Halbgeschwistergruppe aus München ist mittlerweile zu neunt

Im Frühjahr 2016 hatten Manuel und Désirée – beide gezeugt in der Praxis von Dr. Poluda in München – über den DNA-Test Family Finder bei der DNA-Datenbank FamilyTreeDNA (FTDNA) herausgefunden, dass sie Halbgeschwister sind. 2017 kam mit Vera eine weitere Halbschwester dazu. Im Laufe der letzten Monate hatten die drei sechs weitere Halbgeschwistertreffer über die DNA-Datenbanken FTDNA, MyHeritageDNA und 23andMe: mit Lisa und ihrem Zwillingsbruder Matthias, Sarah, Stephanie (die in der Praxis von Dr. Bollmann in München gezeugt wurde), Markus und Fadi. Markus und Fadi haben jeweils noch jüngere Zwillinge als Geschwister, von denen nicht bekannt ist, ob sie denselben genetischen Vater haben. Beide hatten den DNA-Test nur „aus Spaß“ gemacht und nicht damit gerechnet, plötzlich ihre Herkunft und das bisherige Vertrauensverhältnis zu ihren Eltern neu sortieren zu müssen. Zwei der Halbbrüder haben den Kontakt erstmal abgebrochen. Zwischen den anderen besteht ein „gutes ‚familiäres‘ Verhältnis“.

Damit ist die Münchner Gruppe die derzeit größte identifizierte Gruppe von Halbgeschwistern in Deutschland. Der Verdacht, dass es sich bei dem genetischen Vater um einen Langzeitspender handelt, scheint sich zu bestätigen: Zwischen dem ältesten und jüngsten Halbgeschwister liegt ein Altersunterschied von 13 Jahren, die anderen liegen recht gleichmäßig dazwischen. In die Freude über die gefundenen Verbindungen mischt sich auch ein mulmiges Gefühl, wie viele Halbgeschwister dieser Gruppe es noch geben mag.

Pressemitteilung: Verbrauchermesse „Kinderwunsch-Tage“ am 13./14. Oktober 2018 in Köln wirbt für in Deutschland verbotene Verfahren – Verein Spenderkinder äußert ethische und rechtliche Bedenken

Am 13. und 14. Oktober 2018 findet in Köln die umstrittene Verbrauchermesse „Kinderwunsch-Tage“ statt. Auf dieser Messe werden offensiv sämtliche in Deutschland aus ethischen und psychologischen Gründen verbotene Verfahren wie Eizellspende, kombinierte Samen- und Eizellspende, PID zur Geschlechterselektion bis hin zur Leihmutterschaft angeboten. Der Verein Spenderkinder, der sich für die Rechte und Bedürfnisse von durch Keimzellspende entstandenen Menschen einsetzt, findet es sehr bedenklich, dass wiederholt eine Veranstaltung stattfinden soll, bei der Methoden angeboten werden, die gegen die deutsche Rechtslage verstoßen.

Die gesamte Veranstaltung ist darauf ausgerichtet, KundInnen zu gewinnen und die – zum großen Teil in Deutschland verbotenen – Dienstleistungen zu vermarkten. Anders wären die zahlreichen ausländischen Aussteller, die zum Teil auch als Sponsoren genannt werden, wohl kaum bereit, an einer Veranstaltung in Deutschland mit entsprechenden Ausstellungsgebühren teilzunehmen.

Nach Werbe-Richtlinie1 ist jegliche Maßnahme, die über die Schilderung der Rechtslage zu reproduktionsmedizinischen Verfahren in anderen Ländern hinausgeht, Werbung. Hierzu gehört zum Beispiel, wenn ein Aussteller niedliche Babyfotos verwendet, um an den Kinderwunsch der Interessierten anzuknüpfen. Werbung ist auch, wenn eine Klinik ihr Vorgehen bei dem jeweiligen reproduktionsmedizinischen Verfahren schildert.2

Die im Seminarbereich angebotenen Vorträge machen deutlich, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den ethischen Hintergründen der Verbote nicht vorgesehen ist. Stattdessen scheint es, als sei es wesentlicher Inhalt der Veranstaltung, Wege zu vermitteln, wie die kindzentriert engen Grenzen der deutschen Rechtslage umgangen werden können.

Der Verein Spenderkinder wendet sich deshalb auch an die zuständige Ordnungsbehörde in Köln und fordert ein Einschreiten gegen die Werbung für Eizellspende, anonyme Keimzellspenden und Leihmutterschaft.

  1. Werbe-Richtlinie 2006/114/EG, Artikel 2 Buchst. a []
  2. Unter den Begriff der Werbung können selbst sachliche Informationen fallen, vgl. dazu das Urteil des Amtsgerichts Gießen zu verbotener Werbung für Schwangerschaftsabbruch nach § 219a StGB (AG Gießen, Urteil v. 24.11.2017, 507 Ds – 501 Js 15031/15). []

Loyalitätskonflikt der anderen Art

1. Teil

Leonard hat endlich seinen biologischen Vater gefunden. Zuvor hatte er den auskunftspflichtigen Arzt mehrmals kontaktiert. Dieser verwies immer wieder darauf, dass die entsprechenden Unterlagen nicht mehr vorhanden seien. Nach Ankündigung einer Klage vermittelte der Reproduktionsmediziner Leonard schließlich den Kontakt zu seinem biologischen Vater und es kam zu einem Treffen.

