Co-Elternschaft statt Samenspende

Auf Zeit Online ist ein interessanter Artikel über Co-Elternschaft erschienen. Der Autor hat eine Tochter aus einer früheren Beziehung, und hat eine zweite Tochter – ohne eine Liebesbeziehung – zusammen mit einem lesbischen Paar bekommen. Das Modell ist natürlich nicht komplett neu, sondern wird vielfach gerade von Lesben und Schwulen in Deutschland bereits gelebt.

Leider hört man gerade von Alleinstehenden und homosexuellen Paaren mit Kinderwunsch teilweise: „Wie sollen wir denn anders als mit einer Samenspende (bzw. Leihmutterschaft) ein Kind bekommen?“ oder „ich will ein Kind aber ganz für mich haben“. Ich finde verwunderlich, wie schnell dieses Konsumdenken (was ich nicht habe, das kaufe ich mir) auch bei dem Wunsch nach Kindern für gerechtfertigt gehalten wird.

Klar ist es schwieriger, sich auf die Suche nach einer Person oder einem anderen Paar zu machen, mit der oder dem man ein Kind bekommen und aufziehen möchte, als sich an eine Samenbank zu wenden (oder an eine Leihmutteragentur). Aber Kinder sind Menschen und keine Objekte, die man besitzen kann.

Ich denke dass gerade Alleinstehende und schwule und lesbische Paare im Interesse des Kindes eher eine Co-Elternschaft als Samenspenden (bzw. andere in Deutschland verbotene Verfahren) in Betracht ziehen sollten. Als betroffenes Kind hätte lieber einen genetischen Vater gehabt, der sich für mich interessiert und nicht nur „Spender“ sein wollte. Besonders wichtig finde ich die Erwägung einer Co-Elternschaft für Alleinstehende, weil ein Kind idealerweise zwei Elternteile haben sollte, die sich um es kümmern – schon allein weil ein Kind wirklich viel Arbeit ist. Aber auch bei Paaren ist es besser, wenn das Kind von Anfang an eine Beziehung zu dem anderen genetischen Elternteil aufbauen kann.

Ich denke das Modell kann funktionieren, wenn alle Beteiligten offen und ehrlich miteinander umgehen und zuerst an das Kind denken. Natürlich macht jede zusätzliche Person, die mitentscheiden kann, die Situation etwas schwieriger, aber ich denke, dass es im Wohl der Kinder liegt. Auch Paarbeziehungen enden wegen unterschiedlicher Vorstellungen ja oft nicht gut. Vielleicht bietet eine Elternschaft ohne Liebesbeziehung sogar den Vorteil, dass auf einer gewissen emotionalen Ebene keine Spannungen auftreten können. Und vermutlich werden wenige Paare so genau vorher besprechen, wie sie sich ihre Elternrollen vorstellen, wie Eltern ohne Liebesbeziehung.

Nur das Recht muss jetzt noch entsprechende Antworten für Mehreltern-Konstellationen finden.