Archiv der Kategorie: Persönliche Eindrücke

Persönliche Wertungen von Mitgliedern des Vereins Spenderkinder zu verschiedenen Themen

Rezension – „Bis ich ihn finde“ (Jugendroman)

„Bis ich ihn finde“ heißt ein im April 2020 erschienener Jugendroman von Christine Fehér, der sich mit dem vermutlich wichtigsten Thema von uns Spenderkindern auseinandersetzt: der Suche nach dem eigenen Vater.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht die sechzehnjährige Ich-Erzählerin Elena Rehwald aus Berlin-Schöneberg. Sie wächst in einer Regenbogenfamilie mit zwei Müttern auf – bzw. ihrer Mutter Conny und ihrer „Co-Mutter“ Manuela, wie Elena es nennt. Während ihre Mutter ihr die Haare geflochten und ihr das Backen beigebracht hat, ist Elena mit ihrer Co-Mutter Motorrad gefahren und hat von ihr Zaubertricks und handwerkliche Fertigkeiten gelernt. Dem Leser wird sie als fröhliches und selbstbewusstes Mädchen vorgestellt mit einer Begeisterung für Handarbeiten und mit Interesse an fremden Ländern. Kurz und gut: sie führt offenbar ein glückliches Leben. Wenn da nicht diese eine Sache wäre: sie hat keine Ahnung, wer ihr Vater ist, denn Elena ist durch eine anonyme Samenspende in Dänemark entstanden.

An Elenas 16. Geburtstag geben sich ihre zwei Mütter offiziell das Ja-Wort, was natürlich groß gefeiert wird. Ausgerechnet auf diesem für alle Nachbarn offenen Hoffest begegnet Elena einem Jungen, der mit seinen intoleranten Sprüchen und seiner wilden, machohaften Art letztlich zum Auslöser für die Vatersuche wird. Noch in der Nacht grübelt sie über ihre Situation nach und hat das Gefühl, sich „erst als vollständig, als ganze Person empfinden [zu können], wenn [sie] weiß, wer er ist.“ Elena spürt: „Jetzt hat es angefangen. Ich bin auf der Suche nach meinem Vater. Und ich werde nicht aufgeben, bis ich ihn gefunden habe.“

Mit der nun beginnenden Suche stößt Elena bei ihren Müttern nicht gerade auf große Begeisterung, vor allem für ihre Co-Mutter ist die Situation nicht einfach und das plötzliche Interesse kaum nachvollziehbar. Verknüpft ist diese Suche mit einer sich anbahnenden „Liebesgeschichte“ zu Rouven – eben jenem Jungen, der sie überhaupt zur Suche motiviert hat. Während er aber eher eine ablehnende Haltung zeigt, wird Elena von Anfang an von ihrer besten Freundin Fabienne unterstützt.

Das Buch zeigt auf, was viele Spenderkinder gut kennen: Die Suche nach dem genetischen Vater nimmt mehr und mehr Raum in Elenas Leben ein. Immer wieder fühlt sie sich daran erinnert, die Konzentration auf anderes, wie z.B. schulische Aufgaben, fällt zunehmend schwerer. Sie geht schließlich auch den vielen Spenderkindern bekannten Weg über einen Gentest und ihr wird bewusst, dass ihre Suche sie auch zu Geschwistern führen könnte.

Ob es Elena letzten Endes gelingt, ihren Vater zu finden, möchte ich hier nicht verraten – das kann jeder selbst nachlesen. Aber sie entdeckt für sich, dass sie trotz der Suche nach ihrem Vater aufgrund der Vielzahl an Beziehungen in ihrem Leben eigentlich „reicher [ist], als [sie] es je zu träumen gewagt hätte“. Und ihren Müttern gegenüber findet Elena zu einer Erkenntnis, die vielleicht nicht allen Spenderkindern vertraut ist: „Ihr beide seid es, die mich für mein ganzes Leben geprägt haben. Ihr seid mein Zuhause und werdet es immer sein.“

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Als potentieller Leser von „Bis ich ihn finde“ muss man sich zunächst zwei Dinge vergegenwärtigen: Es handelt sich zum einen um ein Buch, welches das Thema „Spenderkinder“ für Jugendliche veranschaulicht und zum anderen wurde es in Romanform geschrieben. Es ist kein Sachbuch für erwachsene Spenderkinder! Das hat natürlich Auswirkungen auf die Darstellung des Themas, in der sich vermutlich nicht jeder von uns wiederfinden kann.

Für meinen Geschmack und für die Realität viel zu schnell, aber dennoch immer nachvollziehbar, zeigt die Autorin auf, wie sich Elenas Leben, ihre Beziehungen und sie selbst seit der beginnenden Suche an ihrem 16. Geburtstag grundlegend verändern. Aber dabei bleibt es nicht, denn die Suche hat natürlich auch Einfluss auf Elenas eigene Familie: So wird ihren Müttern bewusst, dass der bislang unbekannte genetische Vater nicht mehr ausgeblendet werden kann.

Es sind uns Spenderkindern sehr vertraute Fragen, welche die Autorin ihre Protagonistin am Anfang und auch während ihrer Suche stellen lässt: Wie wäre es gewesen, mit dem eigenen Vater aufzuwachsen? Wie sieht er aus? Wie lebt er? Was habe ich von ihm „geerbt“?

Hinzu kommen Fragen, die die besondere Situation als Kind einer Regenbogenfamilie widerspiegeln: Hätte sich Elenas Charakter mit einem Mann im Haushalt anders entwickelt? Hätte sie andere Hobbys, Meinungen und Verhaltensweisen?

Geschickt wird dem Leser im Verlauf des Buches durch Zwischentexte deutlich gemacht, dass Elenas Suche eigentlich doch nicht so aus heiterem Himmel begonnen hat, wie es anfangs wirken mag. Schon als kleines Kind hat sie sich mit dem fehlenden Vater befasst, hat versucht diesen „blinden Fleck“ mit Leben zu füllen, ihre heimliche „Suche“ aber als 14-jährige schließlich eingestellt, was Elena „nicht einmal weh [tat]“.

„Bis ich ihn finde“ ist sicherlich dafür geeignet, ein unter Jugendlichen kaum bekanntes Thema einer breiteren Öffentlichkeit zu vermitteln. Ob dabei allerdings so viele Verwicklungen und Nebenschauplätze notwendig sind, wie sie von der Autorin eingebracht werden, ist durchaus zu hinterfragen. So hat Christine Fehér für meinen Geschmack an manchen Stellen vielleicht etwas „dick aufgetragen“ – stellenweise wirkt das Buch wie das Skript einer vorabendlichen „Seifenoper“ im TV! – und die Situation für Elena abseits der Vatersuche komplizierter gemacht, als sie im realen Leben tatsächlich sein würde. Andererseits hat natürlich jedes Spenderkind seine eigene Geschichte und die ist manchmal unglaublich genug.

Ein paar Worte seien mir noch zu einem weiteren im Buch angesprochenen Thema erlaubt: der „Regenbogenfamilie“. Das hier von der Autorin transportierte Rollenbild ist zumindest mal als „schwierig“, besser sogar als „überholt“ einzuschätzen – obwohl Christine Fehér diese Familienkonstellation gleichzeitig als völlig normal deklariert. Leider ist sie dann aber so inkonsequent und schreibt der genetischen Mutter typisch mütterliche Eigenschaften zu, während die „Co-Mutter“ die Vaterrolle zumindest zum Teil übernimmt. Hier wäre doch etwas weniger klischeehaftes Denken angebracht gewesen!

