffer von insgesamt fünf Halbschwestern berichtet. Dann hatte sich herausgestellt, dass eine mit den anderen doch nicht verwandt ist – nun haben die vier Halbschwestern über den DNA-Test Family Finder einen Halbbruder gefunden.

Wie sich herausstellte, ist er in der Schweiz gezeugt worden. Eine der Halbschwestern wurde in den Niederlanden gezeugt. Damit konnten wir bestätigen, dass offensichtlich Spermien auch aus Deutschland international, zumindest in die Schweiz und in die Niederlande, verschickt wurden.

Der Treffer wäre beinahe nicht aufgefallen, hätte Nicole nicht zufällig wieder auf ihre Trefferliste bei FamilyTreeDNA geschaut. Sie staunte nicht schlecht, als sie den Halbbruder dort angezeigt fand. FTDNA hatte sie und ihre Halbschwestern nicht wie sonst per E-Mail benachrichtigt, weil der Halbbruder den DNA-Test bei Igenea gemacht hatte, die eine Kooperation mit FTDNA haben. Deswegen wurde der Treffer nur angezeigt, es gab aber keine Mitteilung. Deshalb ein Tipp an alle, die bei FTDNA registriert sind: Schaut gelegentlich in eure Trefferliste rein!

„Falscher“ Halbgeschwistertreffer – DNA Test auch bei Spendernummer empfehlenswert

Erfreulicherweise erfahren inzwischen immerhin einige unserer Mitglieder von dem Arzt oder der Samenbank den Namen ihres genetischen Vaters sowie dessen Spendernummer. Über die übereinstimmende Spendernummer haben sich bereits zwei Halbgeschwisterpaare in unserem Verein getroffen (Christin und Christina sowie Laura und Alexandra). Das dachten wir jedenfalls. In Wirklichkeit waren Christin und Christina keine Halbgeschwister, weil entweder der Samenbank oder dem behandelnden Arzt ein Fehler bei der Spendernummer unterlaufen ist. Beide hatten ihre vermeintliche Verwandtschaft zuerst nicht über unseren DNA-Test Family Finder oder einen anderen DNA-Test überprüft.

Dass die Spendernummer möglicherweise nicht richtig ist, kam folgendermaßen heraus: Als Christin sich bei unserem DNA-Test Family Finder registrierte, hatte sie einen Treffer mit drei weiteren Halbschwestern. Die Freude war zuerst groß über unsere Gruppe von insgesamt also fünf Halbschwestern, auch, weil sie zwei Mitglieder betraf, bei denen die Klinik behauptete, sie hätte keine Unterlagen mehr. Für sie hätte es bedeutet, über die Verbindung mit einem Spenderkind, bei dem der Spender noch zugeordnet werden konnte, doch noch Informationen über ihre Abstammung zu erhalten. Christina hatte den Spender ein Mal getroffen und konnte den anderen daher auch einige Informationen zu ihm geben. Zweifel kamen jedoch auf, als das Alter des Spenders mit dem der ältesten der vermeintlichen Halbschwestern abgeglichen wurde: Es hätte bedeutet, dass der Spender schon mit 17 Jahren angefangen hatte zu spenden. Minderjährige Spender zu rekrutieren, trauten wir der Samenbank nicht zu. Schließlich machte auch Christina den Family Finder-Test, und der zeigte: keine Verwandtschaft zu Christin und den anderen. Ob der Fehler bei der Samenbank oder dem behandelnden Arzt liegt, ist fast zwanzig Jahre später kaum feststellbar. Anders als der behandelnde Arzt von Christins Eltern, behauptet die Samenbank, die Zuordnung für Vorgänge vor dem Jahr 2007 nicht mehr vornehmen zu können.

Besonders hart war diese falsche Information natürlich für Christin, die jahrelang geglaubt hatte, dass sie weiß, wer ihr genetischer Vater ist und dass Christina ihre Halbschwester ist. Was bleibt, ist auf der einen Seite, dass Christina weiß, wer ihr genetischer Vater ist, bislang aber doch keine Halbgeschwister gefunden hat, und auf der anderen Seite eine Gruppe von vier Halbschwestern, deren genetischer Vater weiterhin unbekannt ist.

