Archiv des Autors: Anne

WDR-Sendung Planet Wissen am 29. April 2022 mit Spenderkindermitglied Anne

In der WDR-Sendereihe Planet Wissen ging es am 29. April 2022 um das Thema Herkunft. In der Folge „Unsere Vorfahren – Warum sie für uns so wichtig sind“ erzählt Spenderkinder-Mitglied Anne u.a. warum es für viele Menschen wichtig ist, zu wissen, wer ihre genetischen Vorfahren sind und welche psychologisch-systemischen Herangehensweisen es gibt.

„Familienplanung 2.0. Identität in Zeiten sich auflösender biologischer Verwandtschaftsbeziehungen“ von Wolfgang Oelsner und Gerd Lehmkuhl

Sechs Jahre nach dem kontrovers-diskutierten Buch „Spenderkinder – Was Kinder fragen werden, was Eltern wissen sollten“ haben die beiden Autoren Wolfgang Oelsner, Pädagoge und analytischer Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut, und Gerd Lehmkuhl, Psychoanalytiker und emeritierter Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie, ein Folgebuch verfasst. Wärend das Buch „Spenderkinder“ vor allem Fallvignetten erwachsener Spenderkinder vorstellte, setzt sich „Familienplanung 2.0“ vertieft mit den psychologischen Herausforderungen für die Identitätskonstitution auseinander.

Die Autoren greifen auch die sogenannte „Josephsvaterschaft“ nochmal auf, ein Vergleich der bei sozialen Vätern für Umut gesorgt hatte. Im Buch „Spenderkinder“ hatten sie die sozialen Väter bei Samenvermittlung mit dem biblischen Joseph verglichen und damit einen Vergleich des französischen Spenderkindes Arthur Kermalvezen übernommen. In ihrem aktuellen Buch verwehren sie sich gegen die einseitige Auslegung der Josephsvaterschaft als blass und stumm. Sie verweisen darauf, dass mit dem Bild des Josephs gleichzeitig Treue und zuverlässige Sorge verbunden seien und auch Kermalvezen seinen sozialen Vater mit dem Vergleich als Josephsvater wertschätzend würdigte.

Hervorzuheben ist auch die Differenzierung, dass sich bestimmten Lebenserfahrungen / Entstehungsbedingungen / Kindheitserfahrungen nicht notwendigerweise monokausal auf spätere psychische Auffälligkeiten auswirken. Menschen verfügen glücklicherweise auch über die Fähigkeit, mit widrigen Bedingungen umzugehen (Resilienz).

Manche Protagonist*innen aus dem Buch „Spenderkinder“ tauchen noch einmal auf und die Autoren skizzieren die Weiterentwicklichung der individuellen Geschichte.

Qualitative Forschung an 24 erwachsenen Spenderkindern aus Deutschland und Großbritannien

Als Abschluss der umfangreichen kulturanthropologischen Forschungsarbeit von Amelie Baumann ist das Buch Becoming Donor-Conceived im transcript-Verlag erschienen. Ganz im Sinne frei zugänglicher Forschungsergebnisse ist das Buch als PDF kostenfrei abrufbar.

Von September 2016 bis Dezember 2017 hatte die Forscherin Amelie Baumann insgesamt 24 erwachsene Spenderkinder aus Deutschland und Großbritannien interviewt (Altersspanne 18 Jahre bis Anfang 60). Die Interviews begannen meist mit der Frage danach, wie die Spenderkinder von ihrer Entstehungsweise erfahren hatten und gingen dann über zu weiteren Themen: wie die Personen über ihre unbekannte Herkunft dachten, wie offen sie mit dem Thema umgingen, wie sie über die Rechtslage dachten, welche Bedeutung Gene und soziale Verbindungen für sie haben sowie ob, warum und auf welche Weise sie nach dem genetischen Vater und/oder Halbgeschwistern suchen.

Für Spenderkinder ist es besonders spannend und erfreulich zu sehen, dass es in den fünf Jahren nach den Interviews bereits eine deutliche Weiterentwicklung der Suche über DNA-Datenbanken gab. Mittlerweile konnte über die Hälfte der in DNA-Datenbanken registrierten Spenderkinder aus unserem Verein auf diese Weise Halbgeschwister identifizieren.

Vor 40 Jahren wurde das erste deutsche Retortenbaby geboren – ein Beitrag im Deutschlandfunk am 18. April 2022

1982 wurde in Deutschland das erste Kind nach In-vitro-Fertilisation (IVF) geboren. Ein Beitrag im Deutschlandfunk ist diesem runden Geburtstag gewidmet: Vor 40 Jahren wurde das erste deutsche Retortenbaby geboren. Samenvermittlung findet offiziell bereits seit 1970 statt.*1 Beiden Verfahren gemein ist, dass sie möglichst Erfolge vorweisen mussten, um sich zu bewähren. Rasch entwickelte sich ein Markt, der „Kinderwunschbehandlungen“ anbietet. 1990 gab es bereits 63 „Kinderwunschzentren“ – mittlerweile sind es über 140.

