Was ist problematisch am Begriff der „Spende“?

Begriffe wie „Spende“, „Spender“ oder „Spendersamenbehandlung“ beinhalten eine positive Wertung, die jedoch gleichzeitig die dahinter stehenden Personen nicht als Mensch sichtbar macht. Wir bevorzugen daher die Begriffe „Samenvermittlung“, „genetischer Vater“ sowie „Familiengründung zu dritt“.

Manchmal verwenden wir für den Verein trotzdem die bekannten „Spende“-Begriffe, weil die meisten Menschen sie ohne zusätzliche Erklärung verstehen. Das betrifft auch unseren Vereinsnamen „Spenderkinder“, der kurz und treffend unsere Situation deutlich macht. Um heraus zu stellen, dass wir die Begriffe kritisch hinterfragen, setzen wir sie inzwischen oft in Anführungszeichen.

Weswegen wir die oben genannten Begriffe ablehnen, erklären wir gerne genauer:

1. „Spende“ – positiv besetzter Begriff täuscht über Schattenseite

  • Der Begriff „Spende“ ist einseitig positiv besetzt: Großzügige Menschen spenden z. B. Geld oder alte Kleider. Bei Samen geht es jedoch um die Zeugung von Kindern. Das hat aber auch weniger positive Aspekte. So wird gezielt ein Mann als genetischer Vater gewählt, der (zunächst) kein Interesse am Kind als Person hat. Das ist potenziell verletzend für den entstehenden Menschen.
  • Bei einer Spende gibt es eigentlich keine Gegenleistung. Nach § 17 Absatz 1 des Transplantationsgesetzes ist Organ- und Gewebehandel verboten. Erlaubt ist lediglich eine Aufwandsentschädigung. Dennoch geben viele „Samenspender“ den finanziellen Zugewinn als ein Hauptmotiv an1 und viele Samenbanken werben damit offensiv um „Spender“. Zutreffenderweise müsste man sie daher eigentlich „Verkäufer“ nennen. Für Spenderkinder kann es verletzend sein zu wissen, dass ihr genetischer Vater vor allem finanziell zu ihrer Zeugung motiviert war.

2. „Spender“ oder Vater?

  • Der Begriff des „Spenders“ verstellt den Blick dafür, dass es sich um den genetischen Vater des Kindes handelt. Er entspricht der Elternperspektive, denen etwas gegeben wird. 2
  • Die Bezeichnung „Spender“ reduziert die Bedeutung des genetischen Vaters auf eine Funktion. Leiblicher Vater zu sein ist aber kein Beruf wie „Verkäufer“. Es bedeutet, in einer unauflösbaren Beziehung zum Kind zu stehen.

3. „Behandlung“? – Frauen, denen Samen vermittelt wird, sind nicht unfruchtbar

  • Die Befruchtung mit dem Samen eines (anderen) Mannes ist keine Behandlung von Unfruchtbarkeit: An der Unfruchtbarkeit des Partners ändert sich dadurch nichts.
  • Bei lesbischen oder alleinstehenden Frauen liegt üblicherweise keine Unfruchtbarkeit vor.
  • Samenvermittlung ist auch keine Kinderwunschbehandlung. Am Kinderwunsch ändert sich durch die Befruchtung nichts. Es eine Form der Kinderwunscherfüllung. Würde die Erfüllung des Kinderwunsches als Behandlung gewertet, würde das Kind zum Heilmittel und damit zum Objekt.

4. Familiengründung mit Hilfe Dritter – wem wird geholfen?

  • Gelegentlich wird die Bezeichnung „Familiengründung mit Hilfe Dritter“ verwendet. In dieser Bezeichnung ist zwar eine dritte Person erkennbar. Diese erhält jedoch eindeutig eine Helferrolle und wird damit nicht als gleichwertiger Elternteil gesehen.
  • Auch diese Bezeichnung entspringt der Elternperspektive: Dem Kind hilft dieser Elternteil überhaupt nicht, vielmehr muss das Kind davon ausgehen, dass er kein Interesse an ihm hat.

5. Angewiesen auf Keimzellen Dritter – ein Kind zur Linderung der eigenen Not?

  • Gelegentlich kann man Formulierungen lesen, dass Wunscheltern auf eine Samenvermittlung oder andere Formen der Keimzellvermittlung angewiesen seien.
  • Das stimmt natürlich nicht: Es gibt auch andere Formen der Familiengründung wie Co-Parenting. Außerdem kann man sich auch bewusst entscheiden, einen Wunsch nicht zu erfüllen.
  • Eine „Angewiesenheit“ setzt die Erfüllung des Kindeswunsches absolut. Das Fortpflanzungsrecht beinhaltet die Freiheit, die eigenen Fortpflanzungsfähigkeiten zu nutzen. Es gibt aber keinen Anspruch, die dafür erforderlichen Ressourcen bereitgestellt zu bekommen, weder einen fortpflanzungswilligen Partner/Partnerin noch die Erfüllung des Kinderwunsches an sich.
  • Wird ein Kind als Heilmittel zur Linderung der Not seiner Eltern betrachtet, berührt das seine Würde im Kern. Es existiert dann zum Zweck Anderer und nicht mehr zum Selbstzweck.
  1. Thorn P, Katzorke T, Daniels K (2008) Semen donors in Germany: A study exploring motivations and attitudes. Human Reproduction (11) 23, S. 2415–2420, S. 2419. []
  2. Die meisten Spenderkinder bevorzugen den Begriff biologischer Vater / biologische Mutter, viele Spenderkinder benutzen aber auch je nach Kontext verschiedene Begriffe. Siehe auch unser Beitrag Spender oder Vater? Welche Begriffe verwenden Spenderkinder für ihren biologischen und ihren sozialen Vater? Natürlich darf jedes Spenderkind selbst entscheiden, welchen Begriff es für den genetischen Vater verwenden möchte. Oft wird dies jedoch durch Dritte vorgegeben (Aber er ist doch nur ein Spender!). []

Zählung von erfolgreichen Suchen nach Halbgeschwistern und „Spendern“

Auf unserer Internetseite haben wir seit dem Jahr 2013 jeweils eine Nachricht veröffentlicht, wenn eines unserer Mitglieder den genetischen Vater oder Halbgeschwister gefunden hatte (am besten auffindbar unter Stichworte – Verwandtentreffer).

Obwohl die Geschichten vom Suchen und Finden teilweise wirklich schön waren, haben wir im Sommer 2018, ungefähr nach dem 20. Halbgeschwistertreffer, damit aufgehört. Inzwischen gibt es so viele Erfolgsmeldungen, dass wir gar nicht mehr hinterherkommen würden, für jede eine eigene Meldung zu verfassen (und vermutlich möchte das auch niemand lesen). So haben allein im Jahr 2020 mindestens acht Spenderkinder herausgefunden, wer ihr genetischer Vater ist. Außerdem hatten wir mindestens 15 neue Halbgeschwistertreffer. Wir hatten also in diesem Jahr genauso viele Treffer wie in zuvor in fünf Jahren (2013 bis Mitte 2018).

Außerdem schien uns die Zählweise nach Treffern nicht mehr ganz zu passen, weil einige Halbgeschwister-Treffer oder Vater-Kind-Treffer später erweitert wurden, wenn weitere Spenderkinder einen DNA-Test gemacht hatten. Daher sind wir im Sommer 2018 dazu übergegangen, nur noch Gruppen zu zählen. Stand Januar 20211 haben wir

  • 49 Halbgeschwistergruppen, die aus zwei bis acht Familien bestehen, und
  • 32 Vater – Kind(er) Gruppen.

