DNA Test Family Finder

Unsere Suchdatenbank: Family Finder

Da einige Kliniken angeblich die Daten der Spender vernichtet haben, müssen wir selbst nach dem Spender oder Halbgeschwistern suchen. Zum Glück gibt es inzwischen erschwingliche und zuverlässige DNA-Tests, die uns dabei helfen!

Wir benutzen seit Dezember 2011 erfolgreich den Family Finder Test der amerikanischen Firma Family Tree DNA (FTDNA), um Halbgeschwister und Spender zu finden. Wer also herausfinden möchte, ob er oder sie mit uns verwandt ist, sollte diesen Test machen! Der Großteil unserer Mitglieder ist dort registriert. Wir wissen auch von einigen Spendern, die dort registriert sind. Das Besondere an Family Finder ist, dass er auch entferntere Verwandtschaftsverhältnisse feststellen kann (einige amerikanische Spenderkinder haben über registrierte Kinder oder Geschwister den Spender identifizieren können) und dass man den Test unter Pseudonym machen kann, wenn man seine Privatsphäre stärker schützen möchte.

Mit Hilfe von Family Finder haben bereits mehrere unserer Mitglieder direkte Verwandte gefunden: Im April 2013 hatten wir unseren ersten Treffer zwischen einem Spenderkind und einem Spender, seitdem gab es einen weiteren Treffer. Im Sommer 2013 gab es den ersten Treffer zwischen zwei Halbgeschwistern. Seitdem haben wir insgesamt 15 Halbgeschwister-Treffer über Family Finder gehabt (Treffer 2, Treffer 3, Treffer 4, Treffer 5, Treffer 6-7, Treffer 8, Treffer 9, Treffer 10-11, Treffer 12, Treffer 13, Treffer 14, Treffer 15, Treffer 16, Treffer 17), – wobei der achte Treffer ein Treffer zwischen gleich fünf Halbschwestern war. Je mehr Spenderkinder sich bei Family Finder registrieren, desto wahrscheinlicher werden Treffer.

Family Finder kostet einmalig 79 USD und muss direkt bei FTDNA bestellt werden, das sind ca. 65 Euro. Der Test wird immer mal wieder bei Sonderaktionen auch für 59 USD angeboten. Wir empfehlen und nutzen den Test, haben aber keinerlei Verbindung zu oder Einfluss auf FTDNA. Die meisten in der FTDNA-Datenbank enthaltenen Personen sind keine Spenderkinder, sondern Menschen, die an ihrer genetischen Abstammung im weiteren Sinn interessiert sind und entfernte Verwandte suchen.

Wir sind weder gesellschaftsrechtlich an Family Tree DNA, dem Unternehmen die den Family Finder Test anbieten, beteiligt noch bekommen wir eine Vermittlungsprämie. Wir halten Family Finder für einen Service, den wir gut für unsere Zwecke einsetzen können, nach Verwandten zu suchen, aber haben keinen Einfluss auf das Unternehmen.

Was kann der Family Finder Test?

  • Family Finder untersucht sog. SNP (single nucleotide polymorphisms), das sind Testungen einzelner Basenpaare (Allele), aus denen die Chromosomen aufgebaut sind. Family Finder testet bis zu 500.000 Allele.
  • Es handelt sich um eine relativ neue Testmethode. Herkömmliche DNA-Tests testen STRs (short tandem repeats), und davon auch nur 12 bis 35, die Vaterschaft relativ gut nachweisen können, aber eher unzuverlässig bei Geschwistern und Halbgeschwistern sind.
  • Family Finder kann Halbgeschwister identifizieren.
  • Mütter müssen nicht mitgetestet werden.
  • Resultate sind beweiskräftig für direkte und nahe Verwandte.
  • Kann direkte, nahe und weiter entfernte genetische Verwandte identifizieren, laut Werbung bis zu 5 Generationen.
  • Die Testergebnisse sind nicht vor Gericht verwertbar, weil die Identität der Teilnehmer nicht überprüft wird
  • .Im Preis enthalten sind Datenbanknutzung und Aufbewahrung der genetischen Proben für mindestens 20 Jahre, es gibt keinen jährlichen Beitrag.

