Letzte Änderung 21.01.2012
Ein paar ergänzende Anmerkungen des interviewten Spenderkindes zum Artikel "Auf der Suche nach dem Ich" in der Zeitschrift "Bella" vom 19.11.2008:
Richtigstellung zur Gesetzeslage: Leider ist es nicht so, dass seit 2007 alle das Recht haben, zu wissen, von wem sie abstammen. Das Gewebegesetz von 2007 regelt lediglich die Aufbewahrung der Daten für Gewebespenden, worunter auch die Samenspende fällt. Diese Daten, also auch die Daten von Samenspendern, müssen jetzt 30 Jahre aufbewahrt werden. Ob und wie die Spenderkinder aber darauf zurückgreifen dürfen, ist nicht geklärt. Dieses Gesetz betrifft eigentlich mehr zufällig auch die Samenspende. Das "Recht auf Kenntnis der eigenen Abstammung" hingegen geht auf ein Urteil von 1989 zurück, es ist aber in keinem Gesetz niedergeschrieben. Deshalb setzen wir als Spenderkinder uns ja dafür ein, diese Gesetzeslücke zu schließen. Die aktuelle deutsche Gesetzeslage und Beispiele aus anderen Ländern, sind auf dieser Homepage unter Die rechtliche Situation ausführlich dargestellt.
AUCH HEUTE NOCH IST ES ÜBLICH, DASS DEN SPENDERN ANONYMITÄT ZUGESICHERT WIRD.
Persönlicher Kommentar: Ich selbst lege Wert darauf, von meinem sozialen Vater als „Vater“ und von meinem biologischen Vater als „Erzeuger“ zu sprechen, nicht von einem Papa und einem Vater.
Ich war 10 Jahre alt, als ich die Geschichte erfahren habe. Ich hatte meine Mutter zwei Wochen vorher zu ihrer Meinung über die Eizellenspende gefragt. Das war wohl der Punkt, an dem meine Eltern begriffen hatten, dass Kinder schon viel mehr verstehen und sich schon ganz andere Gedanken machen, als sie erwartet hatten, und beschlossen, dass ich jetzt wohl alt genug für die Wahrheit wäre. Und an diesem Abend habe ich mir dann alles haarklein erklären lassen.
Der Tagebucheintrag meiner Mutter zu diesem Abend ist ebenfalls auf dieser Homepage zu finden.
Ich habe mit meinen Eltern sehr viel über das Thema gesprochen. Es war nicht schlimm oder erschütternd für mich, zu erfahren, ein Spenderkind zu sein. Nur diese Spannung so vieles nicht zu wissen, nicht zu wissen, wer mein Erzeuger ist und zu wissen, dass es MENSCHEN und KEINE GÖTTER in weiß sind, die einfach entscheiden, dass die Sicherheit der Spender (die freiwillig spenden und Geld dafür bekommen) wichtiger ist, als die Bedürfnisse der Menschen, die sie in die Welt setzen - diese unverschämte Macht, die sich die Reproduktionsmediziner nehmen (ich verwende hier bewusst die männliche Form, da mir kein weibliches Beispiel bekannt ist), macht mir Angst und macht mich wütend, lässt mich mich ohnmächtig fühlen und verzweifeln.
Glücklicherweise melden sich immer mehr Kinder zu Wort. Erst jetzt sind wir als die ersten Kinder, die erwachsen geworden sind, in einem Alter, in dem wir die Stimme erheben können, die mehr ist, als bloßes Babygeschrei. Wenn Babys erwachsen werden, dann hören sie meistens auf niedlich zu sein. Das war im Plan der Gottesspieler wohl nicht vorgesehen. Anne