Unsere Suchkampagne

Aufruf an ehemalige Samenspender: Bitte meldet euch!

Liebe ehemalige „Samenspender“,

mit eurem Samen sind Menschen entstanden. Und das sind wir – zum Beispiel Sven, Sunny, Anne und Anja. Wir kennen unsere Mutter und die meisten von uns haben einen sozialen Vater. Aber wer seid ihr?

Wenn wir in den Spiegel schauen, dann wissen wir nicht, von wem wir unsere Augen haben oder die Nase – oder unser Verantwortungsbewusstsein. Aber was wir wissen, ist, dass die Hälfte unserer Ausstattung von euch ist: Eure Anlagen für unser Aussehen, unsere Persönlichkeit und unsere Gesundheit. Ihr seid somit ein wichtiges Puzzleteil unseres Lebens und unserer Identität. Ihr seid ein wichtiger Mensch für uns. Und wir möchten gern wissen, was für ein Mensch ihr seid. Wir möchten euch gern kennenlernen, damit wir, wo wir unsere Identität im Moment nur auf ein schwarzes Loch gründen, eine reale Person einfügen können.

Vielen von euch wurde vermutlich gesagt, dass ihr anonym bleibt oder sogar anonym bleiben müsst. Das stimmt nicht. In Deutschland haben alle Menschen – auch Kinder eines „Samenspenders“ – ein Recht darauf, zu erfahren, wer ihre leiblichen Eltern sind. Die meisten Reproduktionsmediziner unserer Mütter helfen uns aber trotzdem nicht.  

Deswegen hoffen wir, euch hiermit direkt zu erreichen. Wir verstehen, dass der Schritt, nach so vielen Jahren Kontakt aufzunehmen, auch für euch kein leichter ist. Dennoch bitten wir euch von Herzen darum. Wir wünschen uns einen genetischen Vater, der mutig ist. Wir wünschen uns einen genetischen Vater, der zu seiner Vergangenheit als „Spender“ stehen kann und uns nicht verleugnet. Wir sind freundliche Menschen und keine Bedrohung. Finanzielle Forderungen liegen uns fern.

Bitte meldet euch bei unserer Vereinsadresse: info@spenderkinder.de. Unser Verein behandelt alle Anfragen absolut vertraulich, und natürlich ist es auch möglich, sich unter einer E-Mailadresse zu melden, aus der der volle Name nicht hervorgeht.

Wir freuen uns von euch zu hören.

Sven, Sunny, Anne, Anja und viele andere Spenderkinder

Über diese Kampagne

Für die meisten Menschen ist es selbstverständlich, zu wissen, wer ihre leiblichen Eltern sind. Für Spenderkinder ist es das nicht.

Seit über 10 Jahren versuchen wir Spenderkinder herauszufinden, wer unsere genetischen Väter sind. Wir kontaktieren die ehemaligen Ärzte unserer Mütter und andere Menschen, die noch etwas wissen könnten und bitten sie, uns Informationen zu geben. Die meisten Reproduktionsmediziner zeigen sich jedoch wenig kooperationsbereit, da sie ihren „Spendern“ rechtswidrigerweise Anonymität versprachen. Mit ihrem Verhalten missachten sie auch weiterhin unser Recht, zu wissen, wer unsere leiblichen Elternteile sind.

Studien haben ergeben, dass viele „Spender“, die von einer anonymen Samenabgabe ausgegangen sind, inzwischen zu einem Kontakt bereit wären. Allerdings haben sie von sich aus fast gar keine Möglichkeit dazu, weil sie gar nicht wissen, an wen ihr Samen vermittelt wurde und wie viele Kinder sie gezeugt haben. Vielleicht haben sie auch noch nicht von unserem Verein gehört oder denken nicht, dass durch sie gezeugte Kinder unter uns sind und nach ihnen suchen.

Mit dieser Kampagne wenden wir uns daher direkt an ehemalige „Samenspender“ – unsere genetischen Väter – und hoffen, dass wir sie erreichen: Wir hoffen, dass sie verstehen, warum es uns so wichtig ist, zu wissen, wer sie sind. Wir hoffen, dass sie selbst Verantwortung übernehmen, z.B. indem sie direkt Kontakt mit uns aufnehmen oder ihre DNA abgleichen lassen.

DNA-Tests

Da Spenderkinder in Deutschland, im Gegensatz zu Spenderkindern aus anderen Ländern, meist keine Spendernummer oder ähnliches haben, können wir eine Verwandtschaft nur über einen DNA-Test bestätigen lassen.

Viele Spenderkinder sind in den großen DNA-Datenbanken Ancestry, 23andMe, FamilyTreeDNA und MyHeritage registriert, um genetische Verwandte zu finden. Diese kosten je nach Seite momentan zwischen 59 und 99 USD. Natürlich sind prinzipiell auch deutsche oder andere Labore geeignet, jedoch haben diese Portale den Vorteil, dass die DNA automatisch mit der aller anderen registrierten Menschen abgeglichen wird und nicht bei jedem Verdacht ein neuer Test gemacht werden muss. Es ist auch möglich, sich unter einem Pseudonym zu registrieren. Im Hinblick auf nahe Verwandte, wie Eltern oder Halbgeschwister, sind die Tests sehr sicher. Ausführliche Informationen über den Family Finder und andere Tests finden Sie hier.

Wir freuen uns, dass sich bereits einige ehemalige „Spender“ aus eigener Initiative bei DNA-Portalen registrieren lassen. Dazu möchten wir gerne noch weiter ermuntern.

Bitte um Mithilfe

Ein weiteres Ziel dieser Kampagne ist es, in der Gesellschaft dafür zu sensibilisieren, wie wichtig es ist, dass Menschen erfahren können, wer ihre genetischen Eltern sind. Wenn man ein Kind gezeugt hat, kann man sich entscheiden, nicht für das Kind zu sorgen. Man kann aber nicht entscheiden, aufzuhören genetischer Vater des Kindes zu sein. Es ist stark, Verantwortung zu übernehmen und zu seinen Kindern zu stehen.

Wenn Sie selbst kein „Samenspender“ sind, uns aber trotzdem unterstützen möchten, teilen Sie gerne unsere Suchprofile z.B. über Twitter oder andere soziale Netzwerke und/oder leiten Sie sie an Personen weiter, die eine große Reichweite haben.

Besonders freuen wir uns über alle Hinweise zu unseren genetischen Vätern (an info@spenderkinder.de). Wenn Sie Männer kennen, die ihren Samen über Samenbanken haben vermitteln lassen, empfehlen Sie ihnen bitte, sich bei uns zu melden. Sie tun uns einen großen Gefallen, wenn Sie mit Ihnen über das Thema sprechen und die Männer darin bestärken, sich zu ihren leiblichen Kindern zu bekennen, statt sich in die verantwortungsfreie Anonymität zurückzuziehen.

Eine indirektere Möglichkeit ist es außerdem, Ihre DNA bei einer oder mehreren großen DNA-Datenbanken einzuschicken. Vielleicht haben Sie Familienmitglieder, die ihren Samen abgegeben haben, wovon Sie gar nicht wissen. Auch entferntere Verwandtschaftsbeziehungen können uns wichtige Hinweise geben und die Suche nach unseren genetischen Vätern erleichtern.