Als Jugendroman ist „Bis ich ihn finde“ meines Erachtens gut gelungen. So einige Unterthemen des Buches lassen sich gerade aufgrund dieser Zielgruppe erklären und auch der sprachliche Stil ist entsprechend: unkompliziert, jugendlich, leicht lesbar. Wer sich davon nicht abschrecken lässt, kann auch als Erwachsener mit dem Buch trotz des letztlich schwierigen existenziellen Themas ein paar schöne Stunden verbringen.

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Als kleinen Nachtrag möchte ich noch anmerken, dass sich mehrfach Rückbezüge auf unsere Homepage und auf andere Spenderkinder und ihre Geschichte finden. Natürlich sind wir im Verein und im Forum eine bunte Mischung mit ganz unterschiedlichen Meinungen und Ansichten zu diesem Thema, aber dennoch empfinde ich die Sicht des Kindes im Buch recht gut dargestellt!

Autor: Jörg

Buchneuerscheinung: Das Regenbogenväterbuch

Das Regenbogenväterbuch ist ein Ratgeber, der sich an schwule Männer richtet, die Vater sind oder darüber nachdenken, es zu werden. Die Möglichkeiten und Herausforderungen, die damit verbunden sind, werden in dem Buch differenziert dargestellt. Dazu trägt auch bei, dass viele verschiedene Menschen an dem Werk mitgearbeitet haben und viel persönliche Erfahrung einfließt.

Besonders erfreulich ist für uns Spenderkinder, dass das Buch keine „How-to…“-Anleitung ist, sondern Männer dazu anregt, sich damit auseinanderzusetzen, wie sie ihr Vatersein jenseits einer randständigen „Samenspender“rolle aktiv gestalten möchten. Umgekehrt wird deutlich gemacht, dass es notwendig ist, auch die Mutter, die jedes Kind hat, zu integrieren.

Wir finden das Buch sehr gelungen und möchten es schwulen Männern und anderen Menschen ans Herz legen. Es ist im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich.

Botschaft von Britta und Dietrich ein Jahr nach ihrem Kennenlernen im Mai 2019

Ein Jahr nachdem Spenderkindermitglied Britta über eine DNA-Datenbank ihren Vater Dietrich gefunden hatte, hat Sunny beide für ihren You-Tube-Kanal Reagenzglasbaby interviewt. Die Botschaft der Beiden hat Sunny extra für unsere Homepage nochmal zusammengefasst:

Britta und Dietrich Mai 2020

Vererbung dringend gesucht – Reproduktionsmedizin wirbt mit Epigenetik

Die Reproduktionsmedizin rechtfertigt den Einsatz von Samen- und Eizellen Dritter zur Erfüllung des Kinderwunsches mit der primären Bedeutung sozialer Beziehungen vor genetischer Verwandtschaft. Logisch beeinträchtigt wurde dies seit jeher dadurch, dass zur weiteren Rechtfertigung auch darauf hingewiesen wurde, dass wenigstens einer der Elternteile mit dem Kind verwandt sein sollte. Außerdem wurde relativ großen Wert darauf gelegt, dass die genetischen Elternteile gut überprüft werden, manche Praxen äußerten gegenüber den Wunscheltern, dass sie nur Akademiker akzeptieren würden. Damit wurde (für die Wunschelternseite!) anerkannt, dass genetische Verwandtschaft Bedeutung besitzt. Nur für die Kinder sollte sie das nicht. Die fehlende genetische Verwandtschaft des nur-sozialen Elternteils bleibt aber eine Schwachstelle in der Familie, die mit einem weiteren genetischen Elternteil entsteht.1

„Liebe lässt sich vererben“

Einige Reproduktionsmediziner verweisen daher auf Epigenetik, um zu suggerieren, dass auch der nicht genetische Elternteil das Erbgut des Kindes beeinflussen könne. So hielt Frau Constanze Bleichrodt, die Geschäftsführerin der Samenbank Cryobank-München und derzeit zweite Vorsitzende des Arbeitskreises Donogene Insemination, auf der Herbsttagung des Beratungsnetzwerks Kinderwunsch Deutschland (BKiD) im letzten Jahr einen Vortrag mit dem Titel „Liebe lässt sich vererben – die epigenetische Prägung des Kindes insbesondere auch im Hinblick auf die Familiengründung mit Gametenspende„.

Den Inhalt des Vortrags von Frau Bleichrodt kenne ich nicht, der Titel orientiert sich offensichtlich an dem populärwissenschaftlichen Buch über Epigenetik „Liebe lässt sich vererben“ von Prof. Dr. Johannes Huber. Allerdings legt der Titel den – nicht zutreffenden – Schluss nahe, dass Eltern Kindern etwas von der eigenen DNA mitgeben könnten, auch wenn sie genetisch nicht verwandt sind. Einen Einblick auf den Inhalt des Vortrags geben möglicherweise zwei andere Quellen: Auf der Internetseite der Cryobank München wird in einem Eingangsgespräch auch informiert „.. über die neuesten Erkenntnisse der Epigenetik und darüber, dass Sie auch „von außen“ durch Liebe und Fürsorge Einfluss auf die Gene Ihres Kindes nehmen können.

Bei der Ablehnung der Bitte eines unserer Mitglieder nach Auskunft über den genetischen Vater verwies Herr Dr. med. Wulf Bleichrodt, Reproduktionsmediziner und Frau Bleichrodts Vater, auf die Forschungen zu Epigenetik und behauptete, das genetische Erbe von Vater und Mutter und deren Familien würde ein Kind nur zu höchsten 10 % „prägen“.2 Dabei entfielen 5 % auf die mütterliche und 5 % auf die väterliche Genetik. Mehr als 90 % würde ein Kind zu dem, was es ist, durch den Einfluss seiner innersten und nächsten Umgebung, in die es hineinwachse. Damit entschieden die Eltern, was aus ihrem Kind im Erwachsenenalter werde. Die Forschung zu Epigenetik wird also auch dazu bemüht, Spenderkindern zu sagen, dass ihre genetische Abstammung nicht wichtig sein sollte.

Was ist Epigenetik?

Epigenetik ist noch ein relativ junger Forschungszweig, der davon ausgeht, dass Umweltbedingungen, wie zum Beispiel intensiver Stress, zu vererbbaren Modifikationen an der DNA führen können, ohne die DNA-Sequenz selbst zu verändern. 3 So soll zum Beispiel eine Hungersnot in der Generation der Großeltern noch die Gesundheit der Generation der Enkelkinder beeinflussen.4 Durch die Umwelteinflüsse wird nicht der genetische Code der DNA verändert, sondern die nur die Ableserate von bestimmten Genen. Man kann es mit einem Buch vergleichen: mit der Epigenetik wird ausgewählt, welche Seiten jemand liest oder lesen kann. Es können aber nur die Seiten aufgeschlagen werden, die sich im jeweiligen Buch befinden – es kommt also nichts Neues dazu.