2. Teil

Nach dieser vordergründigen Identifizierung und Begegnung enden viele Berichte von Spenderkindern. Leonards Geschichte geht aber noch weiter: Sein genetischer Vater hatte niemandem in seiner Familie von der Samenspende erzählt und es ist bis heute seine größte Angst, dass jemand aus seiner Familie es herausfinden könnte.
Leonard hatte sich – wie viele andere Spenderkinder – in einer DNA-Datenbank registriert. Dort wurde ihm plötzlich eine Halbschwester angezeigt. Das brachte Leonard in einen sehr unangenehmen inneren Konflikt: Einerseits wollte er die gerade aufkeimende Beziehung zu seinem genetischen Vater nicht gefährden, indem ihn weitere seiner Kinder über die Verbindung zu Leonard identifizierten. Andererseits konnte wohl niemand so gut wie Leonard das Bedürfnis seiner Halbschwester verstehen, zu wissen, wer der eigene genetische Vater ist. Nach großem innerem Ringen traf er sich mit seiner Halbschwester und erzählte ihr, dass er ihren gemeinsamen genetischen Vater kennt. Schließlich willigte der genetische Vater ein, dass Leonard seiner Halbschwester seine Daten weitergab. Um ähnliche Situationen künftig zu vermeiden, hat sich Leonard vorläufig von der Datenbank abgemeldet. Leonard hat Angst, dass sich sein genetischer Vater wieder von ihm abwendet, wenn ihn weitere Kinder über Leonard finden.

Leonards Geschichte zeigt auf, wie wichtig es ist, dass sich Samenspender im Vorfeld ihrer Entscheidung umfassend mit den Konsequenzen ihrer Handlung auseinandersetzen. Es entstehen Menschen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ihre genetischen Väter kennenlernen möchten. Es ist nicht Aufgabe von Spenderkindern, ihren genetischen Vätern zu helfen, eine Scheinwelt aufrecht zu erhalten, in der es die genetischen Kinder nicht gibt. Wäre es nicht auch Spenderkindern zu wünschen, dass ihre genetischen Väter sie nicht vor anderen verleugnen, sondern zu ihnen stehen?

Weiterer Halbgeschwistertreffer

Ein weiterer Halbgeschwistertreffer ist dank eines zufälligen Treffers in einer DNA-Datenbank zustanden gekommen. Dana, die schon immer wusste, dass sie Spenderkind ist und schon seit ihrer Kindheit gerne Kontakt zu Halbgeschwistern gehabt hätte, hat sich letzten Monat neben FTDNA zusätzlich bei der DNA-Datenbank 23andMe registrieren lassen. Dort war auch ein Halbbruder von ihr registriert, der bis dahin nicht wusste, dass er Spenderkind ist.

Dies ist schon der zweite Halbgeschwistertreffer zwischen Spenderkindern, die in einer kleinen gynäkologischen Praxis in Hamburg-Harburg gezeugt worden sind, in der vor allem in den 1980er Jahren Inseminationen durchgeführt wurden.

Wir zählen ab jetzt nicht mehr einzelne Halbgeschwistertreffer, sondern Halbgeschwistergruppen. Mit dem aktuellen Treffer haben wir mittlerweile 18 Halbgeschwistergruppen, die aus zwei bis sieben Spenderkindern bestehen.

Die letzten Halbgeschwister-Zufallstreffer lassen uns vermuten, dass es teilweise sehr große Halbgeschwistergruppen gibt. Dafür spricht auch, dass es vor Inkrafttreten des Samenspenderregisters zum 1. Juli 2018 keine wirksame Kontrolle darüber gab, wie viele Kinder durch einen Samenspender gezeugt wurden. Leider gibt es auch immernoch keine verbindliche Obergrenze. Aus Erzählungen wissen wir, dass manche Samenspender jahrelang aktiv waren. In den USA sind über die Donor Sibling Registry Halbgeschwistergruppen von 50 bis 100 Menschen bekannt. Viele Spenderkinder freuen sich über Halbgeschwister. Solch große Halbgeschwistergruppen erschweren es aber, die einzelnen Menschen als Individuen wahrzunehmen und wecken eher unangenehme Assoziationen an gewinnmaximierende „Massenproduktion“.

Ältestes Mitglied des Vereins hat Spender gefunden

Nun habe auch ich als ältestes Mitglied des Vereins, gezeugt 1965 in Paris, meinen Spender gefunden. Über einen Zufallstreffer in einem Gentest mit einer Halbschwester kam heraus, dass sie die Tochter meines genetischen Vaters ist. Er war ein Arzt aus einer jüdischen Familie aus Osteuropa, die Ende der dreißiger Jahre nach Südamerika ausgewandert war. In den 60ern hat er eine Zeit in Paris gearbeitet. Er ist verstorben, aber über meine Halbschwester gibt es Photos und Erzählungen. Ich merke, wie viel es mir bedeutet und wie zufrieden ich bin, jetzt ein inneres Bild zu haben. Ich glaube, man kann nicht anders, als sich die Fragen zu stellen: „Wer ist es? Wie ist er? Ist es jemand, den ich achten kann?“ und es gibt innere Ruhe, sie beantworten zu können.
Autorin: Marie