Privatsphäre

  • Nur am Test teilnehmende Personen haben Zugriff auf die Datenbank.
  • Mögliche Verwandte sehen nur den angegebenen Namen, die geteilte DNA und die angegebene Email-Adresse.
  • Zugriff auf die DNA-Rohdaten hat nur die teilnehmende Person.
  • Bei der Bestellung des Tests oder der Abgabe der Proben findet keine Identitätsfeststellung statt, grundsätzlich kann man daher auch einen anderen Namen oder nur den Anfangsbuchstaben des Vornamens angeben und den Test an die Adresse von Freunden schicken lassen.
  • Man kann ebenfalls mit einer Kreditkarte bezahlen, die auf einen anderen Namen läuft.
  • Solltest Du Deine persönliche Adresse angegeben haben, kannst Du sie später jederzeit in Deinem Profil unter den persönlichen Angaben löschen.
  • FTDNA sichert in ihrer Privacy Policy zu, die Privatsphäre der Nutzer zu schützen. Ohne unterzeichnetes Release Form werden Daten auch nicht an mögliche Verwandte weitergegeben. Nach eigenen Angaben ist FTDNA auch Mitglied des Datenschutzabkommens Safe Harbor

Family Finder geht die vertragliche Verpflichtung ein, keine Daten an Dritte herauszugeben. Diese Verpflichtung ist auch in den USA bindend, und bei Verbrauchertäuschung ist es nicht ungewöhnlich, dass Bundesbehörden eingreifen. Darüber hinaus ist FTDNA aber ein Unternehmen, das vom Vertrauen der Teilnehmer lebt, denn wenn sie tatsächlich Daten herausgeben würden, dann würde sich niemand mehr registrieren.

Wir können gut verstehen, dass einigen unwohl bei dem Gedanken ist, seine DNA-Informationen an ein Unternehmen zu schicken. Das ist aber die Voraussetzungen jeglicher DNA-Tests, die ja immer über Unternehmen laufen. Nur ein DNA-Test kann aber letztlich bestätigen, ob man wirklich mit einer anderen Person verwandt ist. Die DNA wird dabei übrigens nicht komplett entschlüsselt (das wäre viel zu teuer), sondern nur der für die Erkennung von Verwandtschaftsbeziehungen relevante Teil. Selbst wenn Daten entgegen vertraglicher Zusicherung weitergegeben werden, dürfen DNA-Daten in Deutschland übrigens nicht dafür verwendet werden, um zu überprüfen ob man mit der betreffenden Person einen Vertrag abschließen möchte. Zuletzt sollte einem bewusst sein, dass die DNA die biologischen Anlagen abbildet, aber eigentlich wenig darüber aussagt, was für eine Person man ist. Dafür sind andere Daten – wie zum Beispiel die angesurften Internetseiten, Verhalten auf sozialen Netzwerken, Bank- und Kreditkartendaten – wesentlich aufschlussreicher.

Bestellung des Tests und Entnahme der Probe

Der Family Finder Test muss direkt von der Website von FTDNA online bestellt und per Kreditkarte bezahlt werden. Das geht folgendermaßen: Oben links auf der Website: DNA-Tests → Family Finder → Add to cart → Select tester’s gender (male oder female eingeben) → Proceed to checkout → Liefer- und Kreditkartendaten eingeben und abschicken. Direkt nach der Bestellung erhält man eine Email mit der Testnummer (Kit Number) und einem Passwort. Das Testkit wird aus den USA zugeschickt. Das kann bis zu sechs Wochen dauern. In der Vergangenheit gab es einmal Verzögerungen beim Zoll, weil der Test irrtümlich für ein Arzneimittel gehalten wurde, das wurde dann aber recht schnell geklärt.

Das Testkit enthält zwei Plastikstäbchen, mit denen man einen Abstrich der Mundschleimhaut nehmen muss. Wie es genau funktioniert, kann man sich in einem Youtube-Video ansehen. Außerdem muss man ein Release Form unterzeichnen, dass FTDNA die Email-Adresse an mögliche Verwandte weitergeben darf. Proben und Release Form schickt man ganz normal als Brief (oder Warensendung) zurück an die auf dem Umschlag angegebene Adresse. Obwohl auf dem Umschlag „package“ steht, muss man es nicht als Päckchen schicken (das wäre viel zu teuer). Etwa 6 Wochen später erhält man eine Nachricht, wenn die Daten in die Datenbank eingepflegt wurden.

