Letzte Änderung 22.02.2010
Bei Studien über Kinder aus donogener Insemination und Eltern, die auf diese Weise Kinder bekommen haben, existiert allgemein das Problem, dass der Zugang zu diesen Personen aufgrund der Geheimhaltung um das Thema sehr schwierig ist. Oft kann nur unter großen Mühen ein Kontakt hergestellt werden, und die Antwortraten sind eher niedrig.
Bei den Kindern aus donogener Insemination muss grundsätzlich unterschieden werden zwischen den Kindern, die nichts von der Art ihrer Zeugung wissen, denen, die in relativ jungen Jahren davon erfahren haben, und zuletzt denen, die schon älter bei der Enthüllung der Wahrheit waren.
Die Kinder, denen ihre Eltern nicht von der Zeugung durch eine Fremdsamenspende erzählt haben, sind am schwierigsten zu fassen. Untersuchungen über sie können nur angestellt werden, wenn sie sich in einem Alter befinden, in dem eine Beobachtung oder ein Interview kein Misstrauen erweckt. Viele Eltern möchten auch gar keine Berührung mehr mit diesem Thema. Daher lässt sich nur mutmaßen, welche Auswirkungen ein solches Geheimnis auf das Familienleben hat, und auf die Aussagen von Kindern zurückgreifen, die erst später die Wahrheit erfahren haben. Studien über solche Kinder gibt es daher nur aus dem Kinderalter. Eine Vergleichsstudie von Golombook und anderen aus den Jahren 1995 und 1996 verglich vier Gruppen von Kindern im Alter zwischen vier und acht Jahren aus Samenspende, In-Vitro-Fertilisation, Adoption und natürlicher Empfangsweise miteinander. Das wichtigste Ergebnis war, dass sich die Qualität der Eltern-Kind-Beziehung in den Familien mit Kindern aus künstlicher Befruchtung und Adoption als besser herausstellte als in den Familien mit natürlicher Zeugungsweise. Es wurden jedoch keine besonderen Unterschiede in der sozialen und emotionalen Entwicklung der Kinder festgestellt. Die Autoren schlossen darauf, dass eine genetische Verwandtschaft zwischen Eltern und Kind weniger wichtig für die Familienbeziehung ist als ein starker Kinderwunsch und vermuteten, dass die Kinder aus künstlicher Befruchtung wahrscheinlich selbstbewusster und glücklicher in ihrer späteren Kindheit und ihrem Erwachsenenleben wären als normal gezeugte Kinder. Dies wurde kritisiert, da die Geheimhaltung vielleicht keine negativen Effekte auf die Frühphase der kindlichen Entwicklung hat, sich dies aber sehr gut ändern könnte, wenn die Kinder die Fähigkeit zu abstrakten Denken entwickeln. Ein weiterer Kritikpunkt war, dass die Studien auf der Bindungstheorie basieren, welche der frühkindlichen Prägung eine große Bedeutung beimisst und andere Beziehungen wie die Interaktion zwischen Eltern und Kind vernachlässigt.
Völlig anders stellt sich die Situation für Kinder aus Spendersamen dar, die erst spät von ihrer Erzeugungsart erfahren haben und sich jetzt im Erwachsenenalter befinden. In einer Auswertung der Berichte und Biographien von 90 Erwachsenen (McWhinnie 2001) berichten fast alle von Wut, Verbitterung über die Lügen und die Täuschung und Gefühle des Selbst- und Identitätsverlusts. "Ich bin nicht die Person, die ich dachte die ich bin" wird als häufiger Gedanke genannt. Alle wünschten sie sich, es wäre ihnen früher gesagt worden. Sie wünschen sich mehr Informationen über den Spender, sein Aussehen, seinen Bildungsstand und seine Interessen und speziell Details über seine Gesundheit. Dass diese Informationen nie für sie erhältlich sein wird, ist eine Quelle großer Frustration und Wut für sie. Ein oft fallender Kommentar ist, dass niemand sie für wichtig genug erachtete, um Daten über den Spender aufzubewahren und dass das System vorsätzlich geschaffen wurde, um sie zu täuschen und es ihnen unmöglich zu machen, je die Wahrheit zu erfahren. Wenn die Erwachsenen selbst Kinder haben, möchten auch diese Informationen über den Spender, der immerhin ihr genetischer Großvater ist. Alle Betroffenen denken, dass ihnen ein Unrecht widerfahren ist.