Samenspender sind keine Superhelden – Werbekampagne der Erlanger Samenbank erschwert Wahrnehmung der menschlichen Beziehung zwischen Samenspender und dem von ihm gezeugten Kind

Gegenwärtig läuft in Nordbayern eine Plakat-Werbekampagne der Erlanger Samenbank mit dem Slogan „Held sein, wenn andere hoffen!“. Zu dem Slogan werden auf den Plakaten die bekannten Superhelden James Bond, Ironman und Viking von vermeintlich gutaussehenden Männern nachgestellt, die eine Plastikdose in den Händen halten, in denen sich anscheinend eine Samenspende befinden soll. Oben links in der Ecke ist in kleinerer Schrift formuliert: „Familienglück für Paare, Sicherheit für Spender. Das neue Samenspendegesetz schafft klare Regeln.“

Die Plakate sollen sicherlich witzig sein und die Thematik auflockern, aber sie schießen moralisch am Ziel vorbei, missachten die Bedürfnisse der entstehenden Kinder und blenden die Folgen einer Samenspende für alle Beteiligten aus.

Die Form der bildlichen und verbalen Darstellung verschleiert die Bedeutung einer Samenspende

„Samenspende“ wird als eine einmalige Rettungsaktion dargestellt. Abseits der Superheldenillusion sind mit dieser Form der Familiengründung zu dritt lebenslange Herausforderungen für alle Beteiligten verbunden. Die Unfruchtbarkeit des Wunschvaters wird durch die Erzeugung einer Schwangerschaft mit den Keimzellen eines anderen Mannes nicht behoben. Stattdessen gilt es, einen unbekannten Menschen als genetischen Vater des Kindes zu akzeptieren. Dieser Mann ist ein leibhaftiger Mensch, kein Superheld, und es ist hilfreich, wenn er von Anfang an als solcher auch ins Familienmodell integriert wird. Studien zeigen, dass die meisten aufgeklärten Kinder ihren genetischen Vater und auch ihre Halbgeschwister kennenlernen möchten. Darauf sollte sich auch der genetische Vater von Anfang an einstellen. Männern, die überlegen, als Samenspender genetischer Vater zu werden, sollte klar sein, dass ihre Entscheidung auch eine Bedeutung für ihren Partner oder ihre Partnerin und ihre weitere Familienplanung haben kann. Die flüchtige Rolle eines Helden, der kurz auftaucht und dann (für immer?) verschwindet, scheint dafür äußerst ungeeignet.

Die Bedürfnisse der Kinder bleiben unerwähnt

Die Erläuterung „Familienglück für Paare, Sicherheit für Spender. Das neue Samenspendegesetz schafft klare Regeln.“ ist insofern bemerkenswert, als dass darin nur die Bedürfnisse der Paare und der „Spender“ thematisiert werden, während die der Kinder unerwähnt bleiben. Der Verweis impliziert, dass mit dem kommenden Gesetz alles so geregelt werde, wie Eltern und „Spender“ es sich wünschen: Die „Samenspende“ ohne unliebsame Konsequenzen, Familienglück für das Paar und ein heldenhaftes Gefühl für den genetischen Vater.

Das Gesetz wurde aber vor allem auf Drängen erwachsener Spenderkinder eingeführt, deren Recht auf Kenntnis ihrer Abstammung von Ärzten missachtet worden war, die den Samenspendern rechtswidrig Anonymität zugesichert hatten. Dementsprechend wurden die genetischen Väter unzureichend darauf vorbereitet, dass die entstehenden Menschen sie in der Regel im Laufe ihres Lebens als Menschen kennenlernen möchten. Viele Spenderkinder formulieren, dass sie von ihrem genetischen Vater als Person anerkannt werden möchten. Ein flüchtiger Superheld dürfte dem nicht gerecht werden.

Fragwürdige Heldenmetapher

Die Heroisierung genetischer Väter wirft zudem weitere Fragen auf: Ist ein Mann ein Held, nur weil er geeignetes Sperma hat, um Kinder zu zeugen? Und welche Rolle kommt Männern zu, die kein geeignetes Sperma haben? Brauchen Paare, bei denen der Mann unfruchtbar ist, einen gut aussehenden Superhelden, der sie rettet? Oder ist das Verführerische am Heldenkonzept, dass Helden so unnahbar sind, man sie im wirklichen Leben nicht (mehr) zu Gesicht bekommt?

Der Verein Spenderkinder setzt sich seit Jahren dafür ein, darüber aufzuklären, dass eine „Samenspende“ mehr ist als ein technischer Akt. Bei einer Familiengründung geht es um Menschen, zwischen denen soziale und genetische Beziehungen entstehen. Und anders als in der Vergangenheit sollen die Kinder selbst entscheiden dürfen, welche der Beziehungen, welche Menschen, ihnen wichtig sind. In dieser Werbung bleibt diese wesentliche Erkenntnis außen vor. Stattdessen stellt die Werbung der Erlangener Samenbank die Bedeutung des Samenspenderregistergesetzes so dar, als sei der Beziehungsaspekt mit dem neuen Gesetz gar hinfällig, weil rechtlich alles in trockenen Tüchern ist.

