WDR Menschen hautnah „Vater unbekannt – Anonym gezeugt“ (Teil 2) am 4. April um 22.40 Uhr

Die Spenderkindermitglieder Anja und Sunny wurden vor einigen Jahren für den ersten Teil der WDR-Sendung „Menschen hautnah“ begleitet. Daraufhin hat sich Gerald gemeldet, der als junger Mann seine Samenzellen in der Müncher Arztpraxis abgegeben hat, in der Anja entstanden ist. Er ist aufgeschlossen, seine damals entstandenen Kinder kennenzulernen. Auch sonst hat sich in den folgenden Jahren einiges getan.

Am Donnerstag, dem 4. April, wird um 22.40 Uhr der zweite Teil der Dokumentation ausgestrahlt. Neben Anja, Sunny und Gerald kommt auch Spenderkindermitglied Stina zu Wort. Anschließend ist der Beitrag in der WDR-Mediathek abrufbar.

Pressemitteilung: Verbrauchermesse „Kinderwunsch-Tage“ wirbt für in Deutschland verbotene Verfahren – Verein Spenderkinder äußert ethische und rechtliche Bedenken

Am 9. und 10. März 2019 findet in Berlin erneut die umstrittene Verbrauchermesse „Kinderwunsch-Tage“ statt. Auf dieser Messe werden offensiv sämtliche in Deutschland aus ethischen und psychologischen Gründen verbotene Verfahren wie Eizellspende, kombinierte Samen- und Eizellspende, Leihmutterschaft bis hin zur PID zur Geschlechterselektion angeboten. Der Verein Spenderkinder, der sich für die Rechte und Bedürfnisse von durch Keimzellspende entstandenen Menschen einsetzt, findet es sehr bedenklich, dass diese Veranstaltung bereits zum dritten Mal in Berlin stattfinden soll, obwohl regelmäßig Methoden angeboten werden, die gegen die deutsche Rechtslage verstoßen.

Die gesamte Veranstaltung ist darauf ausgerichtet, KundInnen zu gewinnen und die – zum großen Teil in Deutschland verbotenen – Dienstleistungen zu vermarkten. Anders wären die zahlreichen ausländischen Aussteller, die zum Teil auch als Sponsoren genannt werden, wohl kaum bereit, an einer Veranstaltung in Deutschland mit entsprechenden Ausstellungsgebühren teilzunehmen.

Nach Werbe-Richtlinie1 ist jegliche Maßnahme, die über die Schilderung der Rechtslage zu reproduktionsmedizinischen Verfahren in anderen Ländern hinausgeht, Werbung. Hierzu gehört zum Beispiel, wenn ein Aussteller niedliche Babyfotos verwendet, um an den Kinderwunsch der Interessierten anzuknüpfen. Werbung ist auch, wenn eine Klinik ihr Vorgehen bei dem jeweiligen reproduktionsmedizinischen Verfahren schildert.2

Die Themen der im Seminarbereich angebotenen Vorträge zeigen, dass eine kritische Auseinandersetzung mit den ethischen Hintergründen der Verbote nicht vorgesehen ist. Stattdessen scheint es, als sei es wesentlicher Inhalt der Veranstaltung, Wege zu vermitteln, wie die kindzentriert engen Grenzen der deutschen Rechtslage umgangen werden können.

Der Verein Spenderkinder wendet sich deshalb erneut an die zuständige Ordnungsbehörde in Berlin und fordert ein Einschreiten gegen die Werbung für Eizellspende, anonyme Keimzellspenden und Leihmutterschaft.