Die Zählung in Gruppen ist für uns aufschlussreicher, weil wir daran besser nachvollziehen können, für wie viele Familien der Samen eines Mannes in welchem Zeitraum eingesetzt wurde. Die drei größten Halbgeschwistergruppen aus Essen und München bestehen jeweils aus acht Familien. Bei diesen Gruppen gehen wir davon aus, dass es noch wesentlich mehr Halbgeschwister gibt, die lediglich nichts von ihrer Abstammung wissen oder nicht in DNA-Datenbanken registriert sind. Und das dürfte nur die Spitze des Eisbergs sein. Von einigen Männern wissen wir, dass sie über viele Jahre, zum Teil bis zu 25 Jahre lang, wöchentlich Sperma zur Vermittlung abgegeben haben. Ein Arzt aus München hat in einem Gerichtsprozess erwähnt, dass er über 100 Schwangerschaften durch einen Mann dokumentiert hat. Viele Ärzte haben die ihnen bekannt gewordenen Schwangerschaften vermutlich lieber erst gar nicht dokumentiert.

Von insgesamt 265 Spenderkindern, von denen wir wissen, dass sie einen beliebigen DNA-Test gemacht haben, haben 184 Personen Halbgeschwister oder den genetischen Vater oder beide gefunden (Stand Januar 2021). Es ist wahrscheinlicher, Halbgeschwister zu finden als den genetischen Vater. Bei den Vater-Kind-Gruppen wurde die Verwandtschaft zum Teil durch Auskunft durch Ärzte oder Kliniken entdeckt. Die Halbgeschwister-Verbindungen wurden mit zwei Ausnahmen ausschließlich durch DNA-Datenbanken aufgedeckt.

  1. Wir werden versuchen, die Zahlen regelmäßig zu aktualisieren []

Private Samen“spende“ und Co-Parenting

Als Alternative zu einer Samen“spende“1 (im Folgenden Samenvermittlung) über eine Samenbank oder einen Arzt, die zunächst anonym erfolgt, werden oft die private Samenvermittlung und Co-Parenting genannt. Die wesentlichen Unterschiede zu einer ärztlichen Samenvermittlung sind, dass die Wunscheltern sich den genetischen Vater des Kindes selbst aussuchen und es wahrscheinlicher ist, dass die Eltern es über seine Entstehung schon früh aufklären.

Beide Konzepte sind recht unterschiedlich. Der entscheidende Unterschied aus Sicht des Kindes ist, dass der genetische Vater bei Co-Parenting eine Bedeutung im Leben des Kindes einnehmen soll, bei einer privaten Samenvermittlung eher nicht. Dennoch können die Übergänge zur privaten Samenvermittlung fließend sein, z. B. wenn der Vater das Kind einmal im Jahr besucht oder er eine väterliche emotionale Beziehung zum Kind entwickelt oder auch in finanzieller oder anderweitiger Hinsicht Verantwortung für das Kind übernimmt.2

1. Private Samenvermittlung

Bei einer privaten Samenvermittlung gibt ein Mann ohne Zwischenschaltung eines Arztes oder einer Samenbank seinen Samen einer Frau (alleinstehend oder mit Partner/in), zu der er keine Liebesbeziehung hat, damit ein Kind entsteht. Wie bei einer ärztlichen Samenvermittlung ist dabei meist nicht gewollt, dass der genetische Vater als Person eine Bedeutung im Leben des Kindes einnimmt und Verantwortung übernimmt.


Motivation von „Spendern“ und Empfängerinnen

Zur Motivation für eine private Samenvermittlung existieren unseres Wissens nach keine Untersuchungen, daher beruhen unsere Einschätzungen vor allem auf Medienberichten, eigenen Kontakten und Internetrecherchen. Manche privaten Samen“spender“ sind finanziell motiviert, weil die „Spender“ (in dem Fall dann eher “Verkäufer”) ohne Einschaltung einer Samenbank mehr Geld fordern können, als sie normalerweise als „Aufwandsentschädigung“ von einer Samenbank erhalten würden. Andere private Samen“spender“ möchten gern Kinder zeugen, zum Teil ausdrücklich sehr viele Kinder.3 Andere schätzen das Gefühl, von den empfangenden Frauen gebraucht zu werden, den Wunscheltern “helfen” zu können4 oder als attraktiver genetischer Vater angesehen zu werden. Manche privat „spendende“ Männer wollen sich und ihr Erbgut “streuen”.5 Manche haben auch sexuelle Interessen und bestehen auf eine „natürliche“ Zeugung, d.h. dass sie fordern, zur Zeugung des Kindes Geschlechtsverkehr zu haben. In Fällen, in denen weder finanzielle Forderungen gestellt noch “unmoralische Angebote” unterbreitet werden, ist es schwieriger auf die Motivlage der “Spender” zu schließen. In einigen Fällen mag der Wunsch nach einem leiblichen Kind eine Rolle spielen, in anderen Fällen (insbesondere bei Bekannten der Wunscheltern) ist auch der Wunsch zu helfen als Motiv denkbar.

Frauen oder Paare wählen eine private Samenvermittlung aus finanziellen Gründen, weil sie einen persönlicheren Kontakt wünschen als bei einer Vermittlung über eine Samenbank oder weil sie den genetischen Vater ihres Wunschkindes persönlich kennenlernen möchten.6 Damit sind allerdings auch gewisse Risiken verbunden: Die Männer werden nicht auf übertragbare sexuelle Krankheiten oder Erbkrankheiten getestet.

Eine finanzielle Verantwortung des genetischen Vaters für das Kind ist meist von beiden Seiten beider Elternteile nicht vorgesehen. Allerdings können private Samen“spender“ als rechtlicher Vater des Kindes festgestellt werden, denn der gesetzliche Ausschluss einer Feststellung als Vater gilt nur bei ärztlicher Samenvermittlung. Eine Feststellung als rechtlicher Vater des Kindes kann vertraglich nicht ausgeschlossen werden, da es sich um ein Recht des Kindes handelt, auf das Eltern nicht stellvertretend verzichten können. Ebenso ist es möglich, dass der Samen”spender” Umgang mit dem Kind beansprucht oder, im Fall von alleinstehenden oder lesbischen Müttern, das Sorgerecht oder sich auch als Vater anerkennen lassen möchte.


Private Samenvermittlung aus Sicht des Kindes

Private Samenvermittlung entspricht eher dem Interesse des Kindes, wenn es eine Beziehung zu dem genetischen Vater aufbauen kann. Wenn vereinbart wird, dass der genetische Vater keine Rolle im Leben des Kindes spielen soll, entspricht private Samenvermittlung nicht dem Interesse des Kindes.

Nachteilig kann bei einer privaten Samenvermittlung sein, dass das Recht des Kindes auf Kenntnis der Abstammung nicht gewährleistet wird.7 Manche private Samen“spender“ möchten sogar ausdrücklich anonym bleiben. Treffen zwischen Samen”spendern” und Wunscheltern finden dann im privaten Rahmen statt, bspw. in Hotels, und die Männer geben keine oder falsche Identitätsdaten an. Damit ist nicht gewährleistet, dass das Kind die Identität des genetischen Vaters erfahren kann.8 Manche privaten Samen“spender“ möchten ausdrücklich nicht anonym bleiben, laufen aber Gefahr, dass sie anonym bleiben, weil die Wunscheltern die Kinder nicht aufklären. Bei unserem Verein haben sich private Samen”spender” gemeldet, bei denen die Wunscheltern keinen Kontakt ermöglichen. Bei Samenvermittlungen über Samenbanken oder Ärzte werden die Daten des genetischen Vaters dagegen im Samenspenderregister gespeichert und das Kind kann sie dort anfordern (ohne Altersgrenze).

