Archiv der Kategorie: Abstammung

Qualitative Forschung an 24 erwachsenen Spenderkindern aus Deutschland und Großbritannien

Als Abschluss der umfangreichen kulturanthropologischen Forschungsarbeit von Amelie Baumann ist das Buch Becoming Donor-Conceived im transcript-Verlag erschienen. Ganz im Sinne frei zugänglicher Forschungsergebnisse ist das Buch als PDF kostenfrei abrufbar.

Von September 2016 bis Dezember 2017 hatte die Forscherin Amelie Baumann insgesamt 24 erwachsene Spenderkinder aus Deutschland und Großbritannien interviewt (Altersspanne 18 Jahre bis Anfang 60). Die Interviews begannen meist mit der Frage danach, wie die Spenderkinder von ihrer Entstehungsweise erfahren hatten und gingen dann über zu weiteren Themen: wie die Personen über ihre unbekannte Herkunft dachten, wie offen sie mit dem Thema umgingen, wie sie über die Rechtslage dachten, welche Bedeutung Gene und soziale Verbindungen für sie haben sowie ob, warum und auf welche Weise sie nach dem genetischen Vater und/oder Halbgeschwistern suchen.

Für Spenderkinder ist es besonders spannend und erfreulich zu sehen, dass es in den fünf Jahren nach den Interviews bereits eine deutliche Weiterentwicklung der Suche über DNA-Datenbanken gab. Mittlerweile konnte über die Hälfte der in DNA-Datenbanken registrierten Spenderkinder aus unserem Verein auf diese Weise Halbgeschwister identifizieren.

Vor 40 Jahren wurde das erste deutsche Retortenbaby geboren – ein Beitrag im Deutschlandfunk am 18. April 2022

1982 wurde in Deutschland das erste Kind nach In-vitro-Fertilisation (IVF) geboren. Ein Beitrag im Deutschlandfunk ist diesem runden Geburtstag gewidmet: Vor 40 Jahren wurde das erste deutsche Retortenbaby geboren. Samenvermittlung findet offiziell bereits seit 1970 statt.*1 Beiden Verfahren gemein ist, dass sie möglichst Erfolge vorweisen mussten, um sich zu bewähren. Rasch entwickelte sich ein Markt, der „Kinderwunschbehandlungen“ anbietet. 1990 gab es bereits 63 „Kinderwunschzentren“ – mittlerweile sind es über 140.

In den sogenannten „Pioniertagen“ der Reproduktionsmedizin wurde frisches Sperma (im Unterschied zu heute tiefgekühltem) verwendet. Ärzte waren darauf angewiesen, dass stets ein „Spender“ verfügbar war, wenn die Patientin am Tage ihres Eisprungs zur Befruchtung in die Praxis kam. Es ist bekannt, dass einige Reproduktionsmediziner auch ihr eigenes Sperma verwendeten – womöglich, um den „Erfolg“ nicht zu gefährden, wenn ein „Spender“ kurzfristig nicht verfügbar war. Es liegt nahe, dass die „Spender“ der ersten Jahre Männer waren, die die Ärzte gut kannten, auf die sie sich verlassen konnten. Unsere Halbgeschwistertreffer und Auskünfte ehemaliger „Samenspender“ zeigen, dass einige Männer über viele Jahre, manche sogar über Jahrzehnte, Samen zur Zeugung von Kindern abgaben. Teilweise wurden über 100 Schwangerschaften durch den Samen eines Mannes dokumentiert. Bis heute gibt es keine verbindliche Grenze und Hinweise, dass häufig sehr viele Kinder durch den Samen eines Mannes entstehen: 100 Halbgeschwister und mehr

Den Preis für den „Erfolg“ der Anfangsjahre bezahlen Spenderkinder, wenn Ärzte behaupten, sie könnten ihnen keine Auskunft geben, weil sie nicht wüssten, wer die genetischen Väter sind.

Ein Geburtstagswunsch nach 40 Jahren: Wir wünschen uns erkennbare Bemühungen von Seiten der Reproduktionsmedizin zur Aufklärung unserer Herkunft.

