Letzte Änderung 06.09.2010
Im Berliner Tagesspiegel ist heute der Artikel Bestellte Kinder erschienen, für den die Journalistin auch mit mir gesprochen hat. Ich finde den Artikel gelungen, weil er die Gefühle aller Beteiligten mit Ausnahme der Ärzte sehr gut anspricht. Die zitierte Mutter eines DI-Kindes hat den Artikel allerdings kritisiert, weil sie falsch zitiert wurde und findet, dass Eltern mit Kinderwunsch zu negativ dargestellt werden.
Im heutigen SZ-Magazin, der Beilage der Süddeutschen Zeitung, sind mehrere Artikel zum Thema Donogene Insemination. Darunter sind vier Berichte von Kindern aus Samenspende, diesmal ganz ohne meine Mitwirkung. Für mich war es auch sehr interessant, ihre Gedanken zu lesen. Drei davon möchten wissen, wer der Spender ist. Die eine Person, die es nicht wissen möchte sagt, es reicht ihr dass sie weiß dass ihre Eltern sie sich sehr gewünscht haben. Für mich kompensiert dieses Wissen die Frage nach meinen genetischen Wurzeln leider nicht. Sie meint aber, dass sie es eine Zeit lang doch wissen wollte. Für mich zeigt das nur, dass wir auf jeden Fall die Möglichkeit bekommen sollten, dieses Wissen zu erhalten. Ob es dann jeder nutzen wird ist eine ganz andere Frage.
Die Artikel sind auf jeden Fall sehr gelungen, obwohl ich besonders zu dem Interview mit Prof. Katzorke wieder sehr viel sagen könnte. Dazu nur eins: er sagt, dass er nicht weiß ob er bei eigene Unfruchtbarkeit ein Kind per Samenspende bekommen könnte. Wie man wirklich handeln würde wüsste man erst, wenn man wirklich in dieser Situation sei. Ich finde das trifft auch auf die Situation von Spenderkindern gut zu: wie wichtig das Wissen um die Herkunft ist merkt man wohl erst, wenn man dieses als selbstverständlich erachtete Wissen nicht (mehr) besitzt.
Im Weihnachts-Heft der Brigitte ist ein Artikel über Donogene Insemination, für den ich interviewt wurde. Für Menschen, die sich schon viel mit dem Thema beschäftigt haben steht bestimmt nichts Neues darin. Über die größte deutsche Frauenzeitschrift können aber hoffentlich viele Menschen erreicht werden, die sich zu dem Thema bisher nicht viele Gedanken gemacht haben. Den Artikel kann man hier online lesen und es gibt auch ein Forum.
Prof. Katzorke, Vorsitzender des Arbeitskreises Donogene Insemination, sagt in dem Beitrag, dass der Samenspender bei seiner Spende nur für Sekunden in der Rolle des Erzeugers aufgetreten ist. Aufgrund des Wunsches von Kindern wie mir solle nun auf einmal in die Vaterrolle schlüpfen, obwohl er nie der Vater gewesen ist. Das alles lässt ihn darauf schließen, dass Vaterschaft ein soziales Phänomen ist.
Erstmal reichen für eine Zeugung wohl immer nur Sekunden, egal ob per Spende oder auf dem üblichen Weg. Das kann also keinen Unterschied machen. Prof. Katzorke versteht aber wieder überhaupt nicht, worum es mir und anderen Kindern geht, obwohl ich ihm das schon einmal in einem persönlichen Brief geschildert habe und man es auch auf dieser Internetseite nachlesen kann. Ich suche keinen Vater, denn ich habe schon einen und möchte eigentlich keinen zweiten. Was ich aber möchte, sind wenigstens Mindestangaben über meinen Erzeuger, meinen genetischen Vater. Ich möchte gerne wissen, wie er aussieht, was er beruflich macht, was ihn interessiert, wer meine genetischen Großeltern waren, ob ich Halbgeschwister habe, ob es vielleicht vererbbare Krankheiten in der Familie gibt ...