Diese Darstellung passt nicht zum seriösen Eindruck, den wir von der Erlanger Samenbank haben. Wir sind deshalb an die Erlanger Samenbank mit der Bitte herangetreten, diese Werbekampagne zu überarbeiten, da sie eine naive Vorstellung von Familiengründung mit fremden Keimzellen stützt, die insbesondere die Bedürfnisse der entstehenden Kinder unberücksichtigt lässt.

Teilnahme am Podiumsgespräch „Reproduktionsmedizin – Wessen Wünsche, welche Wirklichkeit?“ auf dem 101. Deutschen Katholikentag in Münster, 10. Mai 2018

Im Rahmen des 101. Deutschen Katholikentages in Münster fand ein Podiumsgespräch unter dem Titel „Reproduktionsmedizin – Wessen Wünsche, welche Wirklichkeit?“ statt, an dem ich (Sven) als stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Vereins Spenderkinder teilnahm. Veranstalter waren der Bundesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes e. V. (KDFB) und der donum vitae Bundesverband e. V.

Die 90-minütige Veranstaltung fand kurz nach der zentralen Eröffnung des Katholikentages statt und war mit circa 550 Personen im Großen Hörsaal der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster gut besucht, obwohl parallel ein anderes Podiumsgespräch („Auf dem Weg zum Wunschkind“, veranstaltet vom Malteser Hilfsdienst e. V.) stattfand.

Auf dem Podium nahmen insgesamt sieben Gäste sowie der Moderator (Joachim Frank, Theologe, Journalist und Buchautor) Platz. Nach zwei Grußworten der jeweiligen Verbandsvorsitzenden (Dr. Maria Flachsbarth, Präsidentin des KDFB, und Rita Waschbüsch, Bundesvorsitzende von donum vitae), die das Spannungsfeld zwischen Reproduktionsmedizin, alltäglicher Beratungspraxis und katholischen Glaubensgrundsätzen beschrieben, begann die Diskussion. Die individuelle Redezeit war durch die große Teilnehmeranzahl leider sehr begrenzt.

Zuerst kamen drei Gäste mit ihrem eigenen Erleben zum Podienthema zu Wort. Christl Seidel schilderte aus der Elternperspektive ihren jahrelangem Kinderwunsch und ihr Leben mit zwei Kindern, die durch repro-medizinische Methoden entstanden sind. Sie erklärte, wie tabuisiert und schambehaftet ein unerfüllter Kinderwunsch im katholisch geprägten Umfeld sein kann und wie ihr geraten wurden, die Kinderlosigkeit als „göttlichen Willen“ anzunehmen.

Dann wurde ich als Spenderkind befragt. Knapp erzählte ich meine Geschichte und wie ich mit der Kenntnis meiner Zeugungsart umgehe. Ich differenzierte, dass wir Spenderkinder nur eine der Gruppen von Menschen sind, die nach repro-medizinischen Methoden entstanden sind – in unserem Fall nach Samenspende, was eine ganz spezifische Situation ist, weil bei dieser Form der Familie noch ein fremder genetischer Elternteil dazugehört.

Danach teilte Christian Pulfrich seine Erfahrungen als katholischer Schulseelsorger mit. Er berät Eltern, die aufgrund ihrer Glaubensgrundsätze in einem Gewissenskonflikt stehen, weil sie nach In-vitro-Fertilisation (IVF) Eltern eines Kindes sind und nicht wissen, wie sie als gläubige KatholikInnen mit weiteren eingefrorenen Embryos umgehen sollten. Die Eltern wollten mit einer IVF ihren Kinderwunsch erfüllen, ohne sich darüber Gedanken gemacht zu haben, dass dabei möglicherweise mehr Embryonen entstehen, als sie austragen können oder möchten.

Diese „biographischen Notizen“ griffen die Fachteilnehmer des Podiums in ihrer Diskussionsrunde auf. Als erstes hatte Dr. Jürgen Krieg vom Kinderwunschzentrum Amberg das Wort. Er begründete sein Tun und Handeln und das seiner Standeskollegen mit der Pflicht, als Arzt leidenden Menschen zu helfen. Ungewollte Kinderlosigkeit sei eine Krankheit. Dr. Krieg meinte, er bringe nur Ei- und Samenzelle zusammen. Leben würde von ihm aber nicht, „geschaffen“ werden. Ich selbst kann diese technokratische Haltung nicht nachvollziehen, da sie den Ärzten jegliche Verantwortung für die Reflektion ethischer Grenzen bei der Entstehung menschlichen Lebens abspricht.

Die Rechtswissenschaftlerin JProf. Dr. Anne Sanders (Universität Bonn) war als Kennerin des deutschen, europäischen und internationalen Familienrechts geladen und schilderte die rechtliche Problemlage für bestimmte Familien bzw. „Wunscheltern“, wenn grenzensetzendes deutsches Recht auf liberaleres ausländisches Recht treffe und deutsche Paare im Ausland fremde Eizellen oder eine Leihmutter in Anspruch nehmen.