Auch die Motivation des genetischen Vaters kann bei privater Samenvermittlung dem Kindeswohl zuwiderlaufen. Vor allem eine primär finanzielle Motivation ist verletzend für das Kind, wenn sich der genetische Vater nicht für das Kind interessiert. Es kann aber auch verletzend für das Kind sein, wenn der “Spender” nur aus dem Grund heraus Samen weitergab, um den Wunscheltern zu “helfen”, und nicht an das dadurch entstehende Kind gedacht hat. Möchte der genetische Vater möglichst viele Kinder zeugen, sinkt mit der Anzahl der Kinder die Chance, eine lebbare Beziehung zu ihm aufzubauen. Narzisstisch motivierte Personen sind außerdem oft keine sonderlich guten Eltern, weil sie vor allem Selbstbestätigung in ihren Kindern suchen, aber eher keine eigene Verantwortung übernehmen möchten.
Dabei ist jedoch zu berücksichtigen, dass sich private Samenvermittlung und Co-Parenting nicht immer trennscharf voneinander unterscheiden lassen. Insbesondere in Fällen, in denen sich Samen”spender” und die beteiligte(n) Frau(en) bereits kennen – und der “Spender” nicht finanziell oder sexuell motiviert ist – werden sich Kind und genetischer Vater vermutlich kennenlernen und eine Beziehung entwickeln.

2. Co-Parenting

Auch bei Co-Parenting gibt ein Mann seinen Samen einer Frau (alleinstehend oder mit Partner/in), zu der er keine Liebesbeziehung hat, damit ein Kind entsteht – allerdings soll der genetische Vater eine aktive Rolle im Leben des Kindes übernehmen. Diese Rolle kann sehr unterschiedlich aussehen und von geteiltem Sorgerecht zu regelmäßiger tageweiser Betreuung oder gelegentlichen Besuchen reichen, manchmal wohnen die Eltern bewusst in unmittelbarer räumlicher Nähe zueinander. Oft übernimmt der genetische Vater auch finanzielle Verpflichtungen für das Kind. Teilweise ist er offiziell als Vater des Kindes in der Geburtsurkunde eingetragen.

Da der genetische Vater seine Vaterrolle aktiv wahrnimmt, handelt es sich eigentlich nicht um eine Samenvermittlung. Im Gegenteil: da der genetische Vater von Anfang an im Leben des Kindes präsent sein soll, stellt das Konzept des Co-Parenting einen unmittelbaren Gegensatz zum Konzept einer Samenvermittlung dar und berücksichtigt die Interessen des Kindes in stärkerem Maße. Aus Sicht der Vereins Spenderkinder wäre es daher wünschenswert, wenn mehr Menschen Co-Parenting als Alternative zu einer Samenvermittlung wählen würden.

Motivation

Co-Parenting wird meistens von alleinstehenden Frauen oder lesbischen Paaren gewählt, die möchten, dass der genetische Vater eine Rolle im Leben des Kindes spielt. Eine Mutter beschreibt ihre Motivation in der Broschüre des LSVD folgendermaßen: „Aber es ging uns vielmehr um das Beste für das Kind. Und unserer Meinung nach ist die Identität des Vaters ein wichtiges Puzzleteil für die Identität des Kindes. Und eine männliche Bezugsperson wollten wir definitiv immer fürs Kind.“9

Heterosexuelle Paare entscheiden sich unserem Eindruck nach eher selten für Co-Parenting, vermutlich weil der präsente genetische Vater als zu starke Konkurrenz zum Wunschvater empfunden wird. Die genetischen Väter sind meist alleinstehende Männer oder Männer in homosexuellen Beziehungen mit unerfülltem Kinderwunsch. Als wichtigste Voraussetzung nennt ein lesbisches Paar im Buch „Kinder machen“ von Andreas Bernard nicht attraktives Aussehen oder intellektuelle Brillanz, sondern dass es sich um einen Mann handele, mit dem man ein solches Abkommen verbindlich schließen könne und bei dem sie sich vorstellen können, dass sie in den nächsten Jahrzehnten gut miteinander auskommen.10

Co-Parenting aus Sicht des Kindes

Kindern geht es gut, wenn sich ihre Eltern grundsätzlich verstehen und Konflikte konstruktiv lösen. Die Herausforderung bei Co-Parenting besteht darin, dass Menschen zusammen ein Kind bekommen, die keine traditionell hierfür vorausgesetzte Liebesbeziehung haben.11

Bei Co-Parenting-Vereinbarungen mit mehr als zwei Eltern kann es für die Kinder bereichernd sein, dass sie durch das Nebeneinander von sozialen und genetischen Eltern mehr als die klassischen zwei Elternteile haben. Diese sind durch die geteilte Verantwortung oft etwas entlastet, weil sie hierdurch mehr Unterstützung erhalten. Damit ist auch verbunden, dass es mehr als zwei Großelternpaare und mehrere Tanten und Onkel gibt, die aktiv am Leben des Kindes teilhaben können.

Wählen Eltern Co-Parenting für das erste Kind, sollten auch spätere Geschwisterkinder einen präsenten genetischen Vater haben. Unter Geschwistern kann es zu Enttäuschungen, Neid und vielen anderen negativen Gefühlen kommen, wenn ein Kind einen präsenten Vater hat und der Vater des Geschwisterkindes ein Samen“spender“ ist, der keine Bedeutung im Leben des Kindes einnehmen soll/möchte.

Grundvoraussetzung: Genaue Absprachen

Voraussetzung für eine erfolgreiche Co-Parenting-Beziehung sind meist umfangreiche Absprachen, wie die Elternrollen verteilt und ausgeübt werden sollen. Hierbei kann schwierig sein, dass die Tragweiten der Absprachen schwer vorauszusehen sein können oder dass die Absprachen mit der Zeit nicht mehr den Interessen der Beteiligten entsprechen, zum Beispiel wenn sich der genetische Vater stärker oder weniger stark als vereinbart einbringen möchte. Es liegt in der Natur sozialer Beziehungen, dass sie sich im Laufe der Zeit weiterentwickeln und sich diese Entwicklung nicht vorab festlegen lässt. Die Absprachen stellen dennoch sicher, dass die Eltern sich über diese Aspekte Gedanken machen und Lösungen vorher diskutieren.
Wichtig für diese Form der Familiengründung ist, dass sich alle Beteiligten ausreichend Zeit nehmen, um sich kennenzulernen und zu klären, ob die Vorstellungen über die Rechte und Pflichten miteinander kompatibel sind. Auch die Ansichten aller Beteiligten zum Thema Kindererziehung sollten vorab besprochen werden: soll das Kind getauft oder geimpft werden, auf was für eine Art von Kita oder Schule soll es gehen, wie viel finanzielle Verantwortung soll jeder Elternteil tragen, wie viel Zeit soll es bei welchem Elternteil verbringen, kann es ein Geschwisterkind geben?

Für diesen Klärungsprozess gibt es Listen.12 Allgemein werden bei Co-Parenting möglichst präzise, auch schriftliche Absprachen im Vorhinein empfohlen. Sören Kittel, einer der Autoren des Regenbogen-Väterbuches, sagt dazu: „Da kann man tatsächlich nicht zu klein denken: Wer macht was, wie werden Wochenenden/Feiertage aufgeteilt, auch im Fall eines Streits der Eltern. Dann natürlich und ganz besonders auch das Finanzielle. Wer zahlt was? Von Unterhalt bis Nachhilfe.“13 Gleichzeitig sollte gegenseitige Sympathie vorhanden sein, eine grundsätzliche Bereitschaft Kompromisse zu schließen sowie die Bereitschaft, Absprachen ggf. anzupassen und Fehler auch zu verzeihen.