In den sogenannten „Pioniertagen“ der Reproduktionsmedizin wurde frisches Sperma (im Unterschied zu heute tiefgekühltem) verwendet. Ärzte waren darauf angewiesen, dass stets ein „Spender“ verfügbar war, wenn die Patientin am Tage ihres Eisprungs zur Befruchtung in die Praxis kam. Es ist bekannt, dass einige Reproduktionsmediziner auch ihr eigenes Sperma verwendeten – womöglich, um den „Erfolg“ nicht zu gefährden, wenn ein „Spender“ kurzfristig nicht verfügbar war. Es liegt nahe, dass die „Spender“ der ersten Jahre Männer waren, die die Ärzte gut kannten, auf die sie sich verlassen konnten. Unsere Halbgeschwistertreffer und Auskünfte ehemaliger „Samenspender“ zeigen, dass einige Männer über viele Jahre, manche sogar über Jahrzehnte, Samen zur Zeugung von Kindern abgaben. Teilweise wurden über 100 Schwangerschaften durch den Samen eines Mannes dokumentiert. Bis heute gibt es keine verbindliche Grenze und Hinweise, dass häufig sehr viele Kinder durch den Samen eines Mannes entstehen: 100 Halbgeschwister und mehr

Den Preis für den „Erfolg“ der Anfangsjahre bezahlen Spenderkinder, wenn Ärzte behaupten, sie könnten ihnen keine Auskunft geben, weil sie nicht wüssten, wer die genetischen Väter sind.

Ein Geburtstagswunsch nach 40 Jahren: Wir wünschen uns erkennbare Bemühungen von Seiten der Reproduktionsmedizin zur Aufklärung unserer Herkunft.

  1. und in der Regel ohne IVF []

Radiosendungen RBBInforadio am 12. und 15. April 2022

Zwei Interviews im RBB-Inforadio mit Spenderkindermitglied Anne – über die Suche nach dem leiblichen Vater, viele Halbgeschwister und die rechtliche Situation:

Spenderkinder: Auf der Suche nach der eigenen Herkunft (die Kurzform)

Das genetische Erbe: Spenderkinder und die Suche nach der Herkunft (etwas längere Form)

Gießener Allgemeine über Spenderkind Thorsten

Am 30. Dezember 2021 berichtete die Zeitung Gießener Allgemeine über die Aufklärung und Suche von Spenderkind Thorsten. Der Beitrag mit dem Titel „Identität beraubt: Sohn erfährt nach 43 Jahren von Samenspende und sucht nun Vater“ ist auch online frei zugänglich. Thorsten registriert sich aus Interesse an Ahnenforschung in einer DNA-Datenbank und findet dort überraschend einen Halbbruder. Damit konfrontiert er seine Mutter und erfährt die Wahrheit über seine Entstehungsweise. Er entstand in der Praxis des Gießener Gynäkologen Dr. Heinrich Müller, den Samen organisierte der Hautarzt Dr. Renfer. Die Wahrheit erlebt er als Erleichterung, weil sie für ihn vieles klärt, was er zuvor spürte, aber nicht einordnen konnte. Er macht sich auf die Suche nach seinem leiblichen Vater.

Thorstens Geschichte ist die eines Individuums und gleichzeitig typisch für die vieler Spenderkinder. DNA-Datenbanken spielen für die Aufklärung eine wichtige Rolle. Immer wieder finden Spenderkinder darüber heraus, dass etwas nicht stimmt, wenn sie Halbgeschwister oder andere nahe Verwandte finden, von denen sie bisher nicht wussten. Oft folgt dann ein klärendes Gespräch mit den Eltern, sofern diese noch leben und sich darauf einlassen. Viele Spenderkinder erleben die Aufklärung als Erleichterung, weil sie diffuse Wahrnehmungen, die sie sich nicht erklären konnten, plötzlich einordnen können.

Oft schließt sich dann die Suche nach dem leiblichen Vater an. Die ist meist mühevoll und langwierig. Ärzte, die Auskunft geben könnten, sind bereits verstorben, Unterlagen werden erst seit 2018 zentral gesichert. Spenderkinder, die früher entstanden sind, haben aber auch ein Recht, zu erfahren, wer ihr leiblicher Vater ist. Deswegen freuen wir uns sehr, wenn sich Männer, die Samen „gespendet“ haben, selbst bei uns melden oder wenn wir Hinweise von anderen Verwandten oder Angehörigen bekommen (info@spenderkinder.de oder spenderkind-giessen77@web.de).