Prof. Dr. Kathrin Braun (Universität Hannover) forscht als Politikwissenschaftlerin insbesondere auf dem Gebiet der Bio(medizin)politik. Sie nahm das Thema etwas kritischer unter die Lupe: Prof. Dr. Braun plädierte dafür, zunächst gesellschaftlich zu hinterfragen, welche Gründe Kinderwunsch haben könne und weshalb Paare ihren Kinderwunsch weit nach hinten verschöben. Die Diskussion um die Legalisierung von Eizellspenden in Deutschland sieht sie kritisch, vorrangig sollten dringend bereits bestehende ethische Fragen im Repro-Bereich geklärt werden (z. B. das Thema der Erzeugung später überzähliger imprägnierter Eizellen und Embryonen).

Die Sozialethikerin Prof. Dr. Monika Bobbert (Uni Münster und Heidelberg) warnte aus moraltheologischer Sicht vor einer überschnellen Legalisierung von Eizellspenden oder gar Leihmutterschaften. Sie führte ethische Bedenken im Hinblick auf die Frauen aus, die ihre Körper hergeben und gesundheitlich-wirtschaftlich ausgebeutet würden. Dadurch entstünde global ein soziales Ungleichgewicht, da wohlhabende Westeuropäer die wirtschaftliche Not von Frauen in Osteuropa und Asien ausnutzten. Auch in Bezug auf die entstehenden Kinder ließen sich ethische Bedenken anführen, die an dieser Stelle jedoch nicht genannt wurden.

Abschließend durftenHerr Pulfrich, Frau Seidl und ich Abschlussstatements formulieren. Frau Seidl und Herr Pulfrich betonten, dass Wunscheltern vonseiten der (katholischen) Amtskirche mehr Unterstützung erhalten sollten in Form von Beratungsangeboten, die mit den Glaubensgrundsätzen im Einklang stehen.

Im Verlauf des Podiumsgespräches merkte ich, dass keineR der FachteilnehmerInnen die Perspektive der nach Repro-Methoden entstandenen Menschen eingenommen hatte bzw. auf deren Bedürfnisse einging. Ich regte also einen Perspektivwechsel im repro-medizinischen Diskurs an: Weder das medizinisch-technisch Machbare, noch die Wünsche der Eltern sollten Ausgangspunkt der Überlegungen und Handlungen in der Reproduktionsmedizin sein. Vielmehr sollten alle Beteiligten aus der Perspektive derer handeln, die so sehr herbeigewünscht werden: die Kinder.

Die Veranstaltung zeigte einmal mehr, dass die Stimmen der Spenderkinder wichtig sind, weil sie eine eigene Perspektive einbringen, die sich von der Sicht der anderen Beteiligten im Reproduktionsgeschehen und auch von der Perspektive vieler Erwachsener mit erfülltem oder unerfüllten Kinderwunsch unterscheidet.

19. Halbgeschwistertreffer – erstmals erfahren deutsche Spenderkinder über DNA-Datenbanken von ihrer Zeugungsweise

Nachdem einige unserer Mitglieder sich in den letzten Monaten auch bei anderen DNA Datenbanken wie 23andme, Ancestry und MyHeritageDNA registriert haben, konnten wir uns in den vergangenen Wochen über einige weitere Halbgeschwistertreffer freuen. Darunter ist auch ein Treffer zwischen vier Halbgeschwistern aus der Praxis Novum in Essen. Nachdem ich seit 2011 in der DNA-Datenbank FamilyTreeDNA registriert war, ohne nähere Verwandte zu finden, habe ich auf 23andme, Ancestry und MyHeritageDNA gleich drei Halbgeschwister in verschiedenen Familien identifizieren können. Meinen Halbbruder konnte ich sogar bereits persönlich kennenlernen. Wir werden sicherlich weiterhin in Kontakt bleiben. Schade, dass ich ihn nicht schon früher kennengelernt habe.

Zwei meiner Halbgeschwister haben von ihrer Zeugung durch „Samenspende“ erst dadurch erfahren, dass ich bei dem jeweiligen DNA-Test überraschend als ihre Halbschwester angezeigt wurde. Solche Fälle waren bisher nur aus den USA bekannt. Es zeigt, dass auch in Deutschland immer mehr Menschen DNA-Tests nutzen. Der Grund hierfür muss nicht unbedingt die Suche nach direkten Verwandten sein, sondern ist manchmal auch ein allgemeines Interesse an der historischen Herkunft der eigenen DNA.

Ich bitte alle Eltern von Spenderkindern, ihre Kinder selbst über deren Herkunft aufzuklären und nicht darauf zu vertrauen, dass die Wahrheit nicht ans Licht kommt. Es ist eine unangenehme und schwierige Situation, als persönlich fremder Mensch den neu gefundenen Geschwistern vermitteln zu müssen, dass ihr Vater wohl nicht ihr genetischer Vater ist und dass die Eltern ihnen eine so wichtige Information vorenthalten haben.