  1. und in der Regel ohne IVF []

100 Halbgeschwister und mehr?

Aus den USA ist es schon bekannt: Gruppen mit mehr als 100 Halbgeschwistern, die denselben genetischen Elternteil haben. Auch im Verein Spenderkinder haben DNA-Tests bewiesen, dass esmehrere große Halbgeschwistergruppen gibt. Wir haben fünf Halbgeschwistergruppen, die aus 7 bis 9 Familien bestehen1. Da sehr viele Spenderkinder in Deutschland nichts von ihrer Zeugungsart wissen, dürften viele Halbgeschwistergruppen tatsächlich noch erheblich größer sein. Von einem Reproduktionsmediziner wissen wir aus Praxisaufzeichnungen, dass er teilweise über 100 durch einen Mann erzeugte Schwangerschaften dokumentierte. Bei zwei Reproduktionsmedizinern vermuten wir, dass sie jeweils nur einen Spender hatte, da bislang alle Spenderkinder aus diesen Praxen sich als Halbgeschwister herausgestellt haben. Durch die zunehmende Verbreitung von DNA-Datenbanken und die Durchsetzung des Rechts von Spenderkindern auf Kenntnis ihrer Abstammung werden solche Vorgänge zunehmend nachvollziehbar und aufgedeckt.

Fehlende gesetzliche Obergrenze in Deutschland

Eine gesetzliche Grenze für die Anzahl der Kinder, die durch den Samen einer Person durch Samenvermittlung entstehen, gibt es in Deutschland nicht. In der „(Muster-)Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion“ fand sich von 2006 bis 2018 die Vorgabe, dass durch einen Spender nicht mehr als zehn Schwangerschaften erzeugt werden sollten.2 Ob diese standesrechtlichen Regelungen jedoch tatsächlich verbindlich waren, ist umstritten, weil die Ärzte bis zum Inkrafttreten des Samenspenderregistergesetzes im Jahr 2018 nicht verpflichtet waren, die durch eine Person gezeugten Kinder nachzuverfolgen und zu dokumentieren. Die Ärztekammer Nordrhein wies im Jahr 2015 auf eine Beschwerde des Vereins Spenderkinder darauf hin, dass diese Richtlinie nur nachrangig anwendbar sei und die Forderung nach einer Obergrenze in den politischen Raum gebracht werden sollte. Außerdem könne daraus, dass ein Mann über eine sehr lange Zeit Samen abgegeben habe, nicht darauf geschlossen werden, dass hierdurch eine erhebliche Zahl von Kindern gezeugt würde. In der aktuellen Version der „Richtlinie zur Entnahme und Übertragung von menschlichen Keimzellen im Rahmen der assistiertenReproduktion“ aus dem Jahr 2018 findet sich keine Aussage mehr zu einer Obergrenze. Grund hierfür ist, dass der Vorstand der Bundesärztekammer m Februar 2015 beschlossen hatte, die medizinisch- wissenschaftlichen Fragestellungen klar von den gesellschaftspolitischen Aspekten zu trennen.

Dem Verein Spenderkinder ist bekannt, dass manche Menschen bei deutschen Samenbanken oder an deutsche Reproduktionsmediziner bis über 20 Jahre regelmäßig Samen abgegeben haben. Bei einer Abgabe über einen solch langen Zeitraum liegt es nahe, dass wesentlich mehr als zehn Kinder entstanden sind, wie z.B. die Dokumentation des Münchner Arztes zeigt, der bis über 100 erzeugte Schwangerschaften durch einen einzelnen Spender festgehalten hat. Einige Menschen haben zudem an mehreren Kliniken oder Samenbanken Samen abgegeben. Ein Arzt, bei dem eine sehr große Halbgeschwistergruppe entstand, äußerte sich hierzu, dass es zu teuer wäre, wenn man den Samen einer Person nur für wenige Paare verwenden würde, außerdem gäbe es nicht so viele abgabebereite Personen.

Einige Samenbanken äußern zumindest öffentlich, dass sie sich bemühen, eine gewisse Anzahl an Kindern nicht zu überschreiten. Wie genau sie das sicherstellen, ist jedoch nicht nachvollziehbar und auch nicht überprüfbar. Insbesondere ist momentan aber auch keine rechtliche Verpflichtung dazu erkennbar. Bei einer deutschen Samenbank, die derzeit einen öffentlich einsehbaren Spenderkatalog anbietet, werden 5 Personen aufgeführt, bei denen über 30 Einheiten Samen verfügbar sind. In einem Fall waren sogar 74 Einheiten verfügbar. Auch wenn sicherlich nicht jede künstliche Befruchtung mit dem Samen dieser Personen erfolgreich sein wird, ist doch davon auszugehen, dass bei so vielen verfügbaren Einheiten mehr als 10 Kinder gezeugt werden – zusätzlich zu vermutlich bereits gezeugten Kindern.