Co-Parenting mit mehr als zwei Eltern

Bei Co-Parenting mit mehr als zwei Eltern besteht die Situation, dass ein Kind rechtlich nur zwei Eltern haben kann.14 Oft verspricht der genetische Vater, das Kind nach der Geburt von der Partnerin der Mutter adoptieren zu lassen. Eine solche Absprache ist jedoch rechtlich nicht bindend, so dass viel auf dem Vertrauen der Eltern untereinander beruht. Das gilt genauso für die Vereinbarung, dass der genetische Vater nach der Freigabe zur Adoption ein Umgangsrecht mit dem Kind haben soll.15

Insbesondere bei Co-Parenting Konstellationen mit drei oder mehr Eltern wird zum Teil berichtet, dass es nach der Geburt zu einer Distanzierung kam und der genetisch nicht mit dem Kind verwandte Elternteil eifersüchtig auf den genetischen Vater reagierte. In dem Buch „Kinder machen“ von Andreas Bernard wird die Situation kurz nach der Geburt folgendermaßen geschildert: „Im ersten Jahr nach Charlottes Geburt kommt ihr leiblicher Vater immer am Montagnachmittag zu Besuch, zwei Stunden lang. Liane zieht sich dann lieber in den ersten Stock des Hauses zurück; sie hat ihre Unbefangenheit im Umgang mit Alex in dieser Zeit, in der die Stiefkindadoption noch nicht vollzogen ist, ein wenig verloren.“16 Die Situation entspannt sich erst nach einigen Jahren. Rückblickend sagt die leibliche Mutter dazu, sie hätten sich nach der Geburt zunächst abschotten müssen, um zu sehen, wie es zu dritt als Kernfamilie überhaupt funktioniere, ob es für ihr Kind sofort klar sein würde, das ihre Frau und sie die Eltern seien, so wie auch ihre Frau mit der Situation zurechtkommt.17 Es gibt jedoch auch Fälle, in denen die Unsicherheiten und negativen Emotionen gegenüber dem Vater des Kindes so erheblich waren und sich die Beziehung zwischen Vater und Müttern so zuspitzte, dass der genetische Vater entgegen vorheriger Absprachen keinen Kontakt mehr zu dem Kind haben sollte.18

Der Grund für diesen Verhaltenswechsel ist vermutlich, dass das Bild der klassischen bürgerlichen Familie bestehend aus (nur) zwei Eltern auch dann in der eigenen Wertvorstellung präsent sein kann, wenn man sich zuvor bewusst für eine Familie mit mehreren Eltern entschieden hat. Zwei Elternteile haben außerdem eine genetische Verbindung zum Kind und zusätzlich eine soziale, während weitere Wunschelternteile ausschließlich eine soziale Verbindung haben. Da soziale Beziehungen erst wachsen müssen und auch nicht vorab bestimmt werden kann, wie sie sich entwickeln werden, kann dies für die Wunscheltern beunruhigend sein. Daher kann es zu einer Verunsicherung hinsichtlich der eigenen Mutterrolle bei der Co-Mutter kommen und gleichzeitig Ängste und Einstellungen hervorrufen, die bewirken können, dass die Co-Mutter neben der biologischen Mutter keinen weiteren Elternteil – und eben auch nicht den Vater des Kindes- akzeptieren kann.19
Wahrscheinlich ist es am besten, sich im Vorhinein bewusst zu sein, dass es zu diesen Gefühlen kommen kann, um sie dann offen zu kommunizieren und im Interesse des Kindeswohls zu entscheiden. Um das Problem auch rechtlich zu lösen, sollten individuelle Absprachen zu Umgangskontakten auch bei einer Adoption eine höhere Verbindlichkeit erhalten, damit ein Umgang nicht gegen das eigentliche Interesse des Kindes an Kontakt zu leiblichen Elternteilen abgebrochen werden kann.20

Leseempfehlungen zu Co-Parenting

Alexander Schug, Sören Kittel, Uli Heissig, Gianni Betucci: Das Regenbogenväter-Buch. Ratgeber für schwule Papas (und alle, die es werden wollen). Omnino-Verlag, 368 Seiten, 22 Euro.

Jansen, E.; Bruns, M.; Greib, A. & Herbertz-Floßdorf, M. (2014). Regenbogenfamilien – Alltäglich und doch anders. Beratungsführer für lesbische Mütter, schwule Väter und familienbezogene Fachkräfte (2. komplett überarbeitete Auflage). Familien- und Sozialverein des LSVD (Hrsg.). Köln: LSVD.

Jochen König: Mama, Papa, Kind? Von Singles, Co-Eltern und anderen Familien. Verlag Herder. Jochen König hat auch einen Blog.

Sven Riesel: Spenderkind, Sohn, Vater, Samenspender? Rollenverortungen innerhalb meiner Familien, in: Katharina Beier/Claudia Wiesemann u. a. (Hg.), Assistierte Reproduktionsmedizin mit Hilfe Dritter, Berlin 2020, S. 287-300.

Planning Mathilda – Blog von Jennifer, die ihr Kind zusammen mit einem Freund bekommen hat

Dokumentation “Vier werden Eltern”.

Sophia Schirmer, „Ich finde meine Familie ganz normal“ – Laura ist bei lesbischen Müttern aufgewachsen, bento 30.08.2017.

  1. Weswegen wir den Begriff kritisieren, erklären wir in unserem Beitrag: Was ist problematisch am Begriff der Spende []
  2. Siehe zum Beispiel Der Superspreader, tageszeitung vom 26.7.2020; Sven Riesel: Spenderkind, Sohn, Vater, Samenspender? Rollenverortungen innerhalb meiner Familien, in: Katharina Beier/Claudia Wiesemann u. a. (Hg.), Assistierte Reproduktionsmedizin mit Hilfe Dritter, Berlin 2020, S. 287-300. []
  3. Siehe zum Beispiel Der Superspreader, tageszeitung vom 26.7.2020; sehr bekannt ist auch der Niederländer Ed Houben, der (Stand 2014) 102 Kinder gezeugt haben soll. []
  4. Barabra Nolte, Samenspender – Der Vater, das Phantom. Tagesspiegel 21.2.2013. []
  5. Nellie Bowles, The Sperm Kings have a Problem: Too Much Demand. New York Times vom 8.1.2021. []
  6. Eine der Mütter in dem taz-Artikel Der Superspreader beschreibt den privaten „Spender“ folgendermaßen: „B. sei perfekt, (…) Nett, schlau, selten anwesend, aber erreichbar.“ tageszeitung vom 26.7.2020. []
  7. In der Zeit, als Samenbanken Samen oft noch unter rechtlich eigentlich unzulässigen Anonymitätsvereinbarungen vermittelten, war private Samenvermittlung eher nachverfolgbar als eine nicht ordentlich dokumentierte oder ärztliche Samenvermittlung. Spätestens seit der gerichtlichen Klärung, dass Spenderkinder ein Recht auf Kenntnis ihrer Abstammung haben und seit Inkrafttreten des Samenspenderregistergesetzes kann aber von einer ordentlichen Dokumentation der Ärzte ausgegangen werden. []
  8. Zwar besteht die Möglichkeit zur anonymen Zeugung von Kindern mit der zunehmenden Verbreitung von DNA-Datenbanken faktisch nicht mehr, die Recherchearbeit kann dennoch erheblich sein. []
  9. Jansen, E.; Bruns, M.; Greib, A. & Herbertz-Floßdorf, M. (2014). Regenbogenfamilien – Alltäglich und doch anders. Beratungsführer für lesbische Mütter, schwule Väter und familienbezogene Fachkräfte (2. komplett überarbeitete Auflage). Familien- und Sozialverein des LSVD (Hrsg.). Köln: LSVD, S. 67. []
  10. Andreas Bernard, Kinder machen, Fischer 2014, S. 484. []
  11. Eine Liebesbeziehung kann die Kompromissfähigkeit erhöhen, aber natürlich können auch Liebesbeziehungen enden und die verletzten Gefühle eine gemeinsame Ausübung des Sorgerechts im Interesse des Kindes stark erschweren. []
  12. z. B. in der Broschüre des LSVD oder dem Regenbogen-Väterbuch von Schug/Kittel/Heissig/Betucci. []
  13. Die Probleme der Regenbogenväter: Berliner schreiben ersten Ratgeber für schwule Papas, tip-berlin, 23.07.2020. []
  14. Für eine Debatte zu einer Reform: Jochen König, Drei sind keiner zu viel, tageszeitung vom 4.9.2016. []
  15. Hierzu ist derzeit ein Fall vor dem Bundesgerichtshof anhängig, geschildert in der Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 12.07.2020, Semmling darf nicht Papa sein, S. 28; siehe auch KG Berlin, Beschluss vom 19.12.2019, 13 UF 120/19, FamRZ 2020, 1271 – zugelassene Rechtsbeschwerde eingelegt beim BGH unter AZ XII ZB 58/20. []
  16. Andreas Bernard, Kinder machen, Fischer 2014, S. 486. []
  17. Andreas Bernard, Kinder machen, Fischer 2014, S. 487-488. []
  18. Semmling darf nicht Papa sein, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung vom 12.07.2020, S. 28. []
  19. Jansen, E.; Bruns, M.; Greib, A. & Herbertz-Floßdorf, M. (2014). Regenbogenfamilien – Alltäglich und doch anders. Beratungsführer für lesbische Mütter, schwule Väter und familienbezogene Fachkräfte (2. komplett überarbeitete Auflage). Familien- und Sozialverein des LSVD (Hrsg.). Köln: LSVD; S. 66. []
  20. Botthof FamRZ 2020, 1275. []