Allerdings sind die Ergebnisse epigenetischer Forschung bei Säugetieren durchaus umstritten, weil die Studien oft klein sind, die Ergebnisse oft nicht in Folgestudien repliziert werden konnten und unklar ist, ob die Auswirkungen tatsächlich wie behauptet über mehrere Generationen hinweg vererbt werden können.5

Vor allem populärwissenschaftliche Bücher über Epigenetik bemühen gerne einen bisher angeblich vorherrschenden Determinismus, dass die Gene alles bestimmen. Zur Erschütterung verweisen sie auf die (natürlich bewiesenen) Auswirkungen von Umwelteinflüssen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Damit werden aber die epigenetischen Veränderungen eines Menschen gleichgesetzt mit Vererbung über mehrere Generationen hinweg.

Außerdem stützen sich die mir bekannten epigenetische Studien auf traumatische Ereignisse und nicht auf positive Ereignisse. Möglicherweise ist der Einfluss positiver Effekte daher „nur“, dass die DNA nicht negativ beeinflusst wird.

Vererbung durch soziale Einflüsse soll das Kind ein bisschen mehr zum „Eigenen“ machen

Klar und unbestritten ist: die Erfahrungen, die ein Kind mit seinen engen Bezugspersonen macht, bestimmen stark sein späteres Wesen und Selbstwertgefühl.6 Ein Mensch, dessen Grundbedürfnisse als Kind erfüllt wurden, wird auch als Erwachsener mit höherer Wahrscheinlichkeit selbstbewusst und zufrieden sein. Für diesen (natürlich absolut wichtigen!) Einfluss aber Genetik und Vererbung zu bemühen, weist darauf hin, dass vielen Wunscheltern die genetische Verbindung zum Kind wichtig ist und sie das Fehlen dieser Verbindung zu einem Elternteil als Verlust empfinden.

Mit der Behauptung, dass Erziehung sich auch genetisch auswirke, wird der Wunsch ausgedrückt, das Kind möge doch ein bisschen mehr das „eigene“ werden, nämlich auch über Einwirkung auf die (fremden) Gene, als es das tatsächlich ist. Das ist aber irreführend und wäre im Kontext von Werbung unzulässig. Nach den Berufsordnungen der Ärzte ist anpreisende, irreführende oder vergleichende Werbung berufswidrig.7 Diese Verschleierung des fremden Anteils im Kind ist außerdem aus psychologischer Sicht langfristig nicht hilfreich, weil sie verhindert, dass sich die Wunscheltern mit der fremden und nicht so erwünschten Herkunft des Kindes auseinandersetzen und diese Anteile in ihre Familie integrieren.

Nature or Nurture Debatte in neuem Gewand

In der Argumentation von Herrn Dr. Bleichrodt gegenüber einem unserer Mitglieder scheint außerdem die alte „Nature or Nurture“ Debatte wieder auf – die Herr Dr. Bleichrodt mit der Behauptung, dass 90 % der Anlagen auf dem Einfluss der nächsten Umgebung beruhen würden, eindrucksvoll für „Nurture“ entscheidet. Das ist natürlich ein erfreuliches Ergebnis für Wunscheltern, weil es bedeuten würde, dass der fremde genetische Elternteil nur 5 % der Anlagen des Kindes ausmache. Mit dieser Haltung liegt der Schluss nah, dass man diesen vermeintlich so unbedeutenden genetischen Elternteil des Kindes nach der Zeugung ruhig vergessen darf.

Letztlich lässt sich vielleicht auch gar nicht wissenschaftlich eindeutig aufklären, was an einem Menschen auf Vererbung und was auf sozialen und anderen Umwelteinflüssen beruht. Es erscheint unmöglich, dies bei jedem einzelnen Wesenszug oder Interesse eines Menschen objektiv zu klären. Daher kommt es entscheidend auf das Selbstverständnis jedes Einzelnen an – was ihm oder ihr in dem eigenen Leben als einflussreicher erscheint.

Auch in unserem Verein haben Mitglieder dazu unterschiedliche Meinungen: Manche haben sich immer fremd in ihrer Familie gefühlt und führen das auf ihre Abstammung von einem anderen Mann zurück. Manche haben viele Ähnlichkeiten zu ihrem genetischen Vater entdeckt, wenn sie ihn kennenlernen konnten. Es gibt aber auch Mitglieder unter uns, die sagen, dass sie sich auch ihrem sozialen Elternteil sehr nahe fühlen und vieles von ihm gelernt und übernommen haben. Solche Gefühle können nicht richtig oder falsch sein, sie sind einfach da.

Da aber jahrelang Reproduktionsmediziner das Recht von Spenderkindern auf Kenntnis ihrer Herkunft verletzt haben, weil sie entschieden haben, dass die genetische Herkunft für Spenderkinder nicht wichtig sein soll, ist es besonders bevormundend, weiterhin die Bedeutung des genetischen Elternteils zu marginalisieren, obwohl mittlerweile hinreichend bekannt sein sollte, dass niemand für einen anderen Menschen die Bedeutung der genetischen Elternteile vorgeben kann.

Eltern sollten nicht erwarten, sich in Ihren Kindern verewigen zu können

Den Vortragstitel finde ich aber auch in zwei weiteren Aspekten ziemlich ärgerlich.

Mit „Liebe lässt sich vererben“ wird quasi vorausgesetzt, dass Spenderkinder in liebevollen Familien aufwachsen. Dahinter steht die altbekannte Erwartung: Du bist ein Wunschkind – dann hast Du es doch besonders gut. Ein Satz, der viele Spenderkinder regelmäßig nervt. Viele Eltern lieben ihr Kind und sind trotzdem nicht fähig, gute Jeden-Tag-Eltern zu sein. Und manchmal merken die nur-sozialen Elternteile leider auch, dass es ihnen schwerer fällt als geplant, das nicht von ihnen abstammende Kind anzunehmen.

Ich finde es außerdem schwierig, wenn Eltern versuchen, ihre Kinder zu „prägen“, sich in ihren Kindern zu verewigen, etwas zu hinterlassen, sie zu beeinflussen. Das sind (recht egoistische) Interessen der Eltern. Diese Wünsche können durchaus enttäuscht werden, selbst wenn beide Eltern genetisch mit dem Kind verwandt sind. Je nach Zusammensetzung der Gene kann ein Kind den Eltern ähnlich oder auch ziemlich verschieden von ihnen sein.8 Das gilt sowohl für äußere Ähnlichkeiten als auch für Wesen und Interessen. Schon zwischen Geschwistern bestehen oft erhebliche Unterschiede. Sollte es nicht die Aufgabe von Eltern sein, die Individualität ihres Kindes zu akzeptieren und zu fördern und nicht, Ähnlichkeit zu einem selbst zu erwarten?

Das gilt besonders für eine Familiengründung mit einer oder einem Dritten als genetischem Elternteil des Kindes. Wie bei allen anderen Eltern auch, kann das Kind dem unbekannten genetischen Elternteil ähnlich sein. Es ist wichtig, dass das Kind dann nicht von den Eltern das Gefühl vermittelt bekommt, dass diese Ausprägungen unerwünscht sind, weil sie am liebsten vergessen möchten, dass sie ihre Familie mit einem dritten Menschen gegründet haben.