In der Datenbank von FTDNA sind momentan (11. März 2018) 948.272 Genprofile enthalten, die mit allen neuen Testergebnissen auf eine mögliche Verwandtschaft abgeglichen wird. Bei einem Treffer sieht man den von dem möglichen Verwandten angegebenen Namen und kann die Person per Email anschreiben.

Die Ergebnisse

Jetzt kann man sich bei FTDNA mit Kit Number und Passwort einloggen und die Ergebnisse ansehen. Wenn es einen Treffer mit einem nahen Verwandten gibt (Eltern-, Geschwister oder Cousins 2. bis 3. Grades), bekommt man eine Email. Sicherheitshalber sollte man noch einmal seine Einstellungen (settings) ansehen, ob diese so eingestellt sind, dass man die Benachrichtigungs-Emails erhält, und auch ab und zu einmal nachsehen, ob es andere nähere Treffer gibt.

Die Ergebnisse findet man unter My DNA (auf der linken Seite) → Family Finder → Matches. Dort wird der Name des möglichen Matches und daneben 5 Spalten angezeigt. Wichtig: hier werden alle Teilnehmer von Family Finder angezeigt, mit denen eine gewisse genetische Übereinstimmung besteht. Das können auch sehr weit zurückliegende Verwandtschaften sein, die nur schwer nachvollziehbar sind. Besser beurteilen kann man dies aufgrund der Einschätzung von Family Finder und des cM-Wertes (siehe unten).

Die beiden wichtigsten Spalten für die Beurteilung sind: Als zweites von links: „Relationship Range“ enthält die Einschätzung von FTDNA zur Art der Verwandtschaft. Das kann von „Parent/Child“ über „2nd Cousin – 3rd Cousin“, bis zu „5th Cousin – Remote Cousin“ reichen. Als zweites von rechts: „Shared cM“, das ist die Summe der autosomen DNA, angegeben in centiMorgans (cM), die man mit dem jeweiligen genetischen Match teilt. Je geringer die Zahl ist, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, verwandt zu sein. Mit einem Elternteil beträgt der cM-Wert zum Beispiel 3400 und damit mehr als das Hundertfache von einem „5th Cousin – Remote Cousin“ mit einem cM-Wert von nur etwa 26. Mit Vollgeschwistern beträgt der cM-Wert etwa 2640, mit Halbgeschwistern 1700. Mehr Erklärungen bietet die Seite Autosomal DNA Statistics auf Englisch. Hilfreich für ein Verständnis der Verwandtschaftsgrade sind auch Grafiken.

Eine ganz nette Spielerei ist, sich unter MyDNA –> Family Finder –> myOrigins die historische Herkunft seiner DNA anzeigen zu lassen.

Weitere Datenbanken

Einen mit Family Finder vergleichbaren deutschen Test gibt es nicht. Es gibt noch zwei andere US-amerikanische Tests, die hinsichtlich Testart und Preis mit Family Finder vergleichbar sind: Das sind 23andme und Ancestry. Viele US-amerikanische Spenderkinder sind bei allen drei Datenbanken eingetragen. Für sie ist das sinnvoll, da bei diesen Datenbanken viele US-Amerikaner registriert sind. Für uns ergibt es aber Sinn, uns auf eine Datenbank festzulegen und diese zu empfehlen, da wir unsere DNA vor allem untereinander abgleichen möchten. Die Wahrscheinlichkeit, dass Europäer zufällig bei den anderen Tests registriert sind, ist relativ gering. Wir haben uns für FTDNA entschieden, weil hier viele Menschen registriert sind, die tatsächlich Verwandte ausfindig machen möchten. Bei den anderen Tests wie 23andme sind die Teilnehmer teilweise mehr an ihren Gesundheitsanlagen interessiert. Wenn man es sich leisten kann, ist es aber bestimmt eine gute Idee, sich auch bei den anderen Datenbanken zu registrieren.

Mehr Informationen zu anderen DNA-Datenbanken haben wir in unserem weiterführenden Text Verwandtensuche mit Hilfe von DNA-Datenbanken zusammengefasst. Weitere Fragen zu Family Finder beantwortet FTDNA auf Englisch auf seiner FAQ-Seite.