Jahresbericht 2020

1. Verein

  • Am 10. Oktober fand unser offizielles Vereinstreffen in Berlin statt.
  • Außerdem gab es im November und im Dezember erstmals virtuelle Treffen zum persönlichen Austausch. Diese werden wir im nächsten Jahr auf jeden Fall wiederholen und dabei auch bestimmte Themen diskutieren.
  • Im November haben wir zusätzlich zur Spenderkinder-internen Austausch-Gruppe eine gemeinsame Facebook-Gruppe für Spenderkinder und am Thema interessierte Menschen ins Leben gerufen.

2. Verwandtentreffer

  • Für Spenderkinder, die noch keinen DNA-Test gemacht haben, empfehlen wir weiterhin Ancestry, weil man die Rohdaten dieses Tests auch bei Family Finder und MyHeritageDNA kostenlos hochladen kann. Das geht zwar mit 23andMe auch, aber Ancestry hat die größere Datenbasis.
  • Dieses Jahr haben mindestens 8 Spenderkinder herausgefunden, wer ihr genetischer Vater ist. Außerdem hatten wir 15 neue Halbgeschwistertreffer.
  • Von insgesamt 265 Spenderkindern, von denen wir wissen, dass sie einen beliebigen DNA-Test gemacht haben, haben 184 Personen einen Verwandten ersten Grades gefunden..
  • Insgesamt haben 33 Spenderkinder ihren genetischen Vater gefunden. 13 von ihnen über Herausgabe von Daten durch den Arzt, der den Samen vermittelt hatte. Bei vier Spenderkindern steht bislang fest, dass der ihre Mutter behandelnde Arzt seinen eigenen Samen eingesetzt hatte.

3. Internetseite

Wir haben unsere FAQ überarbeitet.

Folgende Beiträge auf unserer Internetseite aus diesem Jahr möchten wir besonders ans Herz legen:

4. Öffentlichkeitsarbeit

Coronabedingt gab es dieses Jahr wenige Veranstaltungen.

  • Deswegen war es eigentlich ein ideales Jahr für den Start unserer SocialMedia-Kampagne am 1. März 2020 in der wir auf den Wunsch vieler durch „Samenspende“ gezeugter Menschen hinweisen, ihre leiblichen Väter zu kennen. An drei Termine pro Woche haben wir dazu Aussagen und Fotos von unseren Mitgliedern auf Facebook, Instagram und Twitter gepostet. Im September haben wir den Fokus der Kampagne auf die Suche nach Halbgeschwistern erweitert und auf Aussagen von Spenderkindern zum Umgang mit unserer Zeugungsart. Außerdem haben sich einzelne Mitglieder vorgestellt, um dem Verein ein Gesicht zu geben und darauf hinzuweisen, dass wir auch andere Interessen haben. Ihr könnt uns bei der Kampagne helfen, indem ihr die Kanäle abonniert und teilt.
  • Am 16./17. September hat Anne uns bei der Jahrestagung „Ein Wunschkind um welchen Preis? Ethische Fragen an die Reproduktionsmedizin“ der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie (EAF) in Bonn vertreten.
  • Im Oktober hat Anne uns bei der Jahrestagung der Ärztinnen in der Reproduktionsmedizin in Weimar vertreten. Eine Zusammenfassung des Vortrags „Kinderwunsch – ein Perspektivwechsel zu den entstandenen Menschen“ wurde im Journal für Reproduktionsmedizin und Endokrinologie in der Rubrik der Gesellschaftmitteilungen der DGRM im Rahmen eines Berichts über die Tagung abgedruckt.
  • Seit Oktober 2019 veröffentlicht Sunny Videos zum Thema „Samenspende“ auf ihrem YouTube Kanal.

Darüber hinaus haben wir uns auch schriftlich geäußert:

  • Mit einem Kommentar zu einem möglicherweise künftigen Fortpflanzungsmedizingesetz in der Zeitschrift Familienpolitische Informationen der evangelischen Arbeitsgemeinschaft Familie (4/2020).
  • Im April erschien der Sammelband „Assistierte Reproduktion mit Hilfe Dritter. Medizin – Ethik – Psychologie – Recht, herausgegeben von Katharina Beier, Claudia Brügge, Dr. Petra Thorn und Prof. Dr. Claudia Wiesemann. In dem Buch sind zwei Beiträge von Anne und Sven enthalten.
  • Wir beteiligten uns an der Überarbeitung der S2k1-Leitlinie „Psychosomatisch orientierte Diagnostik und Therapie bei Fertilitätsstörungen“ (AWMF-Reg.-Nr. 016-003) und brachten zwei Sondervoten für eine verpflichtende psychosoziale Information der genetischen und geplanten rechtlichen Elternteile sowie zum Sprachgebrauch und zu Leihmutterschaft ein, außerdem einen kritischen Kommentar zur Datenlage zu den langfristigen psychosozialen Konsequenzen einer Familiengründung mit den Keimzellen Dritter.

