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Letzte Änderung 06.09.2010

Anne

Ich möchte gerne ein paar Gedanken und Gefühle über meine Situation als "Donoroffspring", als Kind, das durch donogene Insemination gezeugt wurde, beitragen.

Als ich 10 Jahre alt war, erfuhr ich relativ spontan in einem Gespräch mit meinen Eltern über meine biologische Herkunft. Wir hatten uns darüber unterhalten, wem aus unserer Familie ich ähnlich sähe, von wem ich die Augen hätte, die Nase, die Haare - wie man das eben manchmal so macht, - als ich zu dem Schluss kam, dass ich mit meinem Vater relativ wenige äußerliche Ähnlichkeiten teile. Meine Mutter erklärte mir dann, dass mein Vater keine Kinder zeugen könne. Ich war etwas irritiert, wie ich diese Tatsache mit meiner Existenz überein bringen sollte. Dann erzählte meine Mutter mir alles ganz genau. Mein Vater, also mein sozialer Vater, sei nicht mein biologischer Vater. Mein Vater könne keine Kinder zeugen. Weil sie aber beide trotzdem sehr gerne Kinder haben wollten, hätten sie viel überlegt und sich schließlich für einen unbekannten Spender entschieden.

Für mich war das alles ziemlich überraschend, zuerst war ich ganz perplex, etwas irritiert, fand es aber auch irgendwie spannend. Es warf eine große, spannende Frage auf: Wer ist mein anderer Vater?

In den folgenden Jahren habe ich mich immer wieder mit dem Thema beschäftigt. Ich habe mich gefragt, ob ich meinen biologischen Vater wirklich kennenlernen wollte und was das an meiner Beziehung zu meinem sozialen Vater verändern könnte. Ich weiß, dass meine Eltern mir großes Vertrauen entgegen gebracht haben, dass sie mit mir so offen über dieses Thema sprechen und ich möchte meinen Vater nicht verletzen, indem ich mir nun meinen "richtigen" Vater suche.

Ich habe mich auch gefragt, was ich mir von der Kenntnis meines biologischen Vaters eigentlich erhoffe. Vielleicht hat er mittlerweile selbst eine Familie, eigene Kinder und eigentlich ist er mir ja wildfremd.

Ich sagte es sei spannend - und genau diese Spannung ist bis heute - jetzt bin ich 25 und habe mein Studium abgeschlossen - geblieben. Nach allem Abwägen, ist mir nur immer klarer geworden: Ich will es einfach wissen. Ich will einfach nur wissen, wer mein Erzeuger ist, der Mann, dessen Mund, Augen oder was auch immer ich habe.

Mittlerweile habe ich auch in der Klinik, in der ich gezeugt wurde, einmal nachgefragt, ob es nicht eine Möglichkeit gäbe, das herauszufinden - natürlich nur, wenn der Spender sich auch damit einverstanden zeigte. Ich wurde freundlich empfangen, aber mein Wunsch stieß doch eher auf Unverständnis. - Immerhin hätte ich doch einen sozialen Vater. Und Gene würden doch gar nicht soviel ausmachen.-

Das hat mich traurig und auch wütend gemacht. Als mir dann noch die Auswahl der Spender und deren Motivation dargelegt wurde, war ich entsetzt über das nach meinem Empfinden leichtfertige und verantwortungslose Erzeugen von Kindern, von Menschen! So wurden mir als Motive genannt: "Helfen wollen", "das Geld" bis hin zu "mal gucken, ob sie zeugungsfähig sind".

Bei allen Kriterien und Motiven vermisse ich Überlegungen hinsichtlich der Verantwortung und grundsätzlich die Berücksichtigung der langfristigen Folgen. Die Anonymität macht es den Spendern leicht, sich für eine Spende zu entscheiden. Es ist ein einmaliges Ereignis, ein Moment, ohne Folgen für den Spender. Dabei kann ihre Spende weitreichende Folgen haben! Immerhin entsteht vielleicht ein neues Menschenleben. Die Anonymität entbindet die Spender ausdrücklich jeder Verantwortung. (Mit Verantwortung meine ich keine finanziellen Verpflichtungen, diese Unabhängigkeit sollte unbedingt erhalten bleiben, denn darum geht es hier nicht!). Ich meine mit Verantwortung, sich nicht in die Anonymität zurückzuziehen, sondern auch später noch zu seiner Entscheidung zu stehen und möglicherweise den MENSCHEN, der da entstanden ist, mal kennenzulernen, wenn dieser Mensch, das Kind, nach seinem biologischen Vater, nach seiner Herkunft, fragt.

Ich wünsche mir sehr, dass in Zukunft weitere Einschränkungen dafür sorgen, dass die Spender sich mit der Tragweite ihrer Entscheidung auseinandersetzen müssen. Sicherlich finden sich dann zunächst weniger Männer zu einer Spende bereit, aber die Spender könnten auch später noch zu ihrer Entscheidung stehen, wie Beispiele wie Schweden, mit anderer gesetzlicher Regelung, gezeigt haben.

Ich wende mich keinesfalls gegen die donogene Insemination, da es für meine Eltern nur so möglich war, doch ein Kind zu bekommen. Und nicht zuletzt bin ich ja auch ganz froh darüber, dass ich entstanden bin! Mir liegt einfach daran, das starke Bedürfnis vieler Kinder über Kenntnis ihrer biologischen Abstammung wahrzunehmen und zu berücksichtigen, um sowohl die Eltern, als auch die potentiellen Spender darüber zu informieren. Es würde zeigen, dass sich die ReproduktionsmedizinerInnen auch intensiv mit den menschlichen Folgen Ihrer Arbeit auseinandersetzen und um das Wohl der Kinder, die da entstehen, bemüht sind. Warum sollten Sie dieses Bedürfnis vieler Kinder nach Klarheit und Aufklärung über ihre Herkunft verschweigen?

Das Anerkennen dieses Wunsches macht auch deutlich, wie wichtig endlich ein klare, gesetzliche Regelung ist, welche die Anonymität der Spender einschränkt und damit für eine verantwortungsbewusstere, auf lange Sicht vertretbare Entscheidung sorgt. Die sich lohnt!