Um solche Fehler auszuschließen, empfehlen wir allen Spenderkindern, die die Spendernummer ihres biologischen Vaters erfahren haben, die Verwandtschaft mit dem Spender sowie Halbgeschwistern auch tatsächlich mit einem DNA-Test, zum Beispiel den von uns empfohlenen DNA-Test Family Finder, überprüfen zu lassen. Der Test kostet inzwischen für unsere Mitglieder nur noch 59 USD plus Versandkosten. Für ältere Spenderkinder, bei denen die Klinik behauptet, keine Zuordung mehr vornehmen zu können, kann die Eintragung außerdem bedeuten, dass sie über ihre jüngeren Halbgeschwister doch noch Informationen über ihren genetischen Vater erhalten können.

16. Familienkongress „Vater, wo bist Du?“ am 11. und 12. November 2017 in Halle

Der Verein Väteraufbruch für Kinder e. V. (VafK) veranstaltete am 11. und 12. November 2017 in Halle seinen 16. Familienkongress. Der VafK möchte die Rechte von Vätern stärken und setzt sich dafür ein, dass Kinder einen klar geregelten Anspruch auf alle Eltern haben. Der Verein wird auf der politischen Ebene ernstgenommen und regelmäßig befragt. So auch im Rahmen zur Einführung des Spenderregistergesetzes, wo er klar Position bezog, bei Spenderkindern den biologischen Vaters in das Geburtsregister einzutragen.

Bei der Jahrestagung mit dem Titel „Vater, wo bist Du? Kindeswohlgefährdung durch Eltern-Kind-Entfremdung oder Kontaktabbruch“ waren circa 140 Teilnehmer. In etlichen Beträgen, Workshops und einem Podiumsgespräch wurden die Ursachen und Verläufe von Eltern-Kind-Entfremdungen erkundet.

Der Verein Spenderkinder war zum Podiumsgespräch mit eingeladen und wurde durch mich (Spenderkinder-Mitglied Sven) vertreten. Als Tagungsgast verfolgte ich auch andere Beiträge, die im Folgenden zusammengefasst werden.

Kinder bestimmen selbst, wer zu ihrer Familie gehört

Eröffnet wurden die Fachbeiträge von der Psychologin Dr. Katharina Behrend mit einem Vortrag über die Folgen von Eltern-Kind-Entfremdung nach Trennung oder Scheidung der Eltern. Die Referentin erklärte, dass seit einigen Jahren bei Jugendämtern und an Familiengerichten ein Paradigmenwechsel stattfinde. Die kindzentrierte Sicht werde bei Trennungen der Eltern immer mehr als Ausgangspunkt angenommen. Dr. Behrend schilderte eindrucksvoll, wie Kinder das Bedürfnis nach allen (beiden) Eltern äußern. Kinder bestimmen, wer zu ihrer Familie gehört und wer für sie welche Rolle einnehmen sollte. Wenn getrennte Eltern mit einem bzw. einer Dritten ein neues Paar bilden, dann wird er oder sie nicht automatisch zu Vater oder Mutter. Kinder bestimmen selbst, wie sie (neue) Familienmitglieder nennen möchten. Bei Kontaktabbruch zwischen dem Kind und einem Elternteil verfalle das Kind in den Modus des „aktiven Wartens“. Im Falle des Kontaktabbruchs zum Vater während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt lebe das Kind in einer passiven Fernbeziehung zu einem Unbekannten. Eltern, die dem Kind den anderen Elternteil vorenthalten, gefährden das Wohl des Kindes. Folgen sind gestörte Identitätsbildung und langfristig Bindungs-/Verlust- und Vertrauensängste und Konfliktmeidung, um nicht „mitschuldig“ an der Situation zu werden.