Für solche Angaben reichen zwei Stunden für einen Brief oder ein Treffen in einem Cafe. Mehr möchte ich nicht - und das geht eigentlich allen Kindern, die ich kenne, genauso. Und ich frage mich: Ist das so viel verlangt? Uns ist sehr wohl bewusst, dass der Spender nicht unser Vater sein wollte. Aber 2 Stunden und ein paar Angaben stören einen Menschen nicht in seinem jetzt vielleicht bürgerlichen Leben mit eigener Familie. Außerdem unterstellt Prof. Katzorke ja geradezu, dass der Spender uns nicht kennenlernen möchte - vielleicht ist er ja auch neugierig?
Und außerdem frage ich mich: sagt Prof. Katzorke das, weil er Spenderkinder wie mich nicht versteht? Oder sagt er es als Abwehrstrategie, weil die meisten Menschen das Entsetzen eines Mannes eher nachvollziehen könnnen, der vor 25 Jahren einmal unter Zusicherung der Anonymität gespendet hat und auf einmal Vater sein soll, als wenn wir nach unserer Identität suchen und deswegen ein paar Angaben haben möchten? Wie gesagt: Vater nein, aber Erzeuger: Ja!
Am Dienstag, 4.12. wird bei Frontal21 um 21 Uhr auf ZDF der Beitrag "Suche nach dem Vater - Die Kinder von der Samenbank" gezeigt, für den auch ich interviewt wurde. Ich bin gespannt!
Am 19.11. erscheint der Artikel "Die Eiskinder" von Philip Faigle in der Neon, in dem unter anderem meine Geschichte erzählt wird. Der Journalist hat sehr lange und ausführlich für den Artikel recherchiert. Ich finde das merkt man dem Artikel an und ich hoffe, dass er viele Menschen zum Nachdenken bringen wird und sich vielleicht ein paar andere Spenderkinder melden werden.
Der Zündfunk, ein junges Magazin auf Bayern 2, beschäftigt sich heute, am 17.11., zwischen 19.05 und 20.00 mit der Situation von Spenderkindern und der derzeitigen Samenspende-Praxis in Deutschland. Zu Wort kommen Spenderkinder, darunter ich, Ärzte und Samenspender. Alle Nicht-Bayern können sich die Sendung zu der Uhrzeit als Live-Stream anhören.
Wie ich vor zwei Wochen erfahren habe, kennen meine Eltern inzwischen die Seite. Meine Mutter hat wohl von einer Bekannten davon erfahren - und so leider nicht selbst gefunden - und die Adresse dann weitergegeben. Da die Seite doch ein bisschen wie ein Tagebuch ist, erscheint es mir ein bisschen unangenehm, so offen wie vorher weiterzuschreiben. Aber das werde ich einfach überwinden müssen. Mein Vater zumindest war nicht sauer über die Seite, sondern meinte nur, dass sie ihm gezeigt hätte, dass ich mir über alles viel mehr Gedanken mache als andere Menschen. Ich bin mir da nicht so sicher ... ich kann meine Gefühle vielleicht nur besser in Gedanken umwechseln und habe mir die Zeit genommen, es zu machen. Ich kenne inzwischen ja einige andere Spenderkindern, und über das Thema der Anonymität der Spender haben wir alle ähnliche Gedanken. Vielleicht haben sich andere Menschen bisher einfach zu wenig Gedanken darüber gemacht, wie wir uns später fühlen werden.
Auch einige ehemalige Patienten der Reproduktionsmedizin stehen dieser inzwischen kritisch gegenüber. Dr. Magdalena Telus berichtete im Deutschen Ärzteblatt vom 24.12.2001, dass sie bei ihrer eigenen Behandlung nicht über die psychischen und sozialen Folgen aufgeklärt wurde. Die körperlichen Risiken wurden verharmlost und ihr Zögern mit dem Motte „nur labile Frauen reagieren so“ abgehandelt. Die Ärzte hätten einen ungeplanten Aktionismus gezeigt, der ihr den Eindruck vermittelt habe, einer unberechenbaren Maschine ausgeliefert zu sein. Die allgemeinen Denkfiguren in der Reproduktionsmedizin seien darauf ausgerichtet, dass Kinderlosigkeit eine Krankheit und Reproduktion Pflicht sei und alles wegen der Wichtigkeit der genetischen Verwandtschaft geschehen müsse.