  1. Werbe-Richtlinie 2006/114/EG, Artikel 2 Buchst. a []
  2. Unter den Begriff der Werbung können selbst sachliche Informationen fallen, vgl. dazu das Urteil des Amtsgerichts Gießen zu verbotener Werbung für Schwangerschaftsabbruch nach § 219a StGB (AG Gießen, Urteil v. 24.11.2017, 507 Drs – 501 Js 15031/15). []

Zeit-Dossier Tief in den Genen

In dem Dossier der aktuellen Zeit erzählt Henning Sußebach in dem Artikel „Tief in den Genen“ von der Suche nach meinem (Stinas) biologischen Vater – und die überraschende Entdeckung, dass er Prof. Thomas Katzorke ist, derjenige Arzt, der die Anonymität von Samenspendern lange Zeit vehement als Vorsitzender des Arbeitskreises für donogene Insemination verteidigt hat und aus dessen Praxis fast ein Viertel der Mitglieder unseres Vereins stammt.

Ich bin nach Martin und einem weiteren Spenderkind schon das dritte Spenderkinder-Mitglied, bei dem sich herausgestellt hat, dass der Arzt sein eigenes Sperma verwendet hat. Martins biologischer Vater ist allerdings bereits verstorben und hatte keine vergleichsweise so prominente Stellung inne. Auch der andere Arzt ist bereits verstorben und war in der Reproduktionsmedizin eher unbedeutend. Auch in anderen Ländern gibt es solche Fälle: In den Niederlanden hat erst am Mittwoch ein Gericht in Den Haag entschieden, dass Spenderkinder aus der Praxis des inzwischen verstorbenen Dr. Karbaat das Recht auf einen DNA-Test mit ihm haben. In den USA hat im Bundesstaat Indiana ein Arzt mit seinem eigenem Sperma  vermutlich über 30 Kinder gezeugt – auch in Fällen, in denen das Sperma des Ehemannes verwendet werden sollte.

Aus Sicht von Spenderkindern ist es problematisch, wenn der Arzt sich als (ungewollter!) Samenspender herausstellt, weil sie damit das Ergebnis einer ethischen Grenzüberschreitung im Arzt-Patientenverhältnis sind. Während die Mutter dachte, dass sie mit dem Sperma eines ihr unbekannten Mannes befruchtet wird, hat der sie behandelnde Arzt eigenmächtig entschieden, dass er sich mit ihr fortpflanzen möchte. Wegen dieser ethischen Grenzüberschreitung wird der Arzt in der Regel befürchten, dass sein Geheimnis aufgedeckt wird und einem Kontaktversuch des Kindes nicht positiv gegenüber stehen.

Die Vorsitzende von DI-Netz e.V., Claudia Brügge, sieht ungebetene Samenspenden von Ärzten als massiven Übergriff auf die reproduktive Autonomie der Patientin, die mit einem ihr nicht bekannten Spender rechnet. Beim Kind könne es Befangenheit und einen Loyalitätskonflikt auslösen, dass der Arzt der Samenspender ist. Das kann ich bestätigen. Obwohl Prof. Katzorke und ich eine mehrjährige, von Auseinandersetzungen geprägte Vorgeschichte haben, habe ich länger überlegt, ob ich meinem biologischen Vater eine Offenlegung unserer Verbindung zumuten kann. Auch aus diesem Grund habe ich fast ein Jahr gewartet, bis ich meine Geschichte öffentlich gemacht habe.

Prof. Katzorke ist übrigens einen Tag nach Erscheinen des Zeit-Dossiers nicht mehr als Vorsitzender Arbeitskreises Donogene Insemination aufgeführt. Diese Konsequenz als Zeichen von Verantwortungsübernahme für eigenes Verhalten ist nach dem Bekanntwerden einer so massiven ärztlichen Grenzüberschreitung folgerichtig. Schade, dass es dafür der Offenlegung bedurfte. Noch im Juli wurde Prof. Katzorke in einem Artikel in der WAZ mit den Worten zitiert, dass es Grenzen gebe, die ein moderner Reproduktionsmediziner einhalte.

Den Schritt in die Öffentlichkeit bin ich gegangen, weil meine Geschichte zeigt, dass die Reproduktionsmediziner keine neutrale vermittelnde Stellung inne haben und auch niemals inne hatten, sondern selbstverständlich auch von eigenen Interessen geleitet handeln. Im Dossier wird dies sehr passend beschrieben als Auseinanderfallen von Fortschritt und gesellschaftlicher Kontrolle, so dass Pioniere in einem toten Winkel unbeobachtet bleiben. Wir sind sehr gespannt, wer in unserem Verein sich noch als Kind des behandelnden Arztes herausstellen wird.