Gesundheitliche Folgen für Kinder bei Abwesenheit eines Elternteils

Prof. Dr. Matthias Franz (Universitätsklinik Düsseldorf, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, forscht zur entwicklungspsychologischen Bedeutung des Vaters) ging mit einer Menge Statistiken und internationalen Studien (andere Länder sind auf dem Gebiet der Familienforschung deutlich weiter) auf die gesundheitlichen Folgen für Kinder bei Familienkonflikten ein. Grundsätzlich stellte er klar, dass Kinder nicht die Familienform an sich belaste, sondern das jeweilige Ausmaß der (offenen oder verdeckten) Konflikte. Sind die Eltern oder ein Elternteil abwesend, so fielen kleine Kinder in Ängste und Betroffenheitszustände. Kopf- und Rückenschmerzen, Reizmagen, Asthma und Angsterkrankungen seien oft Jahre später auftretende psychosomatische Effekte bei Trennungskindern, vor allem bei Kontaktabbruch eines Elternteils, was meist der Vater sei. Väter mit Kontaktabbruch zu ihrem Kind wie auch Stiefväter, die mit ihrem „sozialen“ Kind zusammenleben, neigen zu einer deutlich höheren Affinität zu Drogen wie Alkohol oder Nikotin. Laut Prof. Franz könne so ein Gefühl des Alleinseins kompensiert werden, welches durch die ständige Konfrontation mit dem nicht „eigenen“ leiblichen Kind herrühre. Für Kinder sei das Fehlen des Vaters eine eindeutige Risikoquelle für Krankheiten, Suchtverhalten und Delinquẹnz. Mit „Fehlen des Vaters“ meinte Prof. Franz meist die komplette Abwesenheit. Aber Männer, die „nur“ eine Vaterrolle einnehmen, könnten auch die Identitäts- und Autonomieentwicklung des Kindes beeinträchtigen. Nicht nur fehlende Väter, sondern auch „dysfunktionale“ Väter könnten lebenslange Auswirkungen auf das Kind haben, da es sich nicht mit dem Vater identifizieren könne. Daher lautete auch bei diesem Beitrag der Schlussappell, dass das Kind selbst die Menschen bestimmen solle, von denen es emotional und identifikatorisch abhängig sein möchte. Das sei schwierig, wenn der Vater nicht zur Verfügung stehe.

Kindeswohlgefährdung beginnt nicht erst mit körperlicher Gewalt

Sehr praxisorientiert schilderte Marc Serafin als Leiter des Niederkasseler Jugendamtes die Möglichkeiten der Jugendhilfe bei Eltern-Kind-Entfremdungen. Er hält zwei (derzeit in der Jugendhilfe einsetzende) Paradigmenwechsel für maßgeblich: Erstens werde die Rolle des Vaters deutlich aufgewertet. Zweitens beginne Kindeswohlgefährdung nicht erst bei Schlägen, sondern bei Lebenslügen, Instrumentalisierung der Kinder und fehlender Identitätsentwicklung durch Vorenthaltung eines Elternteils. Serafin präferiert klar das sogenannte Doppelresidenzmodell für Trennungskinder und fordert eine deutliche Aufwertung der Vaterrolle. Das heiße nicht nur, dass Jugendämter und Gerichte den Vätern mehr Zeit mit ihren Kindern geben, auch wenn die Mütter das nicht wünschen, sondern bedeute auch, dass Väter verpflichtet werden können, Umgang mit ihren Kinder zu haben. Wenn der Vater den Kontakt zu ihnen aktiv abbreche oder ihn passiv auslaufen lasse, könnten sich Trennungskinder massiv gekränkt fühlen. Eltern, die den fehlenden Elternteil abwerten, wiedersprächen oftmals den Gefühlen und Wertungen, die das Kind gegenüber dem fehlenden Elternteil habe.

Die angebotenen Workshops behandelten im Sinne der teilnehmenden Eltern sehr praxisnah verschiedene Themen wie „Überlebensstrategien betroffener Eltern“, „Familienrecht“, „Kinderschutz für Trennungskinder“.

Ausgegrenzte und geflüchtete Väter

Den Tagungsabschluss bildete das Podiumsgespräch „Vater, wo bist Du? Ausgegrenzte und flüchtende Väter“. Weitere Podiumsgäste waren Regina Deertz, Karin Kokot und Dr. Charlotte Michel-Biegel. Frau Deertz ist Autorin des Buches „Mondpapa“. Sie beschrieb, warum sie als Sozialpädagogin und Kindertherapeutin ein Buch für drei- bis sechsjährige Kinder mit abwesenden Vätern (die weit weg, wie auf dem Mond lebten, daher der Titel …) schrieb: Damit sich die Kinder nicht alleine fühlen, wenn im Kindergarten „Vatertag“ gefeiert wird. Damit die Kinder besser damit zurechtkommen, wenn sie nie von ihrem Vater abgeholt werden; wenn sie kein Foto von ihm im Familienalbum haben usw.