Aufgrund der Behandlung trug Frau Dr. Telus einen Schaden davon, welcher von der Ärztekammer Nordrhein als Kunstfehler anerkannt wurde. Mit dem nun in Essen seit August gegen die Praxis stattfindenden Gerichtsverfahren möchte sie über ihren Einzelfall hinaus auf die Gefahren hinweisen, die sich für Frauen aus reproduktionsmedizinischen Behandlungen ergeben können. Ich wünsche ihr mit beiden Anliegen viel Erfolg.
Kaum in Deutschland zurück, ist endlich ein schon länger geplanter Artikel über das Thema Donogene Insemination in der taz erschienen, der größtenteils meine Geschichte erzählt und den man hier zumindest teilweise nachlesen kann.
Allerdings steht dort fälschlicherweise, dass mir gerichtlich untersagt wurde, den Namen des Arztes zu nennen, der meine Eltern damals nach ihren eigenen Aussagen behandelt hat. Dies wurde mir nur anwaltlich untersagt, und mir war es nicht so wichtig dass ich es auf eine gerichtliche Entscheidung ankommen lassen wollte. Allerdings frage ich mich schon: welche Berufsehre soll durch die Nennung betroffen sein? Konkretes, gegen ärztliche Standesrichtlinien verstoßendes Fehlverhalten in meinem Fall habe ich ihm nie vorgeworfen. Es stimmt, dass die Daten zum Behandlungszeitpunkt nicht ausdrücklich aufbewahrt werden mussten. Ob die Vernichtung deswegen rechtmäßig war, ist eine andere Sache. Außerdem hat er die Daten meines Spenders bestimmt auch nicht persönlich entsorgt. Aber ob es moralisch ehrenhaft ist, sehr viel Geld durch Kinderwunschbehandlungen zu verdienen und die Interessen der so gezeugten Kinder nicht zu beachten, ist eine ganz andere Sache. Ich vermute ja eher, dass die betroffene Person nicht möchte, dass eines "seiner" Kinder öffentlich macht, mit seinem Arbeitsfeld nicht einverstanden ist.
In dem Artikel wurde auch leider ausgelassen, dass ich nicht nur zu meinem Vater keinen Kontakt mehr habe, sondern ebenfalls zu meiner Mutter nicht. Ohne den Unterhalt hätte ich leider mein Studium nicht beenden können, und das ist schon sehr wichtig gewesen. Ich freue mich aber sehr darauf, bald endlich mein eigenes Geld zu verdienen.
Am Sonntag, dem 19. August 2007 wird von 16.25 Uhr bis 16.55 Uhr im WDR der Film "Wunschkind ohne Papa" von Tristan Chytroschek und Dorothea Marcus gesendet. Der Film begleitet zwei Frauen, die sich nicht in einer festen Beziehung befinden und sich deswegen im Ausland mit einer Samenspende befruchten lassen. tag7 begleitet Sandra und Barbara über mehrere Monate. Wie fühlen sich die Frauen mit ihrer Entscheidung, über einen gekauften Samen schwanger zu werden, dessen Spender sie nie persönlich kennenlernen? Wie wollen sie damit umgehen, wenn ihr Kind ihnen vorwirft, keinen Vater zu haben? Ist ihr so erfüllter Kinderwunsch nicht purer Egoismus? Ein Vorwurf, den Anna, (26), ihrer Mutter heute macht. Erst vor kurzem hat sie erfahren, dass sie durch eine Spendersamenbehandlung gezeugt worden ist - inzwischen sind die Daten ihres biologischen Vaters gelöscht. Niemals wird sie erfahren, wer ihr wirklicher Vater ist.
