1. Verein
Am 13. September 2025 fand unser offizielles Vereinstreffen in Berlin bzw. hybrid statt.
Im Februar, April, Juli und November fanden Online-Spenderkindertreffen statt. Jan organisiert und moderiert die Treffen. Vorgesehen ist ein Treffen alle zwei bis drei Monate. Das nächste Online-Treffen findet am 17. Februar 2026 statt.
2. Verwandtentreffer
Für Spenderkinder, die noch keinen DNA-Test gemacht haben, empfehlen wir weiterhin Ancestry, weil dies die größte DNA-Datenbank ist und man die Rohdaten dieses Tests auch bei FamilyTreeDNA kostenlos hochladen kann, den die Schweizer Spenderkinder weiterhin empfehlen. Viele Treffer gibt es aber auch über MyHeritage, so dass eine Registrierung hier ebenfalls sinnvoll zu Verwandtensuche ist.
Dieses Jahr haben unsere Mitglieder weitere genetische Väter identifiziert, darunter eine größere Gruppe älterer Halbgeschwister: Das Novum war bereits 2017 verurteilt worden, in diesem Fall Auskunft zu geben, behauptete aber bis zuletzt, keine hinreichenden Unterlagen mehr zu beistzen, um den genetischen Vater zuordnen zu können. Anfang 2025 haben die Halbgeschwister es mit der Hilfe von DNA-Detektiv Alexander geschafft. Insgesamt habenüber 200 Spenderkinder ihre genetischen Väter identifiziert. Außerdem haben wir 38 neue Halbgeschwistergruppen (insgesamt 120), die größte Gruppe umfasst 39 Kinder.
3. Veranstaltungen
- Online-Vortrag und Diskussion im interdisziplinären Ethikseminar an der Uni Duisburg-Essen im August
- Online-Workshop „Doppelte Anwaltschaft in der Praxis – die Perspektive der Spenderkinder im Fokus“ bei der donum vitae-Jahrestagung „Vom Kinderwunsch zur Elternschaft“ Psychosoziale Beratung im Kontext von Kinderwunsch, Reproduktionsmedizin und verantworteter Elternschaft im September
- Vortrag zum Verein Spenderkinder beim von DI-Netz organisierten Workshopwochenende in Würzburg im Oktober
- Workshop „Verborgene Verwandtschaft? Samenspende – ein Balanceakt in einem komplexen Familiensystem“ beim 21. Jahreskongress des Hochschulverbundes Psychotherapie NRW und der Psychotherapeutenkammer Nordrhein-Westfahlen in Bochum im November
- Online-Vortrag und Diskussion im Heilpädagogikseminar an der Ev. Hochschule Nürnberg im November
4. Öffentlichkeitsarbeit / Internetseite
- Über die Info-Adresse beantworten Stina und Anne verschiedene allgemeine Anfragen, z.B. Anfragen von Journalist:innen. Manchmal werden wir auf Neuerscheinungen von Büchern hingewiesen, zu denen wir eine Rezension schreiben können, wie es z.B. Sophia im Mai gemacht hat. Gelegentlich erreichen uns Anfrage von Studierenden, die Arbeiten zu unserem Thema schreiben.
- Beitrag „Ich möchte wissen, woher ich komme. Spenderkinder psychologisch begleiten“ im online-Magazin psylife des Deutschen Psychologen-Verlags
Sehr präsent war 2025 das Thema Massenspender. Das spiegelt sich insbesondere in den Punkten Rechtliches, Beratung und Internationales wider.
5. Rechtliches
Politik
DerVerein Spenderkinder hat sich mit einem Schreiben ans BMG gewandt und gefragt, ob Eltern benachrichtigt wurden, deren Kinder von dem genetisch erkrankten Spender aus Dänemark gezeugt wurden (Antwort: Es gibt ein europäisches Schnellwarnsystem bis zur Aufsichtsbehörde auf Ebene der Länder, die jeweils die reproduktionsmedizinische Einrichtung kontaktiert. Die Eltern sollten dann durch die reproduktionsmedizinische Einrichtung informiert werden.
Nach Bildung der neuen Bundesregierung wird es einen weiteren Entwurf zur Reform des Kindschaftsrechts geben. Der Diskussionsentwurf aus der letzten Legislaturperiode sah einen Anspruch gegen die Eltern auf Informationen über die Abstammung vor (Kodifizierung der entsprechenden Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs). Eine Reform des Abstammungsrechts wurde im Koalitionsvertrag nicht vereinbart.
Gerichtsverfahren
Es laufen weiterhin mehrere Gerichtsverfahren unserer Mitgieder gegen Novum, die nun über ein Jahr stilllagen.
Zwei Mitglieder der großen Halbgeschwistergruppe von Dr. Weiß hatten Klage erhoben, um zu erfahren, wie oft der Samen ihres gemeinsamen genetischen Vaters verwendet wurde. Die Klage wurde in erster Instanz abgewiesen, ein Mitglied hat Berufung eingelegt.
Januar:
- Spiegel-Artikel: „Künstliche Befruchtung. Wir suchen unseren biologischen Vater“
- Interview für Onlinebeitrag auf Brigitte.de und Eltern.de
Februar:
- SWR Nachtcafé Podcast „Das wahre Leben“ mit Michael Steinbrecher „DNA-Test enthüllt unser Familiengeheimnis – Anna“
- Interview für Podcast mit Yvonne Rüchel und dem DNA-Detektiv Alexander Alberts
- Rtl-Fernsehbeitrag
März:
- Rtl punkt 12 Barbara Schweiger
- WDR Frau TV, Ausstrahlung am 11.09.2025 und abrufbar in der ARD Mediathek
Juli:
- Folge des Bundesfamilienministeriumspodcasts „Kinderwunschzeit“ mit Gastgeberin Sally Schulze
- Aufzeichnung für BR-Podcast „Die Frage“
November:
Sunny hat auf ihrem privaten YouTube-Kanal Reagenzglasbaby auch wieder einige Videos zu unserem Themenkomplex veröffentlicht. Die Verantwortung für die Inhalte und für den Kanal liegt bei Sunny privat, nicht bei unserem Verein.