  1. Sie schafft ein Ungleichgewicht zwischen den Wunscheltern und auch gegenüber dem Kind. Studien zufolge reagiert der nicht-genetische Elternteil wesentlich sensibler, wenn das Kind nach seinen genetischen Verwandten sucht – Scheib J, Riordan M, Rubin S (2005) Adolescents with open-identity sperm donors: reports from 12–17 year olds. Human Reproduction (1) 20, S. 239–252, S. 249; Isaksson S et al. (2011) Two decades after legislation on identifiable donors in Sweden: are recipient couples ready to be open about using gamete donation? Human Reproduction, (4) 26 S. 853–860, S. 855. []
  2. „Prägung“ ist in diesem Zusammenhang inhaltlich eigentlich nicht passend, weil es eine Form des Lernens beschreibt, bei der die Reaktion auf einen bestimmten Reiz der Umwelt derart dauerhaft ins Verhaltensrepertoire aufgenommen, dass diese Reaktion wie angeboren erscheint und daher nichts mit Epigenetik zu tun hat: Die genetisch begründete Form des „Imprinting“ (die auf Deutsch manchmal irreführenderweise mit „Prägung“ übersetzt wird) hat auch nichts mit Epigenetik zu tun. []
  3. z. B. Venney u.a., DNA Methylation Profiles Suggest Intergenerational Transfer of Maternal Effects,
    Mol Biol Evol. 2020 Feb 1;37(2):540-548. []
  4. Die sogenannte Överkalix Studie: Bygren, Lars O. et al.: Change in Paternal Grandtmothers‘ Early Food Supply Influenced Cardiovascular Mortality of the Female Grandchildren, BMC Genetics 15 (2014), S. 12 ff., Eine Folgestudie aus dem Jahr 2018 bestätigte einen Teil der Ergebnisse: Vågerö u. a., Paternal grandfather’s access to food predicts all-cause and cancer mortality in grandsons, Nature Communications volume 9, Article number: 5124 (2018). []
  5. Edith Heard and Robert A. Martienssen, Transgenerational Epigenetic Inheritance: myths and mechanisms https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4020004/; Carl Zimmer, She has her mother’s laugh. The Power, perversions, and Potential of Heredity. Picador 2018, S. 434; SWR2 Verändert der Lebensstil die Vererbung? []
  6. z. B. Stefanie Stahl, Das Kind in dir muss Heimat finden, 9. Aufl., Kailash 2015, S. 14. []
  7. Unser Verein hat sich bereits bei einer Ärztekammer wegen irreführender und anpreisender Werbung für „Samenspende“ beschwert. []
  8. Largo, Kinderjahre – die Individualität des Kindes als erzieherische Herausforderung, S. 68. []

VICE berichtet am 29. Januar 2020 über Britta und Dietrich

Das Online-Magazin der VICE berichtete am 29. Januar 2020 unter dem Titel „Samenspende: Wie Britta ihren Vater kennenlernte“ über die Geschichte von Britta und Dietrich.

Spenderkinder-Mitglied Britta identifizierte ihren Vater DIetrich im Mai 2019 über eine DNA-Datenbank. Beide haben sich über den Treffer gefreut, auch Dietrichs Frau wusste von Anfang an Bescheid und unterstützte das Kennenlernen der Beiden. Beste Voraussetzungen also auf allen Seiten.

In dem Artikel beschreiben Britta und Dietrich sehr ehrlich ihre Gedanken und Gefühle, von der Entscheidung „Samen zu spenden“ bis zu ihrem Kennenlernen und der großen Herausforderung, die gefundenen Verbindungen in den Alltag zu integrieren.

Der Artikel widmet sich damit einem Thema, das Spenderkinder und ihre Verwandten zunehmend beschäftigt: Wie geht es weiter, wenn der genetische Vater und Halbgeschwister gefunden wurden? Wie entwickeln sich die emotionalen Beziehungen zueinander weiter? Welcher Platz ist im Alltag füreinander?

Spenderkinder ist zehn Jahre alt!

Etwas unbemerkt ist am 18. Juli 2019 das zehnte Jubiläum der Gründung unseres Vereins verstrichen. Das möchten wir zum Anlass für einen Rückblick nehmen, wie sich unser Verein, aber auch die persönliche Geschichte einiger unserer Gründungsmitglieder entwickelt hat.

Ein kleines Treffen mit wenigen Teilnehmerinnen und wichtigen Themen

Unser Gründungstreffen am 18. Juli 2009 fand in Göttingen mit fünf Teilnehmerinnen statt – die übrigen Unterschriften der Gründungsmitglieder mussten per Post eingeholt werden. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir insgesamt nur zwanzig Mitglieder. Beim Treffen haben wir darüber geredet, wie wir ein nationales DNA-Register starten könnten, um unsere genetischen Väter und Halbgeschwister finden zu können. Wir wussten, dass es so etwas in den Niederlanden und Großbritannien gibt, wussten aber, dass eine Übertragung insbesondere wegen der Datensicherheit schwierig wäre. Von den neuen DNA-Datenbanken aus den USA wussten wir damals noch nicht, sie waren noch nicht sehr bekannt und noch sehr teuer. 

Außerdem ging es bei dem Treffen um den Namen Spenderkinder und das Logo – beides entwickelt von Dana. 

Ich hatte schon mehrere Jahre in einer Hochschulgruppe von Amnesty International gearbeitet und daher Erfahrungen mit ehrenamtlicher Arbeit in Gruppen. Mir war bewusst, dass wir noch ganz am Anfang stehen, auch weil bei uns nur Spenderkinder Mitglied werden konnten und viele nichts von ihrer Zeugungsart wussten. Etwas alleine zu bewegen ist schwierig die Motivation kommt vor allem aus dem Austausch mit anderen engagierten Personen. Ich habe gehofft, dass sich alle einbringen und weitere engagierte Personen zu uns stoßen werden und so war es. Stina

Wenn ich an 2009 zurückdenke – da war ich 25 und gerade mit dem Studium fertig. Ich hatte den Eindruck, dass unser Verein eher als „Kinder“ wahrgenommen wurde, einfach auch deshalb, weil viele von uns noch recht jung waren. Anne

Zehn Jahre später

Zehn Jahre später hat unser Verein fast 200 Mitglieder, in Deutschland gibt es seit Mitte 2018 ein Spenderkinder-Register, und die rechtliche Situation wurde durch mehrere Gerichtsurteile in unserem Sinne geklärt. 

Ein Aspekt, der für mich persönlich in den letzten 10 Jahren die größten Veränderungen gebracht hat, ist die neue Öffentlichkeit für das Thema durch die kontinuierliche Arbeit im Verein und all die mutigen Leute, die bereit waren, mit den Medien zu arbeiten und an die Öffentlichkeit zu gehen mit ihrer Geschichte. Für mich ist das direkt spürbar gewesen. Als ich den 90er Jahren jemandem erzählt habe, dass ich Spenderkind bin, war das immer etwas GAAAAANZ besonderes und die Leute (ausnahmslos positive Reaktionen) waren total erstaunt und neugierig. Und heute ist Reaktion meist sehr abgeklärt: „Ach so, ja, hab ich letztens eine Doku drüber gesehen!“ – meist ein Medienbericht von jemandem aus dem Verein. Dana

Die Bezeichnung Spenderkinder hat sich trotz Widerstands von einigen Wunscheltern und Beratungsfachkräften etabliert und wird ganz selbstverständlich auch von öffentlichen Stellen verwendet. 

