Positionspapier von DI-Netz für eine europaweite verbindliche Begrenzung der Halbgeschwisteranzahl bei Samenvermittlung

Der Verein DI-Netz setzt sich für die Einführung einer verbindlichen Obergrenze von maximal 8 Familien ein, in denen Kinder aufwachsen, die durch den Samen eines Mannes entstanden sind. Dazu hat DI-Netz ein sehr fundiert recherchiertes Positionspapier veröffentlicht (auch in englischer Sprache sowie als Kurzform auf Deutsch und auf Englisch).

Das Papier beschreibt die psychosozialen Folgen, die sich für Spenderkinder ergeben, wenn ihnen bewusst wird, dass sie im Regelfall dutzende und auch mehrere 100 Halbgeschwister haben können. Eine so hohe Anzahl an Halbgeschwistern verunmöglicht sowohl individuelle Halbgeschwisterbeziehungen als auch individuelle zwischenmenschliche Beziehungen der genetischen Väter zu ihren zahlreichen genetischen Kindern.

Zudem legt das Papier die wirtschaftlichen Hintergründe offen: Da das Eingangsscreening potenzieller „Samenspender“ für Samenbanken vergleichsweise kostenintensiv ist, besteht für deren Betreiber ein starker wirtschaftlicher Anreiz, den Samen eines Mannes zur Zeugung möglichst vieler Kinder zu verwenden. Das Positionspapier stellt dazu eine sehr anschauliche Beispielrechnung vor. Viele Keimzellbanken gehören außerdem mittlerweile einigen wenigen internationalen, finanziell motivierten Unternehmen. Dadurch besteht ein starker wirtschaftlicher Anreiz und es ist einfacher als bisher, dass noch größere Halbgeschwistergruppen entstehen.

Ein wenig widersprüchlich ist aus unserer Sicht, dass die Begriffe Halbgeschwister und erweiterte Familie im Positionspapier in Anführungszeichen gesetzt werden. Dadurch werden diese genetischen Verbindungen gegenüber den geplanten sozialen Geschwister- bzw. familiären Verbindungen relativiert obwohl das Positionspapier gerade darauf aufmerksam macht, dass diese genetischen Beziehungen eine zwischenmenschliche Bedeutung haben, die ernst genommen werden muss.

Der Verein Spenderkinder setzt sich seit vielen Jahren ebenfalls für eine Begrenzung der Halbgeschwisteranzahl ein und empfiehlt dazu in seinen politischen Forderungen eine Begrenzung auf maximal 6 Familien, auf die sich die Halbgeschwister verteilen dürfen. Die Problematik sehr großer Halbgeschwistergruppen greifen wir außerdem im Beitrag 100 Halbgeschwister und mehr auf. Einmal im Jahr aktualisieren wir Zahlen zu unseren Verwandtschaftstreffern auf unserer Homepage. Unsere größten identifizierten Gruppen umfassen aktuell über 30 Halbgeschwister. Die meisten Spenderkinder konnten über DNA-Datenbanken bereits Halbgeschwister identifizieren.