Karin K. schilderte ihre sehr persönliche Geschichte als Trennungskind, das seinen Vater entbehren musste. Sie erzählte von dem Leben mit einer sehr dominanten Mutter, die die Briefe des Vaters an die Kinder vorenthielt und die ihre Lügen auf ihre Kinder übertrug. Und sie erzählte, dass sie nun selbst Mutter ist, die keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern hat. Besprochen wurden die Fragen von transgenerationellen Wirkungsmechanismen von Eltern-Kind-Entfremdung sowie von jahrzehntelangen Familiengeheimnissen, die niemals für irgendjemanden gut sind.

Frau Dr. Michel-Biegel schilderte ihre Arbeit als Sozialarbeiterin und ihre Erfahrungen mit entfremdeten Eltern und Kindern. Ihr Fazit fällt klar aus: Weder Vater noch Mutter können sich aussuchen, ob sie Verantwortung haben möchten oder nicht. Sie haben sie mit der Geburt, ja der Zeugung des Kindes von Anfang an. Viele während der Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt flüchtende Väter seien mit der neuen Situation und ihrer neuen Rolle vollkommen überfordert. Hier gelte es – so banal es klingen möge – vor der Zeugung eines Kindes aufzuklären, dass sie lebenslange Konsequenzen für alle Beteiligten nach sich ziehe.

Abwesende Väter

Als Spenderkind, das erst spät von seiner Herkunft erfuhr, als es einem Familiengeheimnis auf die Spur kam, versuchte ich aus meiner Spenderkindersicht die Frage(n) nach der Rolle des Vaters zu ergründen. Hilfreich war mir vor allem auch unsere Diskussion „Spender oder Vater“, die wir in diesem Jahr hatten. Im Gegensatz zu den auf der Tagung im Fokus stehenden Kindern brach unser Vater nicht nach der Geburt den Kontakt ab oder flüchtete während der Schwangerschaft, sondern weder wir, noch gar unsere Mütter hatten jemals Kontakt zu ihm. Er war noch nicht einmal bei unserer Zeugung anwesend. Von vielen Spenderkindern wird die Abwesenheit des eigenen biologischen Vaters als eine maßgebliche Leerstelle im Leben und in der Identitätsfindung angesehen. Abgesehen von meiner persönlichen Sichtweise auf Vaterrolle(n) und Vaterentbehrung sprachen wir darüber, wie auch nach Jahrzehnten Kinder mit ihren leiblichen Eltern und (Halb-)Geschwistern in Kontakt kommen können. Und anhand der Rückmeldungen aus dem Publikum, das sich insbesondere aus Eltern zusammensetzte, die keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern haben, können unsere Spenderkindergeschichten ermutigen: Obwohl viele von uns einen (oder gar mehrere) „sozialen“ Vater haben, möchten sie den biologischen kennenlernen. Für manche der entfremdeten Eltern kann diese Erkenntnis ein wichtiges Mittel im „aktiven Warten“ auf ihre Kinder sein – und nicht aufzugeben.

Die Expertise der Spenderkinder

Interdisziplinär Positionen austauschen, gemeinsame Ziele definieren – auf dem Familienkongress des VafK war dies möglich. Die Erfahrungen und die Sicht der Spenderkinder mit den Anliegen unseres Vereins betreffen nicht nur den Bereich der Reproduktionsmedizin, sondern sie beziehen sich auf gesamtgesellschaftliche Fragen, die die Tagungsorganisatoren selbst stellten: „Wie ernst ist dieser Gesellschaft das Kindeswohl? Wie muss Kinderschutz gestaltet werden, dass das Leitmotiv ‚Allen Kindern beide [alle, Anm. Sven] Eltern!‘ auch unter schwierigen Bedingungen von Anfang an Bestand hat?“

 