Andere Länder sind hier weiter: In Großbritannien dürfen die Keimzellen einer Person nur für 10 Familien verwendet werden. Diese Obergrenze wird durch die Regulierungsbehörde HFEA kontrolliert. In Belgien dürfen nur 6 Frauen durch den ärztlich vermittelten Samen einer Person schwanger werden, allerdings sind mehrere Kinder pro Frau erlaubt (Art. 55 Loi relative à la procréation médicalement assistée). Die Schweiz hat eine Obergrenze von acht Kindern (Art. 22 Abs. 4 FMedG).

Zu viele Halbgeschwister sind für viele Spenderkinder belastend

Aus Sicht der Vereins Spenderkinder ist eine Begrenzung der Anzahl der durch eine Person über eine ärztliche Samenvermittlung gezeugten Kinder unbedingt notwendig. Zwar freuen sich die meisten Spenderkinder über Halbgeschwister. Je mehr Halbgeschwister es gibt, desto eher kann jedoch das Gefühl entstehen, aus einer „Massenproduktion“ zu stammen. Jedes neue Geschwisterkind bedeutet außerdem eine mentale Anpassung, eine Erweiterung der Familie und der bestehenden Beziehungen. Bei sehr vielen Halbgeschwistern ist es auch für den genetischen Elternteil kaum möglich, alle als Individuen wahrzunehmen, wenn sie – was zu erwarten ist – früher oder später Kontakt zu ihm aufnehmen.

Viele Mitglieder unseres Vereins schildern es als besonders belastend, dass sie nicht wissen, wie viele andere Geschwister sie in der Zukunft noch entdecken werden – 5 oder 100. Dazu kommt, dass die Gefahr einer unwissentlichen sexuellen Beziehung zwischen Halbgeschwistern rein statistisch steigt, je mehr Kinder durch eine Samen abgebende Person gezeugt werden, insbesondere weil viele Eltern ihre Kinder nicht über ihre Zeugungsart aufklären. Diese Befürchtung empfinden viele Mitglieder unseres Vereins als belastend. Einige Halbgeschwister ähnlichen Alters aus unserem Verein sind in Nachbarorten aufgewachsen, so dass die Gefahr einer Beziehung relativ hoch war.

Obergrenze durch Ergänzung des Samenspenderregistergesetzes einfach umzusetzen

Mit dem Samenspenderregister existiert seit Mitte 2018 ein zentrales Register, mit dem die Einhaltung einer Obergrenze tatsächlich kontrolliert werden könnte. In diesem wird bereits festgehalten, an welche Empfänger:innen der Samen welcher Person vermittelt wird. Es wäre leicht umsetzbar, bei eine bestimmten Anzahl von Empfänger:innen die jeweilige Samen abgebende Person für weitere Vermittlungen zu sperren.

Der Verein Spenderkinder wird sich in dieser Legislaturperiode dafür einsetzen, dass im Zuge der anstehenden Überarbeitung des Samenspenderregistergesetzes auch eine entsprechende Obergrenze eingeführt wird. Dabei halten wir es für sinnvoll, dass sich die Obergrenze an den Empfänger:innen orientiert (also an Familien) und nicht an der Zahl der insgesamt gezeugten Kinder. Das Erreichen der Obergrenze würde dann nicht verhindern, dass eine Familie ein weiteres Kind von demselben genetischen Elternteil bekommt.

Auch die Bundesärztekammer hatte sich im Jahr 2016 in einer Stellungnahme zum „Regierungsentwurf eines Gesetzes zur Regelung des Rechts auf Kenntnis der Abstammung bei heterologer Verwendung von Samen“ vom 21.12.2016 für eine gesetzliche Beschränkung der durch einen Samenspender gezeugten Kinder ausgesprochen.