Mittlerweile sind viele von uns selbst Eltern, wir sind im Berufsleben angekommener und in einem Alter, in dem es anderen Menschen leichter fällt, uns als Erwachsene wahrzunehmen.  Anne

Wir sind politisch deutlich sichtbarer geworden und werden fachlich einbezogen. Wir waren als Sachverständige im Deutschen Bundestag, halten regelmäßig Vorträge bei Fortbildungsveranstaltungen für Adoptionsfachkräfte und haben Aufsätze veröffentlicht. 

Im Laufe der letzten 10 Jahre sind wir mit unserer Erfahrung gewachsen, routinierter geworden, haben Abläufe entwickelt für Medienanfragen, wir haben journalistische und politische Kontakte, auf die wir zurückgreifen können. Die Anfragen neuer Mitglieder wurden irgendwann so viele, dass dafür ein extra Vorstandsmitglied zuständig ist. Wir haben insgesamt viel mehr Wissen gesammelt. Anne

Auch inhaltlich haben wir uns stark weiter entwickelt: zu vielen Themen haben wir differenzierte Informationen und Stellungnahmen veröffentlicht. Ein besonderes Anliegen und eine oft auch persönliche Entwicklung stellte dar, die vorgegebenen Wertungen zu den verschiedenen ethischen und psychologischen Aspekten von „Samenspende“ zu hinterfragen. Das betrifft zum einen Begrifflichkeiten wie „Spender“, aber auch Erwartungen wie dass der soziale Vater doch der „richtige“ Vater sei und ein Spenderkind kein Interesse vom genetischen Vater erwarten könne und schon dankbar für ein kurzes Treffen sein solle. 

International haben wir mit Donor Offspring Europe eine europäische Plattform zur Vernetzung mitgegründet.

Persönliche Entwicklungen

Auch persönlich hat sich viel bei uns entwickelt – viele unserer Mitglieder haben Halbgeschwister oder ihren genetischen Vater gefunden. 

Bei der Vereinsgründung hätte nie jemand voraussehen können, dass uns die technische Entwicklung diese Türen öffnen würde… Wenn wir ehrlich sind, wäre das sonst ein ganz schönes Trauerspiel wie viele Spender haben sich denn schon gemeldet? Da hätten wir heute vielleicht 3-4 Matches Und dank der DNA-Datenbanken konnten wir all diejenigen finden, die uns nicht gesucht haben 😉 Und das hat ja auch mir letztlich den Halbbruder-Match ermöglicht diese Erfahrung hat mir extrem viel gebracht! Dana

Seit 2018 sind unsere Verwandtentreffer über DNA-Datenbanken rasant angewachsen, was mich unglaublich freut. Ich selbst habe auf diese Weise drei Halbgeschwister gefunden. 2011, als wir uns FamilyTreeDNA angeschlossen hatten, hatte ich den DNA-Test dort eher gemacht, um nichts unversucht zu lassen. Mit solch einer Trefferquote hatte ich nicht gerechnet.  Anne

Vor zehn Jahren habe ich eigentlich nicht damit gerechnet, dass ich je herausfinden werde, wer mein genetischer Vater ist. Ich dachte, das ist wie eine Nadel im Heuhaufen zu suchen. Mein Ziel war eher, das System zu verändern, damit nicht weiter die Rechte von Spenderkindern verletzt werden. Und dann habe ich im Dezember 2017 Ancestry und 23andme gemacht und die Wahrheit herausgefunden: Ich hätte mir nie träumen lassen, dass Herr Prof. Katzorke, der meiner Erinnerung nach wegen seiner kontroversen Äußerungen und abschottenden Informationspolitik auch bei unserem Gründungstreffen Thema war, mein genetischer Vater ist. Auch wenn mit dieser Vorgeschichte eine positive Beziehung nicht möglich war, bedeutet es mir unglaublich viel, nicht mehr diese Leerstelle zu haben. Auch mein persönlicher Umgang mit meiner Zeugungsart hat sich verändert: nachdem ich anfangs sehr darauf bedacht war, meine Identität nicht öffentlich zu machen, habe ich mich langsam geöffnet und gehe inzwischen absolut offen damit um und wurde durch viele positive Begegnungen darin bestärkt. Stina

Dass auch so viele unserer älteren Mitglieder mittlerweile ihre genetischen Väter finden konnten, stimmt mich sehr optimistisch, dass dies vielen anderen auch noch gelingen wird. Dieser Trend zeigt sich ja auch international. Das kehrt in meiner Wahrnehmung die Machtverhältnisse fast ein bisschen um – erst hatten Ärzte die Macht, unsere Verwandtschaftsverhältnisse vor uns geheimzuhalten, jetzt ist die Technik auf unserer Seite, mehr und mehr Verwandtschaftsverhältnisse aufzudecken. Dadurch steigt auch die Zahl der aufgeklärten Spenderkinder, die sich selbst äußern können, wie die kürzliche erstmalige Präsentation von Spenderkindern vor der UN zeigte. Anne

Ausblick

Ich bin sehr stolz, dass wir mit dem Verein etwas gegründet habent, dass das Leben vieler Menschen positiv beeinflusst hat und viel verändert hat. Wenn ich eine Nachricht erhalte, dass eins unserer Mitglieder den Vater oder Halbgeschwister gefunden hat, erfreut mich das den ganzen Tag. Stina

Aber trotz unserer erfolgreichen Vereinsgeschichte gibt es im öffentlichen Bewusstsein, aber auch bei den anstehenden politischen Entwicklungen noch viel zu tun. So steht die Reform des Abstammungsrechts immer noch auf der politischen Agenda und der Druck von Wunscheltern und der Reproduktionsmedizin ist stark, hierbei den Wünschen der Wunschelternteile, dass ihnen ein bestimmtes Kind zugeordnet werden möge, eine sehr starke Bedeutung zuzumessen und in Deutschland bislang nicht zugelassene Verfahren wie die Eizellvermittlung und die Leihmutterschaft zuzulassen. Wir hoffen, dass die Erfahrungen aus der Vergangenheit aufgegriffen werden und die Bedeutung der genetischen Elternteile für das Kind nicht erneut unterschätzt wird. Wichtige Erkenntnis aus 50 Jahren Samenvermittlung in Deutschland: Niemand kann für einen anderen Menschen festlegen, wie wichtig ihm seine genetischen Elternteile sind.

Auch im persönlichen Bereich sind die Entwicklungen noch nicht abgeschlossen:

Wir haben viel erreicht, aber mindestens ebenso viel liegt noch vor uns: Für mich selbst heißt es weiter „Finden“. Gleichzeitig finde ich für unseren Verein aber auch das Thema spannend „Gefunden – und nun?“ – also die Frage, wie es danach eigentlich weitergeht, denn Kontaktaufnahme, Kennenlernen, Integration stellen ja weitere Herausforderungen dar, über die bisher kaum etwas bekannt ist. Anne

Britta bei Leeroy Matata auf YouTube

Spenderkinder-Mitglied Britta wurde von Leeroy Matata auf YouTube über die Suche nach ihrem genetischen Vater interviewt.