7. Beratung
Beratung von Wunscheltern: Auch in diesem Jahr haben sich wieder einige Wunscheltern bei unserem Verein mit Beratungsbedarf gemeldet. Es gab insbesondere Anfragen von Frauen, die darüber nachdenken, als „Single-mother“ ein Kind mit Samenvermittlung zu bekommen. Außerdem ging es um Auskunft für minderjährige Spenderkinder über die Identität des genetischen Vaters und Kontakt zu Halbgeschwistern, teilweise ging es dabei um Massenspende wissen. Die Anfragen beantwortet Katharina Kühne, seit Ende 2025 wird sie von Kay Büttner unterstützt. Weiterhin bieten wir für Eltern (von Spenderkindern) einen Austausch über einen eigenen Mail-Verteiler an.
Kontakt zu ehemaligen „Samenspendern“/Beratung: Gelegentlich melden sich Männer bei uns, die in der Vergangenheit Samen „gespendet“ haben und mehr oder weniger offen für Kontakt sind. Wir informieren diese Männer über die Möglichkeiten der Suche über DNA-Datenbanken und unterstützen bei der Kontaktaufnahme zu genetischen Kindern. Dietrich (Brittas Vater) hat angeboten, die Personen ebenfalls direkt zu beraten.
8. Internationales
Massenspende ist ein internationales Problem und birgt gesundheitliche Risiken für Spenderkinder: Im Frühsommer 2025 wurde bekannt, dass die in Dänemark sitzende European Sperm Bank den Samen eines Mannes vermittelt hat, der eine Genmutation hatte, die zu einer stark erhöhten Krebswahrscheinlichkeit führt. Mit dem Samen wurden mindestens 197 Kinder in ganz Europa gezeugt. Der Skandal verdeutlichte, wie viele Kinder durch eine Person gezeugt werden können und welches gesundheitliche Risiko dies beinhaltet. Er machte auch deutlich, dass viele europäische Länder inzwischen Samen aus Dänemark importieren. In Belgien kam heraus, dass die Kliniken die dort gesetzlich vorgesehen Obergrenze nicht kontrolliert hatten.
Wir informieren in mehreren Beiträgen auf unserer Homepage darüber:
- https://www.spenderkinder.de/mindestens-197-kinder-durch-vermittelten-samen-mit-krebs-gen-gezeugt/
- https://www.spenderkinder.de/liste-gesperrter-samenspender-veroeffentlicht/
- https://www.spenderkinder.de/67-kinder-durch-samenvermittlung-eines-mannes-mit-krebs-gen-gezeugt/
- https://www.spenderkinder.de/samen-aus-dem-ausland-nachteile-fuer-spenderkinder/
Einige EU-Mitgiedsstaaten haben eine Initiative gestartet, um eine europäische Obergrenze von Kindern vorzusehen, die durch eine Person gezeugt wurden können.
Klage dänischer Spenderkinder könnte dort noch mögliche Spenderanonymität verhindern: Im Frühjahr 2025 haben in Dänemark zwei durch Samenvermittlung gezeugte Personen eine Klage gegen den dänischen Staat eingereicht. Sie machen geltend, dass das Gesetz, das anonyme Vermittlung von Samen und Eizellen erlaubt, ihre Menschenrechte verletzt, insbesondere ihr Recht auf Familienleben. Eine erfolgreiche Klage könnte auch das dänische Gesetz ändern. Dies würde die Rechte der rund 20.000 Kinder, die in Dänemark durch Eizell- und Samenspenden gezeugt wurden, unmittelbar verbessern. Da dänischer Samen in viele andere Länder geliefert wird und viele Eltern auch nach Dänemark kommen, um Samen und Eizellen zu kaufen, würde dies auch die Rechte vieler Spenderkinder in anderen Ländern verbessern. Eine endgültige Entscheidung wird voraussichtlich in zwei Jahren getroffen.
„Committee of Experts on Access to Origins“ (CJ-OR) beim Europarat eingerichtet: Beim Europarat wurde ein „Committee of Experts on Access to Origins“ (CJ-OR) eingerichtet. Das Komitee wird in mehreren Sitzungen Leitlinien erarbeiten, wie die Mitgliedsstaaten des Europarates mit dem Thema unter Beachtung der Europäischen Menschenrechtskonvention umgehen sollen. Das wird vermutlich auch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte prägen. Die ersten Treffen haben bereits stattgefunden. Die Mitglieder des Kommittees stammen aus Deutschland, Frankreich, Belgien, Kroatien, Tschechien, Dänemark und England. Damit sind auch Länder vertreten, die nach wie vor anonyme Spenden vorsehen oder erlauben. Das Komitee stellt eine Chance dar, auch diese Staaten von der Bedeutung des Rechts auf Kenntnis der Abstammung zu überzeugen. Allerdings besteht auch das Risiko, dass die Empfehlung – die von allen Mitgliedstaaten angenommen werden muss – zu sehr Rücksicht auf diese Staaten nehmen wird
9. Ausblick auf 2026
Am 17. Februar findet das nächste Online-Spenderkindertreffen statt.
Das jährliche Spenderkindertreffen 2026 wird am 5. September stattfinden (vermutlich wieder hybrid).
Euer Vorstandsteam Anne, Sunny, Christina, Britta, Jan, Janina und Sophia