Spender der Uniklinik Essen über DNA-Test identifiziert

Vor ein paar Monaten habe ich mich eher der Vollständigkeit halber entschieden, mich auch bei den DNA-Datenbanken 23andme und Ancestry zu registrieren, die eine größere Datenbasis haben als der von unserem Verein zur Verwandtensuche verwendete Test FamilyFinder. Da aber auch die meisten der dort registrierten Personen US-Amerikaner sind, habe ich nicht wirklich erwartet, dass meine Suche erfolgreich sein würde. Ende März erhielt ich eine Nachricht, dass meine Testergebnisse da wären. Kurz bevor ich gegen Mitternacht ins Bett gehen wollte, fiel mir ein, dass ich meine Ergebnisse noch ansehen wollte. Gesagt, getan: Mir wurde ein Cousin ersten oder zweiten Grades angezeigt, der mit hoher Wahrscheinlichkeit mit mir verwandt ist. So einen nahen Treffer hatte ich bei Family Finder bislang nie. Mit Google fand ich einen Nachruf auf den Vater meines Matches, in dem ein Neffe aus Deutschland erwähnt wurde. Über diesen Neffen fand ich wiederum direkt heraus, dass er Arzt ist und an der Universitätsklinik Essen tätig war, wo ich entstanden bin. Danach war an Schlaf erstmal nicht zu denken…

Die Identifizierung meines biologischen Vaters dauerte nach fast zwölf Jahren der Ungewissheit nur zwei Minuten. Wahrscheinlich hat er auch nie erwartet, dass er fast 39 Jahre später über seinen Cousin identifiziert werden würde.

Mein biologischer Vater und ich hatten bislang kurz Kontakt. Daher weiß ich, dass er angeblich nur zwei oder drei Mal auf die Bitte von Kollegen hin eingesprungen ist, wenn ein Samenspender nicht zum Termin erschienen ist (Anfang der 80er waren es noch Frischspenden). Daher ist die Wahrscheinlichkeit leider recht gering, dass ich Spenderkinder-Halbgeschwister habe. 30 Halbgeschwister hätte ich zu viel gefunden, aber über ein paar würde ich mich schon freuen.

An der Geschichte schockiert mich etwas die Willkür: kommt der eine nicht, springt halt jemand anders spontan ein, der meint dass er irgendwie geeignet ist. Es scheint, dass eine solche Vorgehensweise insbesondere in der Zeit der Frischspenden öfters vorkam.

Ich bin immer noch erstaunt, dass ich die Nadel im Heuhaufen tatsächlich gefunden habe, aber sehr froh, dass ich nicht mehr mit dieser Leerstelle leben muss und auch meinen Kindern ein Foto zeigen und einen Namen sagen kann. Ein Freund hat mich vor ein paar Jahren ernst angesehen und gesagt: „Ich bin mir sicher, dass Du es irgendwann herausfinden wirst. Vielleicht nicht heute oder morgen, aber irgendwann wirst Du mir sagen: Ich habe ihn gefunden.“ Und er hatte so Recht. Man sollte nie aufgeben. Ich wünsche mir, dass noch viele andere Spenderkinder mit Hilfe von DNA-Tests und den nun bestehenden rechtlichen Möglichkeiten ihre Verwandten finden werden. Die Idee, dass Samenspender anonym sein können, ist mit den neuen autosomalen DNA-Tests endgültig gestorben. Und das ist gut so.

Rechtliche Zulässigkeit der Embryonenspende mit imprägnierten Eizellen geht in die nächste Instanz

Am 21. März 2018 hat das Amtsgericht Dillingen drei Vorstandsmitglieder des Netzwerks Embryonenspende vom Vorwurf der Verwendung missbräuchlicher Fortpflanzungstechniken freigesprochen.1 Das Urteil gegen eine mitangeklagte Rechtswissenschaftlerin steht noch aus.

Der Grund für den Freispruch war, dass das Amtsgericht einen sogenannten unvermeidbaren Verbotsirrtum (§ 17 Absatz 1 Strafgesetzbuch) bei den Vorstandsmitgliedern sah, weil diese sich vor Aufnahme ihrer Tätigkeit umfangreich über die Zulässigkeit informiert hätten.

Gegen den Freispruch hat die Staatsanwaltschaft nun Berufung eingelegt. Das Verfahren wird daher vor dem Landgericht erneut verhandelt. Es ist recht wahrscheinlich, dass das Verfahren danach über die Revision beim Bundesgerichtshof landet.

Hintergrund des Strafverfahrens

Die Embryonenadoption (oft als Embryonenspende bezeichnet) ist die Weitervermittlung von kryokonservierten Embryonen an andere als die genetischen Eltern, die ursprünglich den Kinderwunsch realisieren sollten. Bei dem Großteil der in Deutschland in Reproduktionszentren gelagerten Embryonen handelt es sich jedoch nicht um Embryonen im Rechtssinn, bei denen die Zellverschmelzung schon stattgefunden hat, sondern um sogenannte Vorkerne, auch bezeichnet als imprägnierte Eizellen oder 2-PN-Zellen. Bei diesen ist das Spermium zwar bereits in die Eizelle gelangt, doch die Kerne von beiden Zellen sind noch nicht miteinander verschmolzen. Das genetische Material der Eltern ist daher noch getrennt, die Befruchtung wird durch das Einfrieren gestoppt.