  1. wir zählen nach Familien, nicht nach Kindern []
  2. (Muster-)Richtlinie zur Durchführung der assistierten Reproduktion, Deutsches Ärzteblatt, Jg. 103, Heft 20 vom 19. Mai 2006, S. A1392 ff., S. A1397. []

Gießener Allgemeine über Spenderkind Thorsten

Am 30. Dezember 2021 berichtete die Zeitung Gießener Allgemeine über die Aufklärung und Suche von Spenderkind Thorsten. Der Beitrag mit dem Titel „Identität beraubt: Sohn erfährt nach 43 Jahren von Samenspende und sucht nun Vater“ ist auch online frei zugänglich. Thorsten registriert sich aus Interesse an Ahnenforschung in einer DNA-Datenbank und findet dort überraschend einen Halbbruder. Damit konfrontiert er seine Mutter und erfährt die Wahrheit über seine Entstehungsweise. Er entstand in der Praxis des Gießener Gynäkologen Dr. Heinrich Müller, den Samen organisierte der Hautarzt Dr. Renfer. Die Wahrheit erlebt er als Erleichterung, weil sie für ihn vieles klärt, was er zuvor spürte, aber nicht einordnen konnte. Er macht sich auf die Suche nach seinem leiblichen Vater.

Thorstens Geschichte ist die eines Individuums und gleichzeitig typisch für die vieler Spenderkinder. DNA-Datenbanken spielen für die Aufklärung eine wichtige Rolle. Immer wieder finden Spenderkinder darüber heraus, dass etwas nicht stimmt, wenn sie Halbgeschwister oder andere nahe Verwandte finden, von denen sie bisher nicht wussten. Oft folgt dann ein klärendes Gespräch mit den Eltern, sofern diese noch leben und sich darauf einlassen. Viele Spenderkinder erleben die Aufklärung als Erleichterung, weil sie diffuse Wahrnehmungen, die sie sich nicht erklären konnten, plötzlich einordnen können.

Oft schließt sich dann die Suche nach dem leiblichen Vater an. Die ist meist mühevoll und langwierig. Ärzte, die Auskunft geben könnten, sind bereits verstorben, Unterlagen werden erst seit 2018 zentral gesichert. Spenderkinder, die früher entstanden sind, haben aber auch ein Recht, zu erfahren, wer ihr leiblicher Vater ist. Deswegen freuen wir uns sehr, wenn sich Männer, die Samen „gespendet“ haben, selbst bei uns melden oder wenn wir Hinweise von anderen Verwandten oder Angehörigen bekommen (info@spenderkinder.de oder spenderkind-giessen77@web.de).

Das Fremde im eigenen Spiegelbild – Martina im Interview mit Sunny im Oktober 2021

Im Youtube-Interview mit Sunny spricht Martina darüber, wie sie erfahren hat, dass sie ein Spenderkind ist und von ihrer Suche nach ihrem biologischen Vater. Der Blick in den Spiegel macht das Unbekannte sichtbar, aber doch nicht greifbar.

Wer hat eine Idee, wer Martinas biologischer Vater sein könnte? Er lebte 1985 (evtl. auch schon vorher) im Raum Essen, ist vermutlich groß, blond und mindestens 53 Jahre alt, eher älter. Jeder Hinweis kann helfen! Hinweise gerne an info@spenderkinder.de.

SWR-Nachtcafé „Die Wahrheit muss ans Licht“ am 17.09.2021 mit Spenderkind Sandra

Am 17. September 2021 war Spenderkindermitglied Sandra zu Gast in der Sendung SWR-Nachtcafé „Die Wahrheit muss ans Licht“. Etwas ausführlicher gibt es den Beitrag von Sandra auf Youtube. In der Sendung erzählt sie, wie sie mit 38 Jahren von ihrer Mutter erfuhr, dass sie durch Samenvermittlung in der Praxis eines Tübinger Frauenarztes entstand. Die Mutter hatte ihrem Mann versprochen, Sandra bis zu seinem Tod nicht aufzuklären. Als es dann soweit war, suchte die Mutter das Gespräch mit Sandra. Was genau sie sagen wollte, bleibt im Dunkeln, denn Sandra erriet sofort worum es ging.