5. Rechtliches

  • Anfang 2020 kam es im Verfahren zur Datenherausgabe durch einen Reproduktionsmediziner aus München zu einer Einigung mit dem klagenden Spenderkind. Das Spenderkind hatte erfolgreich einen Vergleich aus einem früheren Verfahren angefochten. Es hatte sich nämlich herausgestellt, dass – anders als 2014 behauptet – doch noch Unterlagen vorhanden waren. Das Spenderkind erhielt sämtliche noch vorhandene Unterlagen, um selbstständig damit recherchieren zu können, wer als sein genetischer Vater infrage kommt. Relevant ist an dieser Einigung vor allem, dass das Landgericht München es in seinem Beschluss vom 12.11.2019 für vertretbar hielt, einem Spenderkind sämtliche Unterlagen herauszugeben.
  • Insbesondere gegen Novum in Essen laufen weiter Verfahren zur Herausgabe von Informationen über die genetischen Väter. In mindestens fünf Fällen wurde die Praxis bzw. einzelne Gesellschafter bereits verurteilt, Auskunft zu geben, weigern sich aber diesen Urteilen nachzukommen und berufen sich darauf, die betreffenden Akten im Jahr 2007 oder auch in den Jahren 2007 bis 2010 vernichtet zu haben. Im Rahmen des Vollstreckungsprozesses fand im September eine mündliche Verhandlung vor dem Landgericht Essen statt. Ein Urteil wurde noch innerhalb 2020 zugesagt, steht aber noch aus. Zur mündlichen Verhandlung tauchten weitere Unterlagen auf, rund 50 noch vorhandene Akten aus den Jahren vor 1996. In der Verhandlung wurde bestritten, dass diese Unterlagen für die aktuell Klagenden relevant sind. Einige Wochen später erhielt aber einer der Kläger unerwartet Auskunft, da angeblich unter den noch vorhandenen Akten doch die Akte seiner Mutter gewesen war.
  • Novum fordert außerdem für die Auskunft über den genetischen Vater eine Bearbeitungsgebühr von ca. 90 Euro, obwohl die Auskunft nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Hamm kostenlos erteilt werden muss.
  • Ein weiteres Spenderkind klagt derzeit vor dem Amtsgericht Dresden gegen die Uniklinik Dresden, die sich seit vier Jahren weigert, Auskunft zur Identität des genetischen Vaters zu geben. Im Oktober fand eine erste mündlichen Verhandlung statt, für das erste Quartal 2021 ist eine zweite Verhandlung angesetzt.
  • Das Bayerische Oberlandesgericht hat am 4. November 2020 den Freispruch des Landgerichts Augsburg im Strafverfahren gegen mehrere Vorstandsmitglieder des Netzwerks Embryonenspende aufgehoben und festgestellt, dass die Weiterkultivierung von Zellen im Vorkernstadium strafbar ist, wenn das Ziel ist, sie einer Frau einzusetzen, von der die Eizellen nicht stammen. Damit wurde die Rechtsauffassung unseres Vereins bestätigt. Das Verfahren wurde nun an das Landgericht Augsburg zur Klärung einiger tatsächlicher Fragen zurückverwiesen.

6. Medienbeiträge

  • Das Online-Magazin der VICE berichtete am 29. Januar 2020 unter dem Titel „Samenspende: Wie Britta ihren Vater kennenlernte“ über die Geschichte von Britta und Dietrich.
  • Julia erzählte bei „Die Frage„, wie sie ihren biologischen Vater mit Hilfe eines DNA Test gefunden hat und wie sich ihre Beziehung entwickelt hat.
  • Am 12. Mai waren Christiane, Britta und Brittas Vater Dietrich live zu Gast in der Fernsehsendung von Marco Schreyl (RTL).
  • In der Sendung Eine Stunde Liebe auf Deutschlandfunk Nova vom 15. Mai erzählte Spenderkinder-Vorstandsmitglied Stina von der Arbeit des Vereins und der zunehmenden Bedeutung von DNA-Datenbanken für die Suche nach Elternteilen und Halbgeschwistern.
  • Britta erzählte im Juni gemeinsam mit ihrem leiblichen Vater Dietrich bei Radio youfm im hessischen Rundfunk, wie sie sich über eine DNA-Datenbank gefunden haben. (Link leider nicht mehr online)
  • Auch im Juni wurde der Film Solomütter von Yvonne Rüchel ausgestrahlt, in dem Stina unseren Verein vertrat und insbesondere auf die schlechte Absicherung von Spenderkindern bei Solomüttern hinwies.
  • In der Radiosendung Quarks – Wissenschaft und mehr im Juli erzählten Martina und Sibylle, was Spenderkinder erleben können, wenn sie nicht aufgeklärt werden und von ihrer Suche nach ihren genetischen Vätern. ()
  • Sabina erzählte im August in der Sendereihe TRU DOKU des öffentlich-rechtlichen Senders Funk auf Youtube von ihrer Aufklärung und Suche nach ihrem genetischen Vater.
  • Alexander, Stina, Martina und Anne erzählten am 14. September in der Sendung Neugier genügt auf WDR 5, wie sie von ihrer Entstehung erfuhren und über ihre Suche
  • Am 22. September berichtete der Kölner Stadtanzeiger unter dem Titel Samenspenderkinder erzählen „Wir wollen wissen, wo wir herkommen – keinen Unterhalt“ über Mona, Sophie und Alina (Anne), wie sie von ihrer Entstehung erfuhren und von ihrer bisherigen Suche nach ihren genetischen Vätern.
  • Am 4. November rief Martina im Lokalsender Radio Essen ehemalige Samenspender aus der Region auf, sich zu melden und berichtete von der Suche nach ihrem leiblichen Vater.
  • Im Dezember hat Julia dem CampusMagazin KURT der TU Dortmund über ihre erfolgreiche Suche nach ihrem genetischen Vater berichtet und Anne über die rechtliche Situation aufgeklärt.

7. Spender

  • Wir freuen uns, dass sich in diesem Jahr wieder einzelne „Samenspender“ bei uns gemeldet haben. Darunter auch jüngere Männer, die sich rückblickend von den Samenbanken nicht hinreichend psychosozial informiert fühlten.

8. Internationales

9. Ausblick auf 2021

  • Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Spenderkinderstudie2020, in der erstmals Spenderkinder in Deutschland dazu befragt wurden, wie sie ihre Aufklärung erlebt haben und wie sich die Beziehung zu Halbgeschwistern und den verschiedenen Elternteilen entwickelt.
  1. S2k bedeutet, dass die Leitlinie konsens-basiert ist, im Unterschied zu evidenzbasierten S2e-Leitlinien []

Das Gefühl, in der falschen Familie zu leben – ein Beitrag im Deutschlandfunk am 23. Dezember 2020

Die Spenderkinder-Mitglieder Sandra und Martina erzählen im Beitrag „Das Gefühl, in der falschen Familie zu leben“ im Deutschlandfunk, dass sie schon früh das Gefühl hatten, dass sie nicht ganz in ihre Familien hineinpassten. Die Fantasien reichten von der Idee, adoptiert, im Krankenhaus vertauscht worden oder womöglich durch eine Vergewaltigung entstanden zu sein. Obwohl sie ihre Eltern darauf ansprachen, erfuhren sie erst als Erwachsene von ihrer Entstehung durch ärztliche Samenvermittlung.

Julia Inthorn vom Evangelischen Zentrum für Gesundheitsethik weist darauf hin, dass Eltern ihre Kinder unbedingt über ihre Herkunft aufklären sollten, weil Ehrlichkeit von Kindern ganz hoch gewichtet werde. Dazu sei ergänzt, dass der Wunsch nach Ehrlichkeit keine Eigenart von Kindern ist, sondern auch die meisten Eltern erwarten, dass ihre Kinder ihnen gegenüber ehrlich sind. Ehrlichkeit ist die Grundlage einer gegenseitig vertrauensvollen Beziehung.

Der Humangenetiker Wolfram Henn spricht als Aufklärungshürde an, dass Unfruchtbarkeit von vielen Menschen als Makel wahrgenommen wird. Er befürchtet, dass die Aufdeckung eines Familiengeheimnisses über eine Samenspende Familien in schwere Krisen stürzen und insbesondere beim sozialen Vater Schaden anrichten könne. Daher müsse man dies gut abwägen. Aus Sicht des Vereins Spenderkinder wird damit eine ehrliche Beziehung zwischen Eltern und Kind vom Wohlergehen des sozialen Vaters abhängig gemacht.

Diese Haltung bestürzt uns besonders, da ein Mitglied des Deutschen Ethikrates sie einnimmt. Wird hier ernsthaft erwogen, das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung zu missachten, um dem sozialen Vater eine Beziehung zum Kind zu sichern? Eine Beziehung, die offenbar nur funktioniert, wenn das Vertrauen des Kindes missbraucht wird?