Die herrschende juristische Meinung sieht in der Weiterkultivierung eines Vorkerns mit der Absicht der Übertragung auf eine andere Frau, eine nach § 1 Abs. 1 Nr. 2 Embryonenschutzgesetz verbotene „Befruchtung“ zur Übertragung an eine andere Frau.2

Das Netzwerk Embryonenspende nahm im Jahr 2013 seine Arbeit auf und erklärte öffentlich auf seiner Internetseite, auch Vorkerne zu vermitteln. Ein dreiseitiges Gutachten von der emeritierten Rechtsprofessorin Monika Frommel sollte die Legalität des Verfahrens erklären. Die Staatsanwaltschaft Augsburg nahm 2014 Ermittlungen auf und erhob schließlich Anklage.

Urteil bestätigt: Die Weiterkultivierung und -vermittlung von imprägnierten Eizellen ist unzulässig

Das Amtsgericht Dillingen schloss sich nun der herrschendem Meinung an, dass die Weiterkultivierung von imprägnierten Eizellen zur Übertragung an eine andere Frau als die genetische Mutter strafbar ist, sah aber einen strafbefreienden unvermeidbaren Verbotsirrtum bei den Angeklagten. Leider wird das Urteil von einigen Medien nun missverständlich so dargestellt, als hätte das Amtsgericht Dillingen entschieden, die Angeklagten seien freigesprochen worden, weil die Vermittlung von imprägnierten Eizellen zulässig sei. Das ist nicht der Fall. Nach dem Urteil dürften die Vorstandsmitglieder nicht weiter imprägnierte Eizellen vermitteln und würden sich erneut strafbar machen, wobei sie sich dann nicht mehr auf einen Verbotsirrtum berufen könnten.

Kritik am Freispruch

Das Gericht hielt den drei Vorstandsmitgliedern vor allem zu Gute, dass sie rechtlichen Rat eingeholt hätten, indem sie auf dem dreiseitigen Gutachten ihres juristischen Vorstandsmitglieds vertrauten und auch die Expertise des Deutschen Ethikrats eingeholt hätten. Der Richter wird so zitiert, dass sie sich soviel Rechtsrat eingeholt hätten wie möglich und von allen Seiten gesagt bekommen hätten, ihr Vorhaben sei erlaubt.3 Gerade diese Annahme ist aber fraglich.

Das Gutachten der Rechtswissenschaftlerin Monika Frommel, ebenfalls Vorstandsmitglied des Netzwerks Embryonenspende, aus dem Jahr 2011 fällt angesichts der Bedeutung der rechtlichen Frage mit drei Seiten recht kurz aus. Auffallend ist auch, dass Argumente gegen die Zulässigkeit der Vermittlung von imprägnierten Eizellen keinen Raum erhalten. Die Gegenmeinung von Börgers/Frister aus dem Jahr 2010 wird noch nicht einmal erwähnt. Es ist natürlich richtig, dass Nichtjuristen sich bei juristisch umstrittenen Themen nicht auskennen müssen und dem rechtlichen Rat von Juristen vertrauen dürfen. Bei einem so wichtigen und umstrittenen Thema jedoch eine so eindeutige Aussage für die Zulässigkeit des Verfahrens zu erhalten, hätte vielleicht schon etwas misstrauisch machen können. Da niemand gerichtliche Entscheidungen absolut sicher vorhersehen kann, enthalten juristische Gutachten aus Haftungsgründen normalerweise Einschränkungen bei der Sicherheit der Aussagen.4 Im Jahr 2015 erschien dann in der Neuen Juristischen Wochenzeitschrift ein Beitrag von Taupitz/Hermes, in dem die Argumentation des Gutachtens geradezu zerpflückt wurde.5 Der Beitrag endete mit dem Fazit: „Ein Fortpflanzungsmediziner, der eine imprägnierte kryokonservierte Eizelle auftaut und weiterkultiviert und dabei die Absicht hat, den später entstehenden Embryo auf eine Frau zu übertragen, von der die Eizelle nicht stammt, geht jedenfalls ein erhebliches Strafbarkeitsrisiko ein.“6 Der Beitrag beruhte auf Vorträgen unter anderem vor dem Bundesverband Reproduktionsmedizinischer Zentren Deutschlands (BRZ). Das Netzwerk Embryonenspende vermittelte laut Internetseite weiterhin auch Embryonen im Vorkernstadium7.

Auch der Deutsche Ethikrat bescheinigte dem Netzwerk Embryonenspende keinesfalls die Zulässigkeit der Weiterkultivierung und -vermittlung von imprägnierte Eizellen. In seiner am 22. März 2016 veröffentlichten Stellungnahme „Embryonenspende, Embryoadoption und elterliche Verantwortung“ vertrat der Rat die Auffassung, dass die Adoption überzähliger Embryonen mit dem Embryonenschutzgesetz vereinbar sei, Embryonen jedoch nicht gezielt zur Weitergabe erzeugt werden dürfen. Die Weiterkultivierung imprägnierter Eizellen mit dem Ziel, sie einer anderen Frau als der genetischen Mutter einzupflanzen, verstoße gegen das Embryonenschutzgesetz.8

Haltung des Vereins Spenderkinder zur Embryonenspende / Embryonenadoption

Der Verein Spenderkinder sieht die Embryonenadoption kritisch (siehe Position des Vereins Spenderkinder zur Embryonenadoption). Insofern begrüßen wir, dass die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt hat.