Anna (nicht mein wirklicher Name) bin ich, und wer mich gerne von hinten oder verschwommen von der Seite sehen möchte, hat hier die Gelegenheit. Ich habe den Teil mit mir schon gesehen und finde ihn sehr gelungen. Deswegen bin ich wirklich gespannt auf den ganzen Film, bei dem sich Dorothea und Tristan wirklich sehr viel Mühe gegeben haben.
Eine Wiederholung wird am 22. August 2007 von 10.45 Uhr bis 11.15 Uhr gesendet.
Für meinen nächsten Prüfungsabschnitt werde ich bis Ende September im Ausland sein. Ich glaube die Auszeit wird mir gut tun und mir hoffentlich neue Kraft geben. Besonders freue ich mich auch auf zwei Wochen Urlaub, die ich daran hängen werde. Ich werde in der Zeit versuchen, regelmäßig meine emails nachzusehen, aber mit einer Antwort kann es je nachdem etwas dauern.
Genau heute vor einem Jahr haben meine Eltern mir die Wahrheit gesagt. Der Tag war ganz normal, und abends habe ich mich mit zwei Freundinnen getroffen, die ich schon lange nicht mehr gesehen habe. Als ich nach Hause gefahren bin, habe ich kurz daran gedacht dass vor einem Jahr der schlimmste Tag in meinem Leben war. Daraus kann man natürlich ablesen, dass mir bisher nichts wirklich Schlimmes passiert ist - besser wird es dadurch aber auch nicht. Für mich teile ich die Zeit oft in davor und danach ein, weil sich für mich so viel dadurch geändert hat. Trotzdem bin ich froh, dass ich die Wahrheit weiß, denn nur so kann man meiner Meinung nach selbstbestimmt leben. Außerdem hat es mir die Augen über meine Eltern geöffnet. Zu sagen dass ich es lieber nicht wüsste und alles wie vorher sein soll, wäre ein Armutszeugnis.
Vor einem Monat habe ich den ersten Teil meines Examens geschafft und es ist zum Glück wirklich gut gelaufen. Ich bin sehr froh, denn vor einem Jahr hatte ich wirklich Angst, dass ich es nicht schaffe, weil ich mich so schlecht konzentrieren konnte. Aber es steht noch ein zweites Examen an, und ich muss mir überlegen wie ich ins Berufsleben einsteigen soll. Im Moment habe ich deswegen immer noch keine Lust, den Kontakt mit meinen Eltern wieder aufzunehmen.
Seit heute ist die Internetseite von Manuela aus der Schweiz online und damit meines Wissens die zweite deutschprachige Seite eines Spenderkindes. Ich finde es schön, dass es so die Gelegenheit gibt, auch die Erfahrungen von jemand anderem zu lesen, der durch künstlicher Reproduktion entstanden ist, und etwas über die Situation in der Schweiz zu erfahren. Aber bis wir die 1000 Seiten von Reproduktionskliniken und Hilfsangebote für kinderlose Paare ausgleichen, wird es wohl noch etwas dauern.
Am 30.04. lief die Radiosendung Spenderkinder von der Journalistin Eva Schindele im swr, für welche ich unter anderem interviewt wurde. Die Sendung kann man hier anhören oder nachlesen.
Am 21.04.2007 bietet Frau Dr. Thorn in Mörfelden bei Frankfurt ein Seminar für junge Erwachsene an, die mit Hilfe von Spendersamenbehandlung gezeugt wurden.
Anmerkung: Das Seminar ist leider wegen Teilnehmermangel ausgefallen. Ich kenne zwar inzwischen einige andere Spenderkinder, aber der Weg war zu weit oder der Termin passte nicht so gut.