Das Video ist seit dem 20. November 2019 online und hatte in den ersten zwei Tagen bereits über 300.000 Aufrufe. Britta wusste schon 11 Jahre lang, dass sie einen anderen genetischen Vater hat, bevor sie sich auf die Suche machte. Ihr hat es geholfen, mit anderen über das Thema zu sprechen. Nun möchte sie anderen Spenderkindern Mut machen, sich auf die Suche nach ihren Wurzeln zu machen.

Brittas Geschichte bei 95.5 Radio Charivari

Radio Charivari hat Münchner aufgerufen, ihre bewegensten Geschichten zu erzählen. Die Geschichte von Spenderkinder-Mitglied Britta wurde am 28. Oktober 2019 ausgestrahlt und kann auf der Seite des Senders und über unsere Seite leicht variiert nachgehört werden:

Die meisten Spenderkinder kostet es große Überwindung, ihre eigene Geschichte in der Öffentlichkeit zu erzählen. Brittas Geschichte ist in 5 Minuten knapp gefasst und erreicht hoffentlich viele Menschen. So wie Britta suchen nicht alle Spenderkinder sofort nach ihrem leiblichen Vater. Es gehört einiges an Zuversicht dazu, sich auf die Suche nach der sprichwörtlichen „Nadel im Heuhaufen“ zu machen.

Brittas Geschichte zeigt auch, dass, nur weil Menschen sich ein Kind wünschen, nicht automatisch sichergestellt ist, dass sie gut für ein Kind sorgen werden. Es gibt viele Gründe, sich ein Kind zu wünschen und kaum jemand kann vorher abschätzen, was es wirklich bedeutet, ein Kind zu haben. Ein Kind zu haben, das einen weiteren genetischen Elternteiln mitbringt, obwohl man vielleicht selbst gerne auch leiblicher Elternteil geworden wäre, ist eine große Herausforderung – auch, oder vielleicht sogar erst recht, für Wunscheltern.

Der Titel „Ich habe 100 Geschwister“ ist etwas irreführend, Britta hat sich auf die Suche nach ihren Geschwistern gemacht, sie weiß aber nicht, wie viele es sind. Auch wenn wir hoffen, dass es in der Regel weniger als 100 sind, wissen wir, dass es auch Fälle gibt, in denen eine solche Anzahl von Kindern durch einen Mann im Rahmen ärztlicher Samenvermittlung erzeugt wurde. Bislang gibt es leider keine rechtsverbindliche Obergrenze.

Den DNA-Test bieten wir natürlich nicht als Verein an, sondern wir empfehlen verschiedene DNA-Tests. Die meisten unserer Mitglieder sind in der DNA-Datenbank FamilyTreeDNA registriert.

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Das unglaubliche Happy-End der Geschichte kann allen Spenderkindern Mut machen, dass es auch sympathische ehemalige „Samenspender“ gibt, die zu den Kindern, die durch sie entstanden sind, stehen.

Auf der Seite des Radiosenders kann auch ein Beitrag von Brittas genetischem Vater angehört werden.

 

Svens Geschichte in der Radiosendung „Einhundert“ bei Deutschlandfunk Nova

In der Radiossendung „Einhundert“ bei Deutschlandfunk Nova geht es am 20. Oktober um das Thema Identität. Spenderkinder-Mitglied Sven erzählt, wie er mit 34 Jahren seinem Gefühl nachging und herausfand, dass er in der ehemaligen DDR durch ärztliche Samenvermittlung entstand, wie er seine familiäre Situation als Kind erlebt hat und wie er sie heute erlebt.

Die Sendung kann als Podcast nachgehört werden und ist auch zum Download verfügbar.

Svens Geschichte macht deutlich, wie facettenreich diese Familienform ist. Nicht-aufgeklärte Spenderkinder können trotzdem Irritiationen in der Familie wahrnehmen, die sie aber nicht einordnen können, weil sie gar nicht auf die Möglichkeit der Samenvermittlung kommen. Die Klärung wird daher oft auch als Erleichterung wahrgenommen, weil der Mensch seinen Gefühlen wieder trauen kann.

Bücher zur Aufklärung von Spenderkindern über ihre Entstehungsweise

Unserer Ansicht nach sollten Spenderkinder von Geburt an im Wissen um ihre Entstehungsweise und Herkunft aufwachsen. Aufklärung verstehen wir daher als einen Prozess von Anfang an – und nicht als einen Zeitpunkt, zu dem das Spenderkind die Wahrheit erfährt. Für Spenderkinder sollte es nie eine Zeit geben, in der sie nicht von ihre Entstehungsweise wussten. Aufklärung sollte daher kein einmaliges Gespräch sein – sondern sie sollte immer wieder Thema sein und auch von Eltern aktiv zum Thema gemacht werden (denn es gibt Kinder, die würden nie fragen). Mehr zum Thema Aufklärung haben wir in einem eigenem Beitrag zusammengetragen.

Für die Aufklärung braucht es eigentlich kein Buch: Entscheidend ist, dass die Eltern selbst erstmal Worte für sich finden und üben, über das Geschehen zu sprechen. Wenn sie das untereinander besprechen können, können sie es auch ihrem Kind erklären.

Bücher können aber den Eltern bei der Aufklärung helfen, denen es noch schwer fällt, ihre Geschichte in eigene Worte zu fassen. Aus unserer Sicht gibt es kein uneingeschränkt empfehlenswertes Buch für Kinder speziell zur Familiengründung mit Hilfe eines oder einer Dritten (oder „Spenders“), da sie sehr elternzentriert geschrieben sind.Fast alle versuchen mehr oder weniger ausdrücklich, die Bedeutung des genetischen Vaters oder der genetischen Mutter zu minimieren. Meistens wird er nur als ein „anderer Mann“ oder ein „netter Mann“ erwähnt (bzw. in dem Buch über Eizellspende als „nette Frau“). Sicher ist es immer noch besser, mit diesen Büchern über die Samenspende zu sprechen als gar nicht, aber wir würden uns Bücher wünschen, die auch dem genetischen Elternteil einen legitimen Platz einräumen. Uns gefallen aber viele der allgemeineren Bücher zu Sexualaufklärung und Vererbung, die sich als Anlass anbieten, die eigene Geschichte locker einzubinden.

Wir möchten einige der Bücher vorstellen – auch diejenigen, die wir für weniger empfehlenswert halten, weil sie von anderen Stellen regelmäßig empfohlen werden.

I. Bücher, die wir für empfehlenswert halten:

Wie entsteht ein Baby – ein Buch für jede Art von Familie und jede Art von Kind (Cory Silverberg)

Das Buch „Wie entsteht ein Baby“ legt den Fokus der Aufklärung auf Ei und Samenzelle und nicht auf die Menschen selbst. Es erzählt keine richtige Geschichte, sondern spricht eher von Themen und stellt Fragen. Es wird von Menschen mit Gebärmutter gesprochen, von Menschen mit Eizellen oder Samenzellen, die Geschichten enthalten und von Menschen, die sich auf das Baby gefreut haben. So können verschiedene Familienformen und verschiedene Entstehungsgeschichten und Geburten selbst angepasst werden – weil bei allen Menschen eines gleich ist: sie entstehen aus Ei- und Samenzelle. Und es fragt nach Menschen, die dabei geholfen haben, dass die Ei- und die Samenzelle zusammen kamen und nach Menschen, die glücklich waren, dass ausgerechnet dieses Kind dabei entstanden ist.