Das Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung ist ein Persönlichkeitsrecht. Zum Leidwesen vieler Spenderkinder, die mühevoll nach ihren leiblichen Vätern suchen, wurde es in der Vergangenheit oft missachtet. Seit Inkrafttreten des Samenspenderregistergesetzes im Juli 2018 müssen die Wunschmutter und der leibliche Vater vor der Vermittlung des Samens über das Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung aufgeklärt werden. Auch psychosozial ist es Konsens, dass Spenderkinder, wie adoptierte Menschen, im Wissen um ihre Herkunft aufwachsen sollten. Detaillierter beschäftigen wir uns in unserem Text zu Aufklärung mit den einzelnen Gründen.

Britta und Dietrich vermitteln einen Eindruck davon, wie es nach der Kontaktaufnahme zwischen einem Spenderkind und dem leiblichen Vater weitergehen kann – kein simples Happy End, sondern eine neue Herausforderung, für alle Beteiligten.

Artikel über Julias erfolgreiche Suche und die komplizierte Rechtslage, im Campusmagazin KURT der TU Dortmund im Dezember 2020

Das Campusmagazin KURT der TU Dortmund berichtet in seiner Dezemberausgabe über Julias erfolgreiche Suche nach ihrem leiblichen Vater und darüber, wie es danach weiterging (ab S. 6). Gleich im Anschluss folgt ein Interview mit Anne zur aktuellen Rechtslage für Spenderkinder (S. 10).

Rezension – „Ich bin ein Kinderwunsch-Wunschkind“ein Buch aus der Perspektive und für die Bedürfnisse von Eltern

Im November 2020 erschien das Kinderbuch „Ich bin ein Kinderwunsch-Wunschkind“, gedacht als Erzähl- und Erklärbuch für Kinder, von Ruthild Schulze. Das Buch soll Eltern dabei unterstützen, ihre Kinder über ihre Entstehung durch In-vitro-Fertilisation (IVF) aufzuklären. In Form eines Kinderbuchs wird die IVF, in eine Geschichte eingebettet, kindgerecht erklärt. Weitere Begriffe um Zeugung, Schwangerschaft und Geburt werden für Kinder in einem Glossar beschrieben. Viele Bilder veranschaulichen die Situationen und Vorgänge.

Die Geschichte

Hauptfigur ist der 8jährige Jann. Er erzählt, wie er davon erfuhr, durch eine IVF entstanden zu sein und was das für ihn bedeutet. Seine jüngere Schwester wurde spontan auf natürlichem Weg gezeugt. Eine Hebamme erklärte in Janns Schulklasse anschaulich ihre Arbeit. Natürlich weiß Jann längst wie Kinder entstehen und greift den sexuellen Akt im Buch nur kurz auf.

Dann erzählt Jann, wie er erfahren hat, dass er durch eine IVF entstanden ist. Nachdem er seiner Mutter von dem Hebammenbesuch in der Schule erzählt hatte, spürte er, dass sie ihm etwas erzählen möchte. „Es platzte so aus ihr heraus.“ Damit ist offensichtlich ein Gefühl gemeint, denn die Mutter sagt zu dem Zeitpunkt noch nicht, worum es eigentlich geht. Sie stellt Fragen zum Unterrichtsthema und Jann war „irgendwie komisch, als ob ich was spürte, aber nicht weiß, was es ist, und ich sah, dass Mama ganz zittrig ist. Aufgeregt irgendwie.“ (S. 22). Die Mutter rief Janns Vater dazu, und auch Janns kleine Schwester ist bei der Aufklärung dabei.

Zuerst beschreibt die Mutter wie sie sehr lange darauf wartete, schwanger zu werden und dass dann viele Arztbesuche folgten, bis die Eltern schließlich eine „Spezialpraxis“ (S. 22) aufsuchten (Kinderwunschzentrum). Nach dieser ersten Etappe vergewissert sich die Mutter bei Jann, ob er es auch wirklich wissen möchte, wobei Jann zu dem Zeitpunkt noch gar nicht weiß, worauf seine Mutter hinaus möchte. Er nimmt wahr, dass seine Mutter „rote Flecken an den Wangen und am Hals und feuchte Augen“ hatte und oft den Vater ansah (S. 22). Das lässt auch Jan nicht kalt „Ich hatte auch ganz viele Gefühle auf einmal.“ (S. 22). Die Familie im Buch sucht sich erstmal einen bequemen Platz. Jann holt eilig seinen Teddy und ein Tuch seiner Mutter hinzu.

Es folgt die Beschreibung der Intrauterinen Insemination (IUI) und der IVF. Das schlechte Gewissen insbesondere der Mutter ist spürbar: „- aber du solltest doch eigentlich mit ganz viel Gekuschel und Küssen entstehen. Nicht da in der Arztpraxis.“ (S. 24). Jann überzeugen die Worte der Mutter „sie wollten und konnten nicht noch länger auf mich warten und [die Mutter sagte] dass ich nicht nur meinen Papa und meine Mama, sondern auch noch eine Krankenschwester und einen Arzt als Anfangsbegleiter hatte. Superviele extratolle Helfer, damit ich in ihren Bauch kommen konnte“ (S. 24). Es wirkt auf mich, als wolle die Mutter mit diesen Idealisierungen die zuvor noch als wenig wünschenswert dargestellte Entstehungsweise ihres Kindes ausgleichen. Und Jann führt idealisierend fort: „Weil meine Eltern ja bei mir Hilfe bekommen hatten und ich dann so ganz normal gewachsen und geboren bin, deshalb habe ich ihnen wohl gezeigt, dass es auch so klappen kann mit den Kindern! Das war wohl so, als ob sie Vertrauen gekriegt hätten. Und meine Schwester hatte es leichter. Durch mich!“ (S. 24).

Anschließend erklärt Jann die IVF. Interessanterweise wird sehr gründlich beschrieben, wie sichergestellt wurde, dass keine Keimzellen vertauscht wurden. So kann Jann ganz sicher sein, aus den Keimzellen seiner rechtlichen Eltern entstanden zu sein. Dies war Janns Eltern bei ihrer Erklärung ihm gegenüber offenbar sehr wichtig. Umgekehrt wird von Spenderkindern jedoch regelmäßig erwartet, dass sie zweifellos diejenigen Menschen als ihre Eltern annehmen, die ihnen Eltern sein möchten. Schließlich fühlt sich Jann als etwas ganz Besonderes, seine Mutter ist sehr dankbar, die kleine Schwester nachdenklich, der Vater organisiert Beerensaft und schicke Gläser zum Anstoßen und die Eltern schauen sich verliebt an.

Glossar

Im Glossar werden weitere Begriffe erklärt. Unter dem Begriff „Kinderwunsch-Behandlung“ wird die private Samenvermittlung beschrieben, wobei nicht unterschieden wird, ob der Mann nur seinen Samen zur Verfügung stellt oder Co-Parenting angestrebt wird. In diesem Zusammenhang wird auch kurz die ärztliche Samenvermittlung an alleinstehende Frauen erwähnt: „Wenn kein Freund seinen Samen zur Verfügung stellt, kann ein Arzt auch Samen in einer ‚Samenbank‘ bestellen“ (S. 55). Wie der dorthin kommt und welche Rolle die leiblichen Väter in diesem Zusammenhang spielen, bleibt unklar. Lesbische Paare werden gar nicht erwähnt.

