Zeit-Dossier über Spenderkind Sonja

In dem heutigen Dossier der Zeit ist ein Artikel über unser Mitglied „Sonja“ mit dem Titel „Ich will wissen, wer er ist“. Sonja hat vor einem Jahr von ihrer Zeugung durch eine Samenspende bei der Praxis novum in Essen erfahren. Der Artikel von Henning Sussebach handelt von ihren Gefühlen nach dieser Offenbarung, aber auch, wie sie bisher vergeblich versucht, die Identität ihres genetischen Vaters von novum zu erfahren.

Sehr interessant sind wieder einige Aussagen von Prof. Katzorke, Mitbegründer von novum, der vor 1981 auch an der Uniklinik Essen tätig war. Besonders schlimm ist folgende Machtdemonstration: „Manchmal, auf Empfängen, stehen ihm junge Menschen gegenüber, und Katzorke denkt: Du ahnst gar nicht, dass auch du in meinem Labor entstanden bist.“ Schön auch, dass sein Hintergrund ein bisschen dargestellt wird: selbstverständlich Millionär, eine große private Kunstsammlung, für die er extra ein neues Haus gebaut hat, und er fährt einen Jaguar. Da fällt es doch leicht, anderen Menschen zu helfen, auch wenn die erzeugten Produkte, die Kinder, eine „Zeitbombe“ sind und irgendwann mit Fragen auf ihn zukommen.

Fortsetzung der eigenen Person im Kind

Ich habe heute in einem juristischen Aufsatz (Eser, Klin Med 1990, 1281) ein sehr wahres Zitat gefunden: .. "der Spender einer Keimzelle wird sich fragen müssen, inwieweit er sich von der genetischen Verantwortung von seinem zum Menschen gewordenen Erbgut freizeichnen kann. Keimspende ist nicht gleich Blutspende: Blut geht im fremden Körper restlos auf, die Keimzelle geht dort nicht nur auf, sondern setzt die eigene Person im Kind fort."
Stina

Nobelpreis für künstliche Befruchtung

Das Nobelpreiskommittee hat den diesjährigen Nobelpreis für Medizin an den Entdecker der künstlichen Befruchtung Robert Edwards mit der Begründung verliehen, seine zunächst sehr umstrittene Technik habe einem Großteil der Menschen geholfen, für die Unfruchtbarkeit eine große Enttäuschung oder sogar ein lebenslanges psychologisches Trauma bedeutet hätte.

Preis und Begründung sind wie leider so oft sehr elternzentriert und berühren uns teilweise. Eine Befruchtung mit Samenspende ist als Methode nicht so schwierig und daher wesentlich älter, eine In-Vitro-Fertilisation kann aber auch mit einer Samenspende geschehen. Auch Samenspende ist aber eine Methode der künstlichen Befruchtung.

Leider setzen sich die meisten Artikel über die Preisverleihung sehr wenig mit den Konsequenzen auseinander, die diese Entdeckung hatte. Dass 4 Millionen Menschen der Methode ihr Leben verdanken, soll anscheinend genug sein – wie sie sich dann damit fühlen, interessiert nicht. In diesem Zusammenhang finde ich auch den Begriff "Retorten- oder Reagenzblasbaby", der in fast jedem Zeitungsartikel auftaucht, wirklich nicht schön, das klingt nach "auf Bestellung zusammengemixt" – ein Gefühl übrigens, das einige von uns teilen.
Stina

Talkshow Markus Lanz

Am Mittwoch den 19. Mai moderierte Markus Lanz das Thema "40 Jahre Samenspende". Zu Gast waren die Familientherapeutin Dr. P. Thorn, der Reproduktionsmediziner, Prof. T Katzorke, ein Samenspender namens Carsten Uhr und Anna, die uns Spenderkinder vertrat.
Die Sendung ist im Internet als Livestream zu sehen.

Der Ankündigungstext des ZDF's lautet wie folgt:
Über 100.000 Menschen wurden in den vergangenen 40 Jahren in Deutschland durch eine Samenspende gezeugt. Die meisten von ihnen ahnen gar nicht, dass ihr Vater nicht ihr Erzeuger ist. Anna Wagner erfuhr mit 25 Jahren, dass sie Nachkomme einer Samenspende ist – seither leidet sie darunter, dass ihr 50 Prozent der genetischen Herkunft unbekannt sind – und sucht ihren Erzeuger.