Zwar ist der deutsche Gesetzgeber bei der donogenen Insemination lange untätig geblieben, aber eine Verbesserung ist zumindest durch die europäische Gesetzgebung in Aussicht. Die Richtlinie 2004/23/EG schreibt für Samenspenden eine 30jährige Aufbewahrungsfrist nach der Behandlung vor und sieht Sanktionen für Zuwiderhandlungen vor. Das Bundeskabinett hat dies in einem Gewebegesetz berücksichtigt, das momentan noch im Bundestag behandelt wird. Zwar ist dies von einer wirklichen Regelung noch weit entfernt, aber zumindest wird nach der Verabschiedung des Gesetzes kein Arzt mehr die Spenderdaten nach nur 10 Jahren vernichten können. Mehr darüber unter "Rechtliches”, die Dokumente habe ich bei “Links und Literatur” aufgeführt.
Außerdem habe ich mich sehr über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom vergangenen Mittwoch (13.02.2007) gefreut. In dem Fall ging es um einen Mann, der durch einen heimlich durchgeführten Vaterschaftstest erfahren hat, dass er nicht wie angenommen der genetische Vater seiner Tochter ist. Die Gerichte hatten ihm wegen des heimlich durchgeführten Tests, der eine Rechtsverletzung an dem Kind darstellt, eine Vaterschaftsanfechtung verwehrt. Das Bundesverfassungsgericht hat dies bestätigt, aber zur Verwirklichung des Rechts des Vaters auf Kenntnis der Abstammung seines Kindes den Gesetzgeber aufgefordert, ein Verfahren allein zur Feststellung der Vaterschaft anzubieten. Mich hat an dem Urteil gefreut, dass es das Recht auf Kenntnis der Abstammung, das besonders wichtig ist für Kinder aus einer Samenspende, noch einmal deutlich bestätigt hat. Wichtig ist in diesem Zusammenhang auch, dass das Bundesverfassungsgericht eine Grundrechtsverletzung in der Unterlassung des Gesetzgebers gesehen hat, zur Verwirklichung des Rechts auf Kenntnis der Abstammung ein entsprechendes Verfahren anzubieten, denn Unterlassungen werden nur ganz selten und nur bei schwerwiegenden Verletzungen als Grundrechtsverletzung gesehen. Das bedeutet aber, dass das Fehlen von Schutzbestimmungen für Kinder, die aus einer donogenen Insemination enstanden sind, ebenfalls eine Grundrechtsverletzung darstellt. Diesen wird nämlich ebenfalls ein Verfahren verwehrt, nach welchem sie die Identität des Spenders feststellen können, dazu kommt die missverständliche Regelung bezüglich der Aufbewahrungsfristen und eine besondere Schutzbedürftigkeit. Nicht zuletzt hoffe ich aber, dass durch das Urteil vielen der “nichtaufklärenden” Eltern noch einmal bewusst geworden ist, dass das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung existiert und wie einfach heute heimliche genetische Tests einzuholen sind. Diese können nicht nur von einem Elternteil, sondern auch gut vom Kind ausgehen.
An sonstigen Veränderungen an der Seite habe ich Psychologisches um eine Studie ergänzt und die “Links und Literatur” Sektion um einige Zeitungsartikel, von denen es auch eine online-Version gab. Vielen Dank an alle, die mich auf diese Artikel aufmerksam gemacht haben! Immer mal wieder bearbeite ich “Meine Geschichte”, um manche Sachen besser hervorzuheben oder richtig zu stellen. Leider passiert es gelegentlich, dass Leute Teile meines Lebens, die ich hier kurz anspreche (wie die Trennung meiner Eltern), aufgreifen und in die Richtung uminterpretieren, dass diese der eigentliche Grund sind, weswegen ich so unglücklich über die Art meiner Zeugung und das Verhalten meiner Eltern bin. Ich kann dazu nur sagen, dass ich immer noch regelmäßig eine Psychologin sehe und wir recht intensiv darüber nachdenken, weswegen ich wie reagiere. Ich weiß, dass diese Leute das vermutlich nur deswegen tun, um ihr eigenes Handeln zu rechtfertigen und sich mit meiner Meinung nicht auseinandersetzen zu müssen, weil sie sehr unbequem für sie ist. Trotzdem ist das etwas anstrengend, weil ich auch nicht die Notwendigkeit sehe, mein ganzes Leben im Internet und erst recht nicht gegenüber diesen Leuten erklären zu müssen. Die meisten Leser meiner Seite akzeptieren das aber durchaus und ich habe bisher viele nette und anregende Mails bekommen.