Das Buch enthält starke Farbkontraste und ist modern gezeichnet. Das gefällt vielleicht nicht jedem (oder manchen deswegen umso mehr). Thematisch ist es aus unserer Sicht aber gut gelungen, weil es vielfältig ist und Platz für jede Form von Familie lässt, ohne dass Homosexualität, „Samenspende“, Adoption oder ähnliches erwähnt werden.

Alles Familie (Alexandra Maxeiner und Anke Kuhl)

Unter dem Motto, das jede Familie einzigartig ist, stellt das mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Buch „Alles Familie“ unterschiedliche Verwandtschaftsbeziehungen und Familienkonstellationen kindgerecht vor, begleitet von Zeichnungen im Comic-Stil. Es kommen vor: Großfamilien, Patchworkfamilien, Alleinerziehende, Scheidungsfamilien, Adoption, Pflegekinder, verwaiste Kinder. Es geht auch um Vererbung und was Familie bedeutet (besondere Nähe, aber auch regelmäßig Streit). Über eine Reproduktionsklinik vermittelte Samen- oder Eizellen kommen nicht vor, aber eine Co-Parenting Familie mit zwei lesbischen und zwei schwulen Eltern. Hieran kann man zum Beispiel anknüpfen und dem Kind erklären, dass es bei ihm so ähnlich war, weil Mama und Papa auch nicht zusammen ein Kind bekommen konnten und deswegen die Spermien von einem anderen Mann genommen haben. Vom Alter her funktioniert das Buch aber frühestens ab vier, da es relativ viel Text beinhaltet.

„Meine ganze Familie: Was den Urmenschen und mich verbindet. Alles Wichtige über Generationen“

Das Buch handelt von Abstammung, Herkunft, Vererbung und Evolution und inwiefern wir alle ein bisschen miteinander verwandt sind. Es ist vom Stil her sehr ähnlich zu „Alles Familie“ und eignet sich ebenfalls gut zur Anknüpfung, dass ein Spenderkind Merkmale von seinen genetischen Eltern erbt, andere Sachen wie Traditionen oder Kultur aber sozial vermittelt werden.

II. Bücher, die wir nur eingeschränkt für empfehlenswert halten:

Die Geschichte unserer Familie (Petra Thorn)

Petra Thorn hat verschiedene Versionen eines Aufklärungsbilderbuches zur „Samenspende“ für Hetero-Eltern, ein lesbisches Paar oder Solo-Mütter geschrieben, die man sich zusammen mit dem Kind ansehen kann.

Das Buch für Hetero-Eltern trägt den Untertitel „Ein Buch für Familien, die sich mit Hilfe der
Spendersamenbehandlung gebildet haben“. Den Samen eines fremden Mannes zur Erfüllung des Kinderwunsches zu verwenden, stellt jedoch keine Behandlung dar. Die Darstellung vermittelt recht deutlich eine Wertung der Situation und Position der beteiligten Menschen: Die Eltern werden als furchtbar traurig dargestellt, und dann gehen sie zu einem Arzt, bei dem sie hoffen dass er ihnen helfen kann und der einen anderen Mann fragt, ob der nicht seinen Samen schenken möchte. Damit wird klargestellt, dass die Eltern auf jeden Fall Mitleid in ihrer Situation verdienen und der Arzt der Erlöser ist. Der genetische Vater des Kindes wird lediglich als „anderer Mann“ eingeführt und dann nicht weiter erwähnt. Er soll erkennbar keine zu große Rolle spielen. Völlig unklar bleibt sein Bezug zum Kind, ob er sich das Kind auch gewünscht hat. Unerwähnt bleibt auch, dass das Kind den anderen Mann kennenlernen kann und ob er sich darüber freuen würde.

Im Buch für Solo-Mütter heißt es erst, die Mama habe keinen Mann gefunden, der auch ein Kind gewollt habe. Dann sei sie zum Arzt gegangen, der dann einen Mann gefunden habe, der ihr Samen gibt. Aus Kindersicht steht jetzt die unausgeschriebene Frage im Raum, ob dieser Mann denn wohl ein Kind gewollt habe. Das Recht des Kindes, seine genetischen Eltern zu kennen, wird ebenfalls nicht erwähnt.

Zwei Mamas für Oscar: Wie aus einem Wunsch ein Wunder wird (Susanne Scheerer)

Das Buch erzählt die Kinderwunschgeschichte eines lesbischen Paares mit einem privaten „Spender“. Es erklärt aber auch, wie Kinder im Allgemeinen entstehen. Das Buch ist schön illustriert und die Texte sind einfach und daher auch für jüngere Kinder geeignet. Die Figuren sind modern: es gibt diversifizierte Hetero-Paare, tätowierte Hipster-Samenspender, Regenbogenfamilien usw. Die Aufklärungsbilder sind angenehm explizit. Die „Samenspende“ selbst steht gar nicht so sehr im Vordergrund, sondern eher das Anliegen, die Regenbogenfamilien als gleichwertig und gesellschaftlich normal zur gewohnten Kernfamilie darzustellen.

Das Anliegen ist nachvollziehbar. Was uns an dem Buch aber nicht gefällt, ist dass der Wunsch der beiden Mütter als so übermächtig dargestellt wird, dass fast befürchtet wird, dass die beiden Frauen Lina und Bine sterben („Und wenn ein Wunsch immer größer wird und nicht in Erfüllung geht – dann ist irgendwann nur noch der Wunsch da und die große Traurigkeit, und man selbst löst sich vor lauter Sehnen einfach auf“). Es scheint daher nur noch darum zu gehen, wie man das Leid der Wunscheltern endlich beenden kann. Der private „Spender“ Hans und seine Partnerin entscheiden sich daher dafür, den beiden etwas von seinem Samen zu geben. Es wird so dargestellt, als hätten sich alle vier gemeinsam für das Baby entschieden. Mit der übermächtigen Wunschvorgeschichte ist das jedoch unglaubwürdig. Hätten sie denn eine andere Wahl gehabt?

Die Zeugung wird eindeutig als Vorgang zwischen den beiden Frauen definiert: „Bine hat dann dem Samen geholfen, das Ei zu finden. Also haben die beiden Mamas zu zweit das Baby gemacht.“ Das Bedürfnis der beiden Frauen ist nachvollziehbar, den Mann aus ihrem Liebesakt herauszuhalten. Aber zur Entstehung des Kindes hat er dennoch beigetragen.

Am Ende freuen sich alle vier über Oscars Geburt. Das ist einerseits schön, weil es zeigt, dass alle eine Beziehung zu Oscar haben. Es verbleibt aber dennoch ein schaler Nachgeschmack, weil der Wunsch so drängend dargestellt wurde, dass es nicht wie eine freue Entscheidung von Hans und Leonore wirkt. Dass Hans der Vater von Oscar ist, wird an keiner Stelle erwähnt.