Außerdem zu Gast: Gynäkologe und Reproduktionsmediziner Prof. Thomas Katzorke, die Familientherapeutin Dr. Petra Thorn und Carsten Uhr, der offen über seine Nebentätigkeit spricht.

Leider wurde uns nicht die Zeit gegeben das Thema umfassend und tiefgründig zu behandeln. Ich denke jedoch, dass das Gespräch die Situation im Allgemeinen skizziert und Menschen, die sich noch nie mit dem Thema der Familiengründung durch Samenspende beschäftigt haben, einen Einblick gibt.
Anna

Plan B für die Liebe

Diesen Donnerstag ist der Film "Plan B für die Liebe"(The Backup Plan) angelaufen. In diesem spielt Jennifer Lopez die 40jährige New Yorkerin Zoe, die mit 40 noch nicht den Mann fürs Leben gefunden hat und deswegen beschliesst, sich den Kinderwunsch mit Samenspende zu erfüllen (was in den meisten Rezensionen meist mit künstlicher Befruchtung beschönigt wird). Der Spender wird aus dem Katalog ausgesucht. Gerade als sie schwanger ist, findet sie den Mann fürs Leben, und die üblichen Komplikationen der romantischen Komödie beginnen. Ich bin fast versucht, mir den Film anzuschauen, um zu sehen, ob vielleicht doch ein paar Gedanken an die Umstände einer Samenspende gewidmet wurden – kann man dem zukünftigen Kind den Vater bewusst vorzuenthalten? Was, wenn das Kind den Erzeuger gerne kennenlernen würde? Ist es okay, den Vater eines Kindes in einem Katalog auszusuchen? Aber das lenkt vermutlich zu sehr von den Problemen der "Erwachsenen" in einer romantischen Komödie ab, um deren Lebensglück es ja geht. Und ich habe bisher so viele schlechte Kritiken über den Film gelesen, dass ich es besser sein lasse.
Stina

Dokumentation im Schweizer Fernsehen SF 1

Am Donnerstag, 29. April 2010, läuft um 20.05 im Schweizer Fernsehen SF 1 die Dokumentation "Die Kinder von der Samenbank – ein Tabu und seine Folgen", an der unter anderem unser Mitglied Bille mitgewirkt hat.

Hier der Ankündigungstext von SF1:
"«Ich wünsche mir zu erfahren, wer mein Erzeuger ist» – das sagt die 34-jährige Sibylle. Sie ist ein Kind von der Samenbank – dank des Samens eines unbekannten Spenders. Mindestens 1000 Kinder kommen in der Schweiz jedes Jahr durch eine Samenspende zur Welt. Nur fünf Prozent der Kinder wissen allerdings, dass sie so gezeugt worden sind. Samenspende ist in der Schweiz noch immer ein Tabu.

Obwohl oder vielleicht gerade weil ein Spenderkind ein Wunschkind ist, wird es über seine Herkunft meistens nicht informiert. Aber immer wieder geht etwas schief, und die Kinder erfahren es doch. Die Nachfrage nach Spendersamen von der Samenbank oder auch im Internet durch Privatpersonen ist sehr gross.

Im «DOK»-Film «Die Kinder von der Samenbank» geht die Autorin Andrea Pfalzgraf der Frage nach, weshalb das Thema Samenspende in der Schweiz immer noch so ein grosses Tabu ist. Sie macht sich auf die Suche nach einem Paar, welches dank einer Samenspende zu Nachwuchs gekommen ist, befragt Samenspender zu ihrer Motivation und will von Spenderkindern wissen, weshalb die Suche nach dem biologischen Vater zur Obsession werden kann – ein nicht ganz einfaches Unterfangen, denn wer spricht schon gerne darüber. Ein Spender hat bereits 67 Kinder gezeugt und denkt nicht ans Aufhören. Und das Paar Yvonne und Roger ist überglücklich mit seinem Spenderkind und hofft, dass sie bald ein zweites Kind vom gleichen Spender bekommen.