Sandra möchte besonders anderen Eltern von Spenderkindern ans Herz legen, ihre Kinder – auch wenn diese bereits erwachsen sind – über ihre Entstehungsweise aufzuklären. Für die Aufklärung erwachsener Spenderkinder haben wir extra Hinweise zusammengestellt.

Außerdem ist Sandra auf der Suche nach ihrem biologischen Vater und möglichen Halbgeschwistern. Sie wurde im Jahr 1982 in der Praxis von Dr. Rimbach in Tübingen gezeugt. Es ist bekannt, dass der Arzt Ehemänner seiner Patientinnen, die bereits ein Kind hatten, als „Spender“ anfragte.

Wer weiß etwas oder kennt jemanden, der einen Hinweis geben könnte? Auch kleine Informationen können weiterhelfen! Hinweise bitte an Info@spenderkinder.de.

Interview mit Sandra – Aufklärung mit 38 Jahren – Wer war 1982 „Samenspender“ in Tübingen?

Sandra erfuhr erst im Alter von 38 Jahren, dass sie ein Spenderkind ist. Der Arzt, Prof. Dr. Rimbach aus Tübingen, der 1982 den Samen vermittelte, ist 2012 verstorben. Bekannt ist aber, dass er Ehemänner seiner Patientinnen, die ein Kind bekommen hatten, als „Samenspender“ anfragte. Es wäre toll, wenn sich ehemalige Patientinnen, ihre Partner, oder Kinder von Patientinnen bei uns melden (info@spenderkinder.de).

Späte Aufklärung ist nach wie vor ein großes Thema. Erfreulicherweise melden sich auch immer wieder Eltern bei uns, die ihre längst erwachsenen Kinder aufklären möchten. Auch wenn die Aufklärung idealerweise von Anfang an stattfindet, gilt doch das Motto: Besser spät, als nach dem Tod der Eltern oder durch eigene Aufdeckung z.B. über einen DNA-Abgleich. Deshalb haben wir für Eltern Ratschläge zur späten Aufklärung zusammengefasst.

ZDF Terra Xpress „Wer ist mein Vater“ am Sonntag, den 8. August 2021

Am Sonntag, den 8. August, ging es in der ZDF-Sendung Terra unter dem Titel „Wer ist mein Vater? Anonyme Samenspender und ihre Kinder“ (noch in Mediathek abrufbar, Minute 1 bis 12) um die Kontaktaufnahme zwischen Spenderkindern und dem leiblichen Vater bzw. Halbgeschwistern.

Udo gab in den 80er Jahren, 7 Jahre lang alle zwei Wochen, in einer Frauenarztpraxis in Essen Samen ab, damit daraus Kinder gezeugt würden. Jahrzehnte später wird er durch einen Zeitungsartikel darauf aufmerksam, dass viele Spenderkinder auf der Suche nach ihren leiblichen Vätern sind. Udo nimmt Kontakt mit dem Verein Spenderkinder auf und registriert sich in einer DNA-Datenbank, damit seine Kinder ihn finden können. Er erzählt auch seiner Tochter Andrea davon. Die Kinder, die er gezeugt hat, sind ihre Halbgeschwister. 

Christoph erfährt von seiner Mutter, dass er mit Samen aus Essen entstanden ist. So konnte seine Mutter ein leibliches Kind bekommen. Nun ist er auf der Suche nach seinem leiblichen Vater. In einer DNA-Datenbank findet er einen nahen Verwandten.

Sunny entstand in Berlin mit Samen, den der Arzt ihrer Mutter vermittelte. Im Alter von 10 Jahren erfuhr sie davon. Als Erwachsene hat sich Sunny in einer DNA-Datenbank registriert. Auch sie hat einen nahen Verwandtentreffer.

Wir Spenderkinder wünschen uns sehr, dass weitere „Samenspender“ Udos und Peters Beispiel folgen, zu ihren genetischen Kindern stehen und sich am besten in einer DNA-Datenbank registrieren. So können suchende Kinder sie direkt finden. Alternativ freuen wir uns auch, wenn sich ehemalige „Samenspender“ direkt bei unserem Verein melden und zum Beispiel ein Suchprofil auf unsere Homepage setzen.