Denn der Fortschritt ist inzwischen auch auf unserer Seite: noch vor 15 Jahren hätte wohl niemand gedacht, dass es DNA Datenbanken geben wird, die vergleichsweise erschwingliche Tests anbieten, mit denen man Verwandtschaftsverhältnisse über mehrere Generationen nachverfolgen kann. Spender können so auch über Verwandte identifiziert werden, die sich in einer solchen Datenbank registriert haben.

Inzwischen erreichen uns die ersten Zuschriften von Spenderkindern, die befürchten, ebenso betroffen zu sein. Ich kann natürlich nicht sagen, ob es stimmt, dass das „Einspringen“ eine Ausnahme war. Ich vermute allerdings, dass ein solches Vorgehen ab dem Umstieg auf die Kryokonservierung von Samen unwahrscheinlicher ist (entweder ab 1984 oder 1988), weil dann zumindest keine spontanen Spender-Engpässe mehr existiert haben sollten. Wer dem Verdacht trotzdem nachgehen möchte, sollte einen DNA-Test machen. Ich bin nach wie vor in allen großen DNA-Datenbanken (Ancestry, 23andme, FamilyFinder, MyHeritageDNA) registriert und würde mich trotz der widrigen Umstände über Halbgeschwister freuen.

Auch Menschen, die Spenderkindern bei der Suche nach Halbgeschwistern und ihrem genetischen Vater helfen möchten, können das tun, indem sie sich selbst in DNA-Datenbanken registrieren lassen. Je mehr Menschen sich registrieren lassen, desto einfacher können Verbindungen aufgespürt werden.

Urteil in den Niederlanden im Fall Karbaat – Spenderkinder dürfen DNA mit der des verstorbenen Arztes abgleichen

Am 13. Februar 2019 ist in den Niederlanden ein spannendes Urteil gefallen: Ein Gericht in Rotterdam hat entschieden, dass Spenderkinder, die davon ausgehen, dass der Reproduktionsmediziner Jan Karbaat selbst ihr genetischer Vater ist, dies nun in einem Abgleich mit seiner DNA überprüfen dürfen. Bislang hatten sich vor allem über DNA-Datenbanken etliche Halbgeschwister gefunden. Der Arzt ist im April 2017 im Alter von 89 Jahren verstorben, seine Frau hatte einen Abgleich mit der DNA des Verstorbenen abgelehnt.

In Deutschland gibt es bisher nicht die Möglichkeit, die genetische Vaterschaft gegen den Willen des mutmaßlichen Vaters zu überprüfen, wenn dieser nicht auch als rechtlicher Vater festgestellt werden soll.  Damit Spenderkinder auch dann über ihre Herkunft Gewissheit erhalten können, wenn sie weiterhin ihrem rechtlichen Vater zugeordnet bleiben möchten, oder wenn sie nach Inkrafttreten des Samenspenderregistergesetzes gezeugt wurden,  fordern wir auch in Deutschland einen allgemeinen rechtsfolgenlosen Anspruch auf Klärung der Abstammung.

Erster Halbgeschwistertreffer aus Bad Pyrmont

Das neue Jahr beginnt mit unserem ersten Halbgeschwistertreffer aus Bad Pyrmont: Svenja und Jan hatten schon vor gut einem Jahr über die DNA-Datenbank FamilyTreeDNA herausgefunden, dass sie miteinander verwandt sind. Sie hatten ihre DNA etwa zeitgleich eingeschickt und prompt den Treffer angezeigt bekommen. Seitdem treffen sie sich gelegentlich. Zwischen Svenja und Jan liegt ein Altersunterschied von 7 Jahren. Jans Bruder hat daraufhin ebenfalls seine DNA eingeschickt und ist auch ein Halbbruder von Svenja.