Eine Studie aus dem Jahr 2000 von Turner und Coyle, an der 16 DI-Kinder im Alter zwischen 20 und 55 aus Großbritannien, Kanada, den USA und Australien teilnahmen, fand heraus dass die zurückgehaltenen Informationen über ihre Entstehungsweise entscheidenden Einfluss auf diese Erwachsene hatte. Für den Großteil der Teilnehmer bedeutete die Wahrheit einen unglaublichen Schock und eine Neubewertung ihrer Identität. Dass ihre Eltern diese Informationen den Großteil ihres Lebens verschwiegen hatten, wurde von fast allen Teilnehmern als negativ für die Beziehung beurteilt. Viele Teilnehmer berichteten, dass sie auch vor dem Wissen über ihre Herkunft oft das Gefühl gehabt hätten, dass irgendetwas nicht richtig in ihrer Familie war, dass sie von einem Elternteil innerlich abgelehnt wurden oder ihr Vater sich ihnen gegenüber sehr unsicher verhielt. Nach Erfahren der Wahrheit schilderten viele ein Gefühl des Verlorenseins, nicht nur in Bezug auf die Unkenntnis von ihrem biologischen Vater, sondern auch hinsichtlich eines Unerwünschtseins oder lediglich das Ergebnis einer unemotionalen medizinischen Prozedur zu sein. Die Unkenntnis ihres Spenders führte zu einem Gefühl der Diskontinuität ihrer genetischen Herkunft. Die Autoren vermuteten, dass die DI-Kinder sich verlassen fühlen könnten, weil sie wegen der Informationsverweigerung durch Ärzte und die Spender selbst ihren genetischen Vater nicht kennen. Ein Teinehmer drückte aus, dass Samenspende kein ehrenhafter Weg sein könnte, ein Kind zu bekommen, da ansonsten den Spendern keine Anonymität gewährt werden würde, während Männer bei jedem anderen Akt der Zeugung vom Gesetz für ihre Kinder verantwortlich gemacht werden. Andere schilderten, dass sie mit ihrem Wunsch der Kenntnis von ihrem genetischen Vater auf Unverständnis stoßen und ihr Recht nicht anerkannt wird, mehr als lediglich die Krankheitsgeschichte ihres Spenders zu kennen. Viele Teilnehmer äußerten weiterhin, dass sie Schwierigkeiten hätten, über ihre Zeugungsart mit anderen zu sprechen. Die Autoren der Studie zogen aus ihren Ergebnissen den Schluss, dass Geheimhaltung in Familien den Kindern schadet und dass Kinder verborgene Hinweise aufnehmen und erkennen. Die Autoren der Studie weisen allerdings selbst auf die Selektivität ihrer Studie hin, da die Teilnehmer aus Selbsthilfegruppen in verschiedenen Ländern rekrutiert wurden. Die Reaktionen und Erfahrungen entsprechen jedoch den Reaktionen und Kommentare von Adoptivkindern, denen aus welchen Gründen auch immer der Zugang zu genauen Informationen über ihre Abstammung ebenfalls verweigert wird.