Auf der anderen Seite zeigt das Beispiel von Sibylle, was passieren kann, wenn man als Kind meint, seinen Vater zu kennen, und erst als Erwachsene durch Zufall erfährt, dass der biologische Vater ein unbekannter Spender ist. Und es illustriert, wie die Hoffnung aufkeimt, als Sibylle im Internet eine Frau findet, die in der gleichen Praxis gezeugt wurde.

Andrea Pfalzgraf begleitet in ihrem Film die beiden jungen Frauen zu einer ersten Begegnung und weiter, bis sie dank eines DNA-Tests bestätigt bekommen, ob sie Halbschwestern sind oder nicht."

Stina

Neue FAQ online

Seit heute ist eine erweiterte Frequently Asked Questions (FAQ) online, an der wir die letzten Monate per email gearbeitet haben. Wir haben ein paar neue Fragen aufgenommen und die Fragen in allgemeine und solche von Kindern und Eltern aufgeteilt.
Stina

Artikel in der GQ

Im Februarheft der GQ befindet sich ein Artikel über Samenspende, für den der Autor Stefan Krücken unter anderem mich interviewt hat.
Stina

Interview bei Wolf's Talk

"Stephanie", die durch eine DI entstanden ist, wurde von Heiko Wolf zur Thematik interviewt. Ein gelungenes Interview zum Anhören und Herunterladen auf: www.wolftalk.de in der mittleren Rubrik unter "Gesellschaft". Anne

Reaktion einer Freundin und nicht aufklärende Eltern

Neulich habe ich die bisher niedlichste Reaktion auf das Geständnis erlebt, mit einer Samenspende gezeugt worden zu sein. Wir kamen darauf, weil mich meine Freundin fragte, ob ich denn eigentlich Geschwister habe. Ich habe dann die Wahrheit gesagt – wahrscheinlich, aber ich kenne sie nicht – und weil man das mit einer normalen Familienkonstellation wirklich kaum erklären kann, habe ich dann kurz von der Samenspende erzählt. Meine Freundin sah mich nur interessiert an und meinte: Krass! Aber da haben Deine Eltern aber ganz schön Glück gehabt mit der Spende. Und das war es dann und wir haben zusammen einen Film gesehen.

Ich lese ja ab und zu in einem Kinderwunschforum mit, um die Seite der Eltern mitzubekommen, aber auch weil es dort ab und zu interessante Film- und Literaturtipps gibt. In dem Forum sind ganz verschiedene Menschen, und darunter auch solche, die ganz entschieden für die Aufklärung der Kinder sind. Was mich aber regelmäßig schockiert, sind diejenigen, die sich bewusst gegen eine Aufklärung ihrer Kinder entscheiden und dann auch noch sagen, das wäre ja die private Angelegenheit jedes Einzelnen. Sie wären ja einen so langen und schmerzhaften Weg gegangen und man könne nur wegen der immer noch so intoleranten Gesellschaft dem Kind und dem Umfeld nicht die Wahrheit sagen. Bei solchen Äußerungen wird mir immer ganz anders. Zunächst ist es zu einfach zu behaupten, wenn andere die eigenen schmerzhaften Erfahrungen nachvollziehen könnte, würden sie die Entscheidung für eine Samenspende und das Verschweigen besser verstehen. Wir Spenderkinder können alle auf einen sehr schmerzhaften Prozess der Kenntnis über unsere Entstehungsart verweisen – aber wenn man so argumentiert, muss man keine weiteren sachlichen Erwägungen bringen, warum das Verschweigen falsch ist.

Es handelt sich gerade nicht um die Privatsache dieser Eltern, denn sie nehmen sich das Recht heraus, für ihr Kind zu bestimmen, dass dieses grundsätzliche Tatsachen über seine Existenz nie erfahren soll. Es wird von den eigenen Eltern angelogen werden. Das kann kein noch so schmerzhafter Kinderwunsch rechtfertigen. Eigentlich sagen sie: ich liebe mein Kind über alles – nur seine Grundrechte werde ich ihm nicht ganz geben. Und diese Eltern verschweigen die DI trotz der nicht so geringen Chance, dass alles irgendwann einmal herauskommt. Wie soll die Gesellschaft denn je toleranter werden, wenn diejenigen, die sich bewusst für diesen Weg entschieden haben, nicht dazu stehen? Wenn ihre Familie und ihr Umfeld sie liebt und schätzt, dann werden sie auch eine solche Entscheidung akzeptieren.
Stina