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Immer mehr Halbgeschwister- und Spender-Kind-Treffer

Jedes dritte Mitglied des Vereins Spenderkinder, das bei Family Tree DNA registriert ist, konnte Halbgeschwister und/oder seinen genetischen Vater finden.

Viele durch Samenspende gezeugte Menschen möchten wissen, wer ihr genetischer Vater und ihre Halbgeschwister sind. Da einige Kliniken angeblich die Daten vernichtet haben, müssen sie selbst auf die Suche gehen. Der Verein Spenderkinder hat sich in den letzten Jahren zu einer erfolgreichen Anlaufstelle entwickelt und konnte dank seines Engagements und wachsenden Mitgliederzahlen zu einigen Zusammenführungen beitragen. Unter den etwa 150 Mitgliedern gibt es bis heute 17 bestätigte Halbgeschwistertreffer, davon alleine neun im Jahr 2017. Auch ehemalige Spender haben sich eigenständig gemeldet, und so konnten einige Spenderkinder auch unabhängig von den Reproduktionskliniken ihren genetischen Vater finden.

Verwandtensuche mit dem Family Finder DNA-Test

Mit der abgebildeten Deutschlandkarte möchten wir Transparenz schaffen und Spenderkinder sowie Samenspender dazu ermuntern, Kontakt mit uns aufzunehmen oder auch direkt den DNA-Test bei Family Tree DNA zu machen. Viele unserer Mitglieder sind dort registriert.

Das Besondere an diesem Test ist, dass die DNA direkt mit allen dort registrierten Mitgliedern (auch Nicht-Spenderkindern) auf einen möglichen Verwandtschaftsgrad überprüft wird. Er kostet einmalig 79 USD. Dies ist eine günstige und verlässliche Alternative zu aufwendigen Individualtestverfahren. Die Anmeldung bei Family Tree DNA ist auch anonymisiert möglich, wenn man seine Privatsphäre stärker schützen möchte, aber dennoch neugierig ist.

Je mehr Spenderkinder und Spender sich registrieren lassen, desto größer sind die Chancen, dass es zu Treffern kommt. Einige Städte, allen voran Essen und München, mit den größten Samenbanken in Deutschland, haben sich schon jetzt zu regelrechten Ballungszentren mit einer wachsenden Trefferquote entwickelt; doch auch unter Spenderkindern aus kleineren Praxen wurden bereits Halbgeschwister identifiziert. Auch wenn sich genetische Verwandte von Samenspendern registrieren lassen, ist eine Identifizierung möglich. Ein französisches Spenderkind fand in einer DNA-Datenbank einen direkten Cousin, über den es seinen genetischen Vater ausfindet machen konnte.

Warum suchen Spenderkinder ihren genetischen Vater und Halbgeschwister?

Viele Spenderkinder möchten im Laufe ihres Lebens wissen, von wem sie genetisch abstammen und 50 Prozent ihrer Anlagen geerbt haben.1 Eine Vater-Kind-Beziehung aufzubauen steht dabei nicht im Fokus. Finanzielle Ansprüche spielen überhaupt keine Rolle. Die meisten Spenderkinder würden es sehr schätzen, wenn sie ihren genetischen Vater kennenlernen und mit ihm als Mensch reden könnten. Auch für die eigene Identitätsbildung ist die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft wesentlich. Es ist schwer, von einem genetischen Elternteil rein gar nichts zu wissen. Als Metaphern werden dazu manchmal genannt, dass sich die Situation anfühle wie in einen „leeren Spiegel“ zu schauen, als lebte man in einem Haus, ohne Schlüssel für den eigenen Keller, als hätte man Wurzeln unter einem Fuß, während man mit dem anderen Bein irgendwie in der Luft hängt. Spenderkinder möchten dort, wo sie ihre Identität im Moment nur auf ein schwarzes Loch gründen, eine reale Person – ihren genetischen Vater – einfügen können.

  1. Beeson D, Jennings P, Kramer W (2011) Offspring searching for their sperm donors: how family type shapes the process. Human Reproduction 9 (26), S. 2415–2424, S. 2419; Hertz R, Nelson M, Kramer W (2013) Donor conceived offspring conceive of the donor: The relevance of age, awareness, and family form. Social Science & Medicine 86, S. 52-65, S. 56. []