Gedanken auch von anderen Spenderkindern

Seit ein paar Tagen finden sich nun auch Inhalte auf der Seite, die nicht ich geschrieben habe. Unter Politische Forderungen finden sich die Regelungen, welche diejenigen Spenderkinder diskutiert haben, die sich inzwischen über diese Seite kennengelernt habe. Unter Weitere Gedanken und Meinungen erzählt Spenderkind Anne von ihrer Aufklärung als Kind und ihre Gedanken zu Samenspende. Und schließlich kann man unter Aufklärung den Tagebucheintrag von Annes Mutter über den Tag lesen, an dem sie Anne über ihre Abstammung aus einer Samenspende aufgeklärt hat. Ich freue mich sehr, dass man auf der Seite so auch die Gedanken anderer Betroffener (und auch Eltern!) lesen kann und hoffe, dass noch mehr kommen wird und die Seite irgendwann von meiner Seite zu einer allgemeinen Seite von Spenderkindern wird.

Außerdem haben wir eine FAQ angelegt, in der wir Fragen beantworten, die inzwischen öfters gestellt wurden. Wer und also schreibt, muss damit rechnen dort in verfremdeter Form aufzutauchen.

Kontakt zu einem Spender

Vor ca. 2 Wochen hat mich ein Mann angeschrieben, der als Student in den achtziger Jahren Samen gespendet hat. Leider kann er nicht mein Erzeuger sein, da ich zu diesem Zeitpunkt schon geboren war. Ich habe mich jedenfalls sehr darüber gefreut, dass er heute das Recht der so gezeugten Kinder auf Kenntnis ihrer genetischen Abstammung befürwortet und es gut fände, wenn ein Suchdienst in Deutschland eingerichtet würde, über den sich Spender und Kinder finden könnten. Ein Projekt, das ich auf jeden Fall auch toll fände, aber was viel Arbeit erfordern würde.

Ich hoffe, dass mein Spender genau so verantwortungsvoll denkt. Und der Kontakt zeigt, dass das Argument der Ärzte, die Spender wollten nie etwas von den Kindern wissen, so einfach nicht stimmt. Die einzige Befürchtung des Spenders war, dass das Erbe seiner eigenen Kinder bei einer massenhaften Vaterschaftsanfechtung der Spenderkinder geschmälert werden könnte. Das wiederum zeigt, dass gesetzlich wirklich ein Regelungsbedarf besteht. Stina

Artikel im Tagesspiegel

Im Berliner Tagesspiegel ist heute der Artikel Bestellte Kinder erschienen, für den die Journalistin auch mich interviewt hat. Ich finde den Artikel gelungen, weil er die Gefühle aller Beteiligten mit Ausnahme der Ärzte sehr gut anspricht. Die zitierte Mutter eines DI-Kindes hat den Artikel allerdings kritisiert, weil sie falsch zitiert wurde und findet, dass Eltern mit Kinderwunsch zu negativ dargestellt werden.
Stina

Artikel im SZ-Magazin

Im heutigen SZ-Magazin, der Beilage der Süddeutschen Zeitung, sind mehrere Artikel zum Thema Donogene Insemination. Darunter sind vier Berichte von Kindern aus Samenspende, diesmal ganz ohne meine Mitwirkung. Für mich war es auch sehr interessant, ihre Gedanken zu lesen. Drei davon möchten wissen, wer der Spender ist. Die eine Person, die es nicht wissen möchte sagt, es reicht ihr dass sie weiß dass ihre Eltern sie sich sehr gewünscht haben. Für mich kompensiert dieses Wissen die Frage nach meinen genetischen Wurzeln leider nicht. Sie meint aber, dass sie es eine Zeit lang doch wissen wollte. Für mich zeigt das nur, dass wir auf jeden Fall die Möglichkeit bekommen sollten, dieses Wissen zu erhalten. Ob es dann jeder nutzen wird ist eine ganz andere Frage.

Die Artikel sind auf jeden Fall sehr gelungen, obwohl ich besonders zu dem Interview mit Prof. Katzorke wieder sehr viel sagen könnte. Dazu nur eins: er sagt, dass er nicht weiß ob er bei eigene Unfruchtbarkeit ein Kind per Samenspende bekommen könnte. Wie man wirklich handeln würde wüsste man erst, wenn man wirklich in dieser Situation sei. Ich finde das trifft auch auf die Situation von Spenderkindern gut zu: wie wichtig das Wissen um die Herkunft ist merkt man wohl erst, wenn man dieses als selbstverständlich erachtete Wissen nicht (mehr) besitzt. Stina

Artikel in der aktuellen Brigitte

Im Weihnachts-Heft der Brigitte ist ein Artikel über Donogene Insemination, für den ich interviewt wurde. Für Menschen, die sich schon viel mit dem Thema beschäftigt haben steht bestimmt nichts Neues darin. Über die größte deutsche Frauenzeitschrift können aber hoffentlich viele Menschen erreicht werden, die sich zu dem Thema bisher nicht viele Gedanken gemacht haben. Den Artikel kann man hier online lesen und es gibt auch ein Forum. Stina

Gedanken zu dem Frontal21-Beitrag

Prof. Katzorke, Vorsitzender des Arbeitskreises Donogene Insemination, sagt in dem Beitrag, dass der Samenspender bei seiner Spende nur für Sekunden in der Rolle des Erzeugers aufgetreten ist. Aufgrund des Wunsches von Kindern wie mir solle nun auf einmal in die Vaterrolle schlüpfen, obwohl er nie der Vater gewesen ist. Das alles lässt ihn darauf schließen, dass Vaterschaft ein soziales Phänomen ist.