Wie Lotta geboren wurde (Ka Schmitz und Cai Schmitz-Weicht)

Das Buch „Wie Lotta geboren wurde“ ist schon 2013 erschienen und wird für Kinder ab zwei Jahren empfohlen. Es thematisiert Transgeschlechtlichkeit, auch wenn diese weder explizit erwähnt noch umschrieben wird, und vermeidet Geschlechtsrollen: es ist von Menschen statt von Frauen und Männern die Rede. Der Ansatz, von Menschen, die sich nicht in der Zweigeschlechtlichkeit einordnen möchten, ist nachvollziehbar, aber es irritiert daher, dass Lotta dann einen „Papa“ hat. Schön ist, dass der Freund, der Lottas Papa den Samen schenkte, am Ende wieder erwähnt wird, dass er sich freute, dass Lotta geboren war.

Seine Rolle ist jedoch trotzdem sehr randständig: Er wird bezeichnet als „netter Freund“ (von Lottas Papa), der ihm ein paar Samenzellen schenkt. Die Schwangerschaft scheint allein Lottas Papa zu betreffen, er gibt ihr auch den Namen, erst als Lotta geboren ist, taucht der „nette Freund“ wieder auf um sich zu freuen, wie auch die Omas und Opas. Trotzdem fragt man sich, ob Lotta eigentlich zwei Eltern hat, die für sie da sind.

The Pea that was me – an Egg Donation Story (Kimberly Kluger-Bell)

In dem Buch für Kinder ab drei erzählt ein Kind, dass es früher eine Erbse war und wie es in den Bauch der Mutter gekommen ist. Das Buch ist sehr elternzentriert geschrieben: die Eier haben nicht richtig funktioniert, deswegen gehen Mama und Papa zu einem Arzt, der eine wunderbare Idee hat: er findet eine sehr nette Frau, die viele Extra-Eier hat, die sie der Mutter schenkt (in einem Geschenkpaket). Mit der Hilfe von dem sehr netten Arzt, der sehr freundlichen Frau (die auch Spenderin genannt wird), Papas Samen und Mamas Bauch wurde dann aus der Erbse das Mädchen. Der Arzt ist sehr nett, die Frau auch, die Beziehung der Erzählerin bleibt unklar. Die grünen Zeichnungen sind außerdem vermutlich nicht jedermann Sache. Das Buch gibt es nur auf Englisch, aber auf den Seiten wäre genug Platz, um eine deutsche Übersetzung darunter zu schreiben.

Das Geheimnis des ehrenwerten Hauses (Stefan Remigius)

Im Rahmen einer Detektivgeschichte für Kinder ab acht Jahren geht es um verschiedene Familienformen wie Adoption und „Samenspende“. Allerdings ist auch dieses Buch stark von der Elternperspektive geprägt. So findet eine Auseinandersetzung mit den Fragen und Problemen nicht statt, die erst nach Jahrzehnten für die Kinder und in den Familien auftauchen, wie zum Beispiel ob die Kinder einen Kontakt zu ihren genetischen Eltern aufbauen können. Acht Jahre ist außerdem unseres Erachtens ein zu später Zeitpunkt für die Aufklärung. Das Buch eignet sich also eher, um das Thema ein weiteres Mal zur Sprache zu bringen.

Mama + Mamusch – Ich bin ein Herzenswunsch-Kind (Helene Düperthal und Lisa Hänsch)

Das Buch ist für Kinder ab etwa fünf mit lesbischen Eltern geschrieben und ist extrem elternzentriert. Das Buch soll unter anderem von dem Glück erzählen, „als Herzenswunsch-Kind geboren worden zu sein und aufwachsen zu dürfen.“ Damit wird vermittelt, dass gewünschte Kinder besonders glücklich sind und dankbar für ihre Existenz sein sollten – ein Gedanke, denn wir für sehr schwierig halten (siehe 12 Bemerkungen, die Spenderkinder nerven).

Erzählt wird die Geschichte anhand des ersten Schultages von Ana, die ihre Familie malen und vorstellen muss. Sie bezeichnet sich und ihren Bruder als Wunder-Wunsch-Kinder und ihre Mama und Mamusch als Wunder-Wunsch-Eltern. Später fragt ihr Klassenkamerad Tim genauer nach, weswegen sie zwei Mamas hat. Ana erinnert sich dann, wie Mama und Mamusch ihr erzählt haben, wie sie in den Bauch der Mama kam: Sie und Mamusch hätten sich auf die Suche nach einem Mann gemacht, der ihnen helfen kann. Sie hätten jemanden gefunden, der gespürt habe, wie stark ihre Sehnsucht sei. Er wäre ganz lieb gewesen und habe ihnen ein bisschen von seinem Samen gespendet. Mehr erfährt man von dem Mann nicht – auch nicht, welche emotionale Beziehung er zu Ana und ihrem Bruder und den Müttern hat.

Später freuen sich Ana und Tim, dass sie die besten Eltern der Welt haben und wissen, dass es ein echter Glücksfall war, dass sie mit ihren Mamas, ihrem Papa und Mamusch ihre eigenen Herzenswunsch-Eltern gefunden haben. Das erscheint etwas realitätsfremd: Kinder suchen sich ihre Eltern nicht aus. Diese Darstellung vermittelt recht deutlich das Anliegen, von den Kindern als tolle Eltern anerkannt zu werden sowie dass das Kind sich damit identifiziert, die Sehnsucht der Wunscheltern gestillt zu haben. So nachvollziehbar dieser Wunsch auch ist, sind Kinder aber nicht dazu da, ihre Eltern zu bestätigen.

Offen gesprochen

Die Reihe „Offen gesprochen“, die von DI-Netz aus dem Englischen übersetzt wurden , sind keine Bücher zum Lesen mit den Kindern, sondern Ratgeber zur Aufklärung von Spenderkindern verschiedener Altersstufen. Die Bücher sind aus einem elterlichen Ansatz heraus geschrieben.

III. Alternative: Ein eigenes Fotobuch zur Aufklärung

Eltern können außerdem ein eigenes (Foto)Buch zur Aufklärung machen. Bei verschiedenen Drogerien gibt es inzwischen die Möglichkeit, mit eigenen Fotos für ca. 20 Euro Papp-Bilderbücher online zu gestalten. Dann sind es die eigenen Worte und Bilder, aber doch ein etwas festerer Rahmen als nur auf Gesprächsgelegenheiten zu warten. In ein solches Buch könnte man ggf. auch eigene Bilder oder Skizzen einfügen und zum Beispiel auch eine eigene Seite über den genetischen Vater und einen erweiterten Stammbaum mit drei Eltern.

Wir würden folgenden Text für Hetero-Eltern vorschlagen: „Mama und Papa wünschten sich sehr ein Kind. Damit ein Kind entsteht, braucht es einen Mann und eine Frau. Jeden Monat wächst bei der Frau im Bauch ein Ei heran. Damit ein Baby entstehen kann, muss noch der Samen eines Mannes dazukommen. Bei manchen Männern klappt das aber nicht. So war das auch bei Papa. Mama und Papa haben überlegt, wie sie trotzdem ein Kind bekommen könnten. Schließlich haben sie einen anderen Mann gefunden, der seinen Samen abgegeben hat, damit daraus ein Kind entstehen kann. Mit seinem Samen und Mamas Ei konnte ein Kind in Mamas Bauch heranwachsen. Und das bist Du. Du hast Mama und Papa und einen genetischen Vater. Wenn Du magst, kannst Du ihn auch mal kennenlernen. Wir freuen uns alle sehr, dass Du auf die Welt gekommen bist.“