Die Praxis von Dr. Schaadt in Bad Pyrmont gehörte zu den ersten in Deutschland, in denen Samenzellen vermittelt wurden. Es wäre toll, wenn bald auch mehr über die genetischen Väter der auf diese Weise entstandenen Menschen bekannt würde.

Jahresrückblick 2018

Wieder mehr Halbgeschwistertreffer durch DNA Tests

Erfreulicherweise registrieren sich immer mehr Spenderkinder in der von uns empfohlenen DNA-Datenbank Family Tree. Nachdem wir 2017 bereits mehr Halbgeschwistertreffer als in allen Jahren zuvor zusammen hatten, stellte 2018 mit 12 weiteren Treffern einen neuen Rekord auf. Wir haben mittlerweile etwa 25 Halbgeschwistergruppen (eheliche Kinder der genetischen Väter nicht mitgezählt), die aus 2 bis 9 Halbgeschwistern bestehen.

Außerdem konnten im Jahr 2018 8 Spenderkinder ihren biologischen Vater identifizieren. Vor allem die Ausweitung unserer Suche auf weitere DNA-Datenbanken wie Ancestry, 23andMe und MyHeritage führte zu mehreren weiteren Treffern. Erstmals erfuhren auch Spenderkinder in Deutschland erst durch Treffer mit Halbgeschwistern über DNA-Datenbanken von ihrer Entstehungsweise. Neu ist auch, dass erstmals in Deutschland ehemalige Samenspender lediglich über Verwandte identifiziert werden konnten, die sich in einer DNA-Datenbank eingetragen hatten. Besonders erfreulich und überraschend dabei war, dass einige unserer ältesten Mitglieder ihre genetischen Väter identifiziert haben.

Internetseite

Auf unserer Internetseite haben wir die Informationen zu DNA-Datenbanken erweitert und erklären dort auch, die Rohdaten welcher Tests sich bei welchen anderen DNA-Datenbanken importieren lassen. Die Rubrik „Die rechtliche Situation“ wurde mit den Änderungen durch das Samenspenderregistergesetz zum 1. Juli 2018 aktualisiert.

Öffentlichkeitsarbeit

Unsere Vorstandsmitglieder haben im Jahr 2018 bei verschiedenen Veranstaltungen als Gäste und auch als ReferentInnen teilgenommen:

  • Referentin beim Infoabend der Adoptionsvermittlungsstelle Fulda im März (Anne)
  • Teilnahme am Podiumsgespräch „Reproduktionsmedizin – Wessen Wünsche, welche Wirklichkeit?“ auf dem 101. Deutschen Katholikentag in Münster, 10. Mai 2018, organisiert vom Bundesverband des Katholischen Deutschen Frauenbundes e.V. (KDFB) und dem donum vitae Bundesverband e.V. (Sven)
  • Referentin bei der Fachveranstaltung „Familie im Wandel der Zeit“ des Netzwerks Frühe Kindheit und Entwicklung in der Stadt Osnabrück im Oktober (Anne)
  • Sachverständige bei öffentlicher Anhörung des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages am 28. November zum Thema Kostenübernahme für Maßnahmen der künstlichen Befruchtung (Stina)
  • Herbsttagung der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung im November; Podiumsgespräch zum Thema „Familiengründung durch Reproduktionsttechnologie. Ethische Fragen, elterliche Verantwortung und kindliche Entwicklung“ (Sven)

Der Verein Spenderkinder positionierte sich erneut kritisch zur zum zweiten und dritten Mal in Deutschland durchgeführten Verbrauchermesse „Kinderwunsch-Tage“  und . Unterstützung bekamen wir durch die in Österreich neugegründete Initiative „Stoppt Leihmutterschaft“, einem Zusammenschluss von Experten und Expertinnen verschiedener Fachgruppen, der sich für ein weltweites Verbot von Leihmutterschaft einsetzt.