Erstmal reichen für eine Zeugung wohl immer nur Sekunden, egal ob per Spende oder auf dem üblichen Weg. Das kann also keinen Unterschied machen. Prof. Katzorke versteht aber wieder überhaupt nicht, worum es mir und anderen Spenderkindern geht, obwohl ich ihm das schon einmal in einem persönlichen Brief geschildert habe und man es auch hier nachlesen kann. Ich suche keinen Vater, denn ich habe schon einen und möchte eigentlich keinen zweiten. Was ich aber möchte, sind wenigstens Mindestangaben über meinen Erzeuger, meinen genetischen Vater. Ich möchte gerne wissen, wie er aussieht, was er beruflich macht, was ihn interessiert, wer meine genetischen Großeltern waren, ob ich Halbgeschwister habe, ob es vielleicht vererbbare Krankheiten in der Familie gibt …

Für solche Angaben reichen zwei Stunden für einen Brief oder ein Treffen in einem Cafe. Mehr möchte ich nicht – und das geht eigentlich allen Kindern, die ich kenne, genauso. Und ich frage mich: Ist das so viel verlangt? Uns ist sehr wohl bewusst, dass der Spender nicht unser Vater sein wollte. Aber 2 Stunden und ein paar Angaben stören einen Menschen nicht in seinem jetzt vielleicht bürgerlichen Leben mit eigener Familie. Außerdem unterstellt Prof. Katzorke ja geradezu, dass der Spender uns nicht kennenlernen möchte – vielleicht ist er ja auch neugierig?

Und außerdem frage ich mich: sagt Prof. Katzorke das, weil er Spenderkinder wie mich nicht versteht? Oder sagt er es als Abwehrstrategie, weil die meisten Menschen das Entsetzen eines Mannes eher nachvollziehen könnnen, der vor 25 Jahren einmal unter Zusicherung der Anonymität gespendet hat und auf einmal Vater sein soll, als wenn wir nach unserer Identität suchen und deswegen ein paar Angaben haben möchten? Wie gesagt: Vater nein, aber Erzeuger: Ja!

Artikel im Dezember-Heft der Neon

Am 19.11. erscheint der Artikel "Die Eiskinder" von Philip Faigle in der Neon, in dem unter anderem meine Geschichte erzählt wird. Der Journalist hat sehr lange und ausführlich für den Artikel recherchiert. Ich finde das merkt man dem Artikel an und ich hoffe, dass er viele Menschen zum Nachdenken bringen wird und sich vielleicht ein paar andere Spenderkinder melden werden.Stina

Zündfunk – Vater: unbekannt – Radiosendung über Samenspende auf Bayern 2

Der Zündfunk, ein junges Magazin auf Bayern 2, beschäftigt sich heute, am 17.11., zwischen 19.05 und 20.00 mit der Situation von Spenderkindern und der derzeitigen Samenspende-Praxis in Deutschland. Zu Wort kommen Spenderkinder, darunter ich, Ärzte und Samenspender. Alle Nicht-Bayern können sich die Sendung zu der Uhrzeit als Live-Stream anhören. Stina

Meine Eltern lesen mit

Wie ich vor zwei Wochen erfahren habe, kennen meine Eltern inzwischen die Seite. Meine Mutter hat wohl von einer Bekannten davon erfahren – und so leider nicht selbst gefunden – und die Adresse dann weitergegeben. Da die Seite doch ein bisschen wie ein Tagebuch ist, erscheint es mir ein bisschen unangenehm, so offen wie vorher weiterzuschreiben. Aber das werde ich einfach überwinden müssen. Mein Vater zumindest war nicht sauer über die Seite, sondern meinte nur, dass sie ihm gezeigt hätte, dass ich mir über alles viel mehr Gedanken mache als andere Menschen. Ich bin mir da nicht so sicher … ich kann meine Gefühle vielleicht nur besser in Gedanken umwechseln und habe mir die Zeit genommen, es zu machen. Ich kenne inzwischen ja einige andere Spenderkindern, und über das Thema der Anonymität der Spender haben wir alle ähnliche Gedanken. Vielleicht haben sich andere Menschen bisher einfach zu wenig Gedanken darüber gemacht, wie wir uns später fühlen werden. Stina