In einer Studie von 2004 untersuchten Scheib, Riordan und Rubin die Einstellungen von US-amerikanischen Kindern aus einer Samenspende im Alter zwischen 12 und 17, deren genetischer Vater ein sogenannter "Open-identity" Spender ist, dessen Identität die Kinder also mit Erreichen des achtzehnten Lebensjahres erfahren können. Die meisten Jugendlichen (75.9 %) berichteten, dass sie schon immer von ihrer Zeugungsart gewusst hätten, und fühlten sich damit einigermaßen oder sehr wohl. 44 % der Teilnehmer berichteten, ihre Zeugungsart habe keine besondere Auswirkung auf ihr Leben. Bis auf einen der 29 Teilnehmer meinten alle, das Wissen habe eine neutrale bis positive Auswirkung auf die Beziehung zu ihrer Mutter und (getrennt davon) auf den anderen Elternteil gehabt. Die wichtigste Frage für die Jugendlichen war, wie "der Spender so ist", und mehr als 80 % dachten, dass es zumindest wahrscheinlich ist, dass sie später (wenn auch nicht unbedingt direkt mit 18) nach der Identität des Spenders fragen und einen Kontakt herstellen werden. Von den Jugendlichen, welche den zu Spender kontaktieren überlegen, wollten dies 82.8 % tun, um mehr über ihn zu erfahren, wobei die meisten glauben, dass es ihnen helfen würde mehr über sich zu erfahren. Keiner der Jugendlichen wollte Geld und nur wenige (6.9 %) eine Vater-Kind-Beziehung. Die meisten Jugendlichen erhofften sich einen Spender, der eine gute und positive Person ist, die offen für Kontakt ist und nicht notwendigerweise stark in ihr Leben involviert sein muss. Erhofft wurde dagegen eher eine Art Freundschaft. Als Information über den Spender wünschten sich die Jugendlichen am häufigsten ein Photo (96.6 %), gefolgt von Informationen über seine gegenwärtigen Lebensumstände (89.7 %), seine Einstelllung zu einem Kontakt (79.3 %) und Informationen über Familienangehörige (65.5 %). Die meisten Jugendlichen wollten am liebsten indirekt über die Samenbank oder per email den Kontakt herstellen, da sie nicht in das Leben des Spenders eindringen wollten.
Psychologen empfehlen heutzutage den Eltern, den Kindern die Wahrheit über ihre Entstehungsweise so früh wie möglich mitzuteilen. Das Hauptargument ist, dass gute und stabile Beziehungen zwischen Menschen langfristig am besten funktionieren, wenn sie auf Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen aufbauen. Geheimnisse und Täuschungen vertragen sich hiermit nicht gut und können Stress und Beklemmung verursachen. Dies wirkt sich auch auf die Kommunikation innerhalb der Familie aus, da das Geheimnis nur unter der Voraussetzung bewahrt werden kann, dass es bei den Geheimniswahrern immer präsent ist. So bleibt bei den Eltern immer die offene Wunde, ob das Kind sie auch akzeptieren würde, wenn es von seiner Zeugungsart wüsste. Nicht zuletzt können die wenigsten Geheimnisse für immer bewahrt werden. Gerade die Enthüllung durch Dritte kann die Familienverhältnisse irreparabel beschädigen. Gegen Geheimhaltung spricht weiterhin, dass medizinische Fehldiagnosen möglich sind, wenn die Gesundheitsinformationen des nicht-genetischen Elternteils für eine Behandlung des Kindes angegeben werden.
Die Empfehlung lautet dabei, es den Kindern so früh wie möglich mitzuteilen. Bei einer Enthüllung ab dem Alter von 10 bis 12 Jahren wird ein negativer Einfluss dieser Information vermutet. Zwar können Kinder durchschnittlich erst ab dem Alter von sieben die Bedeutung von biologischer Vererbung verstehen, aber die Informationen, die dem Kind früh mitgeteilt wurden, werden später einfacher verstanden und akzeptiert. Dr. Petra Thorn sagt dazu: "Wenn Eltern souverän und selbstsicher mit der Zeugungsart umgehen und mit ihrem Kind offen darüber sprechen, wird sich diese Selbstsicherheit auch auf das Kind übertragen. Für das Kind wird es gewissermaßen zu seiner Normalität, die es anderen gegenüber gut vertreten kann. Sollten tatsächlich einmal verunsichernde Reaktionen von Außenstehenden kommen, so können Kinder, die eine gewisse Selbstsicherheit haben, damit umgehen. Selbst wenn sie mit deutlich negativen Reaktionen konfrontiert sind, wissen sie, dass sie mit ihren Eltern darüber sprechen können und von ihnen aufgefangen werden."