Kritisch äußerten wir uns auch zur Plakatwerbung der Erlanger Samenbank in Nordbayern, die mit Männern in Superheldenkostümierung für Samenspende warb. Die bildliche und verbale Darstellung verschleierte die Tragweite der Familiengründung zu dritt für alle Beteiligten und die Bedürfnisse der entstehenden Menschen. Hierzu gab Leonard im Juni der Regionalzeitung „In Franken“ ein Interview.

Weitere Medienbeiträge mit Mitgliedern unseres Vereins waren 2018:

  • Die Dokumentation von Julia Kaulbars mit Nicole und Jörg „Risiko Samenspende“ im Februar,
  • ein Beitrag zu Eizellspende und Leihmutterschaft im Aprilheft der Deutschen Hebammenzeitschrift,
  • ein Interview mit Claire für den Blog „Solomamapluseins“ im Oktober,
  • ein Beitrag im GEO-Magazin 12/2018, „Wie ich wurde, wer ich bin. Die neue Ahnenforschung“, für den ebenfalls Claire interviewt wurde.
  • Anknüpfend an die Herbsttagung 2017 der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung veröffentlichten Sven und Anne im zugehörigen Tagungsband jeweils einen Beitrag.1

Rechtliches
Zum 1. Juli 2018 trat das Samenspenderregistergesetz in Kraft. Es gibt nun ein zentrales Samenspenderregister in Deutschland, über das ab dem 1. Juli gezeugte Spenderkinder Auskunft über ihren genetischen Vater erhalten können. Das Gesetz ist ein guter Anfang und erfüllt eine langjährige Forderung unseres Vereins, es gibt aber noch einigen Nachbesserungsbedarf.

2016 und 2017 gewannen vier unserer Mitglieder Klagen gegen ein Reproduktionszentrum in Essen. Informationen über die genetischen Väter wurden aber immer noch nicht herausgegeben.

Gegen das „Netzwerk Embryonenspende e.V.“ fand vor dem Amtsgericht Dillingen und dem Landgericht Augsburg ein Strafverfahren gegen Verstoßes gegen das Embryonenschutzgesetz wegen der Verwendung von sogenannten Zellen im Vorkernstadium statt. Die beklagten Vorstandsmitglieder wurden vom Vorwurf der missbräuchlichen Verwendung von Fortpflanzungstechniken freigesprochen, allerdings nur wegen eines Rechtsirrtums, weil sie sich vorher lediglich (falsch) beraten lassen hatten. Damit ist jedoch geklärt, dass die Weiterkultivierung von Zellen im Vorkernstadium mit dem Ziel, sie einer anderen Frau einzusetzen als der Frau, von der die Eizelle stammt, verboten ist.

Ausblick auf das Jahr 2019

Alle DNA-Datenbanken hatten über Thanksgiving und in der Vorweihnachtszeit ihre Tests erheblich reduziert. Nach Berichten hat dies zu sehr vielen Bestellungen geführt, so dass wir gespannt auf neue Matches im Frühjahr 2019 sind.

  1. Meier-Credner, A. (2018). Familiengründung mit Samenzellen eines Dritten und ihre besonderen Herausforderungen. u. Riesel, S. (2018). Wie in ein fremdes Nest gesetzt. Erfahrungsbericht eines Spenderkindes. In Johne et al. (Hrsg.), Veränderung im psychoanalytischen Prozess – Entwicklung und Grenzen. (S. 306-315 u. 315-330). Herbsttagung 2017 Deutsche Psychoanalytische Vereinigung, Bad Homburg. Gießen: Psychosozial-Verlag. []

Spenderkinder bei öffentlicher Anhörung im Gesundheitsausschuss

Stina hat den Verein Spenderkinder als Sachverständige bei einer Anhörung des Gesundheitsausschusses des Deutschen Bundestages am 28. November 2018 zu dem Thema Kostenübernahme für Maßnahmen der künstlichen Befruchtung vertreten (zur Aufzeichnung der Anhörung).

