Henk

Hallo, mein Name ist Henk, auch wenn es viele von uns vielleicht nicht betrifft, möchte ich gerne versuchen dir etwas zu erzählen:

Es fällt schwer zu beschreiben wie es sich anfühlt Spenderkind zu sein. Jeder von uns geht, denke ich, anders damit um, aber um ehrlich zu sein, für mich ist es ein ***-Gefühl!

Ich weiß nicht, ob jemals jemand der nicht in einer ähnlichen Situation ist, nachvollziehen wird können, was es eigentlich bedeutet, schlagartig einen Teil seiner Identität zu verlieren und das obwohl man es eigentlich schon immer irgendwo geahnt hat.

Im Oktober 2017 erzählten mir meine Eltern, dass mein Vater nicht mein biologischer Erzeuger sei. Das ist jetzt mehr als ein Jahr her, da war ich 22 und die Frage danach, wer ich eigentlich bin, von wem ich meine Augen, von wem ich meine Haare und vielleicht auch die ein oder andere Charaktereigenschaft habe, stelle ich mir bis heute täglich.

Mit der Zeit wird es einfacher, dachte ich, und tatsächlich kann ich inzwischen wieder in den Spiegel gucken ohne jede einzelne Falte, jede Pore und jede Sommersprosse zu begutachten und mich zu fragen wo sie herkommen. Auch wenn mir das meine morgendliche Bad–Routine vereinfacht, einfacher ist es nicht geworden.

Und – versteh mich nicht falsch – es geht mir hier nicht darum einen neuen Vater zu finden. Auch wenn ich mir Zeit meines Lebens oft gewünscht habe meinen auszutauschen, eigentlich bin ich mit ihm ganz zufrieden, soweit man mit einem Vater halt eben zufrieden sein kann. Es geht mir lediglich darum meine Herkunft zu erfahren. Der englische Begriff „heritage“, zu Deutsch „Erbe“, glaube ich, trifft es vielleicht ganz gut. Sollte nicht jeder von uns das Recht und die Möglichkeit haben sein Erbe zu erfahren?

Auch wenn ich glaube, dass die Identität einer Person nicht nur über ihre oder seine Herkunft, ihre oder seine DNA zu definieren ist, ist sie doch wesentlicher Bestandteil davon. Und sollte nicht jeder von uns selbst frei entscheiden können, wie wichtig es für uns ist und zu welchem Anteil wir unsere Identität darüber definieren, wo wir eigentlich herkommen, von wem wir abstammen, wer unsere Geschwister, Halbgeschwister und Vorfahren sind?

Sollte ich jemals in der Position sein, wenigstens einen Namen, vielleicht sogar eine Anschrift, oder sogar ein Grab,1 irgendetwas über dieses Mysterium meines Erzeugers zu erfahren, natürlich werde ich Kontakt suchen. Sollte Er das nicht wollen, ist das ja absolut OK, dann habe ich immerhin alles versucht. Aber an dem Arzt, der an der Zeugung beteiligt war, vielleicht sogar mein Erzeuger ist, zu scheitern, weil es angeblich „keine eindeutigen Daten“ gibt oder auch Geld, welches ich nicht habe, kosten soll, Nachforschungen anzustellen – das kann nicht sein, besser vielleicht noch, das darf nicht sein.

Schließlich denke ich, dass es hier trotz allem am Ende immer noch eine Frage zwischen Eltern und ihren Kindern ist. Jeder von uns ist irgendjemandes Tochter oder irgendjemandes Sohn. Vielleicht gibt es ja auch schon die eigenen Kinder. Was denkst du, was denkt ihr? Was würdet ihr euch als Kind, oder was würdest du deinen Kindern in Bezug auf die Frage nach ihrem Erbe, ihrer Herkunft, ihrer Identität wünschen?

Mein Name ist Henk, ich suche nach einem Mann ca. 1,80 groß, vielleicht blonde Haare, Sommersprossen. Wenn du ihn gesehen hast, sag mal Bescheid, er könnte mein Vater sein.

  1. Traurig aber wahr. Mit jedem Tag, den meine Suche länger dauert, erhöht sich auch gleichzeitig die Chance das ich tatsächlich irgendwann auf einem Friedhof stehe. Ich weiß nicht wie alt der Spender war als er gespendet hat. Naja, als Landschaftsarchitekt habe ich eine Vorliebe für Pflanzen, vielleicht hat / hatte Er die ja auch, dann leg ich ihm was Schönes hin. []