Anders als oft verkürzt dargestellt, handelt es sich bei der Embryonenadoption nicht um eine Win-Win-Situation. Im Fall einer Weitervermittlung von Embryonen und imprägnierten Eizellen muss sich das entstehende Kind jedoch nicht nur mit der gespaltenen Mutterschaft, sondern zusätzlich auch noch mit einer gespaltenen Vaterschaft und einer zeitverzögerten Zeugung auseinandersetzen. Die Situation stellt sich noch schwieriger dar, als wenn nur die Keimzellen eines fremden Elternteils verwendet wurden. Bei der Embryonenadoption gibt es eine vollständige Parallelfamilie mit einem genetischen Elternpaar und mindestens einem genetischen Vollgeschwister. Das ist für alle Beteiligten eine lebenslange Herausforderung, die aus dem Bereich der herkömmlichen Adoption gut bekannt ist. Bei einer herkömmlichen Adoption wird zudem unabhängig überprüft, ob die Annahme des Kindes durch die Empfänger dem Wohl des Kindes entspricht. Bei der Tätigkeit des Netzwerks Embryonenspende entscheiden allein die Mitglieder des Vereins, wer Empfänger von „freigegebenen“ Embryonen und imprägnierten Eizellen Zellen wird. Darüber hinaus ist das Verfahren nicht offen und die Dokumentation der abgebenden Eltern unklar.9.

Abgesehen davon fordern wir die (eigentliche) Selbstverständlichkeit, dass sich Reproduktionsmediziner an gesetzliche Verbote halten und nicht eigenmächtig Fakten schaffen. Das Embryonenschutzgesetz möchte die gespaltene Mutterschaft mit dem Verbot der Eizellspende klar verhindern, auch um das Kind vor der psychischen Herausforderung einer gespaltenen Mutterschaft zu schützen. Die Zulässigkeit der Weitergabe von verwaisten (bereits entstandenen) Embryonen (und NICHT von imprägnierten Eizellen!) wurde als klare Ausnahme gesehen. Das sollte akzeptiert werden. Der Verein Spenderkinder fordert eine breite öffentliche Diskussion über die psychosozialen Aspekte und die ethische Dimension der Weiterkultivierung und Weitervermittlung imprägnierter Eizellen.

Möglicherweise wird diese Diskussion nun durch die strafrechtliche Aufarbeitung eingeleitet. Wir wünschen uns für diese Debatte, dass auch die Perspektive der so gezeugten Menschen wahrgenommen und insbesondere nicht verkürzt dargestellt wird.

  1. Siehe hierzu den Artikel im Deutschen Ärzteblatt  sowie in der Legal Tribune Online . []
  2. Taupitz, J. & Hermes, B., Eizellspende verboten – Embryonenspende erlaubt? Neue Juristische Wochenschrift 2015, 1802-1807, S. 1807; sowie Börgers, N. & Frister, H. (2010). Rechtliche Probleme im Zusammenhang mit der Kryokonservierung von Keimzellen; für die Legalität des Verfahrens spricht sich die zum Netzwerk gehörende Rechtswissenschaftlerin Monika Frommel in einem für diese Organisation erstellten Rechtsgutachten aus. []
  3. Siehe Deutsches Ärzteblatt. []
  4. Beispiele für solche Formulierungen sind: „es spricht viel dafür“, „es sprechen überwiegende Argumente dafür“, „es kann nicht völlig ausgeschlossen werden, dass …“, „erhebliches Risiko“, „nicht unerhebliches Risiko“, „gewisses Risiko“. []
  5. Taupitz, J. & Hermes, B., Eizellspende verboten – Embryonenspende erlaubt? Neue Juristische Wochenschrift 2015, S. 1802-1807. []
  6. Ebda., S. 1807. []
  7. siehe dazu die auf der Homepage des Netzwerks bereitgestellten Informationen und „Verfahren“, „Was ist eine Embryonenspende?“: „Manche Paare – nach erfolgreicher Behandlung in einem IVF-Zentrum und abgeschlossenem Kinderwunsch – haben keine Embryonen, sondern imprägnierte Eizellen, das sind Eizellen, in die bereits die Samenzelle des Partners eingedrungen ist und die vor der ersten Zellteilung eingefroren wurden, im IVF-Zentrum gelagert. Wenn das Paar diese Zellen nicht verwerfen lassen will, dann kann es nach ausführlicher Beratung  und Erlaubnis zum Auftauen dieser Zellen die Freigabeerklärung zur Spende des Embryos bzw. des  hieraus entstehenden Embryos unterzeichnen.“ http://www.netzwerk-embryonenspende.de/verfahren/verfahren.html (l.v.15.04.2018 []
  8. Deutscher Ethikrat, Embryonenspende, Embryoadoption und elterliche Verantwortung, März 2016, S. 41-42. []
  9. Das Netzwerk wollte zunächst nur die Identität des genetischen Vaters dokumentieren. Embryonenadoptionen werden zudem nicht im Samenspenderregister vermerkt, das im Juli 2018 seine Arbeit aufnehmen wird. []