Mittlerweile ist der erste Teil meiner Prüfungen vorbei, deswegen kann ich mich auch wieder ein bisschen der Seite widmen. Nächstes Wochenende habe ich hoffentlich Zeit, die Sektion Psychologisches um ein paar Studien zu ergänzen. Die Prüfungen liefen ganz okay, aber wie gut ich gewesen wäre, wenn ich von der gesamten Sache nicht so abgelenkt gewesen wäre, werde ich wohl nie wissen. Inzwischen hatte die Seite seit Anfang Oktober 2006 über 1.900 Zugriffe, was mich sehr freut.
Mit dem neuen Jahr haben sich auch die ersten anderen Kinder aus donogener Insemination bei mir gemeldet, was mich sehr gefreut hat. Die meisten waren mit um die 18 Jahre allerdings deutlich jünger als ich. Was die Einstellung zu DI eingeht, wurde mein Eindruck bestätigt, dass es für die Reaktion darauf auf das Alter, in dem man die Wahrheit erfährt, aber auch die Beziehung zu den Eltern und nicht zuletzt die eigene Persönlichkeit ankommt. Zwei der Kinder hatten keine Probleme mit ihrer Entstehungsweise, wobei eines schon etwas neugierig auf den Spender zu sein schien und nur befürchtete, dass dies den Vater verletzen würde. Die beiden anderen haben meine Gefühle und Gedanken überwiegend geteilt. Mir ist es auf jeden Fall wichtig, dass ich mit anderen Betroffenen darüber reden kann, ob sie meiner Meinung sind oder nicht ist nicht wichtig. Mich interessiert dabei auch besonders, wie die Erfahrungen mit DI in anderen Familien waren – wie und weswegen die Eltern es gesagt haben und wie das die Beziehung zu den Eltern beeinflusst hat. Mein Wunsch wäre es letztendlich, ein Netzwerk für aus DI Entstandene wie in Großbritannien oder den Niederlanden einzurichten, denn für Adoptionskinder gibt es so etwas schon sehr lange.
Letzte Woche habe ich außerdem an Aufnahmen an einem Film vom WDR mitgemacht. Es geht um ledige Frauen, die mit einer Samenspende ein Kind bekommen möchten. Außerdem erscheint vermutlich bald auch ein Artikel in der Zeitschrift Neon über Kinder aus einer Samenspende, für den ich ebenfalls interviewt wurde. Ich möchte deswegen nur klarstellen, dass mir nichts daran liegt, mich aufzuspielen und um jeden Preis in die Medien zu kommen. Deswegen habe ich bisher auch nie mein Gesicht gezeigt oder meinen richtigen Namen genannt. Und so nett und interessant die meisten Journalisten auch sind, könnte ich in der Zeit auch andere wichtige Sachen machen. Mir ist aber wichtig, dass in der Diskussion über DI in Deutschland auch mehr die Perspektive der Kinder wahrgenommen wird. In der Kölner Zeitung Express war vorgestern zum Beispiel ein halbseitiger Artikel über Samenspende mit einem großen Foto von Prof. Katzorke („Prof. Samenbank“), in dem noch nicht einmal angesprochen wurde, was für Auswirkungen das auf die derart entstandenen Kinder haben könnte. Stattdessen gab es kurze Interviews mit einem Samenspender, den solche Gedanken auch nicht zu beunruhigen schienen, und einer Begutachterin für die Samenqualität. Damit so schlecht recherchierte Artikel seltener werden, plane ich auch in Zukunft seriöse Medienanfragen annehmen, wenn es meine Zeit zulässt. Nicht zuletzt ist das auch die beste Möglichkeit, andere DI-Kinder auf die Internetseite aufmerksam zu machen. Wer mir bei dieser Aufgabe helfen möchte, kann sich aber gerne melden :)