Fernsehdokumentation bei ARTE: Re: Samenbank oder Hausbesuch? Wunschkinder von fremden Vätern am 8. November 2021

Am Montag, den 8. November 2021, sendet ARTE die Dokumentation „Re: Samenbank oder Hausbesuch? Wunschkinder von fremden Vätern“. Darin geht es vor allem um private Samenvermittlung. Gezeigt werden eine alleinstehende Frau und ein Frauenpaar, die sich ihren Kinderwunsch mit privater Samenvermittlung erfüllen möchten. Gewünscht wird ein Kind, das bedingungslos liebt bzw. das seine beiden Wunschmütter als alleinige Eltern anerkennt. Das Frauenpaar möchte dem Kind zwar Kontakt zum Vater ermöglichen, wenn das Kind dies wünscht. Lieber wäre den Frauen aber, das Kind hätte kein Interesse daran, und fügt hinzu „wir wollen die Eltern sein“.

Welche Rolle spielt der genetische Vater?

Die Leiterin einer dänischen Samenbank erklärt, dass es zwar eine genetische Verbindung zwischen genetischem Vater und Kind gebe, dass jedoch der genetische Vater keinen Kontakt zum Kind haben dürfe, um die soziale Elternstellung der Wunscheltern nicht zu gefährden. Interessen des Kindes werden dabei nicht berücksichtigt.

Bei privater Samenvermittlung gibt es keine solchen Vorgaben. Zwei private „Samenspender“ berichten von ihren Erfahrungen. Einer von ihnen hat über 120 Kinder gezeugt, der andere nennt keine Zahl, „spendet“ aber seit Jahren zwei bis dreimal im Monat. Sie sind offen für Kontakt zu den entstehenden Kindern. Einer der beiden erzählt, wie herausfordernd die Rollenverteilung bereits auf Ebene der Eltern ist, wie ein Kind nach der Geburt auf seinem Bauch lag, die Wunschmutter ihn dann aber doch wegschickte, weil er in ihren Augen die Zweisamkeit der Wunschmütter mit dem Kind störte.

Bei Spenderkinder-Mitglied Britta und ihrem Vater Dietrich fügen sich die Perspektiven zu einer gemeinsamen Geschichte zusammen und vereinen Rückblick und Ausblick: Dietrich reflektierte seine Zeit als „Samenspender“ vor über 20 Jahren. Er übernahm Verantwortung für die entstandenen Menschen, indem er sich in einer DNA-Datenbank registrierte. So fand er Britta, die ihren genetischen Vater und Halbgeschwister suchte. Die beiden lernen sich kennen – und zur genetischen Verbindung kommt eine soziale Beziehung hinzu. Das bringt ganz neue Herausforderungen mit sich. Wieviel „Vater“ ist ok? Die unkomplizierte Anrede per Vorname ist für alle sofort selbstverständlich. Mit wachsender sozialer Beziehung stellt sich die Frage: Was braucht es für die Anrede „Vater“? Die Doku wagt einen kurzen Einblick – eine Fortsetzung wäre schön!

Die Sendung ist über die Mediathek abrufbar.

Das Fremde im eigenen Spiegelbild – Martina im Interview mit Sunny im Oktober 2021

Im Youtube-Interview mit Sunny spricht Martina darüber, wie sie erfahren hat, dass sie ein Spenderkind ist und von ihrer Suche nach ihrem biologischen Vater. Der Blick in den Spiegel macht das Unbekannte sichtbar, aber doch nicht greifbar.

Wer hat eine Idee, wer Martinas biologischer Vater sein könnte? Er lebte 1985 (evtl. auch schon vorher) im Raum Essen, ist vermutlich groß, blond und mindestens 53 Jahre alt, eher älter. Jeder Hinweis kann helfen! Hinweise gerne an info@spenderkinder.de.

Podcast „Eros und Psyche“: Gynäkologin Miriam Mottl im Gespräch mit den Spenderkindern Sandra, Britta und Anne

In der aktuellen Folge des Podcasts Eros und Psyche „Wäre ich wenigstens aus einem one night stand entstanden!“ Das Gespräch mit den Spenderkinder Schwestern spricht Gastgeberin Miriam Mottl mit den drei Spenderkindern Sandra, Britta und Anne. Im Gespräch geht es darum, wie die drei Spenderkinder selbst Schweigen und Aufklärung erlebt haben und was sie sich für andere Spenderkinder wünschen. Miriam Mottl bringt ihre Erfahrungen als Gynäkologin an einer Kinderwunschklinik ein.