Hintergrund der Anhörung war ein Gesetzentwurf der Fraktion Bündnis 90 / Die Grünen sowie ein Antrag der Fraktion Die Linke. Der Gesetzentwurf, der fast unverändert einem Antrag aus dem Jahr 2015 entspricht, fordert eine Änderung des § 27a Absatz 1 SGB V, so dass auch unverheiratete und lesbische Paare einen Kostenzuschuss für Maßnahmen der künstlichen Befruchtung erhalten, und zwar (anders als derzeitig) auch bei der Verwendung von Samenspenden. Der Antrag der Linken möchte die Förderung auf Frauen ohne Partner/in ausweiten.

Wir haben uns in unserer Stellungnahme gegen den Gesetzentwurf und den Antrag ausgesprochen, weil wir die Übernahme von Behandlungskosten ärztlich vermittelter Samenzellen nicht als Frage der Gleichstellung von Lebenspartnerschaften und nichtehelichen Lebensgemeinschaften zu Ehepaaren sehen, da die Kosten für eine Samenvermittlung bei Ehepaaren derzeit auch nicht von der gesetzlichen Krankenversicherung übernommen werden. Wir befürchten zudem, dass, wenn die Kosten von der Krankenkasse übernommen würden, sich Wunscheltern ohne die erforderliche gründliche Aufklärung und Reflektion über diese Form der Familiengründung zu dritt dafür entscheiden würden.

Bei der Anhörung haben wir uns gefreut, dass uns insgesamt fünf Fragen gestellt wurden und damit großes Interesse an unserer Perspektive gezeigt wurde. Auffallend war allerdings die starke Repräsentation der Perspektive von Wunscheltern und ihren Beratern.

Anders als von der Vertreterin von DI-Netz und Prof. Nina Dethloff dargestellt, gibt es durchaus Studien zur Aufklärungsrate bei Spenderkindern. Die Metaanalyse von 2016 aus der renommierten Zeitschrift Human Reproduction (Tallandini et al.), die 26 Studien zur Aufklärung von Spenderkindern umfasst, berichtet eine Aufklärungsrate von 21 Prozent bei Samenspende und 23 Prozent bei Eizellspende. Die Aufklärungsrate in den einzelnen Studien variiert dabei zwischen 8 und 35 Prozent. Dabei fällt auf, dass die Werte für Aufklärungswille und tatsächliche Aufklärung deutlich differieren, ebenso die Aufklärungsbereitschaft in einzelnen Ländern. Wir haben uns damit in einem ausführlichen Beitrag auf unserer Seite auseinandergesetzt.

Erfreulich war bei der Anhörung, dass zumindest mit den Vertretern der Ärzteschaft Einigkeit darüber bestand, dass zunächst die abstammungsrechtliche Situation von Spenderkindern abgesichert werden muss, die in nichteheliche Lebensgemeinschaften oder lesbische Ehen oder Partnerschaften geboren werde, bevor über eine finanzielle Förderung gesprochen werden kann. Es bleibt abzuwarten, ob hierzu vom federführenden Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz in dieser Legislaturperiode noch ein Gesetzentwurf vorgelegt wird.

19. Halbgeschwistergruppe

Eine weitere Halbgeschwistergruppe aus dem Novum in Essen hat sich gefunden: Spenderkindermitglied Sabrina hatte sich schon vor einiger Zeit bei der DNA-Datenbank FTDNA registriert. Nun wurde ihr eine Halbschwester angezeigt: Melanie, ebenfalls Mitglied bei uns. Sabrina und Melanie haben jeweils noch einen Bruder, so dass sich höchstwahrscheinlich direkt eine Vierer-Gruppe gefunden hat. Die DNA-Überprüfung steht noch aus, aber die optische Ähnlichkeit der Brüder bestätigt die Vermutung.

Obwohl Sabrina schon von anderen Treffern gehört hatte, hätte sie nicht für möglich gehalten, dass sie selbst auch Halbgeschwister findet und freut sich nun sehr über den Doppeltreffer.

Bemerkenswert ist, dass zwischen den Brüdern ein Altersunterschied von etwa einem Jahrzehnt liegt. Möglicherweise handelt es sich bei dem genetischen Vater der Vier also um einen weiteren Langzeitspender.