Die Eltern, die ihren Kindern die Wahrheit sagen, machen dies aus verschiedenen Gründen. Teilweise haben sie mitbekommen, wie aufgebracht adoptierte Kinder waren, wenn sie diese Tatsache von Außenstehenden erfahren haben. Die Erfahrung von den Eltern, die ihren Kindern die Wahrheit gesagt haben, ist dass es manche Fragen löst, aber andere aufwirft, die besonders bei anonymen Spendern nicht gelöst werden können. Im Nachhinein beurteilen jedoch alle Eltern es als richtig, es den Kindern gesagt zu haben. Damit umzugehen und darüber zu reden, bliebe jedoch eine lebenslange Aufgabe.
Grund für die Geheimhaltung der Abstammung ihrer Kinder aus einer Samenspende ist vor allem die Angst, dass das Kind den nicht-genetischen Elternteil ablehnen oder nicht gleich akzeptieren würde. Weiterhin soll das Erscheinungsbild einer normalen Familie gewahrt bleiben und dem nicht-genetischen Elternteil das Bekanntwerden der Unfruchtbarkeit erspart werden. Dem Kind sollen negative Gefühle wegen seiner Erzeugungsweise und der Nichtkenntnis der genetischen Abstammung erspart bleiben.
Gerade heterosexuelle Familien tendieren dazu, völlige Normalität vorzutäuschen und möchten den Kindern deswegen die Umstände ihrer Zeugung nicht enthüllen. Eine holländische Studie (Brewaeys u.a. 1997) fand heraus, dass 74 Prozent der Eltern ihren durch Samenspende empfangenen Kindern nie die Wahrheit sagen möchten. Nach einer schwedischen Studie von 2000 (Gottlieb u.a.) hatten 89 % der Eltern ihren Kindern zwischen 1 und 15 Jahren nicht die Wahrheit mitgeteilt, und das trotz der gesetzlichen Aufhebung der Anonymität der Spender in Schweden und eines gesetzlich festgehaltenen Rechts des Kindes auf Kenntnis der eigenen Abstammung. Die Autoren vermuteten, dass die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind nicht über die Donogene Insemination informiert wird, mit zunehmendem Alter der Kinder steigt. Die donogene Insemination wird manchmal zum Tabuthema, über das selbst die Eltern untereinander nie reden. Ein anderer Grund für die Geheimhaltung ist Scham über Unfruchtbarkeit. Eine Studie von McWhinnie aus dem Jahr 1995 fand heraus, dass sich die sozialen Väter wenig mit ihren Gefühlen über ihre Unfruchtbarkeit auseinandergesetzt haben. Viele Eltern denken auch, dass es zum Besten ihrer Kinder ist, wenn sie nicht die Wahrheit erfahren, da sie soziale und psychologische Schäden befürchten.
In der oben genannten Studie von Scheib, Riordan und Rubin konnte den Antworten der befragten Jugendlichen mit den open-idetity Spendern entnommen werden, dass heterosexuelle Eltern weniger positiv auf auf die Tatsache reagierten, dass es einen Spender gibt, als homosexuelle Eltern. Jugendliche mit heterosexuellen Eltern berichteten, dass sie erwarten, dass ihre Eltern das Interesse für den Spender weniger positiv aufnehmen werden. Im Vergleich mit homosexuellen und alleinstehenden Eltern waren heterosexelle Eltern sich weniger sicher, ob es eine gute Idee war, einen Spender mit offener Identität zu wählen. Keiner der Väter berichtete, sich auf den Kontakt des Kindes mit dem Spender zu freuen, wogegen dies die Hälfte der homosexuellen Eltern berichtete. Trotzdem beurteilten auch die heterosexuellen Eltern es als positiv, dass sie eine Samenspende gewählt haben und dass sie offen hierüber zu den Kindern waren.