Archiv der Kategorie: Leihmutterschaft

Artikel über Leihmutterschaft im SZ-Magazin

Im SZ-Magazin vom 19.4.2013 ist der Artikel Und siehe, es war sehr gut erschienen. Der Artikel des Journalisten Thorsten Schmitz erzählt die Geschichte eines schwulen Paares, die ihre 3 Kinder über Leihmutterschaft in Indien und den USA bekommen haben, und ist leider ein ziemlich unverhohlenes und unkritisches Plädoyer für die Zulassung von Leihmutterschaft in Deutschland.

Die Schwierigkeiten des Paares, die Leihmutterschaft in Deutschland anerkennen zu lassen und die Kosten werden als unglaublich groß und unverhältnismäßig dargestellt, und mehrmals wird gefragt, warum Deutschland diesem Paar so viele Steine in den Weg legt. Darauf gibt es nur eine Antwort: Weil es vielleicht doch Menschenhandel ist, wenn man sich Eizellen bei einer Frau kauft und die Gebärmutter einer anderen Frau mietet, um sich das Kind nach der Geburt gegen Geld überreichen zu lassen. Das wird als Verstoß gegen die durch Art. 1 Grundgesetz geschützte Würde des Kindes gesehen, weil es zum Objekt gemacht wird. Genauso bleibt in dem Artikel unerwähnt, dass Eizellspende nicht ungefährlich für die Spenderinnen ist und dass man das Engagement von Leihmütter aus den ärmsten Gesellschaftsschichten oder Entwicklungsländern vielleicht schon als Ausbeutung sehen kann. Natürlich sind diese Mütter einverstanden, das Kind abzugeben, wenn sie das Geld benötigen.

Die eigentliche Aussage des Artikel ist, dass alles erlaubt ist, um Menschen zu ihrem Wunschkind zu verhelfen oder mehr Kinder in Deutschland zu haben. Das lässt jegliche ethische Perspektive und vor allem auch die Interessen der so gezeugten Kinder außer Acht und ist eine extrem von der Elternsicht geprägte Anschauung. Besonders interessant fand ich dabei eines: Den beiden Männern hat es nicht gereicht, Kinder mit einem lesbischen Paar zu bekommen, sie wollten eigene Kinder, die nur bei ihnen leben. Ein anderes Arrangement war für sie anscheinend nicht vorstellbar. So sehr ich für die Gleichstellung homosexueller Paare bin, denke ich nicht, dass diese – unabhängig von den natürlichen Gegebenheiten – ein Recht auf Kinder nur für sich alleine haben. Dass es für schwule Paare auch anders als über Leihmutterschaft geht, zeigt der Artikel des Journalisten Sven Stockrahm Vater, Vater, Mutter, Mutter, Kind, Kind in der Zeit vom 13.04.2013.

In unserem Verein haben wir keine Mitglieder aus Eizellspende und Leihmutterschaft. Als Spenderkind finde ich es aber schwierig genug, dass mein genetischer Vater, der Samenspender, (vielleicht) nur wegen des Geldes gespendet hat, sich (vielleicht) nicht für mich interessiert und dass meine Eltern somit eigentlich 50 % meines Erbgutes gekauft haben. Wie wäre das erst, wenn meine Eltern gleich zwei Menschen dafür bezahlt hätten, darunter den Menschen, in dessen Körper ich mich 9 Monate entwickelt und der mich zur Welt gebracht habe?

Sollte die Entstehung von Kindern wirklich der totalen Kommerzialisierung überlassen werden? Solche Gesichtspunkte hätte ich eigentlich von SZ Magazin erwartet – und kein Rührstück über zwei Menschen, die endlich Kinder erhalten haben, auf welchem Weg auch immer.

Plötzlich Eltern – Trend Leihmutterschaft

Bei den Prominenten boomen die Leihmutterschaften: Elton John und sein Partner John Furnish (übrigens 63 bzw. 48 Jahre alt) haben es getan, Ricky Martin, Nicole Kidman, Sarah Jessica Parker auch.

Manche Klatschzeitschriften sprechen schon von einem "Leihmuttertrend". Bild.de beschreibt die Vorteile: "Keine Übelkeit, kein Baby-Bauch, keine überflüssigen Kilos nach der Geburt!" Und alle freuen sich über die süßen Babys. Nun ist kritische Berichterstattung bei Klatschzeitschriften und der Panorama-Seite auch nicht die Regel, es sei denn es geht um modische Fehlgriffe oder ein paar Kilo Gewichtzunahme.

Trotzdem, ein bisschen moralische Verortung könnte man auch bei solchen Magazinen erwarten. Für mich ist Leihmutterschaft in den meisten Fällen Kinderkauf und damit Menschenhandel. Anders als bei einer Eizellspende wird das Kind 9 Monate ausgetragen und dann gegen Geld weggegeben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man als Mutter/Leihmutter in dieser Zeit nicht irgend eine Beziehung zu dem Kind aufbaut. Und zumindest bei den homosexuellen Auftraggebern handelt es sich nicht um eine Leihmutter, sondern höchstwahrscheinlich um die Mutter, denn irgendwo muss die Eizelle ja herkommen. Ist eines eine eingesetzte Eizelle, gibt es neben der Leihmutter noch eine Eizellspenderin. Ob die Kinder zu dieser Frau je eine Beziehung aufbauen können, wird nicht angesprochen. Und wie werden sich die Kinder fühlen, wenn sie erfahren, dass sie von einer Frau zur Welt gebracht wurden, die sie dann gegen Geld abgegeben hat?

Dazu kommt noch: In Deutschland ist Leihmutterschaft nicht möglich, der Trend kann also nicht so einfach mitgemacht werden. Nach dem Embryonenschutzgesetz macht sich ein Arzt strafbar, der eine künstliche Befruchtung bei einer Leihmutter vornimmt. Wunscheltern und Leihmutter bleiben nach dem Embryonenschutzgesetz strafbar, es kann sich aber immer noch um Kinderhandel nach § 236 Strafgesetzbuch handeln. Wenigstens die Süddeutsche hat hierauf hingewiesen und angesprochen, dass die Bezeichnung der Leihmutter durch Nicole Kidman als "Brutmaschine" ziemlich fragwürdig ist. Ansonsten werden jetzt wohl die Anfragen bei Kinderwunschkliniken nach diesem Service zunehmen….
Stina