Interview auf Online-Blog „Solomamapluseins“ mit Spenderkinder-Mitglied Claire am 17. Oktober 2018

Spenderkinder-Mitglied Claire nimmt in einem Interview mit der Betreiberin des Online-Blogs „Solomamapluseins“ Stellung zur Familiengründung von Singlefrauen mit Samen eines Mannes, der nicht auch sozialer oder rechtlicher Vater werden möchte. Im ersten Teil des Interviews schildert Claire ihre eigene Geschichte vom frühen Gefühl „falsch“ zu sein, über die späte Aufklärung bis hin zum Finden ihres genetischen Vaters und einem Gefühl, endlich vollständig zu sein. Im zweiten Teil reflektiert sie diese Form der Familiengründung kritisch:

„auch wenn ein Kind eine wirklich tolle Beziehung zu seiner Mutter hat, so bleibt am Ende doch diese Kränkung, dass der andere Elternteil, von dem man 50 % hat, nicht wirklich an einem interessiert ist oder es sogar ablehnt/ignoriert.“

Und Menschen, die über dieser Form der Familiengründung nachdenken, empfiehlt sie:

„Überlege es Dir gut. Ist das wirklich Dein Weg?

Lerne den Vater Deines Kindes persönlich kennen.

Rieche ihn. Rede mit ihm.

Lerne ihn so gut es geht kennen.

Kannst Du ihn ertragen?

Ist er Dir wirklich sympathisch?
Bedenke, dass Dein Kind viel von ihm bekommen könnte; später vielleicht einmal in Teilen so sein oder aussehen könnte wie er.

Auch könnte es Wesenszüge von ihm haben. Nicht nur Du wirst Dich in Deinem Kind reflektieren. Es sind da auch immer die Facetten des ANDEREN, mit dem Du ein Kind bekommen wirst.“

Vielen Dank an Hanna, die Betreiberin des Blogs, die so ernsthaft interessiert nicht davor zurückschreckt, auch die weniger glänzenden Seiten dieser Form der Familiengründung auf ihrem Blog abzubilden!

Halbgeschwistergruppe aus München ist mittlerweile zu neunt

Im Frühjahr 2016 hatten Manuel und Désirée – beide gezeugt in der Praxis von Dr. Poluda in München – über den DNA-Test Family Finder bei der DNA-Datenbank FamilyTreeDNA (FTDNA) herausgefunden, dass sie Halbgeschwister sind. 2017 kam mit Vera eine weitere Halbschwester dazu. Im Laufe der letzten Monate hatten die drei sechs weitere Halbgeschwistertreffer über die DNA-Datenbanken FTDNA, MyHeritageDNA und 23andMe: mit Lisa und ihrem Zwillingsbruder Matthias, Sarah, Stephanie (die in der Praxis von Dr. Bollmann in München gezeugt wurde), Markus und Fadi. Markus und Fadi haben jeweils noch jüngere Zwillinge als Geschwister, von denen nicht bekannt ist, ob sie denselben genetischen Vater haben. Beide hatten den DNA-Test nur „aus Spaß“ gemacht und nicht damit gerechnet, plötzlich ihre Herkunft und das bisherige Vertrauensverhältnis zu ihren Eltern neu sortieren zu müssen. Zwei der Halbbrüder haben den Kontakt erstmal abgebrochen. Zwischen den anderen besteht ein „gutes ‚familiäres‘ Verhältnis“.

Damit ist die Münchner Gruppe die derzeit größte identifizierte Gruppe von Halbgeschwistern in Deutschland. Der Verdacht, dass es sich bei dem genetischen Vater um einen Langzeitspender handelt, scheint sich zu bestätigen: Zwischen dem ältesten und jüngsten Halbgeschwister liegt ein Altersunterschied von 13 Jahren, die anderen liegen recht gleichmäßig dazwischen. In die Freude über die gefundenen Verbindungen mischt sich auch ein mulmiges Gefühl, wie viele Halbgeschwister dieser Gruppe es noch geben mag.