Autor: Sven

Konferenz Familienbildung mit Hilfe Dritter

Am 3. und 4. November 2017 fand in Göttingen die internationale Konferenz „Familienbildung mit Hilfe Dritter. Herausforderungen, Lösungsansätze, Familienrealitäten“ statt. Ausgerichtet wurde sie vom Institut für medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Universität Göttingen, Leitung Prof. Claudia Wiesemann, in Kooperation mit der Elterninitiative DI-Netz und dem psychosozialen Beratungsnetzwerk BKiD. Es gab an den zwei Tagen insgesamt 16 Vorträge, in denen u. a. die Perspektiven eines Reproduktionsmediziners, von Eltern nach Samenspende, rechtliche Aspekte und verschiedene ethische Aspekte aufgegriffen wurden.
Von unserem Verein haben Anne und Sven an der Konferenz teilgenommen, Sven war am 2. Tag für ein Gespräch mit Dr. Petra Thorn eingeladen.  Beide hatten den Eindruck, dass unliebsame Aspekte wie kritische ethische Fragen oder negative Erfahrungen erwachsener Spenderkinder unerwünscht waren und daher nicht aufgegriffen wurden. Im Abschlussbeitrag „Third-party assisted reproduction in Germany – what will the future hold?“ wurde passend auch die Gründung von BKiD und DI-Netz genannt, nicht aber die Gründung unseres Vereins Spenderkinder. Diskutiert wurde hauptsächlich, was technisch möglich ist und rechtlich geregelt werden müsste. Von Seiten der Wunscheltern wurde der starke Wunsch nach Normalisierung ihrer Situation spürbar und ein Druck zur Rechtfertigung für ihre Entscheidung, der jedoch nur wenig Raum dafür lässt, auch die komplexen ethischen und psychologischen Herausforderungen der Familiengründung zu dritt wahrzunehmen.
Interessant war daher insbesondere der Vortrag von Olivia Montuschi und Walter Merricks, die das britische Donor Conception Network (DCN) im Jahr 1993 gegründet haben und auch anerkannten, dass manche erwachsene Spenderkinder trotz früher Aufklärung Probleme mit ihrer Entstehungsweise, bzw. der daraus resultierenden Situation haben. In Großbritannien ist eine verpflichtende psychosoziale Beratung vor der Samenspende ganz selbstverständlich, in Deutschland wird diese von uns erhobene Forderung von BKiD und DI-Netz abgelehnt.
Trotzdem hatten wir das Gefühl, dass einige unserer Impulse von einigen Referenten aufgenommen wurden und werden daher natürlich auch in Zukunft bei solchen Tagungen die Perspektive erwachsener Spenderkinder einbringen.

Zwölfter Halbgeschwistertreffer!

Bereits im Juli hatten wir einen weiteren Halbgeschwistertreffer zwischen Spenderkindern aus dem Novum in Essen: Felix ist selbst kein Mitglied in unserem Verein, aber sein Bruder überzeugte ihn, den DNA-Test FamilyFinder zu machen. Prompt gab es einen Treffer mit Magdalena. Beide freuen sich sehr über den Treffer, haben sich bereits getroffen und verstanden sich auf Anhieb gut. Das hat nun auch Felix‘ zweiten Bruder überzeugt, den Test zu machen.

Magdalena war schon einige Jahre registriert, und der Treffer ist ein gutes Beispiel dafür, dass es auch nach längerer Zeit noch zu Treffern kommen kann, wenn sich immer mehr Spenderkinder registrieren lassen. Wir können daher allen interessierten Spenderkindern den DNA-Test Family Finder nur ans Herz legen!

Erster Spender – Kind – Treffer aus München

Wir freuen uns, über den ersten Treffer zwischen Spender und Kind aus der Münchner Praxis von Dr. Poluda berichten zu können. Nachdem es 2014 im Rahmen der Klage eines Spenderkinder-Mitgliedes gegen den Reproduktionsmediziner zu Berichterstattung in den Meiden gekommen war, war ein Kontakt zu ehemaligen Samenspendern der Praxis entstanden. Laura meldete sich im Frühjahr 2017 bei unserem Verein. Der damaligen Klägerin fiel sofort die starke Ähnlichkeit zwischen Laura und einem der Spender auf. Der DNA-Test FamilyFinder bestätigte die Verwandtschaft. Auch ein persönliches Treffen erlebten beide als positiv. Dieser Treffer ist sehr motivierend für viele Spenderkinder, weil er zeigt, dass es möglich ist, Verbindungen aufzudecken, auch wenn sich ein Arzt unkooperativ zeigt.

Wir wünschen jetzt beiden Ruhe beim näheren Kennenlernen und hoffen auf viele weitere Treffer!

Ehemaligen Spendern und erwachsenen Spenderkindern, die Interesse an einem Kennenlernen haben und noch nicht registriert sind, sei eine Registrierung in der DNA-Datenbank FTDNA ans Herz gelegt!