Rechtliche Ergänzung zum Beitrag: Auf das Recht des Kindes, den Namen seines genetischen Vaters zu erfahren, wies bereits 1970 der Justiziar der Bundesärztekammer im Zusammenhang zur Samenvermittlung hin.Seit 2018 gibt es ein zentrales Register, bei dem Spenderkinder unabhängig von den Ärzten ihrer Mütter Auskunft erhalten können. Anonymitätsversprechen waren hatten aber auch vorher keine rechtliche Grundlage.

ZDF-Doku „Der blinde Fleck in meinem Leben“ am Dienstag, den 13. Juli 2021

Am Dienstag, den 13. Juli, wurde um 22.15 Uhr in der ZDF-Sendereihe 37 Grad die Dokumentation Der blinde Fleck in meinem Leben. Die Ungewissheit einer Samenspende von Julia Kaulbars gezeigt. Darin berichtet auf der einen Seite der ehemalige „Samenspender“ Peter wie er sich für seine genetischen Kinder findbar macht und auf der anderen Seite Spenderkind Astrid von ihrer erfolgreichen Suche nach ihrem genetischen Vater. Die Sendung ist weiterhin über den Link abrufbar.

Peter gab von Mitte der 80er bis Anfang der 90er Jahre in der Samenbank in Essen Samen ab. Er erfährt, dass viele Spenderkinder auf der Suche nach ihren genetischen Vätern sind und entschließt sich daraufhin, sich in DNA-Datenbanken zu registrieren, damit er gefunden werden kann.

Astrid erfährt im Alter von 40 Jahren von ihrer Entstehungsweise, nachdem sie ihr Leben lang das Gefühl hatte, dass etwas in ihrer Familie nicht stimmt. Daraufhin macht sie sich auf die Suche nach ihrem genetischen Vater.

Wir Spenderkinder wünschen uns sehr, dass weitere „Samenspender“ Peters Beispiel folgen, zu ihren genetischen Kindern stehen und sich am besten in einer DNA-Datenbank registrieren. So können suchende Kinder sie direkt finden. Alternativ freuen wir uns auch, wenn sich ehemalige „Samenspender“ direkt bei unserem Verein melden und zum Beispiel ein Suchprofil auf unsere Homepage setzen.

Rechtliche Ergänzung zur Doku: Auch vor 2018 gezeugte Menschen haben ein Recht darauf, zu erfahren, wer ihre leiblichen Eltern sind. Darauf wies bereits 1970 der Justiziar der Bundesärztekammer im Zusammenhang zur Samenvermittlung hin. Bis 2018 gezeugte Spenderkinder sind dazu jedoch auf die Auskunftsbereitschaft der Ärzte angewiesen, die den Samen vermittelten. Deswegen ist es so wichtig, dass es seit 2018 ein zentrales Register gibt, bei dem Spenderkinder unabhängig von einzelnen Ärzten Auskunft erhalten können.

Am Vortag gab es in Verbindung mit einer Vorschau zur Doku ein Interview mit Spenderkindervorstandsmitglied Anne zu psychologischen Aspekten bei Samenvermittlung im ZDF-Servicemagazin Volle Kanne.

Am 30. Mai ist Tag der genetischen Identität

Am 30. Mai ist jedes Jahr der weltweite Tag der genetischen Identität (international genetic identity day). Dieser Tag macht aufmerksam auf das Recht auf genetische Identität. Alle Menschen, auch Adoptierte und Spenderkinder, sollen erfahren können, wer ihre leiblichen Eltern sind. In Deutschland gibt es ein aus der Verfassung abgeleitetes Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung. Trotzdem werden viele Spenderkinder von ihren Eltern nicht über ihre Herkunft aufgeklärt. Viele Spenderkinder erfahren erst von ihrer Abstammung, wenn sie über DNA-Datenbanken Halbgeschwister finden. In vielen Ländern werden Samen und Eizellen immer noch anonym vermittelt. Darunter sind auch einige europäische Nachbarländer wie Dänemark und Tschechien. Das ist problematisch, weil dadurch das Recht eines jeden Kindes, seine leiblichen Eltern zu kennen, nicht anerkannt wird. Dieses Recht steht in der internationalen Kinderrechtskonvention, die von fast allen Staaten ratifiziert wurde.

Die Bilder sind von Friedel Grant, inspiriert durch die ursprüngliche Kampagne der belgischen Spenderkinderorganisation: https://www.donorkinderen.com/