Kritische Würdigung des Buches

Der Verein Spenderkinder begrüßt es sehr, Kinder über ihre Entstehungsweise aufzuklären. Bei Kindern, die durch eine IVF aus den Keimzellen ihrer rechtlichen Eltern entstehen, besteht nicht die Herausforderung wie bei Spenderkindern, einen weiteren Menschen als leiblichen Elternteil des Kindes zu integrieren. Dennoch sollten auch diese Kinder über ihre Entstehungsweise aufgeklärt werden, da z.B. noch unerforscht ist, welche möglichen langfristigen gesundheitlichen Risiken für das Kind mit einer IVF verbunden sind. Die Erfahrung zeigt, dass es viele Eltern als schwierig erleben, ihre Kinder über ihre IVF aufzuklären. Ich hoffe, dass dieses Buch sie dazu ermutigt!

Aus Kinderperspektive irritiert mich Janns Geschichte. Jann, das Kinderwunsch-Wunschkind, erfüllt seinen Eltern nicht nur ihren Kinderwunsch, er kümmert sich auch darüber hinaus um die Bedürfnisse seiner Eltern bzw. seiner Mutter: Er ist verständig, einfühlsam und besänftigt ihr schlechtes Gewissen, indem er seiner Entstehungsweise ganz viel Positives abgewinnt.

Die Aufklärungssituation ist vielen Spenderkindern sehr vertraut: Die Eltern, im Buch nur die Mutter, sind angespannt, nervös. Jann reagiert – wie jedes gute Wunschkind – mit ganz viel Empathie. Ich frage mich, wessen Bedürfnisse an dieser Stelle im Vordergrund stehen. Ist es Aufgabe des Kindes, durch seine stützenden Reaktionen den Eltern die Aufklärung zu erleichtern? Dem Kind im Buch wird die belastende Situation seiner Eltern geschildert. Es spürt, wie aufwühlend es für die Eltern ist, sich erneut mit der Geschichte zu konfrontieren: die zittrige Mama, die sich den Papa zur Unterstützung holt, den sicheren Platz, den erstmal alle brauchen, die zehrende Zeit des Wartens und Hoffens für die Eltern, dann das schlechte Gewissen, dass das Kind nicht so romantisch wie gewünscht entstand. Aufgelöst wird die Spannung durch die kompensatorische Idealisierung. Was haben die Eltern für ein Glück mit Jann, der die Geschichte gleich zur eigenen Ermächtigung nutzt, der dafür gesorgt hat, dass seine Schwester nicht in der Glasschale entstehen musste und seinen Eltern das Vertrauen in ihre Körper zurückgab. Jann versteht zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass seine Eltern sich EIN Kind wünschten – nicht ihn als Person.

Aus meiner Sicht sollten Eltern selbst entspannt zu der gewählten Entstehungsweise ihres Kindes stehen, so dass sie souverän mit ihrem Kind darüber sprechen können. Dazu kann es helfen, vor der Aufklärung des Kindes mit dem Partner/der Partnerin, anderen Menschen und selbst innerlich immer wieder über die Entstehungsweise zu sprechen, um passende Worte zu finden und die eigenen Gefühle zu sortieren. Erleben Eltern die Entstehungsweise ihres Kindes als rechtfertigungsbedürftig oder minderwertig, kann sich diese Einstellung auf das Kind übertragen, so wie bei Jann. In der Aufklärungssituation sollten sich die Eltern ganz auf die Bedürfnisse des Kindes konzentrieren können. Idealerweise erfolgt die Aufklärung nebenbei, mit den Informationen, die ein Kind zum aktuellen Zeitpunkt aufnehmen kann. Ein kleineres Kind weiß vielleicht, dass bei seiner Entstehung eine Ärztin mitgeholfen hat. Später fragt es nach, was denn die Ärztin gemacht hat. Vielleicht fragt es auch sofort. Dann sollte die Mutter oder der Vater die Fragen einfach beantworten. Den anderen Elternteil hinzuzuholen, mag dem Bedürfnis der Eltern entsprechen, die Aufklärung als besonderes Ereignis zu zelebrieren. Sie nimmt dem Thema dadurch aber die Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit und orientiert sich an den Bedürfnissen der Eltern. Das Kind sollte seine eigenen Gefühle zu seiner Entstehungsweise wahrnehmen können und nicht die unausgesprochene Bitte seiner Eltern spüren, auf eine bestimmte Art reagieren zu müssen.

Fazit

„Wunscheltern – Elternwunsch“ – ein Buch aus der Perspektive und für die Bedürfnisse von Eltern. Auf mich wirkt es so, als sei die Geschichte aus dem Erleben und zur Entlastung der Eltern geschrieben. Aus Kinderperspektive wären – auch als Modell für unsichere Eltern – solche Eltern hilfreich, die sich in der Aufklärungssituation um die Bedürfnisse ihres Kindes kümmern können und nicht umgekehrt.

DNA Tests als Black Friday Angebot

Verschiedene DNA Tests gibt es derzeit als Black Friday Angebote:

Ancestry für 45 Euro (bis 2.12.2020)

23andme für 79 USD (bis 26.11.2020)

Der Vollständigkeit halber: MyHeritage gibt es derzeit auch für 45 Euro und FTDNA für 59 USD. Wir empfehlen aber, den Ancestry Test zu machen, weil man die Ancestry-Rohdaten kostenlos bei MyHeritage und FTDNA hochladen kann (mehr Infos). Wir empfehlen, das auf jeden Fall zu machen, da die meisten unserer Mitglieder bei FTDNA registriert sind.

Die Suche nach der Herkunft in Jim Knopf und die Wilde 13

Jim Knopf war als Kind eins meiner Lieblingsbücher. Noch bevor ich selbst lesen konnte, hat meine Mutter es mir vorgelesen und manche Kapitel wollte ich immer wieder lesen. Dass Jim, der als Findelkind in einem Paket bei Frau Waas in Lummerland landet, trotz der liebevollen Frau Waas wissen möchte, wer seine Geburtseltern sind, habe ich nie hinterfragt. Meine Mutter übrigens auch nie. Das Buch ist 1960 erschienen und vermutlich noch nicht vom Zeitgeist der 68er zu dieser Frage geprägt, dass nur soziale Bindungen zählen.

Vielleicht hat mich der frühe Kontakt zu dieserAdoptions-Geschichte auch geprägt für meine eigene Einstellung, als ich von meiner Zeugung durch Samenspende erfahren habe. Vorletztes Wochenende habe ich mit meiner Tochter Jim Knopf und die Wilde 13 im Kino gesehen. Sowohl diesen Film wie auch den 1. Film finde ich sehr gelungen. Besonders hat mich gefreut, dass dem Thema Abstammung auch im Film so viel Bedeutung zugemessen wird. Sowohl Jims Wunsch, seine Herkunft zu erfahren, als auch der sehr emotionale Moment, in dem er im Hauptquartier der Wilden 13 im Auge des Sturms einen Brief seiner Eltern mit ihren Namen und Bildern findet. Es ist wichtig, einen realen Menschen als Elternteil vor Augen zu haben – das haben Adoptierte, Spenderkinder und Kuckuckskinder gemeinsam. Ich weiß nicht, ob nur mir als Betroffener das Thema so auffiel, aber ich hoffe dass er bei der Sensibilisierung für die Bedeutung der Abstammung hilft.

Neue Facebookgruppe zum Austausch mit Spenderkindern

Seit heute gibt es eine neue Facebookgruppe unseres Vereins. Diese Gruppe ist offen für alle, die sich mit Spenderkindern austauschen möchten – herzlich willkommen! In der Vergangenheit hatten uns immer wieder Anfragen von Menschen erreicht, die sich damit auseinandersetzen, ob eine Familiengründung auf diese Weise für sie in Frage kommt oder die bereits mit Samenvermittlung Kinder bekommen haben. Auch (ehemalige) „Samenspender“ sowie weitere Interessierte sind herzlich eingeladen, dieser Gruppe beizutreten.